Es ist mal wieder passiert. Ich warne jeden Klienten davor, und dennoch bin ich nicht selbst davor komplett geschützt. Ich spreche vom Shiny-New-Toy-Effekt, kombiniert mit dem inhärenten Streben nach Perfektion.

Dem Bären zum Abschied winken

In meiner Jahresreview hatte ich mich, mit der Begründung, dass es weniger Funktionen hat und damit besser ist, wieder Bear zugewandt. Eine wunderbare Software. Optisch schön, tolle Typographie, schnell, guter Sync. Also eigentlich alles, was ich suche. Dafür habe ich mehrere tausend Notizen aus der damaligen Software Obsidian als Textbundle migriert, in Bear importiert, Ordnung geschaffen, einzelne Fehler ausgemerzt… Kurz gesagt: Ich habe für einen kleinen Vorteil viel Zeit verbraucht. Aber Perfektion erzielt, oder?

Das war natürlich nicht alles. Denn da Bear eine properitäre Datenbank nutzt, musste ich auch eine Möglichkeit, Backups schnell zu erstellen und zu automatisieren googeln. Bis das, mittels Kurzbefehl, erledigt war, verging nochmals Zeit. Und last, but not least, viele meiner Notizen enthalten Hashtags, also “#” gefolgt von einem Begriff. Das ist, in manchen Fällen, ein Stilmittel. In Bear allerdings ist es auch das Ordnungsschema, denn die Software hat keine Ordnerstruktur, sondern arbeitet mit (geschachtelten) Hashtags, um die Inhalte zu ordnen.

Es ist ja alles lösbar, und ich habe es gelöst. Auf Kosten von ca. einem Arbeitstag, verteilt auf eine Woche. Und ich liebe Bear wirklich. Die Optik und Geschwindigkeit, die Tatsache dass Tabellen endlich darin funktionieren, es wirkte wie ein “Match made in Heaven”. Nur, die Liebe hielt nicht lange. Ich bin wieder zurück zu Obsidian.

Nicht so schön, aber pragmatisch

Der Grund, warum ich von Obsidian wegging, lag nicht an der Software. Es lag an mir. Ich hatte mich von den vielen tollen Plugins, die talentierte Menschen dafür schreiben, infizieren lassen. Ich probierte immer wieder neue Funktionen aus und mit der Zeit blähte sich meine Installation immer weiter auf. Dass ich vieles davon nicht brauchte, hatte ich richtig gemerkt. Die Flucht war allerdings die falsche Schlussfolgerung.

Mittlerweile bin ich den umgekehrten Weg gegangen. All das, was Obsidian toll macht, ist nämlich uneingeschränkt gültig. Es gibt viele Möglichkeiten, die man nutzen kann (aber nicht muss). Aber in seinem Kern ist es ein Markdown-Editor, der auf ein ganz normales Dateisystem mit Ordnern zugreift. Und das ist wunderbar! Ich kann Hashtags einfach verwenden, denn sie verändern nicht die Ordnung. Die obliegt alleine mir. Und nach Jahrzehnten Erfahrung ist ein Ordnersystem etwas sehr vertrautes. Es funktioniert. Und da ich entscheide, wo der Ordner ist, ist auch das Backup gar kein Problem. Hazel hilft dabei, und synchronisiert einfach den regulären Obsidianordner einmal täglich in einen Backupordner auf meinem NAS – und schon sind meine Daten so sicher wie sie sein können.

Und sollte Obsidian mal nicht mehr funktionieren, die Dateien sind Markdown. Ich kann sie auch einfach so lesen, ohne Software.

Was ich daraus lerne – Perfektion ist, wenn es funktioniert

Perfektion ist mein Feind. Es gibt keine perfekten Tools, und wenn etwas gut funktioniert, muss man es nicht ändern. Ich habe das konkret umgesetzt, indem ich erst noch einmal alle Plugins entfernt habe. Danach habe ich nur diejenigen installiert, die ich für meine Zwecke brauche. Ich werde nun noch ein paar Wochen so arbeiten, und dann noch vielleicht Zotero integrieren, um meine unzähligen Bookmarks, Dokumente und Co an einem Ort zu speichern. Denn Zotero kann ich auch auf meinem NAS ablegen, und habe damit alle Daten gegen Hardwareausfall geschützt, und dank regelmäßiger Offsite-Backups auch vor Komplettausfällen.

Wie schon das Bild in der Küche meiner Mentorin sagt: “Don’t worry about perfection. You’re not going to achieve it.

Eine Sache werde ich aber bewusst ändern. Todoist, mein langjähriger Begleiter, ist auf der Abschussliste. Die Neuerungen im Interface gefallen mir nicht und die Software wird immer langsamer. Das stört mich mehrmals täglich und behindert mich wirklich. Deshalb habe ich kurz nochmal mit meiner “alten Liebe” Omnifocus experimentiert, tendiere aber aktuell zu Things. Es bedeutet jedoch eine Umstellung, da mein bisheriges Time-Sector inspiriertes System darin nicht auf die gleiche Art und Weise funktioniert.

 

Bildquelle: Mit KI erstellt am 13.03.24

Seit der Einführung der DSGVO wird Datenschutz gerne als Schutzbehauptung eingesetzt. Von den einen um etwas zu verhindern, von den anderen um etwas zu bekommen. Beide Seiten haben aus meiner Sicht Unrecht.

Als die Einführung kurz bevor stand

Ich erinnere mich noch an den April 2018, kurz bevor die DSGVO in Kraft trat. Ich war auf einer Veranstaltung, bei der es um das Thema ging. Ein Unternehmer war sehr aufgebracht darüber. Er wetterte über den “Regelungswahnsinn” und die “immensen Aufwände”, die er nun haben würde. Ich habe damals geschwiegen. Dank meinem wunderbaren Datenschützer, Stephan Moers, war ich schon bestens vorbereitet.

Allerdings musste ich innerlich schmunzeln. Denn die Beispiele, die für den zu erwartenden Aufwand aufgezählt wurden, waren eigentlich alle hinfällig. Hätte sich das Unternehmen an das damals geltende BDSG gehalten, wäre die Weiterentwicklung zu den Anforderungen der DSGVO ein Klacks gewesen. Ich vermute aber, wenn ich mich an die damaligen Diskussionen erinnere, dass viele das nicht taten. Damit war auch klar, dass der Aufwand immens sein würde.

Datenschutz ist kein hässliches Wort. Aber eine gern genutzte Schutzbehauptung.

Datenschutz zur Verhinderung

Was mir häufig begegnet ist, dass die DSGVO benutzt wird, um Dinge nicht zu tun. So standen letztes Jahr viele Konferenzen an. Von einigen, darunter dem Weltkongress, habe ich berichtet. Kraft Amtes war meine Frau die Delegationsleiterin der deutschen Delegation. Da wir auch eine Art Wettbewerb laufen hatten, bei dem es um die Teilnahme an bestimmten Konferenzen ging, wäre eine Liste der angemeldeten Personen der eigenen Delegation sehr nützlich gewesen. Man hätte abgleichen können, ob die Anmeldungen zum Wettbewerb der tatsächlichen Teilnahme entsprachen. Und man hätte ein Delegationsbriefing gezielt an die Teilnehmenden schicken können.

Die Anfrage nach einer solchen Liste wurde allerdings, mit Verweis auf die DSGVO, abgelehnt. Als juristischer Laie mit etwas Erfahrung auf diesem Feld halte ich das aber für Quatsch und eine Schutzbehauptung. Die DSGVO verhindert weder die Erfassung noch die Verarbeitung oder Weitergabe von Daten. Es muss nur klare Gründe dafür geben. In diesem konkreten Fall hatten die Angemeldeten bereits der Verarbeitung der Daten zugestimmt – und ein konkreter Zweck, nämlich die Wahrnehmung der Funktionsaufgabe des Delegationsleiters, war gegeben.

Ich mag mich täuschen, aber oftmals wird die DSGVO sehr hart und unpragmatisch ausgelegt.

Datenschutz als Mittel zur Argumentation

Die andere Seite der Medaille sind unsere allseits geliebten Sicherheitsdienste. Es vergeht eigentlich kein Monat, in dem nicht Polizei, Geheimdienste oder andere Sicherheitsbehörden irgendwo argumentieren, dass der Datenschutz ihnen ihre Arbeit erschwert. Ich glaube das sogar. Und halte es für absolut richtig. Denn in einem Rechtsstaat gilt die Unschuldsvermutung. Schwächt man den Datenschutz ab, um die geringfügige Menge von Straftätern einfacher dingfest zu machen, schwächt man auch den Schutz aller unbescholtenen Bürgerinnen und Bürger.

Auch hier, ich bin Laie, aber mit dem Prinzip der Verhältnismäßigkeit lässt sich das, aus meiner Sicht, nicht vereinbaren.

Vielmehr denke ich auch hier, dass es eine Schutzbehauptung ist. Denn ebenso oft, wie die Forderung nach verringertem Schutz schließt sich in der Berichterstattung folgender Teilsatz an: “… der Täter war polizeibekannt“. Damit erübrigt sich die Scheindiskussion um Datenschutz, denn es gibt noch genug andere Mittel. Mal ganz abgesehen davon, dass Menschen natürlich abgehört und beobachtet werden können – sofern es einen guten Grund gibt und ein Richter oder eine Richterin es ebenfalls so sieht.

Datenschutz als Wettbewerbsnachteil

Die letzte Variante, die mir oft begegnet, ist die Nutzung der DSGVO, um sich Wettbewerb nicht zu stellen (oder sich einen Vorteil zu verschaffen). Das trifft besonders häufig zu, wenn Dienstleister ihren Sitz außerhalb Europas haben und dort Daten verarbeiten.

Nun leben wir aber in einer globalisierten Welt. Als Pragmatiker denke ich, dass der Wettbewerb durch das Produkt passieren sollte, nicht mit Hilfe von Regularien. Aber selbst wenn es so ist: Dann nehmt eben einen anderen Dienstleister mit den Daten in Europa. Das ist doch völlig ok. Und akzeptiert, wenn die Regularien auch genutzt werden, indem amerikanische Firmen Rechenzentren in Europa eröffnen und damit wieder voll im Wettbewerb sind.

 

Bildquelle: Mit KI erstellt am 13.03.24

Der dritte und abschließende Teil meiner kleinen Serie, in der ich auf prägende Fehlschläge und Erkenntnisse eingehe – auf dass Du aus meinen Fehlern lernen kannst. Und es ist vielleicht der wichtigste Teil, denn es geht um das (bewusste oder unbewusste) Vermeiden von Entscheidungen.

Heute protze ich rum, aber eigentlich bin ich erst kürzlich schlauer geworden

Ich vermute, jeder kennt das Thema von Selbst- und Fremdbild. Mein Selbstbild basiert, zu großen Teilen, darauf, dass ich mich als schneller Entscheider begreife. Und als entscheidungsfreudig. Umso schmerzhafter ist es, wenn die Erkenntnis reift, dass dem eigentlich nicht so ist.

Lass mich von vorn beginnen: Wie Du vielleicht weißt, habe ich mein Unternehmen nach dem Tod meines Vaters übernommen. Es war damals in einem absolut kritischen Zustand. Darüber habe ich ja schon oft berichtet. Ohne in die Details einzusteigen, man kann sagen, wir waren so gut wie insolvent.

Es hat Jahre gekostet, uns von unten der Nulllinie anzunähern und sie dann zu überschreiten. Mittlerweile ist sie deutlich überschritten. Alles super, oder?

Nun, ganz so einfach ist es nicht. Das hat etwas mit dem Thema Kultur zu tun. Und die frisst, bekanntermaßen, die Strategie zum Frühstück.

Auch Tote haben lange Einfluss

Die letzten Jahre vor dem Tod meines Vaters ging es stetig bergab. Das hat Folgen auf alle, die es erlebt haben, darunter mich. Das Überleben wurde der hauptsächliche Entscheidungszweck. Jede Option wurde daraufhin geprüft, bewusst und unbewusst, ob sie dem Überleben dient. Andere Optionen wurden ausgeblendet.

Die Folge war, dass wir gut darin waren, schnelle Entscheidungen zu treffen und auch kurzfristig immer bessere Ergebnisse zu erzielen. Diese Art des Denkens wurde belohnt. Mit finanziellem Erfolg, mit Wachstum, alles Dinge, die großen Spaß machen.

Allerdings muss man immer im Hinterkopf behalten, dass Kultur nicht das definierte, sondern das gelebte ist. Meine Wunschkultur habe ich, mit einem Jahr Arbeit, definiert und war auch der Meinung, dass der Weg zu ihrer Realisierung gut voranschritt. Das ist auch keine falsche Beobachtung, vieles ging und geht in die richtige Richtung.

Was ich dabei übersehen habe, ist wie unbewusst der Modus Operandi “Überleben” zu jeder Zeit aktiv war. Selbst, als es Zeit und Gelegenheit gab, von Überleben zu Steuern zu wechseln, lag der Schwerpunkt auf dem gelernten Modus. Noch schlimmer, ich habe mir eingeredet, dass ich ja steuere – und parallel dazu Entscheidungen getroffen, die aus dem Überlebensmodus stammen.

Es braucht Input von außen

Wie so oft im Leben ist man selbst blind für vieles. Erst die Hilfe von außen, kombiniert mit intensiven Gesprächen und Nachdenken mit meinen Führungskräften, hat dazu geführt, dass ich umdenken konnte.

So entstand im vergangenen Jahr eine echte Strategie. Ein Plan, der nicht nur pro forma die kommenden fünf Jahre enthält, sondern wirklich ein Ziel definiert und die Maßnahmen darauf ausrichtet. Ein Plan, der auch die Möglichkeit des Scheiterns akzeptiert und einplant.

Ohne die viele Vorarbeit an anderen Stellen (Datenerhebung, Kennzahlenanalyse, Coaching und Co), die ebenfalls in den letzten Jahren viel Zeit gebraucht hat, wäre es aber auch nie möglich gewesen. Ehrlicherweise muss ich aber sagen: Das ist die Infrastruktur. Die Erkenntnis, die Entscheidung, die muss in Dir selbst reifen. Wieder ein guter Grund, Mentoring als das zu sehen, was es ist: Essentiell wichtig!

Meine Learnings für Dich

Eigentlich habe ich den idealen Zeitpunkt verpasst, den Modus Operandi zu wechseln. Der wäre gewesen, als wir saniert waren – zu diesem Zeitpunkt hätte ich die Steuerung ergreifen müssen. Ich war aber noch nicht so weit, und in den guten Ergebnissen meiner kleiner Entscheidungen gefangen. Nun ist es deutlich später – und wir müssen das beste daraus machen.

Die wichtigste Erkenntnis ist aber eine andere: Holt Euch Hilfe! Der Blick von außen, nicht coachend sondern begleitend, ist unendlich wichtig. Gemeinsam kann man all die Erkenntnisse und das Wissen erarbeiten, die für echte Entscheidungen notwendig sind.

Dabei ist es ebenso wichtig zu verstehen, wieviel Einfluss Geschichte und Kultur einer Organisation auf aktuelle Entscheidungen haben. Meine Erkenntnis: Mehr als uns jemals bewusst ist. Eine neue Kultur schaffen ist ein Marathon, kein Sprint.

Eine neue Kultur schaffen ist ein Marathon, kein Sprint. Share on X

Und mit dieser Erkenntnis beende ich diese kleine Serie.

In meinem letzten Beitrag hatte ich eine Serie meiner größten Fails begonnen. Diese habe ich im Rahmen einer Vortragsveranstaltung erläutert und mich entschieden, daraus auch eine Blogserie zu machen. Mit dieser geht es heute weiter. Das heutige Thema ist, sozusagen, die “Kardinalsünde” des Kaufmanns: Die eigenen Zahlen nicht in Ordnung zu haben.

Vorgeschichte: Die Amateurbuchhaltung

Die Kardinalsünde des Kaufmanns: Die eigenen Zahlen nicht in Ordnung zu haben. Share on X

Wie in vielen kleinen Familienunternehmen war bei uns, seit Gründung der Firma, die Buchhaltung ein Nebenkriegsschauplatz. Dementsprechend erfuhr sie wenig Beachtung. Hauptsache, es lief. Die Frage, ob es gut lief, oder gar richtig lief, wurde nicht gestellt. Meine Mutter war, bis zu ihrer Rente, für diesen Bereich verantwortlich. Sie hatte sich alles selbst beigebracht und wurde von einer (sehr alten) Software dabei unterstützt.

Sie buchte also die Belege ein, auf Konten, die ihr irgendwann mal von jemand oder der Software genannt wurden. Am Ende des Jahres durfte dann der Steuerberater recht viel korrigieren. Die Bilanz war natürlich immer richtig. Aber wer vielleicht noch meinen Podcast mit Hans-Peter Rühl zu diesem Thema im Kopf hat, erinnert sich vielleicht: Die Bilanz zeigt alles zu einem Stichtag. Es gibt aber noch 364 andere Tage im Jahr, bei denen die Bilanz keine Aussagekraft hat.

Die unterschiedlichen Denkweisen zeigen sich in den Zahlen

So war also die buchhalterische Arbeit und damit der Umgang mit Zahlen eher amateurhaft. Abschreibungen (und damit ein wesentlicher Einflussfaktor auf das bilanzielle Ergebnis) wurden geschätzt, alte, vermeintlich bekannte Zahlen nicht ordentlich validiert. Das Ergebnis: Ein Stochern im Dunkeln für die Führungskraft. Das nahm ich, mangels besseren Wissens, lange hin.

Die Änderung erfolgte, als meine Mutter in die wohlverdiente Rente ging. Ich entschied mich, die Stelle nicht nachzubesetzen, sondern nur noch Vorbuchhaltung im Haus zu machen. Unser Steuerberater übernahm Buchführung und Lohnbuchhaltung.

Das führte gleich zu mehreren Kulturschocks.

Der erste war, dass der Steuerberater, richtigerweise, in Monaten denkt. Nun ist unser Geschäftsmodell etwas anders. Ein Großteil des Umsatzes passiert, in meinem Kopf, am 1. Januar, wenn wir unsere Pflegeverträge für das neue Jahr in Rechnung stellen. Meine Mutter und ich hatten das so im Kopf, und haben dementsprechend dann “nur noch” die weiteren Umsätze des Jahres darauf addiert.

Als ich meine erste BWA erhielt, war ich kurz geschockt – sie zeigte praktisch weniger als 10% dessen an Umsatz, was ich so im Kopf hatte. Nach dem initialen Schock und einem Telefonat war ich schlauer. Und lernte das mit der Zeit zu schätzen.

Steuerrecht und gesunder Menschenverstand gehen nicht einher

Wer meinen Blog aufmerksam liest, oder meinen Podcast dazu gehört hat, weiß auch, dass ich vor langer Zeit eine Exceltabelle gebastelt hatte. Diese war stark liquiditätsfokussiert und auf mein Geschäftsmodell angepasst. Gerade die Kostenseite war eher nach gesundem Menschenverstand aufgeteilt – so spielt es für mich keine Rolle, woher eine Software kommt. Für den Steuerberater schon, denn Software aus der EU oder von außerhalb der EU sind unterschiedliche Konten.

Ebenso dachte ich bei anderen Punkten anders, als es das Steuerrecht tut. Dass die Kosten für unsere damalige DSL-Leitung unter “Fax” stehen, darauf wäre ich nicht gekommen. Beide Effekte machen die Kommunikation manchmal schwierig.

Und nicht zuletzt, ich dachte immer jahresweise. Die Tabelle enthielt eine Spalte pro Jahr und erlaubte damit Rückblick und Prognose auf Ebene von Kalenderjahren. Für mich praktisch, und in vielen Teilen korrekt – aber mit Folgen.

Huch, wo kommt das Plus her?

Dadurch, dass ich mich an meinem gesunden Menschenverstand und den althergebrachten Zahlen meiner Mutter, insbesondere bei Kostenprognosen auf Ebene eines Jahres orientierte, die BWA aber nicht regelmäßig und systematisch auswertete, ergaben sich zunehmende Abweichungen. Die habe ich aber nicht wahrgenommen, bis ich am Jahresende mal genauer einstieg, um eine mögliche Bonuszahlung an mein Team zu prüfen.

Dabei ergab sich, dass ich in meiner Kostenschätzung deutlich über den realen Kosten lag. So deutlich, dass sich das Finanzamt sehr über ein gutes Ergebnis gefreut hat, und mein Team einen Bonus bekam.

Das klingt jetzt wie Jammern auf hohem Niveau, aber ich war tatsächlich geschockt. Dachte ich doch seit Jahren (und mit jeder Menge Stolz), dass ich meine Prognosen auf 1-2% genau schon am 1. Januar habe. Das war nicht der Fall, wie ich nun erkannte.

Die Folge: Jede Menge Arbeit

Sowohl mein Stolz, als auch meine Pedanterie ließen keine andere Folge zu. Ich habe über Wochen meine Tabelle komplett neu gebaut. Jeder Kostenblock, also z. B. Personal, Gebäude, Software, Versicherung, usw. wurde in einzelne Tabellenblätter eingegeben. Dazu habe ich mich auch von der Jahresübersicht verabschiedet, sondern es tatsächlich auf Monate herunter gebrochen.

Somit habe ich nun ein neues Schema, bei allen Blöcken: Planung, monatsweise Ist-Zahlen, Prognose (statisch) und Prognose (laufend). Das ganze gibt es natürlich nicht nur für Kosten, sondern auch Erlöse, inkl. einer laufenden Übersicht der Konten.

Die Idee dahinter ist, dass ich mit meinem Führungsteam am Ende des Vorjahres eine Prognose für das Folgejahr erstelle und diese festhalte. Danach baue ich die Belege, die über die Vorbuchhaltung kommen, in die entsprechenden Monate und Kostenblöcke/Kostenarten ein. Die statische Prognose ist das Bild, das sich ergeben würde, wenn alle Kosten wie geplant entstehen und alle Umsätze wie geplant erlöst werden. Die laufende Prognose ergibt sich aus den prognostizierten Additionen aller Monate, korrigiert um die jeweiligen Ist-Zahlen aus Belegen und BWA.

Mal schauen, was es bringt

Es war eine Menge Arbeit und erfordert auch, dass ich Zahlen konstant aktualisiere. Bislang hat sich aber schon im ersten Monat BWA ein durchaus erheblicher Unterschied zwischen meinen Zahlen und denen des Steuerberaters ergeben. Dem gehe ich nun in einem gemeinsamen Termin auf den Grund.

Das Ziel: Wieder auf 1-2% Abweichung zwischen meiner Prognose und dem tatsächlichen Ergebnis zu kommen.

Im vergangenen November war ich (erneut) bei der Vortragsreihe Gründerwissen zu Gast. Das Thema damals war „Meine fünf größten Fails“. Ich mag diese Art Format. Und einige der genannten Punkte eigenen sich hervorragend, um auch darüber zu bloggen. Damit beginne ich heute, mit dem Thema der Fachkraft, die zur Führungskraft wird.

Ich dachte, ich sei schlauer

Dass es gefährlich sein kann, Fach- zu Führungskräften zu befördern, ist nun wirklich kein Geheimnis mehr. Die Literatur, das Internet, überall kann man darüber lesen. Und ich plädiere auch immer wieder dafür, dass Leadership ein komplett eigenes Skillset ist, ebenso wie Management.

Nur war ich nicht immer so schlau. Ganz im Gegenteil. Ich dachte irgendwann mal, ich weiß es besser. Das war und ist nicht der Fall. Ich habe auch schon die beste Fachkraft befördert. Wunderbare Menschen, höchst kompetent, anerkannt. Und bin damit gescheitert.

Man muss führen wollen

Die Führungskraft in einem Themenbereich zu sein, ist eine spannende Aufgabe. Mutmaßlich tanzt man dann auf allen Hochzeiten. Voll im Thema, dazu noch der gesamte Bereich der Führung mit Leadership und Management – es ist eine reizvolle Herausforderung. 

Nur leider ist dieses Bild aus meiner Sicht fehlerhaft. Führungskraft zu sein bedeutet, sich vom fachlichen zu lösen. Natürlich ist es hilfreich, Fachwissen zu haben. Aber der Fokus verschiebt sich komplett. Es ist notwendig, ein komplett neues Skillset zu erlernen. Viel Kommunikation, gepaart mit den notwendigen Managementaufgaben wie Datensammlung und -analyse, Reporting, Abteilungsstrategie, und noch vieles mehr. Daran muss man Spaß haben – und das fachliche für ein neues Fachwissen verlassen wollen.

Lernen – auf allen Seiten

Ist diese Freude nicht vorhanden, oder die Lust darauf, deutlich weniger fachlich zu arbeiten, ist das Experiment zum Scheitern verurteilt. Das macht den oder die Mitarbeitende(n) nicht weniger wertvoll, aber vielleicht in einer anderen Rolle wertvoll.

Was Du, als Führungskraft, daraus lernen kannst?

  • Du bist nicht schlauer als der Rest der Welt
  • Formuliere Deine Erwartung an eine Führungskraft bevor Du die Rolle aktiv setzt
  • Investiere in die Fortbildung (intern und extern) Deiner Führungskräfte

Das war der erste Fail, von dem ich an diesem Tag erzählt habe. Er ist für mich gut ausgegangen. Das muss es aber nicht. Du kannst gerne aus meinen Fehlern lernen 🙂

Bildquelle: Stephanie Hofschlaeger  / pixelio.de

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