Jan Hoßfeld
  • LinkedIn
  • Mail
  • Wobei ich helfe
  • Meine Geschichte
  • Vorträge
  • Einblicke
  • Vertraulich sprechen
  • Suche
  • Menü Menü
Du bist hier: Startseite / Blog

Zwei Generationen im Unternehmen

Blog

Ich habe vor einiger Zeit mit meiner Mutter bei Follow-Up.fm gesprochen. Wir unterhielten uns darüber, wie man mit zwei Generationen in einem Unternehmen arbeiten kann und was die Herausforderungen dabei sind. Auch Christian Weber hat in seinem Gespräch mit mir viel darüber berichtet. Beides findest Du als Podcast hier.

Beide Schilderungen bzw. Betrachtungen haben einige Punkte gemeinsam, die vielleicht auch Dir in ähnlicher Situation helfen.

Respekt – und zwar in beide Richtungen

Glaubt man vielen Schilderungen, fällt es insbesondere der älteren Generation leichter, für sich und die eigene Leistung Respekt einzufordern. Und ihn verweigert zu bekommen, was dann oft in Sätzen endet, die mit „Die Jugend von heute…“ beginnen.

Das ist natürlich absolut nicht wünschenswert. Und, ehrlich gesagt, einseitig. Im Gespräch mit Christian und meiner Mutter fiel mir auf, dass alle Beteiligten sich jeweils sehr respektvoll über die andere Generation geäußert haben. Und das auch nicht einseitig, ganz im Gegenteil! Ich respektiere die Leistung, die meine Eltern erbracht haben, unser Unternehmen aufzubauen und lange zu erhalten. Ich fühle mich auch durch meine Mutter für meine Leistung des Aus- und Umbaus respektiert.

Ähnlich äußerte sich auch Christian Weber. Er berichtete sehr wohlwollend und wertschätzend von der Fähigkeit, sich gegenseitig nicht öffentlich zu widersprechen, oder Handlungen zu bewerten. Stattdessen gab es einen Vertrauensvorschuss und wertvolle Gespräche im Nachgang.

Respekt ist keine Einbahnstraße. Share on X

Wichtig ist in beiden Fällen, dass Respekt keine Einbahnstraße ist.

Die Unterschiede nutzen

Meine Mutter betont immer wieder, wie unterschiedlich wir im Umgang mit Situationen sind. Etwas vereinfacht ausgedrückt sagt sie, dass sie selbst tendenziell ruhiger und abwartender reagiert, während ich dazu neige, schneller in Aktion zu treten.

Beide Arten sind, je nach Situation, wichtig und wertvoll. Manchmal ist Abwarten einfach richtig, manchmal völlig falsch. In den allermeisten Situation, und diese Erfahrung haben wie viele Male gemacht, ist die Mischung aus beidem ein guter Ansatz. Und diese Mischung kann man einfach erhalten, indem man sich austauscht und dann den Kompromiss als Lösung nutzt.

Das ist natürlich kein Plädoyer für Nichthandeln in Notfällen – sondern ein Votum dafür, die Erfahrung der älteren Generation mit der Tatkraft der jüngeren zu vereinen.

Gemeinsam nach vorn blicken

Vielleicht sind die bislang angesprochenen hier kein gutes Beispiel, denn bei uns war es kein großer Konflikt.

Ich kenne jedoch viele Fälle, in denen der Übergang nicht reibungslos war. Meist äußert sich das darin, dass der „Senior“ nicht so recht loslassen kann und letztendlich immer noch das Tagesgeschäft und die Strategie bestimmt. Das mag sogar gut gehen, ist aber langfristig unglaublich gefährlich.

In einem solchen Fall gefährdet es das Unternehmen nicht nur deshalb, weil die (vielleicht guten) Ideen des Nachfolgers ungenutzt bleiben. Viel schlimmer finde ich, dass es das falsche Signal Richtung Team, Kunden und Partner sendet. Ein solches Handeln sagt nämlich eigentlich: „Schau, hier ist mein Abziehbild, kein neuer Chef“

Das ist über kurz oder lang das Todesurteil für ein Unternehmen. Nachfolge bedeutet auch neues, und das muss sie auch. Ohne Anpassung gibt es keine Zukunft. Deshalb sollten hier beide Seiten ein waches Auge haben. Aus eigener Erfahrung ist der Weg, den auch Christian Weber in unserem Podcast beschreibt, der richtige. Der Abgebende zieht sich langsam zurück, während der Übernehmende immer mehr das Ruder in die Hand nimmt – so bleibt auch für Dritte Zeit, sich daran zu gewöhnen.

Wie ist Deine Erfahrung? Tut sich eine Generation schwerer als die andere, wenn es um die Unternehmensnachfolge geht? Lass es mich gerne in den Kommentaren oder sozialen Medien wissen!

5. Oktober 2017/1 Kommentar/von Jan Hossfeld

Fehlerkultur beginnt bei Dir selbst

Blog

„Das ist Deine Schuld!“…“Immer tust Du das!“…“Wer hat das jetzt schon wieder verbockt?“… Was für Beziehungen als Herausforderung gilt, ist auch in Unternehmen immer wieder schwierig. Wenn Fehler gemacht werden (und dort, wo Menschen arbeiten, passieren definitiv Fehler), muss man damit umgehen. Nur allzu leicht verfällt man dabei in die Schuldzuweisung auf der einen Seite und die Rechtfertigung auf der anderen. Nur leider hilft das niemandem.

Zwei Dimensionen: Schuld und Lösung

Zuallererst solltest Du Dir bewusst machen, dass jedes Problem, bzw. der Umgang damit, zwei Dimensionen hat. Die Schuldfrage klären ist die eine, die Lösung dafür zu finden die andere. Ich denke, es ist offensichtlich, dass nur eine der beiden auch tatsächlich hilfreich ist.

Deshalb ist es meine Empfehlung an Dich, hier mit Vorbild voran zu gehen und Dich auf die Lösung der Herausforderung zu konzentrieren. Je nachdem, worum es sich handelt, kann das ja auch kritisch sein. Dann Zeit mit der Suche nach dem Schuldigen zu verlieren ist fahrlässig. Im ersten Moment ist den Impuls, Schuld zuzuweisen zu überwinden eine unglaubliche Herausforderung. Einer muss das aber tun, und Du als Nachfolger und Unternehmer bist nun einmal auch hier Vorbild.

Ist die Herausforderung überwunden kommt der zweite Schritt.

Von Schuld zu Lernen

Statt nun (endlich) mit dem Finger auf jemanden zeigen, kannst Du an die alte Redensart denken: „Wenn Du mit dem Finger auf jemanden zeigst, zeigen drei Finger auf Dich“. Die Suche nach einem Sündenbock sagt mehr über Dich aus, als über die betroffene Person. Dazu bringst Du den oder die Betroffenen in die Defensive – dann stehen sich Anklage und Rechtfertigung gegenüber. Das mag verlockend sein, weil es den emotionalen Impuls befriedigt, hilft aber letztendlich niemanden. Jeder verharrt auf seine Position, es kommt zu keiner sinnvollen Entwicklung.

Was dagegen hilft, ist es, aus Fehlern zu lernen. Meine besten Erfahrungen habe ich gemacht, wenn ich in solchen Situationen möglichst viele Menschen mit einbezogen habe und fragte: „Was lernen wir hieraus und wie können wir es in Zukunft vermeiden?“

Einer muss den Anfang machen

Ich sagte es ja schon in einem anderen Artikel: Einer muss den Anfang auf der Reise zum „richtigen“ Umgang machen. Und auch hier gilt: Diese Verantwortung trägst Du selbst. Geh voran und ermögliche durch dieses Vorbild auch anderen einen konstruktiven Umgang mit Fehlern. Diese werden dadurch weniger in der Zahl und auch schneller gelöst. Diese Aussicht ist den Aufwand doch wert, oder?

21. September 2017/1 Kommentar/von Jan Hossfeld

Die Rente: Wie wäre es mit echter Solidarität?

Blog

Das Thema Rente kam ja bei der Wahl kaum vor, bis auf die Frage des Eintrittsalters. Kurzer Disclaimer, ich schreibe diesen Beitrag einen Tag nach dem TV-Duell zwischen Martin Schulz und Angela Merkel.

Ich bin auch definitiv kein Experte für das Thema. Das heißt, alles was ich sage ist aus Sicht eines Laien und mit dem Versuch, gesunden Menschenverstand als Ersatz für mein mangelndes Fachwissen einzusetzen.

Eine Bestandsaufnahme

Für mich stellt es sich beim Thema Rente wie folgt dar:

  • Die staatliche Rente hat immer weniger Einzahler und immer mehr Bezieher mit steigender Lebenserwartung
  • Ergo gibt es drei Optionen, damit umzugehen:
    • Das Rentenniveau sinkt
    • Das Eintrittsalter steigt
    • Man benötigt zusätzliche Optionen
  • Es zahlen im Prinzip nur Arbeitnehmer ein, Selbständige und Beamte laufen komplett nebenher, oft auch deutlich besser gestellt
  • Rein mathematisch kann das, auch ohne Expertenkenntnisse, ja nicht auf Dauer gut gehen
  • Wenn die erwartete Rentenhöhe unter Grundsicherungsniveau ist, gibt es eigentlich keinen Grund, überhaupt darin einzuzahlen, der Antrag auf Grundsicherung ist dann die „attraktivere“ Option und erlaubt wenigstens mehr „Luxus“ in der Gegenwart

Das war jetzt sicher nicht alles, aber zumindest das, was ich, erst einmal, wahrnehme. Ich kann ja nur für mich sprechen, und da sehe ich, dass die Rentenansprüche, die ich so im meinem Umfeld höre, meine eigenen und die meiner Frau, eben alle aus meiner Generation, absolut lächerlich sind. Wenn wir keine Grundsicherung wollen, müssen wir mehr tun. Manche Optionen scheinen auch mathematisch (Rendite!) deutlich attraktiver auf lange Sicht, als die Einzahlung in die staatliche Rente.

Was wäre denn wirklich gerecht?

Im Wahlkampf kommt, gerade bei Rente, oft das Wort „Gerechtigkeit“ auf den Tisch. Frau Nahles, unsere (noch) Arbeitsministerin zum Zeitpunkt des Schreibens, schlug vor einiger Zeit vor, auch Unternehmer und Selbständige einzahlen zu lassen. Nun kann ich, als Betroffener, einfach aufheulen und dagegen argumentieren (können sich viele Selbständige gar nicht leisten, völlig unattraktiv, noch mehr zahlen für die Gemeinschaft bei schon riesiger Belastung, etc.)… oder ich kann fragen, was wirklich gerecht wäre.

Und das wird insbesondere Frau Nahles nicht gefallen. Die ist nämlich, obwohl sie noch nie etwas anderes als Politik gemacht hat, bestens und üppig versorgt. Weit besser, als ihre klassische Wahlklientel es jemals schaffen kann.

Wirklich gerecht für mich wäre, wenn nämlich auch der gesamte öffentliche Dienst in die gleichen Kassen einbezahlen, und auch von dort entnehmen. Natürlich dann auf wesentlich niedrigerem Niveau als aktuell. Es macht mich, ehrlich gesagt, sauer zu hören, dass gerade die eigene Gruppe bevorzugt sein soll, während man gleichzeitig laut von Solidarität und Gerechtigkeit schwadroniert.

Echte Gerechtigkeit heißt eben, dass auch die eigene Klientel dazu gehört

Von mir aus können gerne auch Unternehmer und Selbständige dann einzahlen. Wenn alle einzahlen sollen, heißt das eben auch alle. Von mir aus sollen Beamte dann auch in der Gegenwart besser bezahlt werden (ein beliebtes Argument zur Rechtfertigung der teils satten Pensionen – die Jobgarantie, absolute Sicherheit von allen Lebensumständen und -risiken, wird nicht so gern als geldwerter Vorteil gesehen, so scheint es mir). Es ist auch nicht unmöglich, das zeigt sich am Beispiel anderer Länder – nur für diejenigen, die es umsetzen müssen, gerade nicht attraktiv.

Und die bereits einmal geäußerte Gegenargumentation, dass dadurch kein Vorteil existiert, weil die Beamten ja dann auch entnehmen… das mag sein. Aber erstens gibt es keine Option mehr, es auf dem gleichen Niveau zu tun (das funktioniert mathematisch nun wirklich gar nicht, selbst für einen Laien wie mich), und zweitens sprechen wir doch über Gerechtigkeit. Wenn alle, dann wirklich alle. Nicht immer nur ausgeben, sondern auch mal dazu einen eigenen Beitrag leisten. Das könnte auch dazu beitragen, die teils sehr gegensätzlichen Lebensrealitäten mal langsam wieder anzunähern. Ich denke, das würde dem politischen Betrieb wirklich gut tun.

Die Solidarität von anderen zu fordern ist eine tolle Gelegenheit, mit gutem Beispiel voranzugehen. Share on X

Vielleicht könnte man dann bei der Gelegenheit auch mal kurz über unser Krankenversicherungssystem nachdenken, und das auch gerade vereinheitlichen. Niveau anheben, es fällt ja auch dann viel Aufwand und Bürokratie weg…das würde vielen Menschen helfen.

7. September 2017/0 Kommentare/von Jan Hossfeld

Kunden über die Unternehmensnachfolge informieren: Reihenfolge, Inhalte und Vorlagen

Blog

Eine Unternehmensnachfolge ist für Dich vermutlich ein großes Thema. So hart es klingt, für Deine Kunden ist sie erst einmal eine Störung. Kunden interessieren sich natürlich für Menschen, mit denen sie über Jahre zusammengearbeitet haben. Sie wünschen Dir vielleicht alles Gute und freuen sich, wenn Du eine gute Lösung gefunden hast.

Gleichzeitig haben sie aber eigene Fragen:

  • Bleibt mein Ansprechpartner?
  • Werden bestehende Zusagen eingehalten?
  • Ändern sich Preise oder Leistungen?
  • Versteht der Nachfolger unser Geschäft?
  • Muss ich damit rechnen, dass in den nächsten Monaten alles langsamer wird?
  • Wen rufe ich an, wenn es ein Problem gibt?

Deine Geschichte ist für Kunden einfach weniger relevant als ihre eigene betriebliche Sicherheit. Deshalb reicht es nicht, eine freundliche Rundmail zu verschicken, in der irgendwo zwischen Dankbarkeit, Lebenswerk und neuen Ufern steht, dass ab dem nächsten Monat jemand anderes verantwortlich ist.

Eine gute Kommunikation zeigt, dass Du verstanden hast, welche Fragen die Empfänger tatsächlich haben.

Du kommunizierst nicht mit „den Kunden“

Eines gleich vorab: Es gibt nicht die eine Nachricht, die für alle Adressaten gleich gut funktioniert. Ein langjähriger Schlüsselkunde benötigt andere Informationen als ein Kunde, der zweimal im Jahr eine Standardleistung bezieht.

Die Bank interessiert sich für andere Dinge als ein Lieferant. Mitarbeitende benötigen eine andere Form von Sicherheit als Geschäftspartner. Und ein Kunde, der eine enge persönliche Beziehung zum bisherigen Inhaber hat, reagiert anders als jemand, der ohnehin fast ausschließlich mit dem Team arbeitet.

Bevor Du eine Nachricht formulierst, solltest Du Deine Adressaten deshalb unterscheiden. Zum Beispiel:

Mitarbeitende

Sie wollen wissen, wer künftig entscheidet, was sich für sie verändert und ob ihre Arbeitsplätze sicher sind oder Verantwortungsbereiche sich ändern.

Banken und andere Finanzierungspartner

Sie interessieren sich dafür, wer künftig wirtschaftliche Verantwortung übernimmt, ob die Entscheidungsfähigkeit gesichert ist und wie der Übergang organisiert wird.

Schlüsselkunden

Sie wollen wissen, ob Leistungen, Ansprechpartner, Fristen, Verträge und wichtige Zusagen verlässlich bleiben.

Lieferanten und Kooperationspartner

Für sie ist wichtig, wer künftig verbindlich entscheiden darf und ob bestehende Vereinbarungen fortgeführt werden.

Übrige Kunden

Sie benötigen meist eine klare, verständliche Information darüber, was passiert, ab wann die Änderung gilt und an wen sie sich künftig wenden können. Das muss nicht bedeuten, dass Du für jeden Empfänger einen völlig neuen Text schreibst. Aber eine einzige Rundmail an alle ist selten die beste Lösung.

Wer sollte zuerst informiert werden?

In meinem ursprünglichen Beitrag hatte ich sinngemäß empfohlen, zuerst mit Geldgebern und besonders wichtigen Kunden zu sprechen. Das entsprach stark meiner eigenen Situation.

Nach dem Tod meines Vaters war unser Unternehmen wirtschaftlich angespannt. Die Bank fragte regelmäßig nach offenen Forderungen. Gleichzeitig waren wir fachlich und organisatorisch von wenigen Menschen abhängig. In dieser Lage war klar: Einige Beteiligte mussten sehr früh wissen, was passiert war und wie es weitergehen sollte. Daraus lässt sich aber keine universelle Reihenfolge ableiten.

Die sinnvollere Regel lautet:

Informiere zuerst die Menschen, deren Verhalten unmittelbar darüber entscheidet, ob der Übergang funktioniert.

Das können je nach Situation sein:

  • Gesellschafter,
  • Führungskräfte,
  • Mitarbeitende,
  • Banken,
  • Schlüsselkunden,
  • wichtige Lieferanten,
  • ein Betriebsrat,
  • oder externe Berater.

Bei einer geplanten Nachfolge ist die Reihenfolge meist gut steuerbar. Bei einem Todesfall, einer schweren Erkrankung oder einem plötzlichen Ausstieg ist sie das nicht. Dann kommunizierst Du unter Zeitdruck, während vielleicht noch vieles ungeklärt ist.

Gerade dann hilft eine einfache Unterscheidung:

  1. Wer muss es sofort wissen, weil er handeln oder entscheiden muss?
  2. Wer sollte es direkt von Dir erfahren, bevor Gerüchte entstehen?
  3. Wer kann informiert werden, sobald die ersten praktischen Fragen geklärt sind?

Wichtige Menschen sollten eine wesentliche Veränderung nicht zufällig über Dritte erfahren.

Geplante und ungeplante Nachfolge sind kommunikativ zwei verschiedene Situationen

Bei einer geplanten Nachfolge kannst Du eine Geschichte erzählen. Du kannst erklären, warum der Zeitpunkt gekommen ist, wie die Auswahl des Nachfolgers zustande kam und wie die Übergangszeit aussehen wird. Bei einer ungeplanten Nachfolge fehlt diese Vorbereitung.

Als mein Vater Ende 2010 starb, gab es keine ausformulierte Kommunikationsstrategie oder einen gut ausgearbeiteten Nachfolgeplan. Meine Mutter war kurz zuvor zur Co-Geschäftsführerin bestellt worden. Nach seinem Tod war sie formal die verantwortliche Person. Fachlich und operativ waren wir trotzdem auf das Team und besonders erfahrene Mitarbeiter angewiesen.

Wir informierten unsere Kunden noch im Dezember mit einem Brief. Meine Mutter schrieb persönlich über den Tod ihres Mannes, über die Fortführung des Unternehmens und darüber, wer künftig ansprechbar war. Aus heutiger Sicht war dieser Brief mehr als eine Mitteilung, denn er veränderte die „Adresse“, an die sich Kunden, Lieferanten und Partner wenden konnten.

Bis dahin war das Unternehmen eng mit meinem Vater verbunden gewesen. Nun musste nach außen sichtbar werden, dass das Unternehmen weiter existiert, dass Entscheidungen getroffen werden können und dass Kunden nicht im luftleeren Raum stehen. Wir konnten nicht jede Frage beantworten und erst recht keine absolute Sicherheit versprechen.

Wir konnten aber sagen:

  • Was geschehen war.
  • Wer nun Verantwortung übernommen hatte.
  • Dass das Team weiterarbeitete.
  • An wen sich Kunden wenden konnten.
  • Und dass wir die Fortführung ernsthaft und verbindlich angingen.

Rückblickend war das genau die richtige Botschaft, denn seriös mehr sagen war unmöglich, während weniger vermutlich nicht erreicht hätte.

Was eine gute Mitteilung enthalten sollte

Eine gute Nachricht zur Unternehmensnachfolge muss vor allem klar sein. Eleganz ist schön, aber zweitrangig. Aus meiner Sicht gehören sieben Punkte hinein.

1. Was passiert?

Nenne den Anlass ohne unnötige Umwege. Bei einer geplanten Nachfolge:

Zum 1. Januar übergebe ich die Geschäftsführung an …

Bei einem Verkauf:

Unser Unternehmen wird zum … Teil der … Unternehmensgruppe.

Bei einer ungeplanten Nachfolge:

Nach dem Tod unseres Geschäftsführers hat … die Geschäftsführung übernommen.

Der Empfänger sollte nicht erst nach drei Absätzen verstehen, worum es geht.

2. Ab wann gilt die Veränderung?

Ein konkretes Datum schafft Orientierung. Gibt es noch eine Übergangszeit, sollte auch das klar gesagt werden.

3. Wer übernimmt Verantwortung?

Ein Name allein mag für einige Adressaten reichen, für andere aber nicht.

Erkläre knapp:

  • Welche Rolle übernimmt die Person?
  • Welche Erfahrung bringt sie mit?
  • Welche Entscheidungen darf sie künftig treffen?
  • Wie wird der bisherige Inhaber während der Übergabe eingebunden?

4. Was bleibt verlässlich?

Kunden wollen wissen, ob ihre laufenden Themen weiterbearbeitet werden. Das können beispielsweise sein:

  • bestehende Verträge,
  • Ansprechpartner,
  • vereinbarte Leistungen,
  • Liefertermine,
  • Supportwege,
  • oder laufende Projekte.

Allerdings solltest Du nur Dinge zusagen, die Du auch sicher einschätzen kannst.

5. Was verändert sich?

Der Reflex ist oft, zu behaupten, dass alles genauso bleibt. Das ist fast nie vollständig wahr. Schon ein neuer Geschäftsführer verändert Entscheidungen, Prioritäten und Kommunikation. Selbst wenn Verträge, Team und Leistungen zunächst unverändert bleiben, wird sich im Alltag etwas verschieben.

Selbst wenn Du noch nicht weißt, welche konkreten Änderungen passieren, vermeide es, künstliche Unveränderlichkeit zu versprechen.

6. Wer ist künftig Ansprechpartner?

Spannenderweise wird dieser Punkt oft vergessen. Nenne konkret:

  • Name,
  • Funktion,
  • E-Mail-Adresse,
  • Telefonnummer,
  • und gegebenenfalls einen zweiten Kontakt.

Kunden sollten nach dem Lesen wissen, wohin sie sich wenden können.

7. Wann folgt die nächste Information?

Gerade wenn noch nicht alles geklärt ist, hilft ein konkreter Zeitpunkt für den nächsten Schritt in der Kommunikation.

Zum Beispiel:

Über die weitere Aufgabenverteilung informieren wir Sie bis Ende des Monats.

Oder:

Ihr persönlicher Ansprechpartner wird sich in den kommenden Tagen direkt bei Ihnen melden.

Damit entsteht nicht der Eindruck, dass die erste Nachricht bereits alle Fragen abschließend beantworten soll.

Bitte kein Corporate-Geschwurbel

Nachfolgemitteilungen sind anfällig für eine besondere Art von Sprache. Plötzlich geht es um „zukunftsorientierte Weichenstellungen“, „bewährte Werte“, „Kontinuität und Innovation“ sowie „die konsequente Weiterentwicklung der erfolgreichen Unternehmensgeschichte“. Solche Sätze sagen oft erstaunlich wenig.

Kunden möchten wissen:

  • Wer entscheidet?
  • Wer ist erreichbar?
  • Wird meine Leistung weiter erbracht?
  • Was verändert sich für mich?
  • Muss ich etwas tun?

Beantworte diese Fragen. Danach kannst Du immer noch schreiben, dass Du Dich auf die gemeinsame Zukunft freust.

„Alles bleibt wie bisher“ ist selten eine gute Botschaft

Auch wenn der Satz beruhigend wirkt, ist er hochproblematisch. Erstens ist er meistens nicht wahr. Zweitens kann er beim Nachfolger eine Erwartung erzeugen, die kaum zu erfüllen ist. Er soll Verantwortung übernehmen, darf aber bitte nichts verändern. Drittens verhindert die Aussage eine ehrliche Kommunikation über das, was noch nicht entschieden ist.

Besser sind Formulierungen wie:

Ihre bestehenden Verträge und Ansprechpartner bleiben zunächst unverändert.

Oder:

Für laufende Projekte ergeben sich durch die Übergabe aktuell keine Änderungen.

Oder:

Über mögliche Veränderungen informieren wir Sie frühzeitig und direkt.

Das ist präziser und verspricht nicht, dass ein Unternehmen nach einem Führungswechsel für alle Zeit identisch bleibt.

Persönlich oder schriftlich?

Bei wichtigen Kunden würde ich eine Nachfolge nicht ausschließlich schriftlich mitteilen. Ein persönliches Gespräch hat mehrere Vorteile. Du erkennst unmittelbar, welche Sorgen bestehen und kannst erklären, warum Du Dich für diese Lösung entschieden hast. Der Nachfolger kann sich selbst vorstellen und der Kunde bekommt ein Gefühl dafür, ob die Zusammenarbeit künftig funktionieren kann.

Die schriftliche Information bleibt trotzdem wichtig. Sie schafft einen gemeinsamen Stand und verhindert, dass nach mehreren Gesprächen unterschiedliche Versionen kursieren.

Für Schlüsselkunden kann die Reihenfolge beispielsweise so aussehen:

  1. Persönliches Gespräch mit bisherigem und künftigem Verantwortlichen.
  2. Schriftliche Zusammenfassung der wesentlichen Punkte.
  3. Konkrete Übergabe laufender Themen.
  4. Späterer Termin zur Überprüfung, ob die neue Zusammenarbeit funktioniert.

Bei einer großen Zahl kleinerer Kunden ist ein persönliches Gespräch mit jedem Einzelnen unrealistisch. Dort reicht meist eine klare schriftliche Information, ergänzt um die Möglichkeit, Fragen zu stellen.

Vorlage: Kunden über eine geplante Nachfolge informieren

Die folgende Vorlage ist bewusst einfach und sehr nüchtern gehalten. Du solltest sie an Deine tatsächliche Situation anpassen. Bitte kopiere sie nicht blind und ergänze anschließend drei Absätze über Tradition, Werte und Zukunft.

Betreff: Veränderung in der Geschäftsführung ab dem [Datum]

Sehr geehrte Frau [Name],
sehr geehrter Herr [Name],

zum [Datum] werde ich die Geschäftsführung unseres Unternehmens an [Name des Nachfolgers] übergeben.

[Name] ist seit [Zeitraum] als [bisherige Funktion] in unserem Unternehmen tätig / bringt Erfahrung aus [relevanter Bereich] mit und wird künftig die Verantwortung für [Aufgabenbereich] übernehmen.

Bis zum [Datum] gestalten wir die Übergabe gemeinsam. In dieser Zeit werden laufende Projekte, Kundenbeziehungen und wesentliche Entscheidungen schrittweise übergeben.

Für Ihre laufenden Aufträge und bestehenden Vereinbarungen ergibt sich aktuell keine Änderung. Ihr bisheriger Ansprechpartner [Name] bleibt weiterhin für Sie erreichbar.

Künftig können Sie sich zusätzlich direkt an [Name des Nachfolgers] wenden:

[Name]
[Funktion]
[E-Mail]
[Telefon]

Mir war wichtig, Sie frühzeitig und persönlich über diesen Schritt zu informieren. Gerne stellen wir Ihnen [Name des Nachfolgers] in einem gemeinsamen Gespräch vor und besprechen dabei auch die Themen, die für unsere weitere Zusammenarbeit besonders wichtig sind.

Vielen Dank für die bisherige Zusammenarbeit und das Vertrauen, das Sie unserem Unternehmen entgegengebracht haben.

Mit freundlichen Grüßen

[Name des bisherigen Inhabers]
[Name des Nachfolgers]

Je nach Beziehung zum Kunden darf die Nachricht natürlich persönlicher sein. Bei einem langjährigen Schlüsselkunden würde ich nicht mit einer Standardmail beginnen. Dort gehört zuerst ein Gespräch hin.

Vorlage: Kunden über eine ungeplante Nachfolge informieren

Eine ungeplante Nachfolge braucht eine andere Sprache. Bei einem Todesfall oder einer schweren Erkrankung wäre es absurd, so zu schreiben, als handle es sich um einen gewöhnlichen Führungswechsel. Trotzdem benötigt der Empfänger praktische Informationen.

Betreff: Information zur Geschäftsführung unseres Unternehmens

Sehr geehrte Frau [Name],
sehr geehrter Herr [Name],

mit großer Trauer müssen wir Ihnen mitteilen, dass unser Geschäftsführer [Name] am [Datum] verstorben ist.

[Optional: ein kurzer persönlicher Satz zur Bedeutung des Verstorbenen für das Unternehmen.]

Die Geschäftsführung wurde mit sofortiger Wirkung von [Name] übernommen.

Unser Team führt die laufenden Arbeiten und Projekte fort. Für Ihre bestehenden Aufträge und Vereinbarungen bleibt zunächst [bisheriger Ansprechpartner] Ihre bekannte Kontaktperson.

Bei Fragen zur Geschäftsführung oder zu grundsätzlichen Themen wenden Sie sich bitte an:

[Name]
[Funktion]
[E-Mail]
[Telefon]

Uns ist bewusst, dass diese Veränderung auch bei Kunden und Partnern Fragen auslösen kann. Wir werden Sie informieren, sobald weitere organisatorische Entscheidungen getroffen wurden.

Vielen Dank für Ihr Vertrauen und Ihr Verständnis in dieser für uns besonderen Situation.

Mit freundlichen Grüßen

[Name]
[Funktion]

Künstlich Stärke demonstrieren ist der sicherste Weg, Vertrauen zu verlieren. Es ist vollkommen in Ordnung, deutlich zu machen, dass die Situation schwierig ist und manche Fragen noch beantwortet werden müssen. Wichtiger ist, dass Kunden erkennen, dass das Unternehmen erreichbar ist, es verantwortliche Personen gibt und laufende Themen nicht vergessen werden.

Was nach der Nachricht passieren muss

Kommunikation endet nicht mit dem Versand. Eine perfekte Mail nützt wenig, wenn der Kunde danach weiterhin nur den bisherigen Inhaber erreicht oder der neue Ansprechpartner keine Entscheidungen treffen kann.

Die eigentliche Übergabe beginnt im Alltag:

  • gemeinsame Kundengespräche,
  • Übergabe wichtiger Vereinbarungen,
  • Dokumentation von Sonderfällen,
  • Klärung offener Angebote und Projekte,
  • nachvollziehbare Entscheidungsrechte,
  • Zugriff auf relevante Unterlagen,
  • und eine klare Eskalationsmöglichkeit.

Besonders wichtig ist der Entscheidungskontext. Ein Nachfolger kann in einem Dokument oder einer E-Mail lesen, dass einem Kunden eine Ausnahme gewährt wurde. Er weiß deshalb noch nicht, warum das geschah, welche Gegenleistung vereinbart wurde oder ob die Ausnahme bei der nächsten Verhandlung erneut gelten soll. Diese Zusammenhänge gehören in eine Übergabe.

Andernfalls bleibt die Kundenbeziehung weiterhin am Wissen des bisherigen Inhabers hängen, selbst wenn alle Kontaktdaten längst geändert wurden.

Eine kurze Checkliste vor dem Versand

Bevor Du die Nachricht verschickst, prüfe:

  • Ist der Anlass bereits intern ausreichend geklärt?
  • Sind die wichtigsten Mitarbeitenden informiert?
  • Wissen die genannten Ansprechpartner, dass ihre Kontaktdaten veröffentlicht werden?
  • Können sie die erwarteten Fragen tatsächlich beantworten?
  • Ist klar, wer künftig Entscheidungen treffen darf?
  • Sind bestehende Verträge und Zusagen geprüft?
  • Wird zwischen gesicherten Aussagen und offenen Fragen unterschieden?
  • Ist der Text verständlich oder voller leerer Formulierungen?
  • Gibt es Kunden, die vorher persönlich informiert werden sollten?
  • Ist festgelegt, was nach der ersten Nachricht geschieht?

Wenn die Kommunikation einen Nachfolger ankündigt, der praktisch noch nichts entscheiden kann, ist die Übergabe noch nicht weit genug. Dann hilft auch schöne Kommunikation nicht.

Zusammenfassung

Kunden über eine Unternehmensnachfolge zu informieren, ist eine diffizile Angelegenheit, die Fingerspitzengefühl ebenso braucht, wie Klarheit. Die Nachricht muss Orientierung geben, ohne den Anspruch zu haben, eine komplette Strategie zu erklären.

Kunden sollten nach Erhalt der Information folgendes wissen:

  • Was passiert?
  • Ab wann gilt die Veränderung?
  • Wer übernimmt Verantwortung?
  • Was bleibt zunächst unverändert?
  • Was verändert sich möglicherweise?
  • An wen können sie sich wenden?
  • Wann erhalten sie weitere Informationen?

Bei wichtigen Kunden gehört zusätzlich ein persönliches Gespräch dazu. Und nach der Kommunikation muss das Unternehmen beweisen, dass die angekündigte Übergabe im Alltag funktioniert, denn Kundenbeziehungen werden nicht dadurch übergeben, dass ein neuer Name unter einer E-Mail steht. Sie werden übergeben, wenn der neue Verantwortliche informiert ist, entscheiden kann und für den Kunden tatsächlich zur verlässlichen Adresse wird.

Weiterführende Inhalte

  • Wenn eine Schlüsselperson ausfällt: Was zuerst fehlt
  • Rollen im Unternehmen: Warum Rolle und Person getrennt werden müssen
  • Wobei ich bei Nachfolge, Übergabe und Personenabhängigkeit helfe
  • Meine Geschichte: ungeplante Übernahme und spätere Übergabe
24. August 2017/0 Kommentare/von Jan Hossfeld

Homöopathie – mein persönliches rotes Tuch

Blog

Ich habe lange überlegt, ob ich zu diesem Thema überhaupt schreiben soll. Allerdings finde ich mich so oft in Diskussionen dazu wieder, dass ich mich besser fühle, es mal zu „Papier“ zu bringen.

Zudem ist das Thema gerade brandaktuell. In einigen Ländern wird Homöpathie mehr oder minder verboten, in anderen wird sie stark gepusht. Nicht zuletzt begegnet das Thema mir auch in meinem Privatleben zunehmend.

Was ist Homöopathie?

In kürzester Form handelt es sich dabei um eine durch Samuel Hahnemann entwickelte Lehre. Ihre Basisannahme ist, dass Krankheiten (oder genauer: Symptome) durch das Mittel kuriert werden können, das sie auch auslöst. Wenn auch in stark verdünnter Form.

Diese Mittel wurden durch wiederholte Verdünnung „potenziert“ und aufgrund eines „Gedächtnisses“ des Trägermittels seien sie dann, obwohl chemisch (praktisch) kein Ausgangswirkstoff mehr enthalten ist, dennoch wirksam. Oder sogar wirksamer.

Gleich vorab: Aus Sicht seiner Zeit und mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln hat Hahnemann nachvollziehbare Annahmen getroffen und versucht, sie systematisch zu belegen. Er hat also wissenschaftlich gearbeitet!

Ja, und was ist nun Dein Problem?

Bei aller Bewunderung und Anerkennung für die Arbeit Hahnemanns im Kontext seiner Zeit – nach allen neueren Erkenntnissen ist Homöopathie genau eines: Ein teures Placebo.

Und da ich leider dennoch, immer und immer wieder, mit den gleichen, sachlich falschen Argumenten angegriffen werden, würde ich gerne die Klassiker darunter noch einmal aufgreifen und klarstellen. Zudem stört mich ohne Ende, dass Homöopathie trotzdem auch institutionalisiert wird, bspw. durch die Legitimierung durch Senatorinnen, die es besser wissen müssten. Das ist für uns als Gesellschaft eine ernsthafte Gefahr. Und das hängt mit den angesprochenen Klassikern der Argumente von Homöopathie-Befürwortern zusammen:

“Ach, nimm es doch nicht so persönlich, es schadet ja auch nicht!“

Doch, das tut es. Nämlich immer dann, wenn aufgrund des Glaubens an Homöopathie nachweislich wirksame Therapien abgelehnt werden. Dadurch kommen Menschen zu Schaden – bis hin zum Tod. Ich finde das inakzeptabel und unentschuldbar. Jeder darf glauben. Wenn das Leben auf dem Spiel steht, sollte man wissen. Nicht glauben. Ich gehe wenn ich krank bin zu einem ausgebildeten Mediziner, nicht zur Oma der Nachbarin, weil die auf irgendwelche Mittelchen schwört. Klingt komisch? Nun, transferier es mal auf Dein Auto. Wenn das kaputt ist, gehst Du damit vermutlich auch nicht zu einem Priester, sondern zur Werkstatt.

Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man noch die Ironie darin erkennen, dass es in den USA vielleicht zu Todesfällen kam, weil homöpathische Mittel wider Erwarten Inhaltsstoffe enthielten.

Mal abgesehen von all dem, es schadet dem Geldbeutel. Bitte einfach mal kurz nachrechnen. Zucker ist einer von mehreren genutzten Trägern für Globuli. 1kg Zucker kostet sicher noch keine 2€. Wieviele Globuli kann ich daraus erstellen? Tausende, schätze ich. Und die kosten sicher keine 2€. Eher 200. Und laut dem, was ich so lese, auch sehr viel mehr als das.

“Wir verstehen es nur noch nicht, deshalb darfst Du es doch nicht unwirksam nennen!“

Doch, das darf ich. Die wissenschaftliche Methode, die einzige, die wir als Menschheit bislang kennen, die reproduzierbare und vor allem falsifizierbare Ergebnisse bringt, basiert genau auf dieser Prämisse: Eine Hypothese, ein System, wie es auch die Homöopathie ist, muss falsifizierbar sein. Indem sich die Befürworter gegen jede Kritik oder jeden Gegenbeweis immunisieren, indem sie behaupten, man verstehe es einfach noch nicht, wenden sie sich effektiv gegen den Schöpfer der Lehre. Hahnemann war Mediziner und Wissenschaftler – ob er das akzeptiert hätte?

Noch einmal zum mitschreiben: Wenn eine Hypothese im Raum steht, muss sie widerlegt werden können und dürfen. Und viele der Hypothesen der Homöopathie sind längst widerlegt. Wirkstoffe werden nicht wirksamer, wenn sie nicht mehr existent sind. Das widerspricht immer wieder, teilweise seit Jahrhunderten erneut belegten Naturgesetzen. Es gibt kein Gedächtnis des Trägers – denn wenn es das gäbe, wäre er bei der Herstellung mit so viel „hochpotenzierten Inhaltsstoffen“ (lies: völlig natürlichen Verunreinigungen) in Kontakt gekommen, dass die Zahl der Nebenwirkungen gemäß homöopathischer Lehre komplett explodieren müsste.

Und Wirksamkeit darf keine Abhängigkeiten haben. Wenn es wirklich wirksam wäre, wäre es das bei jedem Menschen. Ohne, dass dafür Glauben erforderlich ist. Das ist auch nicht der Fall. Es gibt keine wissenschaftlich formal korrekt durchgeführte Studie, die eine Wirksamkeit über den Placeboeffekt hinaus belegt.

Wem das zu akademisch ist – bringt mir eine ganze Packung Eures „stärksten“ Homöopathikums und ich futtere sie gerne vor Euren Augen. Leider werdet Ihr dabei enttäuscht sein, denn es wird keine Wirkung haben.

“Aber es hilft mir doch immer!“

Nein, tut es nicht. Es geht Dir vielleicht besser, und das koinzidiert vielleicht mit der Einnahme von Globuli. Das reicht aber noch lange nicht, um einen kausalen, reproduzierbaren Zusammenhang darzustellen. Und schon gar nicht, um mit einer Stichprobe von 1 eine stichhaltige Hypothese für alle anderen Menschen aufzustellen.

Sind wir mal ehrlich. Die meisten Dinge, für die man Globuli einnimmt, wären vermutlich von alleine auch besser geworden. Denn meistens geht es dabei um Erkältungen oder ähnliches. Das, was wirklich passiert, ist dass Du Dich besser fühlst. Daraus einen kausalen Heilungszusammenhang konstruieren geht nicht.

Und jetzt noch ein paar ganz kurze Klassiker

  • “Aber wie kann es denn dann bei Kindern/Tieren wirken, die glauben da noch gar nicht dran?!? So, jetzt hab ich Dich!“ — Nein, hast Du nicht. Auch dieses Phänomen ist hinlänglich untersucht. Es hängt mit der positiven Erwartungshaltung des Verabreichenden zusammen, der sogenannte „Placebo-by-Proxy“-Effekt.
  • „Aber es gibt doch homöopathische Ärzte!“ — Auch Mediziner müssen ihre Brötchen verdienen. Da es eine Nachfrage gibt, die zudem kassenrechtlich komplett anders geregelt ist (lies: lukrativer), können sie so massiv ihre Einnahmen erhöhen. Das kann man werten wie man will. Fakt ist aber auch, der Begriff „Homöopathischer Arzt“ heißt übersetzt „Unwissenschaftlicher Wissenschaftler“. Das ist wie „Schwarzer Schimmel“, „Gerade Kurve“, oder ähnliches. Ein kurzer Lacher, aber in sich natürlich Blödsinn. Wer mehr aus Sicht eines Mediziners lesen will, dem sei Natalie Grams sehr ans Herz gelegt.
  • „Ja, aber wenn es doch nicht wirkt, warum bezahlen es dann die Kassen?“ — Nicht alle Kassen erstatten Homöopathie, allerdings zunehmend mehr. Ich halte das für bedenklich. Der Grund ist natürlich banal, denn auch Versicherungen sind Unternehmen. Die Nachfrage nach etwas zu befriedigen, verschafft ihr Kunden und damit Einnahmen. Ganz simpel.
  • „Aber die Politik und die Hochschulen engagieren sich doch auch dafür, dann muss doch was dran sein!“ — Nein, denn auch diese beiden brauchen etwas von den Kunden. Geld und Stimmen. Die kommen durch Studentenbeiträge und Homöopathie-Hersteller, die Lehrstühle finanzieren (übrigens lustigerweise das, was „Big Pharma“ (TM) immer vorgeworfen wird), oder durch Wählergruppen
  • „Das ganze ist aber doch günstiger, und solange es hilft…“ — Das dachten viele. Die Forschung legt nahe, dass es eben nicht so ist, sondern sogar teurer und unwirksam. Und nun ratet mal, zu wessen Lasten das geht? Richtig, dem der Beitragzahler
  • „Ist doch klasse, hat keine Nebenwirkungen!“ — Richtig, weil keine Wirkung

Gehts Dir jetzt besser?

Nein, nicht wirklich. Aber angesichts des konzentrierten Blödsinns mit unhaltbaren, falschen oder komplett verdrehten Argumenten, den ich zunehmend höre und lese musste es einfach mal raus.

Und mal unter uns: Es ist völlig ok, wenn jemand in seiner Freizeit Zuckerkügelchen einwerfen will. Es allerdings auf meine Kosten (ich zahle auch Krankenversicherung!) zu tun und Wirksamkeit, die klar widerlegt ist, zu propagieren, das ist nicht ok. Homöopathie ist ein Glauben, keine belegbare Lehre. Glauben gehört in die eigenen vier Wände und sollte niemand betreffen, der das nicht möchte. Dazu finde ich es extrem bedenklich, dass es „Lehrstühle“ dafür gibt und sich die Politik (der Treppenwitz schlechthin, eine für Wissenschaft zuständige Senatorin!) nicht davon distanziert.

Ich wünschte mir hier klare Ansagen, wie es sie schon in einigen anderen Ländern gibt. Glaube ist und bleibt eben Privatsache.

8. August 2017/1 Kommentar/von Jan Hossfeld
Seite 36 von 41«‹3435363738›»

entscheidungen familienunternehmen führung führungskraft gtd jci kommunikation leadership liquidität management mentoring motivation nachwuchsführungskraft politik produktivität selbstorganisation team unternehmenskultur unternehmensnachfolge werte

  • Impressum
  • Datenschutzerklärung
  • Vertraulich sprechen
© Copyright - Jan Hoßfeld - Enfold WordPress Theme by Kriesi
  • LinkedIn
  • Mail
Nach oben scrollen