Der gestrige 8. Mai ist ein historisches Datum. An diesem Tag in 1945 endete der Krieg in Europa. Das alleine ist Grund zu feiern. Noch schöner ist allerdings, was daraus geworden ist. Denn die EU war in den vergangenen Jahrzehnten Garant für Frieden und wachsenden Wohlstand.

Das Projekt Europa ist gefährdet

Dass dieser Wohlstand nicht immer alle gleichmäßig erreicht, kann man verschieden interpretieren. Was allerdings, denke ich, unstrittig ist, ist dass die EU uns eine sehr lange Friedensperiode und im Schnitt deutlich wachsenden Wohlstand gebracht hat. Dazu kommen gefallene Grenzen, EU-weite Projekte wie ERASMUS (oder hier im Saarland zum Beispiel das deutsch-französische Hochschulinstitut), in vielen Ländern einheitliche Währung… ich bin mit diesen Privilegien aufgewachsen und weiß sie zu schätzen.

Für die Generation nach uns sind sie allerdings in Gefahr.

Es steht eine Europawahl an. Eine, die möglicherweise über die Zukunft dieses Projekts „Europa“ mit entscheidet. Nationalstolz, das Erkunden und Feiern von Unterschieden, das sich gegenseitige Bereichern, ist völlig in Ordnung. Stumpfer Nationalismus allerdings gefährdet das Europa, in dem die meisten von uns, völlig selbstverständlich, in Frieden und Freiheit aufgewachsen sind.

Demokratie muss verschiedene Meinungen ertragen können

Dazu kommt ein erhebliches Legitimationsproblem. Die Institutionen der EU sind vielleicht nicht immer im Alltag präsent – sie treffen jedoch Entscheidungen, die uns dauernd betreffen. Leider sind diese Entscheidungen teilweise weit von der Realität entfernt, in der die Bürger leben. Es gibt, und das ist unbestreitbar, ein Problem, das durch offenkundig fehlinformierte Beschlüsse noch verstärkt wird.

Das ist ein Nährboden für Fehler, die unser Europa gefährden. Die Brexit-Debatte, ohne Not durch einen Premier angestoßen, seine Macht zu sichern, ist an Drama, Lügen und Unverständnis kaum zu überbieten. Die Urheberrechtsreform wirkt wie ein einziges Lobbyergebnis, das an allen Interessen unserer Generation und der unserer Kinder komplett vorbei geht und die europäischen Werte mit Füßen tritt. Und statt dann konstruktiv miteinander um eine sinnvolle, durch Fakten und gegenseitigen Respekt geprägte Lösung zu suchen, wurden die Gegner der Reform als „bezahlt“, unmündig oder schlicht dumm diffamiert. Dieses Verständnis von Demokratie und Zukunft ist es, was unser Europa gefährdet.

Geht zur Wahl

Ich kann niemanden zwingen zu wählen. Ich kann aber jeden darum bitten. Ihr könnt Eure Wahlentscheidung treffen, wie Ihr möchtet. Nicht zu wählen allerdings ist genau das, was den Gegnern unseres Europas in die Hände spielt. Wenn Ihr nicht wisst, was Ihr wählen sollt, hilft der Wahlomat. Wenn Ihr am Wahltag nicht persönlich zur Urne gehen könnt, gibt es das Mittel der Briefwahl.

Ich selbst habe für mich mit der Abstimmung zur Urheberrechtsreform für mich erkannt, welche Parteien für mich, persönlich, nicht in Frage kommen. Parteien, die sachlich begründete Argumente gegen ihre Politik konsequent ignorieren und sogar diffamieren, ihnen die Legitimation absprechen, sind für mich nicht wählbar. Parteien, die in der Öffentlichkeit so tun, als seien sie gegen Entscheidungen, um diese dann weniger öffentlich mitzutragen, sind für mich auch nicht wählbar.

Das schöne ist, Demokratie gibt uns Auswahl. Ich habe sie. Du hast sie. Lasst uns durch unsere Teilnahme an dieser Wahl zeigen, dass wir es zu schätzen wissen und es auch in Zukunft wünschen.

Wenn Du meinen Podcast mit Stefan Hund gehört hast, hast Du vielleicht meine Tipps am Schluss mitbekommen. Ich empfehle jedem Nachfolger, jedem Unternehmer unter anderem, dass er oder sie viel liest. Dabei liegt mein Fokus immer auf solchen Werken, die einen inspirieren. Bei mir sind das meist Bücher von oder über bekannte Unternehmer. Steve Jobs, Elon Musk, Richard Branson und viele andere mehr fallen mir dabei ein. Ich habe unzählige dieser Bücher in meinem Schrank.

Allerdings kann diese Inspiration auch schädlich sein.

Es hat seinen Grund, dass es über diese Menschen Bücher gibt

Der Grund, warum es mehrere Bücher alleine über die oben genannten gibt, ist einfach: Sie sind die Ausnahme. In vielerlei Hinsicht. Sie alle sind überdurchschnittlich erfolgreich und einflussreich. Überhaupt, sie sind reich. Sie prägen ganze Firmen, Produkte oder Märkte.

Das darf und soll Dich inspirieren. Aber genieße die Lektüre mit Vorsicht. Denn je mehr Du darüber liest, desto öfter kommen Dir, neben Ideen, auch Gedanken darüber, wie wenig Du vielleicht wie sie bist. Der menschliche Geist hat die Tendenz, mit diesem Gedanken dann weiter zu arbeiten. Aus „ich bin nicht Steve Jobs“ wird dann schnell „weil ich nicht Steve Jobs bin, kann ich nicht so erfolgreich sein“. Und dann ist es nur ein Schritt zu „ich werde nicht erfolgreich sein“. Dass Dich solche Gedanken nicht nur belasten, sondern auch zu tatsächlich schlechteren Ergebnissen führen, liegt auf der Hand. Negative Gedanken und eine negative Erwartungshaltung bringt schlechtere Ergebnisse.

Dabei sollte Dein Fokus ein anderer sein.

Sei froh, dass Du nicht Steve Jobs bist

Bei allem Erfolg solltest Du immer das bedenken, was noch dahinter steht. Ein Steve Jobs war erfolgreich, zweifellos. Aber er galt auch als Tyrann, unbeherrscht und emotional volatil. Nicht gerade die Eigenschaften der Führungskraft, die sich die meisten Menschen wünschen.

Ein Elon Musk arbeitet bis spät in die Nacht in den kleinsten Details seiner Produkte. Ja, er liebt sie. Und er hat wohl auch wenig(er) Vertrauen in die Menschen, die er eingestellt hat. Von seinem nicht immer erfolgreichen Privatleben ganz abgesehen.

Ein Richard Branson besitzt eine Insel. Wie oft er dafür scheitern musste, steht in den Büchern selten.

Du bist Du selbst. Die Menschen, über die wir lesen, dürfen und sollen uns inspirieren. Zu versuchen, sie zu channeln allerdings, das ist nicht nur eine wenig vielversprechende Strategie, sondern kann viel mehr Schaden als Nutzen bringen. Deshalb achte darauf, wenn Du diese Bücher liest. Ein paar habe ich ja schon empfohlen. Gönn Dir die Inspiration, aber lass Dich davon nicht herunterziehen.

…zumindest diejenigen, die mir am häufigsten begegnen.

Wenn Menschen über Unternehmensnachfolge sprechen, begegnen mir immer wieder Fehlannahmen oder (in meinen Augen) falsche Behauptungen. Das passiert meist im Gespräch, bei den diversen Veranstaltungen rund um Gründung und Nachfolge.

Hier sind die drei, bei denen ich am häufigsten die Stirn runzele, weil ich sie für falsch halte. Oder zumindest in der Absolutheit nicht korrekt.

“Nachfolge ist etwas anderes als Gründung“

Gleich mit der ersten Aussage haben wir einen solchen Fall. Natürlich ist es in einigen Punkten ein wenig anders, als das Neugründen eines Unternehmens.

Allerdings ist es in anderen Punkten sehr viel ähnlicher, als man meint. In beiden Fällen werden an Dich die gleichen Anforderungen gerichtet sein. Risikobereitschaft, Durchhaltevermögen, Kreativität und Verhandlungsgeschick. Zuversicht, Wissen und Zuverlässigkeit. Innovativität, der Zukunft zugewandt und natürlich auch Fleiß. Das unterscheidet sich in beiden Fällen nicht.

Es sind auch, im Wesentlichen, ähnliche Schritte nötig. Du brauchst eine Idee für das Unternehmen, einen Plan für Produkte, Marketing, Vertrieb, Personal und Finanzen. Beratung und Kapital sind vermutlich auch nötig. Und Du brauchst Kunden, Kontakte und Strategie.

Insofern ist es eigentlich nicht verwunderlich, dass Nachfolger auch als Gründer gelten, wenn es um Fördermittel und ähnliches geht. Sie gründen ja auch. Nur auf Basis eines bestehenden Unternehmens. Womit wir direkt bei der nächsten Fehlannahme sind.

“Nur als Neugründer kann ich wirklich was neues tun, mein Ding eben“

Wenn das so wäre, wäre das fatal für all die Unternehmen, die schon mehrere Generationen existieren. Denn wenn eines absolut sicher ist, ist es der Wandel. Kein Unternehmen kann lange überleben, indem es immer das gleiche auf die gleiche Art tut. Und damit meine ich ganz bewusst nicht nur Produkte und Dienstleistungen, oder Prozesse und Personal. Ich meine damit insbesondere Kultur, neue Märkte und Evolution in einer sich ändernden Umwelt.

Als Nachfolger solltest Du eben nicht annehmen oder gar planen, dass „alles so weiter geht wie bisher“. Das wäre nämlich eine Strategie, die fast sicher scheitert. Sowohl Dein Team, als auch Deine Kunden erwarten nämlich durchaus einige Änderungen von Dir. Die können inkrementell sein, sie können schrittweise und kleiner sein, als jetzt zum Beispiel als Maschinenbauer plötzlich Finanzconsulting anzubieten. Aber ein „weiter so“, gerade in unserer Zeit, erscheint doch als eine recht fahrlässige und wenig vielversprechende Strategie.

Du kannst im Rahmen der Nachfolge genauso gut gestalten, wie bei einer Neugründung. Nur die Basis ist eine andere, möglicherweise eine größere und stabilere. Gute Produkte und Dienstleistungen, oder noch wichtiger, ein gutes Team bereits zu Beginn zu haben ist kein Nachteil. Eher das Gegenteil.

“Ich kann doch nur Nachfolger sein, wenn ich vom Fach bin“

Ich hatte im vergangenen Monat mein zehnjähriges Jubiläum in meinem Unternehmen. Wenn diese Aussage wahr wäre, wäre ich nie dahin gekommen. Denn ich bin weder Sozialrechtler, noch Programmierer. Ich bin absolut nicht vom Fach. In manchen Branchen ist das vielleicht etwas wichtiger, aber ich bin absolut überzeugt: Du musst nicht vom Fach sein, um erfolgreich zu übernehmen. Im Gegenteil, in vielen Fällen glaube ich, dass das Gegenteil hilfreich ist.

Das berühmte „out of the box“-Denken fällt nämlich viel einfacher, wenn man nie in dieser Box war. Als fachfremder Nachfolger hast Du es sicherlich manchmal im Gespräch mit Deinem Team nicht einfach. Und ja, ein wenig Fachkenntnisse um mitzureden musst Du aufbauen. Allerdings gibt Dir Deine Position auch die Option, Dich voll auf das Skillset zu konzentrieren, das leider oft vor lauter fachspezifischen Kenntnissen vernachlässigt wird: Führung, im Sinne von Teamentwicklung.

Darin liegt, in meinen Augen, der Schlüssel für erfolgreiche Nachfolge, denn die Arbeit der Zukunft ist im Wesentlichen an das Wissen und die Skills von Menschen gekoppelt. Diese optimal zusammen zu bringen, sie zu entwickeln, zu motivieren und zu einem erfolgreichen Team zu formen, das ist Deine Aufgabe, Deine Herausforderung.

Vielleicht kennst Du ja auch solche Aussagen? Lass sie mich wissen, dann kann ich sie hier gerne ergänzen!