Jan Hoßfeld
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Die Rente: Wie wäre es mit echter Solidarität?

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Das Thema Rente kam ja bei der Wahl kaum vor, bis auf die Frage des Eintrittsalters. Kurzer Disclaimer, ich schreibe diesen Beitrag einen Tag nach dem TV-Duell zwischen Martin Schulz und Angela Merkel.

Ich bin auch definitiv kein Experte für das Thema. Das heißt, alles was ich sage ist aus Sicht eines Laien und mit dem Versuch, gesunden Menschenverstand als Ersatz für mein mangelndes Fachwissen einzusetzen.

Eine Bestandsaufnahme

Für mich stellt es sich beim Thema Rente wie folgt dar:

  • Die staatliche Rente hat immer weniger Einzahler und immer mehr Bezieher mit steigender Lebenserwartung
  • Ergo gibt es drei Optionen, damit umzugehen:
    • Das Rentenniveau sinkt
    • Das Eintrittsalter steigt
    • Man benötigt zusätzliche Optionen
  • Es zahlen im Prinzip nur Arbeitnehmer ein, Selbständige und Beamte laufen komplett nebenher, oft auch deutlich besser gestellt
  • Rein mathematisch kann das, auch ohne Expertenkenntnisse, ja nicht auf Dauer gut gehen
  • Wenn die erwartete Rentenhöhe unter Grundsicherungsniveau ist, gibt es eigentlich keinen Grund, überhaupt darin einzuzahlen, der Antrag auf Grundsicherung ist dann die „attraktivere“ Option und erlaubt wenigstens mehr „Luxus“ in der Gegenwart

Das war jetzt sicher nicht alles, aber zumindest das, was ich, erst einmal, wahrnehme. Ich kann ja nur für mich sprechen, und da sehe ich, dass die Rentenansprüche, die ich so im meinem Umfeld höre, meine eigenen und die meiner Frau, eben alle aus meiner Generation, absolut lächerlich sind. Wenn wir keine Grundsicherung wollen, müssen wir mehr tun. Manche Optionen scheinen auch mathematisch (Rendite!) deutlich attraktiver auf lange Sicht, als die Einzahlung in die staatliche Rente.

Was wäre denn wirklich gerecht?

Im Wahlkampf kommt, gerade bei Rente, oft das Wort „Gerechtigkeit“ auf den Tisch. Frau Nahles, unsere (noch) Arbeitsministerin zum Zeitpunkt des Schreibens, schlug vor einiger Zeit vor, auch Unternehmer und Selbständige einzahlen zu lassen. Nun kann ich, als Betroffener, einfach aufheulen und dagegen argumentieren (können sich viele Selbständige gar nicht leisten, völlig unattraktiv, noch mehr zahlen für die Gemeinschaft bei schon riesiger Belastung, etc.)… oder ich kann fragen, was wirklich gerecht wäre.

Und das wird insbesondere Frau Nahles nicht gefallen. Die ist nämlich, obwohl sie noch nie etwas anderes als Politik gemacht hat, bestens und üppig versorgt. Weit besser, als ihre klassische Wahlklientel es jemals schaffen kann.

Wirklich gerecht für mich wäre, wenn nämlich auch der gesamte öffentliche Dienst in die gleichen Kassen einbezahlen, und auch von dort entnehmen. Natürlich dann auf wesentlich niedrigerem Niveau als aktuell. Es macht mich, ehrlich gesagt, sauer zu hören, dass gerade die eigene Gruppe bevorzugt sein soll, während man gleichzeitig laut von Solidarität und Gerechtigkeit schwadroniert.

Echte Gerechtigkeit heißt eben, dass auch die eigene Klientel dazu gehört

Von mir aus können gerne auch Unternehmer und Selbständige dann einzahlen. Wenn alle einzahlen sollen, heißt das eben auch alle. Von mir aus sollen Beamte dann auch in der Gegenwart besser bezahlt werden (ein beliebtes Argument zur Rechtfertigung der teils satten Pensionen – die Jobgarantie, absolute Sicherheit von allen Lebensumständen und -risiken, wird nicht so gern als geldwerter Vorteil gesehen, so scheint es mir). Es ist auch nicht unmöglich, das zeigt sich am Beispiel anderer Länder – nur für diejenigen, die es umsetzen müssen, gerade nicht attraktiv.

Und die bereits einmal geäußerte Gegenargumentation, dass dadurch kein Vorteil existiert, weil die Beamten ja dann auch entnehmen… das mag sein. Aber erstens gibt es keine Option mehr, es auf dem gleichen Niveau zu tun (das funktioniert mathematisch nun wirklich gar nicht, selbst für einen Laien wie mich), und zweitens sprechen wir doch über Gerechtigkeit. Wenn alle, dann wirklich alle. Nicht immer nur ausgeben, sondern auch mal dazu einen eigenen Beitrag leisten. Das könnte auch dazu beitragen, die teils sehr gegensätzlichen Lebensrealitäten mal langsam wieder anzunähern. Ich denke, das würde dem politischen Betrieb wirklich gut tun.

Die Solidarität von anderen zu fordern ist eine tolle Gelegenheit, mit gutem Beispiel voranzugehen. Share on X

Vielleicht könnte man dann bei der Gelegenheit auch mal kurz über unser Krankenversicherungssystem nachdenken, und das auch gerade vereinheitlichen. Niveau anheben, es fällt ja auch dann viel Aufwand und Bürokratie weg…das würde vielen Menschen helfen.

7. September 2017/0 Kommentare/von Jan Hossfeld

Kunden über die Unternehmensnachfolge informieren: Reihenfolge, Inhalte und Vorlagen

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Eine Unternehmensnachfolge ist für Dich vermutlich ein großes Thema. So hart es klingt, für Deine Kunden ist sie erst einmal eine Störung. Kunden interessieren sich natürlich für Menschen, mit denen sie über Jahre zusammengearbeitet haben. Sie wünschen Dir vielleicht alles Gute und freuen sich, wenn Du eine gute Lösung gefunden hast.

Gleichzeitig haben sie aber eigene Fragen:

  • Bleibt mein Ansprechpartner?
  • Werden bestehende Zusagen eingehalten?
  • Ändern sich Preise oder Leistungen?
  • Versteht der Nachfolger unser Geschäft?
  • Muss ich damit rechnen, dass in den nächsten Monaten alles langsamer wird?
  • Wen rufe ich an, wenn es ein Problem gibt?

Deine Geschichte ist für Kunden einfach weniger relevant als ihre eigene betriebliche Sicherheit. Deshalb reicht es nicht, eine freundliche Rundmail zu verschicken, in der irgendwo zwischen Dankbarkeit, Lebenswerk und neuen Ufern steht, dass ab dem nächsten Monat jemand anderes verantwortlich ist.

Eine gute Kommunikation zeigt, dass Du verstanden hast, welche Fragen die Empfänger tatsächlich haben.

Du kommunizierst nicht mit „den Kunden“

Eines gleich vorab: Es gibt nicht die eine Nachricht, die für alle Adressaten gleich gut funktioniert. Ein langjähriger Schlüsselkunde benötigt andere Informationen als ein Kunde, der zweimal im Jahr eine Standardleistung bezieht.

Die Bank interessiert sich für andere Dinge als ein Lieferant. Mitarbeitende benötigen eine andere Form von Sicherheit als Geschäftspartner. Und ein Kunde, der eine enge persönliche Beziehung zum bisherigen Inhaber hat, reagiert anders als jemand, der ohnehin fast ausschließlich mit dem Team arbeitet.

Bevor Du eine Nachricht formulierst, solltest Du Deine Adressaten deshalb unterscheiden. Zum Beispiel:

Mitarbeitende

Sie wollen wissen, wer künftig entscheidet, was sich für sie verändert und ob ihre Arbeitsplätze sicher sind oder Verantwortungsbereiche sich ändern.

Banken und andere Finanzierungspartner

Sie interessieren sich dafür, wer künftig wirtschaftliche Verantwortung übernimmt, ob die Entscheidungsfähigkeit gesichert ist und wie der Übergang organisiert wird.

Schlüsselkunden

Sie wollen wissen, ob Leistungen, Ansprechpartner, Fristen, Verträge und wichtige Zusagen verlässlich bleiben.

Lieferanten und Kooperationspartner

Für sie ist wichtig, wer künftig verbindlich entscheiden darf und ob bestehende Vereinbarungen fortgeführt werden.

Übrige Kunden

Sie benötigen meist eine klare, verständliche Information darüber, was passiert, ab wann die Änderung gilt und an wen sie sich künftig wenden können. Das muss nicht bedeuten, dass Du für jeden Empfänger einen völlig neuen Text schreibst. Aber eine einzige Rundmail an alle ist selten die beste Lösung.

Wer sollte zuerst informiert werden?

In meinem ursprünglichen Beitrag hatte ich sinngemäß empfohlen, zuerst mit Geldgebern und besonders wichtigen Kunden zu sprechen. Das entsprach stark meiner eigenen Situation.

Nach dem Tod meines Vaters war unser Unternehmen wirtschaftlich angespannt. Die Bank fragte regelmäßig nach offenen Forderungen. Gleichzeitig waren wir fachlich und organisatorisch von wenigen Menschen abhängig. In dieser Lage war klar: Einige Beteiligte mussten sehr früh wissen, was passiert war und wie es weitergehen sollte. Daraus lässt sich aber keine universelle Reihenfolge ableiten.

Die sinnvollere Regel lautet:

Informiere zuerst die Menschen, deren Verhalten unmittelbar darüber entscheidet, ob der Übergang funktioniert.

Das können je nach Situation sein:

  • Gesellschafter,
  • Führungskräfte,
  • Mitarbeitende,
  • Banken,
  • Schlüsselkunden,
  • wichtige Lieferanten,
  • ein Betriebsrat,
  • oder externe Berater.

Bei einer geplanten Nachfolge ist die Reihenfolge meist gut steuerbar. Bei einem Todesfall, einer schweren Erkrankung oder einem plötzlichen Ausstieg ist sie das nicht. Dann kommunizierst Du unter Zeitdruck, während vielleicht noch vieles ungeklärt ist.

Gerade dann hilft eine einfache Unterscheidung:

  1. Wer muss es sofort wissen, weil er handeln oder entscheiden muss?
  2. Wer sollte es direkt von Dir erfahren, bevor Gerüchte entstehen?
  3. Wer kann informiert werden, sobald die ersten praktischen Fragen geklärt sind?

Wichtige Menschen sollten eine wesentliche Veränderung nicht zufällig über Dritte erfahren.

Geplante und ungeplante Nachfolge sind kommunikativ zwei verschiedene Situationen

Bei einer geplanten Nachfolge kannst Du eine Geschichte erzählen. Du kannst erklären, warum der Zeitpunkt gekommen ist, wie die Auswahl des Nachfolgers zustande kam und wie die Übergangszeit aussehen wird. Bei einer ungeplanten Nachfolge fehlt diese Vorbereitung.

Als mein Vater Ende 2010 starb, gab es keine ausformulierte Kommunikationsstrategie oder einen gut ausgearbeiteten Nachfolgeplan. Meine Mutter war kurz zuvor zur Co-Geschäftsführerin bestellt worden. Nach seinem Tod war sie formal die verantwortliche Person. Fachlich und operativ waren wir trotzdem auf das Team und besonders erfahrene Mitarbeiter angewiesen.

Wir informierten unsere Kunden noch im Dezember mit einem Brief. Meine Mutter schrieb persönlich über den Tod ihres Mannes, über die Fortführung des Unternehmens und darüber, wer künftig ansprechbar war. Aus heutiger Sicht war dieser Brief mehr als eine Mitteilung, denn er veränderte die „Adresse“, an die sich Kunden, Lieferanten und Partner wenden konnten.

Bis dahin war das Unternehmen eng mit meinem Vater verbunden gewesen. Nun musste nach außen sichtbar werden, dass das Unternehmen weiter existiert, dass Entscheidungen getroffen werden können und dass Kunden nicht im luftleeren Raum stehen. Wir konnten nicht jede Frage beantworten und erst recht keine absolute Sicherheit versprechen.

Wir konnten aber sagen:

  • Was geschehen war.
  • Wer nun Verantwortung übernommen hatte.
  • Dass das Team weiterarbeitete.
  • An wen sich Kunden wenden konnten.
  • Und dass wir die Fortführung ernsthaft und verbindlich angingen.

Rückblickend war das genau die richtige Botschaft, denn seriös mehr sagen war unmöglich, während weniger vermutlich nicht erreicht hätte.

Was eine gute Mitteilung enthalten sollte

Eine gute Nachricht zur Unternehmensnachfolge muss vor allem klar sein. Eleganz ist schön, aber zweitrangig. Aus meiner Sicht gehören sieben Punkte hinein.

1. Was passiert?

Nenne den Anlass ohne unnötige Umwege. Bei einer geplanten Nachfolge:

Zum 1. Januar übergebe ich die Geschäftsführung an …

Bei einem Verkauf:

Unser Unternehmen wird zum … Teil der … Unternehmensgruppe.

Bei einer ungeplanten Nachfolge:

Nach dem Tod unseres Geschäftsführers hat … die Geschäftsführung übernommen.

Der Empfänger sollte nicht erst nach drei Absätzen verstehen, worum es geht.

2. Ab wann gilt die Veränderung?

Ein konkretes Datum schafft Orientierung. Gibt es noch eine Übergangszeit, sollte auch das klar gesagt werden.

3. Wer übernimmt Verantwortung?

Ein Name allein mag für einige Adressaten reichen, für andere aber nicht.

Erkläre knapp:

  • Welche Rolle übernimmt die Person?
  • Welche Erfahrung bringt sie mit?
  • Welche Entscheidungen darf sie künftig treffen?
  • Wie wird der bisherige Inhaber während der Übergabe eingebunden?

4. Was bleibt verlässlich?

Kunden wollen wissen, ob ihre laufenden Themen weiterbearbeitet werden. Das können beispielsweise sein:

  • bestehende Verträge,
  • Ansprechpartner,
  • vereinbarte Leistungen,
  • Liefertermine,
  • Supportwege,
  • oder laufende Projekte.

Allerdings solltest Du nur Dinge zusagen, die Du auch sicher einschätzen kannst.

5. Was verändert sich?

Der Reflex ist oft, zu behaupten, dass alles genauso bleibt. Das ist fast nie vollständig wahr. Schon ein neuer Geschäftsführer verändert Entscheidungen, Prioritäten und Kommunikation. Selbst wenn Verträge, Team und Leistungen zunächst unverändert bleiben, wird sich im Alltag etwas verschieben.

Selbst wenn Du noch nicht weißt, welche konkreten Änderungen passieren, vermeide es, künstliche Unveränderlichkeit zu versprechen.

6. Wer ist künftig Ansprechpartner?

Spannenderweise wird dieser Punkt oft vergessen. Nenne konkret:

  • Name,
  • Funktion,
  • E-Mail-Adresse,
  • Telefonnummer,
  • und gegebenenfalls einen zweiten Kontakt.

Kunden sollten nach dem Lesen wissen, wohin sie sich wenden können.

7. Wann folgt die nächste Information?

Gerade wenn noch nicht alles geklärt ist, hilft ein konkreter Zeitpunkt für den nächsten Schritt in der Kommunikation.

Zum Beispiel:

Über die weitere Aufgabenverteilung informieren wir Sie bis Ende des Monats.

Oder:

Ihr persönlicher Ansprechpartner wird sich in den kommenden Tagen direkt bei Ihnen melden.

Damit entsteht nicht der Eindruck, dass die erste Nachricht bereits alle Fragen abschließend beantworten soll.

Bitte kein Corporate-Geschwurbel

Nachfolgemitteilungen sind anfällig für eine besondere Art von Sprache. Plötzlich geht es um „zukunftsorientierte Weichenstellungen“, „bewährte Werte“, „Kontinuität und Innovation“ sowie „die konsequente Weiterentwicklung der erfolgreichen Unternehmensgeschichte“. Solche Sätze sagen oft erstaunlich wenig.

Kunden möchten wissen:

  • Wer entscheidet?
  • Wer ist erreichbar?
  • Wird meine Leistung weiter erbracht?
  • Was verändert sich für mich?
  • Muss ich etwas tun?

Beantworte diese Fragen. Danach kannst Du immer noch schreiben, dass Du Dich auf die gemeinsame Zukunft freust.

„Alles bleibt wie bisher“ ist selten eine gute Botschaft

Auch wenn der Satz beruhigend wirkt, ist er hochproblematisch. Erstens ist er meistens nicht wahr. Zweitens kann er beim Nachfolger eine Erwartung erzeugen, die kaum zu erfüllen ist. Er soll Verantwortung übernehmen, darf aber bitte nichts verändern. Drittens verhindert die Aussage eine ehrliche Kommunikation über das, was noch nicht entschieden ist.

Besser sind Formulierungen wie:

Ihre bestehenden Verträge und Ansprechpartner bleiben zunächst unverändert.

Oder:

Für laufende Projekte ergeben sich durch die Übergabe aktuell keine Änderungen.

Oder:

Über mögliche Veränderungen informieren wir Sie frühzeitig und direkt.

Das ist präziser und verspricht nicht, dass ein Unternehmen nach einem Führungswechsel für alle Zeit identisch bleibt.

Persönlich oder schriftlich?

Bei wichtigen Kunden würde ich eine Nachfolge nicht ausschließlich schriftlich mitteilen. Ein persönliches Gespräch hat mehrere Vorteile. Du erkennst unmittelbar, welche Sorgen bestehen und kannst erklären, warum Du Dich für diese Lösung entschieden hast. Der Nachfolger kann sich selbst vorstellen und der Kunde bekommt ein Gefühl dafür, ob die Zusammenarbeit künftig funktionieren kann.

Die schriftliche Information bleibt trotzdem wichtig. Sie schafft einen gemeinsamen Stand und verhindert, dass nach mehreren Gesprächen unterschiedliche Versionen kursieren.

Für Schlüsselkunden kann die Reihenfolge beispielsweise so aussehen:

  1. Persönliches Gespräch mit bisherigem und künftigem Verantwortlichen.
  2. Schriftliche Zusammenfassung der wesentlichen Punkte.
  3. Konkrete Übergabe laufender Themen.
  4. Späterer Termin zur Überprüfung, ob die neue Zusammenarbeit funktioniert.

Bei einer großen Zahl kleinerer Kunden ist ein persönliches Gespräch mit jedem Einzelnen unrealistisch. Dort reicht meist eine klare schriftliche Information, ergänzt um die Möglichkeit, Fragen zu stellen.

Vorlage: Kunden über eine geplante Nachfolge informieren

Die folgende Vorlage ist bewusst einfach und sehr nüchtern gehalten. Du solltest sie an Deine tatsächliche Situation anpassen. Bitte kopiere sie nicht blind und ergänze anschließend drei Absätze über Tradition, Werte und Zukunft.

Betreff: Veränderung in der Geschäftsführung ab dem [Datum]

Sehr geehrte Frau [Name],
sehr geehrter Herr [Name],

zum [Datum] werde ich die Geschäftsführung unseres Unternehmens an [Name des Nachfolgers] übergeben.

[Name] ist seit [Zeitraum] als [bisherige Funktion] in unserem Unternehmen tätig / bringt Erfahrung aus [relevanter Bereich] mit und wird künftig die Verantwortung für [Aufgabenbereich] übernehmen.

Bis zum [Datum] gestalten wir die Übergabe gemeinsam. In dieser Zeit werden laufende Projekte, Kundenbeziehungen und wesentliche Entscheidungen schrittweise übergeben.

Für Ihre laufenden Aufträge und bestehenden Vereinbarungen ergibt sich aktuell keine Änderung. Ihr bisheriger Ansprechpartner [Name] bleibt weiterhin für Sie erreichbar.

Künftig können Sie sich zusätzlich direkt an [Name des Nachfolgers] wenden:

[Name]
[Funktion]
[E-Mail]
[Telefon]

Mir war wichtig, Sie frühzeitig und persönlich über diesen Schritt zu informieren. Gerne stellen wir Ihnen [Name des Nachfolgers] in einem gemeinsamen Gespräch vor und besprechen dabei auch die Themen, die für unsere weitere Zusammenarbeit besonders wichtig sind.

Vielen Dank für die bisherige Zusammenarbeit und das Vertrauen, das Sie unserem Unternehmen entgegengebracht haben.

Mit freundlichen Grüßen

[Name des bisherigen Inhabers]
[Name des Nachfolgers]

Je nach Beziehung zum Kunden darf die Nachricht natürlich persönlicher sein. Bei einem langjährigen Schlüsselkunden würde ich nicht mit einer Standardmail beginnen. Dort gehört zuerst ein Gespräch hin.

Vorlage: Kunden über eine ungeplante Nachfolge informieren

Eine ungeplante Nachfolge braucht eine andere Sprache. Bei einem Todesfall oder einer schweren Erkrankung wäre es absurd, so zu schreiben, als handle es sich um einen gewöhnlichen Führungswechsel. Trotzdem benötigt der Empfänger praktische Informationen.

Betreff: Information zur Geschäftsführung unseres Unternehmens

Sehr geehrte Frau [Name],
sehr geehrter Herr [Name],

mit großer Trauer müssen wir Ihnen mitteilen, dass unser Geschäftsführer [Name] am [Datum] verstorben ist.

[Optional: ein kurzer persönlicher Satz zur Bedeutung des Verstorbenen für das Unternehmen.]

Die Geschäftsführung wurde mit sofortiger Wirkung von [Name] übernommen.

Unser Team führt die laufenden Arbeiten und Projekte fort. Für Ihre bestehenden Aufträge und Vereinbarungen bleibt zunächst [bisheriger Ansprechpartner] Ihre bekannte Kontaktperson.

Bei Fragen zur Geschäftsführung oder zu grundsätzlichen Themen wenden Sie sich bitte an:

[Name]
[Funktion]
[E-Mail]
[Telefon]

Uns ist bewusst, dass diese Veränderung auch bei Kunden und Partnern Fragen auslösen kann. Wir werden Sie informieren, sobald weitere organisatorische Entscheidungen getroffen wurden.

Vielen Dank für Ihr Vertrauen und Ihr Verständnis in dieser für uns besonderen Situation.

Mit freundlichen Grüßen

[Name]
[Funktion]

Künstlich Stärke demonstrieren ist der sicherste Weg, Vertrauen zu verlieren. Es ist vollkommen in Ordnung, deutlich zu machen, dass die Situation schwierig ist und manche Fragen noch beantwortet werden müssen. Wichtiger ist, dass Kunden erkennen, dass das Unternehmen erreichbar ist, es verantwortliche Personen gibt und laufende Themen nicht vergessen werden.

Was nach der Nachricht passieren muss

Kommunikation endet nicht mit dem Versand. Eine perfekte Mail nützt wenig, wenn der Kunde danach weiterhin nur den bisherigen Inhaber erreicht oder der neue Ansprechpartner keine Entscheidungen treffen kann.

Die eigentliche Übergabe beginnt im Alltag:

  • gemeinsame Kundengespräche,
  • Übergabe wichtiger Vereinbarungen,
  • Dokumentation von Sonderfällen,
  • Klärung offener Angebote und Projekte,
  • nachvollziehbare Entscheidungsrechte,
  • Zugriff auf relevante Unterlagen,
  • und eine klare Eskalationsmöglichkeit.

Besonders wichtig ist der Entscheidungskontext. Ein Nachfolger kann in einem Dokument oder einer E-Mail lesen, dass einem Kunden eine Ausnahme gewährt wurde. Er weiß deshalb noch nicht, warum das geschah, welche Gegenleistung vereinbart wurde oder ob die Ausnahme bei der nächsten Verhandlung erneut gelten soll. Diese Zusammenhänge gehören in eine Übergabe.

Andernfalls bleibt die Kundenbeziehung weiterhin am Wissen des bisherigen Inhabers hängen, selbst wenn alle Kontaktdaten längst geändert wurden.

Eine kurze Checkliste vor dem Versand

Bevor Du die Nachricht verschickst, prüfe:

  • Ist der Anlass bereits intern ausreichend geklärt?
  • Sind die wichtigsten Mitarbeitenden informiert?
  • Wissen die genannten Ansprechpartner, dass ihre Kontaktdaten veröffentlicht werden?
  • Können sie die erwarteten Fragen tatsächlich beantworten?
  • Ist klar, wer künftig Entscheidungen treffen darf?
  • Sind bestehende Verträge und Zusagen geprüft?
  • Wird zwischen gesicherten Aussagen und offenen Fragen unterschieden?
  • Ist der Text verständlich oder voller leerer Formulierungen?
  • Gibt es Kunden, die vorher persönlich informiert werden sollten?
  • Ist festgelegt, was nach der ersten Nachricht geschieht?

Wenn die Kommunikation einen Nachfolger ankündigt, der praktisch noch nichts entscheiden kann, ist die Übergabe noch nicht weit genug. Dann hilft auch schöne Kommunikation nicht.

Zusammenfassung

Kunden über eine Unternehmensnachfolge zu informieren, ist eine diffizile Angelegenheit, die Fingerspitzengefühl ebenso braucht, wie Klarheit. Die Nachricht muss Orientierung geben, ohne den Anspruch zu haben, eine komplette Strategie zu erklären.

Kunden sollten nach Erhalt der Information folgendes wissen:

  • Was passiert?
  • Ab wann gilt die Veränderung?
  • Wer übernimmt Verantwortung?
  • Was bleibt zunächst unverändert?
  • Was verändert sich möglicherweise?
  • An wen können sie sich wenden?
  • Wann erhalten sie weitere Informationen?

Bei wichtigen Kunden gehört zusätzlich ein persönliches Gespräch dazu. Und nach der Kommunikation muss das Unternehmen beweisen, dass die angekündigte Übergabe im Alltag funktioniert, denn Kundenbeziehungen werden nicht dadurch übergeben, dass ein neuer Name unter einer E-Mail steht. Sie werden übergeben, wenn der neue Verantwortliche informiert ist, entscheiden kann und für den Kunden tatsächlich zur verlässlichen Adresse wird.

Weiterführende Inhalte

  • Wenn eine Schlüsselperson ausfällt: Was zuerst fehlt
  • Rollen im Unternehmen: Warum Rolle und Person getrennt werden müssen
  • Wobei ich bei Nachfolge, Übergabe und Personenabhängigkeit helfe
  • Meine Geschichte: ungeplante Übernahme und spätere Übergabe
24. August 2017/0 Kommentare/von Jan Hossfeld

Homöopathie – mein persönliches rotes Tuch

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Ich habe lange überlegt, ob ich zu diesem Thema überhaupt schreiben soll. Allerdings finde ich mich so oft in Diskussionen dazu wieder, dass ich mich besser fühle, es mal zu „Papier“ zu bringen.

Zudem ist das Thema gerade brandaktuell. In einigen Ländern wird Homöpathie mehr oder minder verboten, in anderen wird sie stark gepusht. Nicht zuletzt begegnet das Thema mir auch in meinem Privatleben zunehmend.

Was ist Homöopathie?

In kürzester Form handelt es sich dabei um eine durch Samuel Hahnemann entwickelte Lehre. Ihre Basisannahme ist, dass Krankheiten (oder genauer: Symptome) durch das Mittel kuriert werden können, das sie auch auslöst. Wenn auch in stark verdünnter Form.

Diese Mittel wurden durch wiederholte Verdünnung „potenziert“ und aufgrund eines „Gedächtnisses“ des Trägermittels seien sie dann, obwohl chemisch (praktisch) kein Ausgangswirkstoff mehr enthalten ist, dennoch wirksam. Oder sogar wirksamer.

Gleich vorab: Aus Sicht seiner Zeit und mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln hat Hahnemann nachvollziehbare Annahmen getroffen und versucht, sie systematisch zu belegen. Er hat also wissenschaftlich gearbeitet!

Ja, und was ist nun Dein Problem?

Bei aller Bewunderung und Anerkennung für die Arbeit Hahnemanns im Kontext seiner Zeit – nach allen neueren Erkenntnissen ist Homöopathie genau eines: Ein teures Placebo.

Und da ich leider dennoch, immer und immer wieder, mit den gleichen, sachlich falschen Argumenten angegriffen werden, würde ich gerne die Klassiker darunter noch einmal aufgreifen und klarstellen. Zudem stört mich ohne Ende, dass Homöopathie trotzdem auch institutionalisiert wird, bspw. durch die Legitimierung durch Senatorinnen, die es besser wissen müssten. Das ist für uns als Gesellschaft eine ernsthafte Gefahr. Und das hängt mit den angesprochenen Klassikern der Argumente von Homöopathie-Befürwortern zusammen:

“Ach, nimm es doch nicht so persönlich, es schadet ja auch nicht!“

Doch, das tut es. Nämlich immer dann, wenn aufgrund des Glaubens an Homöopathie nachweislich wirksame Therapien abgelehnt werden. Dadurch kommen Menschen zu Schaden – bis hin zum Tod. Ich finde das inakzeptabel und unentschuldbar. Jeder darf glauben. Wenn das Leben auf dem Spiel steht, sollte man wissen. Nicht glauben. Ich gehe wenn ich krank bin zu einem ausgebildeten Mediziner, nicht zur Oma der Nachbarin, weil die auf irgendwelche Mittelchen schwört. Klingt komisch? Nun, transferier es mal auf Dein Auto. Wenn das kaputt ist, gehst Du damit vermutlich auch nicht zu einem Priester, sondern zur Werkstatt.

Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man noch die Ironie darin erkennen, dass es in den USA vielleicht zu Todesfällen kam, weil homöpathische Mittel wider Erwarten Inhaltsstoffe enthielten.

Mal abgesehen von all dem, es schadet dem Geldbeutel. Bitte einfach mal kurz nachrechnen. Zucker ist einer von mehreren genutzten Trägern für Globuli. 1kg Zucker kostet sicher noch keine 2€. Wieviele Globuli kann ich daraus erstellen? Tausende, schätze ich. Und die kosten sicher keine 2€. Eher 200. Und laut dem, was ich so lese, auch sehr viel mehr als das.

“Wir verstehen es nur noch nicht, deshalb darfst Du es doch nicht unwirksam nennen!“

Doch, das darf ich. Die wissenschaftliche Methode, die einzige, die wir als Menschheit bislang kennen, die reproduzierbare und vor allem falsifizierbare Ergebnisse bringt, basiert genau auf dieser Prämisse: Eine Hypothese, ein System, wie es auch die Homöopathie ist, muss falsifizierbar sein. Indem sich die Befürworter gegen jede Kritik oder jeden Gegenbeweis immunisieren, indem sie behaupten, man verstehe es einfach noch nicht, wenden sie sich effektiv gegen den Schöpfer der Lehre. Hahnemann war Mediziner und Wissenschaftler – ob er das akzeptiert hätte?

Noch einmal zum mitschreiben: Wenn eine Hypothese im Raum steht, muss sie widerlegt werden können und dürfen. Und viele der Hypothesen der Homöopathie sind längst widerlegt. Wirkstoffe werden nicht wirksamer, wenn sie nicht mehr existent sind. Das widerspricht immer wieder, teilweise seit Jahrhunderten erneut belegten Naturgesetzen. Es gibt kein Gedächtnis des Trägers – denn wenn es das gäbe, wäre er bei der Herstellung mit so viel „hochpotenzierten Inhaltsstoffen“ (lies: völlig natürlichen Verunreinigungen) in Kontakt gekommen, dass die Zahl der Nebenwirkungen gemäß homöopathischer Lehre komplett explodieren müsste.

Und Wirksamkeit darf keine Abhängigkeiten haben. Wenn es wirklich wirksam wäre, wäre es das bei jedem Menschen. Ohne, dass dafür Glauben erforderlich ist. Das ist auch nicht der Fall. Es gibt keine wissenschaftlich formal korrekt durchgeführte Studie, die eine Wirksamkeit über den Placeboeffekt hinaus belegt.

Wem das zu akademisch ist – bringt mir eine ganze Packung Eures „stärksten“ Homöopathikums und ich futtere sie gerne vor Euren Augen. Leider werdet Ihr dabei enttäuscht sein, denn es wird keine Wirkung haben.

“Aber es hilft mir doch immer!“

Nein, tut es nicht. Es geht Dir vielleicht besser, und das koinzidiert vielleicht mit der Einnahme von Globuli. Das reicht aber noch lange nicht, um einen kausalen, reproduzierbaren Zusammenhang darzustellen. Und schon gar nicht, um mit einer Stichprobe von 1 eine stichhaltige Hypothese für alle anderen Menschen aufzustellen.

Sind wir mal ehrlich. Die meisten Dinge, für die man Globuli einnimmt, wären vermutlich von alleine auch besser geworden. Denn meistens geht es dabei um Erkältungen oder ähnliches. Das, was wirklich passiert, ist dass Du Dich besser fühlst. Daraus einen kausalen Heilungszusammenhang konstruieren geht nicht.

Und jetzt noch ein paar ganz kurze Klassiker

  • “Aber wie kann es denn dann bei Kindern/Tieren wirken, die glauben da noch gar nicht dran?!? So, jetzt hab ich Dich!“ — Nein, hast Du nicht. Auch dieses Phänomen ist hinlänglich untersucht. Es hängt mit der positiven Erwartungshaltung des Verabreichenden zusammen, der sogenannte „Placebo-by-Proxy“-Effekt.
  • „Aber es gibt doch homöopathische Ärzte!“ — Auch Mediziner müssen ihre Brötchen verdienen. Da es eine Nachfrage gibt, die zudem kassenrechtlich komplett anders geregelt ist (lies: lukrativer), können sie so massiv ihre Einnahmen erhöhen. Das kann man werten wie man will. Fakt ist aber auch, der Begriff „Homöopathischer Arzt“ heißt übersetzt „Unwissenschaftlicher Wissenschaftler“. Das ist wie „Schwarzer Schimmel“, „Gerade Kurve“, oder ähnliches. Ein kurzer Lacher, aber in sich natürlich Blödsinn. Wer mehr aus Sicht eines Mediziners lesen will, dem sei Natalie Grams sehr ans Herz gelegt.
  • „Ja, aber wenn es doch nicht wirkt, warum bezahlen es dann die Kassen?“ — Nicht alle Kassen erstatten Homöopathie, allerdings zunehmend mehr. Ich halte das für bedenklich. Der Grund ist natürlich banal, denn auch Versicherungen sind Unternehmen. Die Nachfrage nach etwas zu befriedigen, verschafft ihr Kunden und damit Einnahmen. Ganz simpel.
  • „Aber die Politik und die Hochschulen engagieren sich doch auch dafür, dann muss doch was dran sein!“ — Nein, denn auch diese beiden brauchen etwas von den Kunden. Geld und Stimmen. Die kommen durch Studentenbeiträge und Homöopathie-Hersteller, die Lehrstühle finanzieren (übrigens lustigerweise das, was „Big Pharma“ (TM) immer vorgeworfen wird), oder durch Wählergruppen
  • „Das ganze ist aber doch günstiger, und solange es hilft…“ — Das dachten viele. Die Forschung legt nahe, dass es eben nicht so ist, sondern sogar teurer und unwirksam. Und nun ratet mal, zu wessen Lasten das geht? Richtig, dem der Beitragzahler
  • „Ist doch klasse, hat keine Nebenwirkungen!“ — Richtig, weil keine Wirkung

Gehts Dir jetzt besser?

Nein, nicht wirklich. Aber angesichts des konzentrierten Blödsinns mit unhaltbaren, falschen oder komplett verdrehten Argumenten, den ich zunehmend höre und lese musste es einfach mal raus.

Und mal unter uns: Es ist völlig ok, wenn jemand in seiner Freizeit Zuckerkügelchen einwerfen will. Es allerdings auf meine Kosten (ich zahle auch Krankenversicherung!) zu tun und Wirksamkeit, die klar widerlegt ist, zu propagieren, das ist nicht ok. Homöopathie ist ein Glauben, keine belegbare Lehre. Glauben gehört in die eigenen vier Wände und sollte niemand betreffen, der das nicht möchte. Dazu finde ich es extrem bedenklich, dass es „Lehrstühle“ dafür gibt und sich die Politik (der Treppenwitz schlechthin, eine für Wissenschaft zuständige Senatorin!) nicht davon distanziert.

Ich wünschte mir hier klare Ansagen, wie es sie schon in einigen anderen Ländern gibt. Glaube ist und bleibt eben Privatsache.

8. August 2017/1 Kommentar/von Jan Hossfeld

Drei Tipps zum besseren Umgang mit Deiner Zeit

Blog

Sich selbst zu organisieren ist für Nachfolger und Unternehmer eine essentielle Fähigkeit. Wenn Du meinen Blog öfter liest, hast Du vielleicht schon gemerkt, dass ich GTD-Anwender bin. Darüber habe ich schon zwei Beiträge veröffentlicht: Über GTD und Bullet Journal und über mein persönliches Setup.

Neben dieser Methode gibt es noch viele andere Mittel und Wege, gut mit Deiner Zeit umzugehen. Drei Stück möchte ich Dir heute vorstellen.

Erzieh Dein Team

Im Umgang mit Menschen entstehen viele Zeitverluste, die wir oft gar nicht wahrnehmen. Ein Beispiel aus meiner Praxis: Wir haben ein tägliches kurzes Standup-Meeting, das in aller Regel maximal 15 Minuten dauert. Kommt ein Teammitglied dazu 5 Minuten zu spät entsteht kein Zeitverlust von 5 Minuten – tatsächlich verlieren wir im schlimmsten Fall eine ganze Stunde (11 Personen warten auf eine zwölfte, jeweils fünf Minuten, ergibt summiert eine Stunde).

Deshalb habe ich entschieden, dass seit Anfang 2016 jede Verspätung die nicht fremdverschuldet ist, Geld kostet. Mein Team zahlt 3€, ich selbst zahle 10€, da ich als Chef eine Vorbildfunktion habe.

Das hat sich bezahlt gemacht. Die Pünktlichkeit ist gestiegen, und wir konnten das gesammelte Geld am Jahresende an den Sheldrick Wildlife Trust spenden, was mir sehr wichtig war.

Meetings sollten Regeln haben

Meetings sind eh ein riesiger Zeitfresser. Gleichzeitig sind sie für kollaboratives Arbeiten absolut notwendig. Das Geheimnis ist es, sie produktiv zu gestalten. Für unsere Meetings habe ich deshalb Regeln aufgestellt, die sich alle um die Zahl „1“ drehen:

  • Meetings sollten nie länger als 1 Stunde dauern (Ausnahme: Sonderereignisse wie Jahresplanung oder Betriebsversammlung)
  • Sie haben 1 Agenda, die vorher bekannt ist (als Notiz im Termin)
  • Meetings haben 1 Moderator (in aller Regel derjenige, der einberuft)
  • Sie haben 1 Thema (denn gemischte Meetingthemen führen zu Chaos)
  • Meetings haben 1 Protokollanten (dieser sollte nicht gleichzeitig der Moderator sein!) – Das ist insbesondere dann wichtig, wenn Menschen nicht teilnehmen konnten.
  • Sie haben 1 Protokoll

Das klappt, zugegeben, nicht immer, aber in 80% und mehr aller Fälle. Das Team hat das auch gut aufgenommen und der Widerwillen gegen viele Gesprächstermine ist merklich gesunken.

Richtig Prioritäten setzen

Einen Mangel an Aufgaben gibt es, wie bereits eingangs erwähnt, nicht. Auch immer mehr, als Du an Zeit zur Verfügung hast. Deshalb ist es wichtig, Deine Prioritäten richtig zu setzen. Mir helfen dabei drei Fragen, die ich auf mögliche Aufgaben anwende:

  • Warum ist etwas auf meiner Liste? („was ist das Ziel?“)
  • Was passiert, wenn ich es nicht tue?
  • Wie tue ich es am besten?

Die erstem beiden Fragen dienen Deiner Effektivität, die dritte zielt auf Deine Effizienz ab. Ziele helfen Dir zu beurteilen, ob eine mögliche Aufgabe Dir bei der Zielerreichung hilft. Tut sie das nicht, kannst Du überlegen, sie nicht anzunehmen. Dabei hilft auch die zweite Frage, die viel zu selten gestellt wird. Wenn Du ehrlich mit Dir selbst bist, haben viele Dinge keine großen Auswirkungen, wenn sie nicht passieren – dann gibt es keinen sinnvollen Grund, dass sie hoch oben auf Deiner Liste stehen, oder?

Erst mit Frage Nummer drei musst Du Dich überhaupt damit beschäftigen, ob es einen effizienteren Weg gibt, die Aufgabe zu erledigen. Das ist definitiv die Kür, während die beiden Fragen vorher die Pflicht sind.

Was sind Deine besten Tipps?

Ich hätte sicherlich noch viele andere Ratschläge. Bei Bedarf schreibe ich gerne einen zweiten Beitrag zu dem Thema. Mich interessiert jedoch noch viel mehr, was Deine besten Tipps sind! Lass es mich gerne wissen – per Mail, als Kommentar unter diesem Beitrag oder über die sozialen Medien. Alle notwendigen Links findest Du jeweils am Kopf- und Fußende dieser Seite rechts.

 

Hinweis: Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links.

25. Juli 2017/0 Kommentare/von Jan Hossfeld

Deine Rollen als Nachfolger

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Jeder Nachfolger hat viele verschiedene Aufgaben, davon sicherlich auch einige, die sehr spezifisch mit dem jeweiligen Unternehmen zu tun haben, oder mit der Branche.

Was alle Aufgaben aber für meine Begriffe gemeinsam haben, ist, dass man sie in drei Aufgabenbereiche oder Rollen einordnen kann, die wir als Nachfolger haben. Bewusst wurde mir das in dieser Klarheit erst, als ich das Buch „Der Weg zum erfolgreichen Unternehmer“ von Stefan Merath(Affiliate Link) gelesen habe. Über den Titel mag man gerne streiten, inhaltlich finde ich das Buch in jedem Fall mehr als empfehlenswert. Das vorgestellte Modell ist praktisch und schnell anwendbar – und schlägt mit dieser Einfachheit ausgefeiltere, aber kompliziertere theoretische Modelle. Ich spreche ja immer davon, dass Dinge schnell ausprobiert werden und dann angepasst werden sollen. Deshalb bevorzuge ich auch Meraths Modell als Ausgangspunkt. Und in einem echten Nachfolge-StartUp ist es auch wichtig, schnell zu starten und auf dem Weg den Kurs zu korrigieren.

Die drei Rollen will ich Dir heute anhand von Beispielen aus meinem Alltag vorstellen und denke, dass Du Dich darin auch wieder erkennst. Wichtiger ist aber die Frage, was man aus dem Wissen macht. Auf meine Gedanken dazu gehe ich im Anschluss ein.

Die Rolle der Fachkraft

Die erste Rolle, die man vermutlich auch manchmal aus vorherigen Lebensstationen kennt, ist die der Fachkraft. Als solche hat man spezifische Aufgaben, die meist direkt oder indirekt mit der Wertschöpfung des Unternehmens zusammenhängen. Beispiele wären aus meinem Feld Programmierer, oder aber Produktionsmitarbeiter in der Industrie, Mitarbeiter in der Finanz- oder Personalabteilung, und viele weitere mehr.

Diese haben gemeinsam, dass sie operative Aufgaben bekommen, die sie zu erfüllen haben. Die Erfüllung dieser Aufgaben trägt mittelbar oder unmittelbar zum Tagesgeschäft bei, sei es durch die Mitarbeit bei der Herstellung von Produkten oder der Erbringung von Dienstleistungen, oder durch dazu notwendige andere Funktionen.

In meinem Fall war ich auch zuerst Fachkraft in meinem Unternehmen. Ich denke, das wird insbesondere bei Familienunternehmen oft der Fall sein. Es spielt aber keine Rolle, ob man vorher vielleicht auch woanders Fachkraft war. Ich jedenfalls begann im Bereich Marketing und Vertrieb und habe dort entsprechende Aufgaben wahrgenommen: Pflege der Homepage, Entwurf und Durchführung von Marketingmaßnahmen, Vertriebskampagnen und alles, was sonst noch dazu gehört.

Die Rolle des Managers

Die zweite Rolle ist die des Managers. Manageraufgaben sind diejenigen, die zum reibungslosen Ablauf des Tagesgeschäfts beitragen, aber nicht das Tagesgeschäft sind. Zum Beispiel braucht es jemanden, der Dienstpläne erstellt, Kennzahlen entwirft und sichtet, Termine koordiniert oder Mitarbeitergespräche führt. All das sind Beispiele für die Aufgaben, die die Rolle Manager wahrnimmt. Der Manager soll die Strategie des Unternehmens in Projekte und Aufgaben konkretisieren, diese verteilen und über ihre Durchführung wachen. Er ist verantwortlich für das operative Ergebnis (nicht nur, aber auch in finanzieller Hinsicht – er ist zum Beispiel auch der Feuerwehrmann, wenn es Probleme gibt und muss dann eine Lösung herstellen). Je nach Unternehmensgröße gibt es für Teilbereiche dieser Aufgaben u. U. eigene Abteilungen (bspw. Personal oder Finanzen).

In meinem Fall, also in einem kleinen Unternehmen, sind die Aufgaben zu großen Teilen auf eine Person konzentriert. So sind zum Beispiel Jahresplanung, Mitarbeitergespräche, die Ressourcenplanung, der Einkauf und die Terminkoordination Manageraufgaben, die in aller Regel ich wahrnehme.

Die Rolle des Unternehmers

Die dritte Rolle ist die des Unternehmers. Sein Fokus ist die Strategie, der Kurs des Unternehmens. Merath drückt es bildlich aus, indem er Manager- und Unternehmerrolle in ihrem Wirkungsfeld unterscheidet: Der Manager arbeitet im Unternehmen, der Unternehmer am Unternehmen. Neben dieser Hauptaufgabe gibt es weitere Inhalte für diese Rolle, bspw. Networking, die Definition der Kernwerte des Unternehmens oder die Personalauswahl.

Klar ist, dass alle diese Aufgaben bei mir angesiedelt sind. Ich besuche die entsprechenden Veranstaltungen, engagiere mich in Verbänden und anderen Gruppierungen, knüpfe Kontakte, plane die Strategie und halte, zusammen mit meinem Team, jederzeit die Augen offen, um Chancen und Trends zu erkennen.

Was kannst Du nun daraus mitnehmen?

Zuallererst solltest Du es Dir bewusst machen! Im Alltag hat man oft vor lauter Aufgaben (die meist operativer Natur sind) überhaupt keine Zeit, diesen mentalen „Schritt zurück“ zu machen, und mal aus der Vogelperspektive auf das eigene Tun zu schauen. Mit diesem Wissen kannst Du (und das empfehle ich!) mal alles, was Du tust, aufschreiben und durch Kennzeichnung in eine der drei Rollen einordnen. Eine einfache Liste, hinter die Du ein U, M oder F schreibst, reicht völlig aus. So erkennst Du nicht nur, wo Dein Schwerpunkt liegt, sondern auch, wo Du vielleicht Hilfe benötigst.

Mein Tipp Nummer drei, bei dem ich Stefan Merath voll und ganz zustimme, ist es, vor allem die Fachkraftaufgaben abzugeben. Meine erste Einstellung war die einer Fachkraft, die seitdem Marketing und Vertrieb verantwortet. Das halte ich nach wie vor für eine sehr gute Entscheidung. Als Allrounder, der man als Nachfolger fast zwangsläufig ist, wird man nie die Effektivität einer dedizierten Fachkraft erreichen. Als kleines Extra bekommt man viel Zeit frei, um sich den anderen beiden Rollen zu widmen. Heute bin ich selbst nur noch selten im Bereich Marketing/Vertrieb aktiv – meist als Urlaubsvertretung oder indem ich Artikel schreibe, weil es mir Spaß macht.

Und wie kann ich mit den Manageraufgaben umgehen?

Bei der Managerrolle kommt es stark auf die Unternehmensgröße an. Ich habe diese noch fast zu 100% bei mir. In einem größeren Unternehmen können sicherlich viele Aufgaben auch abgegeben werden, sei es an die entsprechende Abteilung oder geeignete Personen. Ich empfehle hier mal eine Zeitmessung zu machen, über einen sinnvollen Zeitraum (einen Monat, zum Beispiel). Das Ziel dabei ist es, herauszufinden, wie viel Zeit man womit aus diesem Aufgabenbereich verbringt. Kombinierst Du eine solche Aufstellung mit einer sortierten Liste (sortiert danach, wieviel spezifische Kenntnisse für welche Aufgabe nötig sind) ergeben sich bestimmt einige Aufgaben, die Du anders verteilen kannst.

Der Grund dafür ist simpel: Die Rolle des Unternehmers kann und darf Dir niemand abnehmen. In der reinen Zahl der Aufgaben sind diese zwar wenige, aber dafür sind sie wichtige. Meine Erfahrung bislang ist, dass ich zwischen vielen operativen Anforderungen die vor allem die Managerrolle mit sich bringt, oft zu wenig Zeit dafür bleibt. Die Unternehmeraufgaben haben viel mit Nachdenken, kommunizieren, schlicht mit bildlichem und wortwörtlichen „Rausgehen“ aus dem Unternehmen zu tun. Das steht im Konflikt mit den Anforderungen des Teams und der Kunden an den Manager. Zudem wird man in der Managerrolle auch einfach oft unterbrochen und die Anforderungen wechseln schnell. Sich dann mit einer langfristigen Vision oder den Kernwerten des Unternehmens zu beschäftigen fällt schwer. Deshalb prüfe ich zurzeit auch, was ich noch aus der Managerrolle abgeben kann, um mich mehr der Unternehmerrolle zu widmen.

Die Unternehmerrolle wird oft vernachlässigt

Was mir hierbei besonders auffällt, ist die Sensibilität des Teams für An- oder Abwesenheit. Mein Team signalisiert mir recht schnell, wenn es der Ansicht ist, dass ich zu häufig außer Haus bin. Das steht natürlich oft im Konflikt mit meinen Unternehmerzielen und -aufgaben. Bislang habe ich es noch nicht geschafft, diesen Konflikt abschließend zu lösen. Mir ist klar, dass ich eigentlich noch mehr in diese Richtung tun muss, darf aber dabei die Bedürfnisse des Teams nicht aus den Augen verlieren. Wer hier einen Tipp oder Erfahrungswert für mich hat, dem bin ich sehr dankbar. Mein Ratschlag ist jedenfalls: Wenn Du diese Einteilung in Rollen einleuchtend findest und es für Dich relevant ist, kommuniziere das auch in Richtung des Teams. Sensibilisiere es dafür, dass es verschiedene Anforderungen gibt. Diese sind nicht immer direkt sichtbar und auch nicht immer automatisch bei Dir zu verordnen. Und halte es auf dem Laufenden, damit es nicht überrascht vor einem leeren Büro steht.

Ich hoffe, das hilft Dir so sehr, wie es mir bislang geholfen hat. Ich kann das Buch nur wärmstens empfehlen. Es enthält noch weitere gute Ideen und ist auch, da es in Form einer Geschichte geschrieben ist, angenehm kurzweilig zu lesen.

 

Hinweis: Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links.

11. Juli 2017/1 Kommentar/von Jan Hossfeld
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