Jan Hoßfeld
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Eine zweite Führungsebene ist kein Führungssystem

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Ein Organigramm ist kein Führungssystem

Wenn ein Unternehmen eine kritische Schwelle in der Mitarbeiterzahl übersteigt, merken viele Geschäftsführer, dass es einen guten Grund hat, wenn die Fachliteratur zwischen sieben und zehn Personen als maximale Zahl direkt geführter Menschen nennt. Irgendwann wird es einfach zu viel – alleine die Jahresgespräche, von monatlichen oder wöchentlichen Interaktionen ganz zu schweigen, nehmen dann so viel Zeit in Vorbereitung und Durchführung in Anspruch, dass es einfach nicht mehr zu leisten ist.

Eine zweite Führungsebene soll Abhilfe schaffen

Die Lösung für das Problem erscheint auch einfach, und in Theorie ist sie das auch. Man schafft eine zweite Führungsebene, Teams oder Abteilungen, mit einer Führungskraft an der Spitze. Dadurch reduziert sich die Zahl der Gespräche massiv, die Geschäftsführung gewinnt Zeit zurück und die neuen Führungskräfte lernen auch noch etwas dabei. Win-Win, könnte man sagen. Wenn das so leicht wäre, gäbe es allerdings jede Menge Bücher (oder mein Business) nicht.

Das formale Vorhandensein von Führungskräften ist nur der erste Schritt. Oft genug ist es aber dann so, dass kritische Entscheidungen, Konflikte oder Ausnahmen doch wieder bei der Geschäftsführung landen. Dann ärgern sich meist beide Seiten. Die Geschäftsführung versprach sich Entlastung und Entwicklung neuer Führungskräfte, während sich diese dann als verantwortlich, aber nicht handlungsfähig erleben.

Die Ursachen sind fast immer die gleichen

Woran es meist mangelt ist die Klarheit in der Delegation. Eine Führungskraft, bei der nicht klar festgelegt ist, was genau sie entscheiden darf oder wo die Grenzen sind, an denen es wirklich eskaliert werden muss, sitzt in der Falle. Unbekannte Rahmen sprengen passiert im Alltag leicht, die Konsequenzen erleidet man aber trotzdem. Dann ist es aus Sicht dieser Führungskraft völlig rational, sich lieber noch einmal abzusichern.

Das Problem sitzt auch leider oft Im Geschäftsführerbüro. Wenn man nichts sauber festlegt, aber dann Entscheidungen kassiert, schwächt man seine Führungskräfte auch in den Augen des restlichen Teams. Das lernt dann schnell „Ja, wir haben einen Vorgesetzten, aber am Ende entscheidet der Chef oder die Chefin„. Ergänzt man das dann noch durch Eingriffe von oben oder schlicht Gewohnheitsentscheidungen, die „immer schon der Chef getroffen hat„, hat man ein schickes Organigramm, aber keine Führungskräfte.

Die haben schon eh genug damit zu tun, den Job zu lernen. Führung ist harte Arbeit, die schlicht eine Menge Erfahrung erfordert. Erfahrung sammelt man aber nur durch tun. Wenn der eigene Vorgesetzte aber alles Wissen hat, das man für Entscheidungen bräuchte, und dieses nicht zunehmend teilt (und dann vielleicht auch noch eingreift), wird es schwer, jemals in die Rolle hineinzuwachsen.

Personenabhängigkeit wird nicht durch Organigramme reduziert

Wie Du beim Lesen merkst, ist das Organigramm nicht der richtige Weg, die Abhängigkeit von Einzelpersonen loszuwerden. Die reine Schaffung einer weiteren Hierarchieebene ist nur der erste Schritt. Danach ist es wichtig, ein klares Zielbild zu haben. Aus meiner Sicht sollte das so aussehen:

  • Entscheidungen werden dort getroffen, wo Verantwortung und notwendiges Wissen liegen
  • Es gibt einen klaren Eskalationsweg, der dann genutzt wird, wenn definierte Grenzen überschritten sind
  • Rückversicherung beim Chef durch Mitarbeitende wird Schritt für Schritt abgebaut
  • Auch bei Fehlern gibt es Rückendeckung und sie werden als Möglichkeit zur Schärfung der Rollenbeschreibung benutzt
  • Es gibt schriftliche Klarheit darüber, wie weit Entscheidungsrechte gehen

Das klingt furchtbar leicht. Wenn es das wäre, gäbe es aber nicht hunderte Artikel darüber. Ein Führungssystem zu schaffen, bei dem ernsthafte Delegation, Verantwortungsübernahme und die Reduktion der Abhängigkeit von Schlüsselpersonen (ja, auch dem Chef) funktionieren, kann lange dauern und erfordert viel Übung.

Titelbild mit KI erstellt.

3. September 2026/0 Kommentare/von Jan Hossfeld

Anforderungen an erfolgreiches Feedback

Blog

Feedbackkultur ist eines der meistgenutzten Worte überhaupt. Überall wird davon gesprochen, wie wichtig sie ist, wie sie zur Zufriedenheit und Entwicklung beiträgt. Und dennoch haben viele Menschen, die sich früher bei mir beworben haben, mangelnde Feedbackkultur als eine Motivation für ihren Wechsel angegeben. Dieser Diskrepanz möchte ich ein wenig nachgehen, nachdem ich ja schon in einem früheren Beitrag von persönlichen Gesprächen und den Tücken berichtet habe.

Schema F funktioniert nicht

Auch wenn die Redensart ein „F“ wie Feedback enthält, ist sie das Rezept für Misserfolg. Meine bisherige Erfahrung in der Beobachtung von anderen und mir selbst ist zweigeteilt. Zum einen nutzen wir alte Rezepte, die jeder durchschaut. Zum anderen wollen wir es uns leichtmachen und vor allem so kommunizieren, wie es für uns passt. Beides funktioniert nicht.

Eine beliebte Methode ist zum Beispiel das Sandwich-Feedback. Man verpackt einen kritischen Punkt zwischen zwei positive Punkte. Klingt erst einmal gut, ist es aber nicht. Normalerweise arbeiten wir mit intelligenten Menschen. Die durchschauen das, noch bevor Du damit ansetzt. Und fühlen sich dementsprechend verschaukelt. Frei nach dem Motto: „Mein Gott, wenn Du was sagen willst, dann sag es halt!“

Der andere Standardfehler ist, dass wir die Redensart „Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler“ nicht beherzigen. Denn Menschen haben sehr unterschiedliche Kommunikationspräferenzen, und die Art der Interaktion spielt auch noch eine große Rolle. Das bedeutet, meine Botschaft kann noch so gut, richtig und hilfreich sein – wenn sie beim Empfänger nicht ankommt, bringt es gar nichts. Kommunikation passiert zu den Bedingungen des Empfängers.

Wie man Feedbackkultur richtig gestaltet

Aus meiner Sicht gibt es einige Regeln, wie Feedback wirklich funktioniert. Sie sind, auf den ersten Blick, ganz leicht. In der täglichen Umsetzung erfordern sie allerdings Aufmerksamkeit, Nachdenken und schnelles Handeln.

Ich denke, die drei wichtigsten Punkte für gutes Feedback sind schnell, direkt und spezifisch.

Schnell bedeutet, dass zwischen dem Ereignis, was ein Feedback der Führungskraft auslöst und dem Feedback selbst maximal 24 Stunden liegen sollten. Hebst Du Dir alles bis zum nächsten 1on1 auf, ist der Auslöser längst vergessen. Hinzu kommt, dass unser Gehirn keine Tatsachen speichert, sondern die Interpretation von Ereignissen. Beides führt dazu, dass spätes Feedback nicht mehr an den Auslöser anknüpfen kann.

Direkt heißt, dass ein Feedback sich an die konkrete Person richten muss. Was leider immer noch oft passiert ist, dass Feedback in einer Gruppe an einzelne Personen gerichtet wird. Das ist weder wertschätzend noch hilfreich, da der oder die Betroffene es als Angriff interpretiert und somit zuerst die Verteidigung sucht, statt sich mit dem Inhalt zu beschäftigen.

Spezifisch ist mit die größte Hürde. Ich empfinde das Schema „Ich habe XYZ beobachtet, das hat (bei ABC) folgendes ausgelöst“. Um auch hier den gefühlten Angriff zu vermeiden, ist es hilfreich, die Frage nach der Perspektive des Betroffenen anzuschließen. Beides zusammen führt dazu, dass man zuerst die jeweiligen Bilder des Auslösers vereinen kann, bevor man in die Interpretation und die Folgen einsteigt.

Das ist ja simpel!

Nein, leider ist es nicht simpel, und ich habe dabei auch oft Fehler gemacht. Weil es mir gerade nicht in den Plan passte, habe ich Feedbacks auf ein späteres Gespräch verschoben. Das führte dann auch bei mir dazu, dass ich nicht mehr spezifisch genug sein konnte, denn auch mein Gehirn speichert nicht wirklich lange.

Zu allem Überfluss kommt noch hinzu, dass Dein Feedback erst dann erfolgreich sein kann, wenn die betroffene Person es wahrnehmen und verarbeiten kann. Hier braucht es Erfahrung und Fingerspitzengefühl, das nicht in jeder Situation gerade zur Verfügung steht. Die Kommunikationspräferenzen des Empfängers sind entscheidend dafür, ob ein Feedback wie geplant ankommen kann und den gewünschten Effekt produziert.

Somit erklärt sich auch, warum man von Feedbackkultur spricht. Kulturveränderungen sind, per Definition, langsam und erfordern Übung, wovon ich schon oft geschrieben habe. Die Übung entsteht auf beiden Seiten, Sender und Empfänger, durch Übung, nicht durch Verordnung einer Kultur. Kultur ist das, was täglich gelebt wird, nicht das, was irgendwann verordnet wird.

Bildquelle: Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

 

27. August 2025/0 Kommentare/von Jan Hossfeld

Karrierestart als Führungskraft – Selbstreflexion und Selbstführung

Blog, Karrierestart als Führungskraft

Im vorerst letzten Teil der Serie komme ich zu dem vielleicht entscheidenden Skill für Nachwuchsführungskräfte: Selbstreflexion.

Die Bedeutung von Selbstreflexion für Deine Entwicklung

Die eine Sache, die in der Hektik des Alltags zu oft untergeht, ist die Reflexion. Dabei ist sie die vielleicht wichtigste Investition in Deine Zukunft als Führungskraft. Nur zu oft wird es Dir passieren, dass Du einige Zeit nach einem Ereignis darüber nachdenkst. Dabei wirst Du, ebenfalls nur zu oft, merken, dass Du es hättest anders oder besser handhaben können. Das ist Reflexion, auch wenn es unbewusste und nicht gezielte ist.

Dieses Nachdenken über Dein Handeln und Wirken zu institutionalisieren wird Deine Karriere auf ein neues Level bringen. Und das schöne dabei ist, dass es sich gut mit der Sorge für sich selbst kombinieren lässt. Somit wirst Du nicht nur besser, sondern kannst auch länger!

Praktische Anwendung von Selbstreflexion

Die wichtigsten 10-15 Minuten, die Du jeden Tag hast, sind die, in denen Du reflektierst. Ein sehr nützliches Mittel ist ein Tagebuch. Nun kann nicht jeder einfach drauf los schreiben. Was Du aber tun kannst, ist Dir selbst eine Struktur vorgeben – also dafür sorgen, dass Dein Tagebuch Dir „Fragen stellt“. Das könnten zum Beispiel folgende sein:

  • was waren die Top 5 Dinge, die heute passiert sind?
  • welche kleinen Erfolge habe ich heute erzielt?
  • was habe ich wahrgenommen, was mir unangenehm war?
  • was habe ich heute gelernt?

Es geht dabei nicht darum, einen Roman zu schreiben. Vielmehr ist es ein Weg, sich Dinge, die passieren, bewusst zu machen. Das alleine führt dann schon zum Nachdenken darüber – und langfristig zu gezielter Änderung des eigenen Verhaltens.

Gesundes Reflektieren

Die tägliche Arbeit an sich selbst bringt, mit der Zeit, messbare Vorteile. Was es dennoch zusätzlich braucht, ist Urlaub! Ich kann es einfach nicht oft genug sagen – eine längere Auszeit setzt nochmal ein ganz anderes Denken in Kraft. Meine eigenen Erfahrungen habe ich schon oft geschildert, zum Beispiel im Bericht aus dem Urlaub diesen Jahres. Deshalb ist mein zweiter Rat, regelmäßig Auszeiten zu nehmen. Urlaub ist die einfachste Variante, aber auch etwas außergewöhnliches kann sehr erkenntnisreich sein. Über meinen Aufenthalt im Schweigekloster habe ich ja auch schon berichtet.

Zudem musst Du auch nicht alles mit Dir selbst ausmachen. Reflexion kann auch durch die Augen einer anderen Person, in denen Du Dich spiegelst, erfolgen. Mit ein Grund, warum ich immer wieder für Mentoring plädiere. Es bedeutet nicht, dass Du es nicht alleine schaffen kannst. Es ist nur manchmal unglaublich viel schneller und einfacher, wenn Du dabei Hilfe hast!

Das Suchtpotenzial von Input

Als Nachwuchsführungskraft hast Du keinen Mangel an neuem Input. Netzwerke, Bücher, Gespräche – eigentlich kann alles Dein Denken anregen. Und so sehr ich Dir rate, viel zu lesen (eine kleine Auswahl aus meinem Urlaub findest Du auf diesem Blog), so sehr rate ich Dir auch zu etwas anderem:

NICHTSTUN

Das klingt jetzt vielleicht extrem widersinnig, aber jeder Mensch, jedes Hirn, hat ein Limit. Irgendwann hören oder sehen wir das neue noch, können es aber nicht mehr verarbeiten. Deshalb ist das reine Nichtstun, die sprichwörtliche Gartenarbeit ohne Nachdenken, mindestens genauso wichtig, wie das, was Du alles so tust.

Gib Deinem Hirn die Chance, Input zu verarbeiten, bevor Du es erneut flutest. Share on X

Zusammenfassung

Reflexion ist für Deine Entwicklung als Führungskraft enorm wichtig. Die folgende Ratschläge können dabei helfen:

  • Reflexion von der unbewussten auf die Handlungsebene bringen – zum Beispiel durch Tagebuchschreiben
  • regelmäßige Auszeiten, die Deinem Hirn Raum zum Nachdenken geben
  • viel Input einholen, zum Beispiel durch lesen…
  • …aber auch Raum für Erholung lassen durch das reine Nichtstun
  • Mentoring kann Deine Reflexion und ihre Wirkung enorm beschleunigen

Das ist der (vorerst) letzte Teil dieser Serie. Falls Du noch Ideen hast, über welches Thema ich für den Karrierestart von Führungskräften schreiben sollte, lass es mich bitte wissen!

Bildquelle: Erstellt mit KI am 06.08.24

2. Oktober 2024/0 Kommentare/von Jan Hossfeld

Karrierestart als Führungskraft – Unterstützende Netzwerke

Blog, Karrierestart als Führungskraft

In Teil drei der Serie beschäftige ich mich mit dem Thema der unterstützenden Netzwerke für Nachwuchsführungskräfte.

Sind Netzwerke wirklich wichtig?

Kurze Antwort: Ja. Längere Antwort: Ja, absolut! Spaß beiseite, Netzwerke sind enorm wichtig. Und das lernen wir eigentlich schon in der Kindheit. Das erste Netzwerk, das wir kennenlernen, ist die Familie. Ist dieses Netzwerk unterstützend und hilfreich, ermöglicht es einen guten Start ins Leben. Ist die Familie dagegen destruktiv, hat man Widerstände und Hürden zu überwinden, wenn man das gleiche Ergebnis erzielen will.

Dieses Beispiel illustriert bereits, wie wichtig Netzwerke sind. Und deshalb gilt das natürlich auch für Nachwuchsführungskräfte! Ich möchte für diesen Beitrag in drei verschiedene Typen von Netzwerken unterscheiden, die für Dich empfehlenswert sind.

Fachnetzwerke

Je nachdem, in welchem Bereich Du Führungskraft wirst, gibt es wirklich gute Fachnetzwerke. Diese sind meist bei neutralen Gesellschaften oder Institutionen angesiedelt. So gibt es bspw. die Gesellschaft für Projektmanagement, die Gesellschaft für Controlling, und viele andere mehr. Auch die lokalen Industrie- und Handelskammern (oder die Handwerkskammern) unterhalten oft eigene, fachbezogene Netzwerke. Ihnen gemeinsam ist der fachbezogene Austausch, oft auch fachliche Weiterbildungsmöglichkeiten.

Abhängig davon, in welchem Bereich Du führen sollst, ist es sehr ratsam, frühzeitig den Kontakt zu suchen. So erhältst Du oft kostenlos fachliche Informationen, knüpfst Kontakte zu Experten und findest gute Fort- und Weiterbildungen. Das ist, alles in allem, ein lohnendes Investment. Sie helfen Dir, fachlich besser zu werden. Und je nach Netzwerk kannst Du dort auch Ansprechpartner finden, die Du in Deinem Alltag kontaktieren kannst und einen guten Rat bekommst.

Führungsnetzwerke

Nun plädiere ich ja immer dafür, dass Führung ein komplett eigenes Skillset ist. Dementsprechend gibt es natürlich auch Netzwerke, die kein spezifisches Fachgebiet als Thema haben. Die Wirtschaftsjunioren, die Familienunternehmer und die lokalen Kammern an sich sind Beispiele für solche Netzwerke.

Ihr Vorteil ist dabei die Diversität. Bist Du zu sehr fachgebunden, gehen Dir vielleicht Lösungsansätze verloren, die andere bereits erarbeitet haben. Es ist für Dein Denken und Deine Entwicklung aber enorm hilfreich, über den Tellerrand zu schauen. Deshalb empfehle ich Dir dringend, ein solches Netzwerk zu suchen und Dich zu investieren. Du wirst mit der Zeit überrascht sein, wie hilfreich es ist. Als Bonus haben diese Leadership-Netzwerke ebenfalls oft sehr gelungene Vorträge, Fortbildungen und Netzwerkveranstaltungen, die Dir unmittelbaren Mehrwert bringen. Darüber habe ich auch schon mal ausführlicher geschrieben. Was für Nachfolger gilt, gilt aber auch für Nachwuchsführungskräfte!

Das informelle Netzwerk innerhalb Deines Unternehmens

In Deinem Unternehmen gibt es ebenfalls Netzwerke. Im Gegensatz zu den oben genannten sind diese meist nicht institutionalisiert, sondern informell. So bilden in großen Unternehmen die Assistenzkräfte der Führungskräfte meist ein solches Netzwerk. Sie sind oft bestens informiert, wenn es um Strömungen und Meinungen so firmenpolitischen und -strategischen Fragen geht. Das solltest Du nicht ignorieren. Es ist enorm hilfreich, hierzu Zugang zu haben. Über die eigene Assistenz, regelmäßige Treffen in der Mittagspause oder indem Du zum Beispiel ein Netzwerk für die jungen Führungskräfte im Unternehmen selbst gründest. Schon ein wöchentlicher Jour Fixe von nur einer Stunde wird Dich dabei voranbringen.

Natürlich gibt es auch formelle interne Gruppen. Eine Führungsrunde, ein Abteilungsleitertreffen, ein Reportingkreis – all das sind Netzwerke, die für Dich hilfreich sein können. Wichtig ist das langfristige Denken. Man sieht es ja in der Politik – wenn eine Person aus einem alten Netzwerk eine wichtige Position erreicht, bedeutet es auch oft einen großen Karriereschritt für andere Mitglieder.

Das Geheimnis von Netzwerken: Dein Investment

Das ganze Geheimnis erfolgreicher Netzwerkarbeit liegt in Deinem Investment. Wenn Du zwar Mitglied bist, aber nie zu einer Veranstaltung gehst, hast Du nichts davon. Investierst Du Dich allerdings aktiv, bekommst Du diese Investition verzinst zurück. Deshalb gibt es nur eine Sache, die ich Dir nicht rate:

Das einzige, was ich Dir nicht empfehlen kann, ist in kein Netzwerk zu gehen.

Zusammenfassung

Netzwerke sind allgegenwärtig, sie beginnen bereits in Deiner Kindheit. Als Nachwuchsführungskraft gibt es für Dich die folgenden Optionen:

  • Fachnetzwerke in Deinem Arbeitsfeld
  • Übergreifende, oft auf Leadership fokussierte, Netzwerke
  • die formellen und informellen Netzwerke innerhalb Deines Unternehmens (die Du auch selbst gründen kannst)
  • und natürlich Dein privates Umfeld

Ihr Nutzen für Dich hängt letztlich alleine von Deiner Investitionsbereitschaft ab. Es gilt der alte Grundsatz: „Kontakte schaden demjenigen, der sie nicht hat.“

 

Bildquelle: Erstellt mit KI am 06.08.24 

18. September 2024/1 Kommentar/von Jan Hossfeld

Karrierestart als Führungskraft – Der Umgang mit Unsicherheit

Blog, Karrierestart als Führungskraft

Zeit für den versprochenen zweiten Teil der Serie „Karrierestart als Führungskraft“. Dieses Mal ist das Thema, wie man mit all dem Neuen, der Unsicherheit, umgeht, was einen erwartet.

So viel zu tun – wie fange ich an?

Wie ich schon an anderer Stelle beschrieb, prasselt auf eine Nachwuchsführungskraft viel ein. Neue Aufgaben, vielleicht auch noch die alten fachlichen Aufgaben dazu, und wenig Erfahrung im Umgang mit der Situation. Das wichtigste dabei ist Ruhe bewahren. Denn es ist wie in jedem neuen Job völlig normal, am Anfang etwas überfordert zu sein. Diese Schonfrist gilt auch für frisch gebackene Führungskräfte. Dass jemand mit zwei Jahrzehnten Erfahrung anders gemessen wird ist normal. Du, als Nachwuchsführungskraft, musst nicht direkt auf 100% Performance springen. Was aber nicht passieren sollte ist, dass Du ein Opfer der Situation bist.

Deshalb ist das wichtigste aus meiner Sicht ein Rahmen. Du brauchst eine grobe Übersicht darüber, was generell Deine Aufgaben sind. Idealerweise kannst Du diesen dann auf einen täglichen Rahmen runterbrechen. Strukturen helfen generell dabei, in hektischen Situationen den Überblick zu bewahren. Deshalb lautet mein Tipp: Schreib einfach erst mal alles auf. Ob als Liste, als Mindmap, digital oder analog, das spielt keine Rolle. Aber verschaff Dir einen Überblick. Sofern vorhanden kann eine Stellenbeschreibung sehr nützlich sein.

Wenn Du diese Übersicht hast, bewerte erst einmal, wo Du bei diesen Punkten stehst. Kennst Du die Aufgabe schon? Hast Du Erfahrung damit? Wo fehlt Dir Wissen? Das alles kannst Du in Deinen Entwicklungsplan integrieren. Und dann folgt der vielleicht wichtigste Tipp: Sprich mit Deinem Team! Was den fachlichen Teil angeht, sind diese Menschen Deine beste Informationsquelle. Du musst es nicht genauso gut können wie sie, solltest aber ein ausreichendes Verständnis aufbauen, damit Du mit Ihnen sprechen kannst. Deine erste Woche besteht also bestenfalls aus Sprechen und Hospitieren, damit Du diese Lücke schließen kannst.

An vorhandene Strukturen andocken

Im zweiten Schritt kannst Du dann erarbeiten, welche Strukturen durch das Unternehmen vorgegeben sind. Reporting ist ein guter Ansatz. Welche Zahlen und welche Informationen brauchst Du und brauchen Deine Vorgesetzten? In welchen Abständen? Das gibt Dir einen Hinweis, was Du an Datenerhebung aufbauen musst. Sofern Du Nachfolger einer Person bist, lohnt es sich auch, in deren Unterlagen zu schauen. Wenn Du auf der sprichwörtlichen grünen Wiese beginnst, umso besser – dann kannst Du es von Anfang an mit erarbeiten und bist damit automatisch der erste Experte.

Achte dabei darauf, dass Du Dich selbst nicht überforderst. Du bist in Stunde 9 und 10 eines Tages nicht effektiver oder besser. Vermutlich bist Du nur müder. Besser wäre es, eine Priorisierung in Deine Liste zu bringen. Wie oft fallen Aufgaben an? Wie dringend sind diese? Sind andere davon abhängig? Mit dieser Art Fragen kannst Du eine sinnvolle Reihenfolge schaffen.

Selbstzweifel sind normal

Auch wenn wir alle gerne Superman (oder Batman) wären, wir sind es nicht. Du wirst Fehler machen, langsamer lernen als Dir lieb ist oder Deadlines verpassen. Die Angst vor diesen Dingen ist aber meist größer als die tatsächliche Auswirkung. Und sie ist gleich doppelt schädlich, denn Angst lähmt, wodurch die Deadline noch näher rückt. Ein Mentor, innerhalb und außerhalb des Unternehmens, ein Partner, ein Freund – sie alle können Dir helfen, diese Ängste loszuwerden und in die Aktion zu kommen. Egal, ob es von Erfolg gekrönt ist, es fühlt sich besser an, etwas zu tun, als dabei zuzusehen, wie Dinge passieren.

Bei allem, was Du tust, wirst Du Fehler machen. Das hat gleich mehrere Vorteile. Es sorgt dafür, dass der Superhelden-Mythos stirbt. Du lernst daraus. Und die allermeisten Fehler sind nicht so kritisch, wie sie sich anfühlen. Was Dir allerdings nicht passieren sollte, ist, dass Du einen Fehler und das damit verbundene Lernpotenzial ignorierst. Geh offen damit um, auch gegenüber Deinem Team. Nichts macht Dich als Führungskraft nahbarer, als sachlich über einen eigenen Fehler zu sprechen und, wenn möglich, andere in die Lösung einzubeziehen.

Das geht am besten mit einer Nacht Schlaf dazwischen. Schnellschüsse führen oft dazu, dass wir emotional noch zu angreifbar sind, was uns unklarer in der Sache werden lässt. Sind wir unklar, weiß das Team nicht, woran es ist. Das ist dann weniger hilfreich. Deshalb: Eine Nacht schlafen, dann sachlich aufräumen!

Nach der Pflicht kommt die Kür

Mit der Zeit ist der Rahmen, den Du gebaut hast, so stabil, dass Du auf die Feinheiten achten kannst. Dazu gehören aus meiner Sicht vor allem Vorbildfunktion in Dingen, die Dir wichtig sind. Menschen beschreiben, was man von ihnen erwartet, kann funktionieren. Besser ist es, das richtige Verhalten vorzuleben. Wenn Du also beispielsweise davon überzeugt bist, dass Deadlines wichtig sind, solltest Du selbst keine verpassen.

Du hast Deinem Team etwas für Montag zugesagt? Liefere es Montag! Du möchtest, dass die Dinge sachlich analysiert und gelöst werden? Dann sei nicht selbst emotional!

Das klingt nun relativ simpel. Allerdings ist es das nicht immer. Deshalb ist es auch die Kür, denn es erfordert mentale Kapazität, die eigenen Werte immer wieder mit dem eigenen Verhalten bewusst abzugleichen. Unser normaler Modus Operandi bevorzugt das schnelle Handeln – das kann dann aber unpassend zu den Werten sein. Hier macht Übung den Meister.

Zusammenfassung

Als frisch gebackene Nachwuchsführungskraft prasselt viel auf Dich ein. Unsicherheit ist in dieser Situation menschlich. Folgende Punkte helfen Dir:

  • Akzeptieren, dass auch in einer Führungsposition jeder am Anfang viel lernen muss
  • Die eigenen Aufgaben in einer Liste oder Mindmap festhalten und daraus einen Lernplan entwickeln
  • Vorhandene Strukturen mit dieser Liste kombinieren und damit einen stabilen Rahmen für die tägliche Arbeit schaffen
  • Fehler als Lernmöglichkeit nutzen – nach einer Nacht Schlaf
  • langfristig vor allem Vorbild statt Mahner sein

In zwei Wochen geht es weiter mit dem Thema „Netzwerke und ihre Bedeutung für Nachwuchsführungskräfte“.

Bildquelle: Erstellt mit KI am 06.08.24

21. August 2024/0 Kommentare/von Jan Hossfeld
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