Jan Hoßfeld
  • LinkedIn
  • Mail
  • Wobei ich helfe
  • Meine Geschichte
  • Vorträge
  • Einblicke
  • Vertraulich sprechen
  • Suche
  • Menü Menü
Du bist hier: Startseite / unternehmensnachfolge

Beiträge

Warum Nachfolge kein Übergabeproblem ist – sondern ein Machtproblem

Blog

Frohes neues Jahr! Ich bin ein riesiger Fan der Dune-Bücher von Frank Herbert (Affiliate Link). Mittlerweile habe ich den kompletten Zyklus mehrfach gelesen. Was mir dabei oft auffällt ist, dass viele der Schemata sich gut auf aktuelle Themen übertragen lassen. Deshalb habe ich mir für den Start in 2026 vorgenommen, eine Serie zu schreiben, in der ich Dune als Meta-Modell für die Unternehmensnachfolge nutze. In diesem ersten Teil (von insgesamt sechs) beginne ich mit einem Thema, das zu Unrecht einen schlechten Ruf bekommen hat: Macht.

Einstieg

Die Unterschriften waren gesetzt, die Schlüssel übergeben, die Pressemitteilung war draußen. In den Gesprächen mit Kunden und Banken sprach man mich als „den neuen Geschäftsführer“ an, und ich merkte, wie schnell Menschen sich an eine neue Formel gewöhnen. Auf dem Papier war alles eindeutig.

Und trotzdem gab es Tage, an denen ich im eigenen Haus wirkte wie ein Besucher mit Zugangsberechtigung.

Es war deutlich subtiler als offener Widerspruch. Entscheidungen, die eigentlich längst gefallen sein sollten, blieben „noch einmal zu klären“. Informationen erreichten mich spät oder gefiltert. Vereinbarungen wurden eingehalten – aber nur so weit, wie sie niemandem weh taten. Wer vorher an einer bestimmten Stelle angerufen hatte, tat es weiterhin. Manche Themen wurden gar nicht erst auf den Tisch gelegt, sondern in Nebensätzen abgefedert: „Das klären wir intern.“ Und irgendwann verstand ich: Es gibt eine formale Organisation, und es gibt die, die wirklich entscheidet.

In der Nachfolge ist das kein Ausnahmefall. Es ist der Normalzustand in Übergängen. Der Irrtum liegt nur darin, ihn als Kommunikationsproblem zu behandeln. In Wirklichkeit ist es ein Machtproblem – und zwar eines, das niemand gern so nennt.

Das Dune-Prinzip: Formale Herrschaft ist nicht Kontrolle

In Dune wird Macht nicht dadurch ausgeübt, dass jemand einen Titel trägt. Titel sind eine Oberfläche. Entscheidend ist, wer Ressourcen kontrolliert, wer Abhängigkeiten organisiert und wer die Deutung dessen prägt, was „legitim“ ist.

Das Imperium hat einen Kaiser. Es gibt Institutionen, Regeln, Protokolle. Und es gibt einen Landsraad (eine Art aristokratisches Parlament), der die Interessen der Häuser bündelt. Dazwischen bewegen sich Akteure, die offiziell beraten, aber faktisch steuern. Macht entsteht nicht aus der Existenz eines Systems, sondern aus seiner inneren Statik: Wer kann wen isolieren, wer kann wen versorgen, wer kann wen oder was entziehen?

Das Prinzip dahinter ist einfach:

  • Macht ist die Fähigkeit, Entscheidungen durchzusetzen, nicht die Berechtigung, sie zu treffen.
  • Legitimität ist eine Ressource, die von Gruppen vergeben wird und wieder entzogen werden kann.
  • Ein Machtwechsel ist selten ein Ereignis, sondern eine Phase, in der verschiedene Machtzentren gleichzeitig Einfluss beanspruchen.

Die Fiktion der „Übergabe“ suggeriert, dass Macht wie ein Gegenstand überreicht werden kann. Dune zeigt das Gegenteil: Macht hängt an Netzwerken, Gewohnheiten, Loyalitäten, Informationswegen und an der Angst vor Kontrollverlust. Das System kann ein neues Gesicht akzeptieren, ohne seine innere Logik zu verändern. Genau darin liegt die Gefahr: Formal wirkt alles ruhig, während sich die reale Ordnung nur minimal bewegt.

Wer Nachfolge in einem Familienunternehmen erlebt hat, erkennt dieses Muster sofort: Die entscheidende Frage ist nicht „Wer ist Geschäftsführer?“, sondern „Wer kann in diesem System etwas durchsetzen und warum?“

Übertragung auf Unternehmensnachfolge: Warum „Geschäftsführer sein“ nicht automatisch Wirksamkeit bedeutet

In der Unternehmensnachfolge wird gern über Übergabeverträge gesprochen, über Rollen, über Organigramme. Der Kern besteht jedoch darin, dass in den ersten Monaten nach der formalen Übergabe zwei Realitäten aufeinandertreffen.

Realität A: Die juristische
Sie ist klar, überprüfbar, bankfähig. Sie benennt Zuständigkeiten, Eigentum, Haftung, Vollmachten.

Realität B: Die soziale
Sie besteht aus Routinen, Beziehungen, impliziten Abmachungen und unausgesprochenen Regeln. Sie ist nicht weniger real – nur nicht dokumentiert.

Viele Nachfolgen geraten nicht deshalb ins Stocken, weil die formale Seite schlecht vorbereitet wurde. Probleme entstehen vielmehr dort, wo die soziale Realität ignoriert wird oder sich angeblich automatisch an die neue formale Ordnung anpassen soll.

Informelle Entscheidungszentren sind keine „Störung“, sie sind das eigentliche System

In vielen mittelständischen Unternehmen gibt es neben der formalen Hierarchie informelle Zentren, die über Jahre gewachsen sind:

  • ein Produktionsleiter, der „die Mannschaft“ hält und faktisch entscheidet, was möglich ist
  • eine Assistentin der Geschäftsführung, die die Informationsflüsse steuert, ohne es zu wollen
  • ein langjähriger Vertriebsleiter, der die Schlüsselkunden persönlich bindet und dadurch die Agenda setzt
  • ein Familienmitglied, das formal keine Rolle hat, aber bei Grundsatzfragen die Richtung bestimmt
  • ein externer Berater, der Vertrauen besitzt, das der Nachfolger noch nicht hat

Diese Zentren sind nicht per se schlecht. Oft haben sie das Unternehmen durch Krisen getragen. Sie sind Ausdruck dessen, was in der Vergangenheit funktioniert hat. Das Problem entsteht, wenn ein Nachfolger glaubt, dass mit dem Wechsel des Titels auch die Schwerkraft im System wechselt. Das tut sie nur nicht automatisch. Entscheidungsrechte, Informationswege und Orientierung müssen sich auch im Alltag verändern.

„Macht“ klingt hart, aber die Alternative ist Naivität

Viele Nachfolger meiden den Begriff Macht. Er ruft Bilder hervor von Dominanz und Manipulation. In Familienunternehmen hängt daran zusätzlich Moral. Wer über Macht spricht, wirkt schnell „undankbar“ oder „machtbesessen“.

Aber im Übergang ist Macht eine sachliche Kategorie. Sie beantwortet Fragen wie:

  • Wer entscheidet wirklich, welche Themen Priorität haben?
  • Wer kann Veränderungen verzögern, ohne offen zu widersprechen?
  • Wer hat Zugang zu welchen Informationen – und wer nicht?
  • Wer definiert, was als „vernünftig“ oder „riskant“ gilt?
  • Wer wird in Konflikten als Schiedsrichter akzeptiert?

Wenn diese Fragen nicht gestellt werden, entstehen Missverständnisse, die sich persönlich anfühlen, aber strukturell sind. Der Nachfolger glaubt, es gehe um seine Kompetenz. Die Organisation reagiert auf eine Bedrohung ihrer inneren Ordnung.

Die häufigste Illusion: „Ich habe die Verantwortung – also habe ich die Kontrolle“

Das ist der Moment, in dem Nachfolge gefährlich wird: Wenn Verantwortung formal übertragen wird, Kontrolle aber sozial nicht. Dann entsteht eine asymmetrische Lage:

  • Der Nachfolger trägt Ergebnisverantwortung, aber kann entscheidende Hebel nicht bewegen.
  • Der Vorgänger hat offiziell losgelassen, bleibt aber faktisch Referenzpunkt.
  • Führungskräfte orientieren sich an dem, der am wenigsten Unsicherheit auslöst – und das ist selten der Neue.

In dieser Phase werden Dinge gesagt, die harmlos klingen, aber Macht markieren:

  • „Das haben wir immer so gemacht.“
  • „Bevor wir das ändern, sollten wir noch mal mit X sprechen.“
  • „Der Senior hat dazu eine klare Meinung.“
  • „Das muss in der Familie abgestimmt werden.“

Der Fehler wäre, das als Widerstand zu werten. Häufig ist es ein Versuch des Systems, Stabilität herzustellen. Nur kann diese Stabilität den Nachfolger handlungsunfähig machen und ihn in die Rolle drängen, die niemand offen ausspricht: Die des Geschäftsführers ohne Durchgriff.

Was viele Übergaben übersehen: Legitimität ist nicht automatisch vererbbar

In Familienunternehmen wird Legitimität oft mit Eigentum oder familiärer Zugehörigkeit verwechselt. Beides kann den Zugang erleichtern. Aber Legitimität im Alltag entsteht anders:

  • durch Verlässlichkeit in kleinen Entscheidungen
  • durch konsistente Prioritäten
  • durch die Fähigkeit, Konflikte auszuhalten, ohne zu flüchten
  • durch das sichtbare Tragen von Konsequenzen

Das braucht Zeit. Und genau deshalb sind die ersten Monate so heikel. Die formale Legitimität ist sofort da, die soziale entsteht langsam. In der Zwischenzeit gewinnt das, was schon da ist. Informelle Machtstrukturen füllen das Vakuum.

Wenn man das nicht erkennt, kommt es zu typischen Eskalationen:

  • Der Nachfolger zieht an, das System bremst – und er interpretiert es als Illoyalität.
  • Der Vorgänger mischt sich „nur noch punktuell“ ein – und alle orientieren sich wieder an ihm.
  • Die Familie verlangt Ergebnisse – ohne zu verstehen, dass das System gerade um Macht ringt.
  • Der Nachfolger erhöht den Druck – und verstärkt damit die Abwehr.

Das Tragische daran: Nach außen wirkt es wie ein Führungsproblem. Intern ist es ein Macht- und Legitimitätsproblem.

Die unsichtbare Nebenbühne: Die Familie als institutionelles Machtzentrum

Im Mittelstand ist „die Familie“ oft keine private Kategorie, sondern eine Institution mit eigener Logik. Sie ist Eigentümerin, Identitätsstifterin, moralische Instanz – und manchmal auch Konfliktraum.

Nachfolger geraten hier in einen doppelten Spagat:

  • In der Organisation sollen sie entscheiden.
  • In der Familie sollen sie loyal sein.

Loyalität wird selten explizit verhandelt. Sie zeigt sich in Tonlagen, in Erwartungen, in kleinen Grenzüberschreitungen: der Anruf am Sonntag, die Nachfrage nach „deinem Plan“, der Kommentar zum „Auftreten“ gegenüber Mitarbeitern. Wer das unterschätzt, versucht die Unternehmensführung mit formalen Mitteln zu stabilisieren und merkt nicht, dass die eigentliche Machtfrage in einem anderen Raum verhandelt wird.

Was ich rückblickend anders benennen würde

In meiner eigenen Nachfolge habe ich zu lange so getan, als ginge es um Entscheidungen. In Wahrheit ging es darum, wer das Recht hatte, Entscheidungen zu setzen. Ich habe versucht, durch Sachlogik zu überzeugen. Das funktioniert in stabilen Systemen gut. In Übergängen reicht es nicht. In Übergängen zählt nicht nur, was richtig ist, sondern wer die Ordnung repräsentiert, in der „richtig“ definiert wird.

Das ist unbequem, weil es die romantische Vorstellung zerstört, Nachfolge sei im Kern eine Frage von Kompetenz und Fleiß. Kompetenz hilft, Fleiß auch. Aber sie ersetzen nicht die Arbeit am Machtgefüge. An Informationswegen, an Rollen, an Loyalitäten, an der Frage, wer in welchem Kreis wem verpflichtet ist.

Und noch etwas: Das lässt sich nicht delegieren. Der Nachfolger kann vieles delegieren – aber nicht den Aufbau von Wirksamkeit.

Zusammenfassung

Nachfolge wird oft als Übergabe erzählt: Vertrag, Schlüssel, Titel, Handschlag. Das ist eine notwendige Hülle. Aber die eigentliche Bewegung ist tiefer: ein Machtwechsel im System.

Macht in diesem Sinn ist keine moralische Kategorie. Sie ist die Frage, ob Entscheidungen Wirklichkeit werden. In der Nachfolge kollidieren formale und informelle Ordnung. Wenn diese Kollision nicht bewusst gesehen wird, entsteht ein gefährlicher Zustand: Verantwortung ohne Wirksamkeit.

Das ist der Punkt, an dem viele Nachfolger innerlich kippen. Sie arbeiten mehr, erklären mehr, kontrollieren mehr – und werden trotzdem nicht wirksam. Nicht, weil sie unfähig wären, sondern weil sie in einem System agieren, dessen Entscheidungszentren noch nicht neu sortiert sind.

Wer Nachfolge ernst nimmt, behandelt sie nicht primär als juristischen Akt, sondern als Phase struktureller und sozialer Neuordnung. Die Frage lautet dann nicht: „Ist die Übergabe erledigt?“
Sondern: „Wo liegt reale Macht – und wie verschiebt sie sich, ohne das System zu zerreißen?“

Fazit

Klarheit über Machtverhältnisse entsteht nicht aus Dokumenten. Sie entsteht in den ersten Monaten – in dem, was entschieden wird, was liegen bleibt und wer sich woran orientiert.

Ein einfacher Test dafür ist die nächste schwierige Entscheidung. Wer bereitet sie vor? Wer besitzt die notwendigen Informationen? Wer darf sie tatsächlich treffen? Und an wem orientiert sich das Unternehmen, wenn Unsicherheit entsteht?

Wenn die formale Antwort und die praktische Antwort auseinanderfallen, ist die Übergabe noch nicht abgeschlossen.

 

7. Januar 2026/5 Kommentare/von Jan Hossfeld

Unsichtbare Hürden bei der Nachfolge

Blog

Die Unternehmensnachfolge ist ein komplexer Prozess, der weit über die formale Übergabe von Aufgaben hinausgeht. Und ein sehr wichtiger, wenn man sich die Veröffentlichungen diverser Verbände und Institutionen angeht! Führungskräfte neigen oft dazu, sich auf die rechtlichen, finanziellen und operativen Aspekte zu konzentrieren, während sie die psychologischen und kulturellen Hürden, die mit einem solchen Übergang einhergehen, unterschätzen. Diese unsichtbaren Hindernisse können jedoch entscheidend dafür sein, ob die Nachfolge erfolgreich verläuft oder in Konflikten endet.

Emotionale Bindungen und Identität

Eine der größten Herausforderungen liegt in der emotionalen Bindung des Vorgängers an das Unternehmen. Für viele Unternehmer ist das Unternehmen nicht nur eine Einnahmequelle, sondern ein wesentlicher Teil ihrer Identität. Der Gedanke, diese Kontrolle abzugeben, kann mit Ängsten und Unsicherheiten verbunden sein. Diese Emotionen führen oft zu unbewusstem Verhalten, das den Nachfolgeprozess behindert. Beispielsweise könnte der Vorgänger zögern, Informationen vollständig zu teilen oder Entscheidungen des Nachfolgers infrage zu stellen, selbst wenn er offiziell nicht mehr in der Führungsposition ist.

Für den Nachfolger ist die Situation ebenso herausfordernd. Er oder sie muss nicht nur in die Fußstapfen des Vorgängers treten, sondern auch das Vertrauen des Teams gewinnen. Dies ist besonders schwierig, wenn die Belegschaft eng mit dem Vorgänger verbunden ist. Der Nachfolger steht oft unter dem Druck, die Erwartungen zu erfüllen, während er gleichzeitig seine eigene Vision und Führungskompetenz beweisen muss.

Kulturelle Differenzen und Führungsstil

Ein weiteres, oft übersehenes Hindernis sind kulturelle Differenzen innerhalb des Unternehmens. Jedes Unternehmen entwickelt im Laufe der Zeit eine eigene Kultur, geprägt von den Werten, Überzeugungen und Praktiken der Führungsebene. Wenn der Nachfolger einen anderen Führungsstil hat oder andere Werte vertritt als der Vorgänger, kann dies zu Spannungen führen. Dies ist besonders in Familienunternehmen der Fall, wo traditionelle Werte oft eine große Rolle spielen. Der Nachfolger muss dann einen Weg finden, die bestehende Unternehmenskultur zu respektieren, während er notwendige Veränderungen einführt, um das Unternehmen weiterzuentwickeln.

Auch der Umgang mit dem Team spielt eine entscheidende Rolle. Ein neuer Führungsstil kann bei den Mitarbeitern zu Verunsicherung führen, insbesondere wenn dieser im Widerspruch zu dem steht, was sie gewohnt sind. Es kann Widerstand entstehen, der den Erfolg der Nachfolge gefährdet. Deshalb ist es wichtig, dass der Nachfolger von Anfang an transparent kommuniziert und das Team in den Veränderungsprozess einbindet. Die Schaffung eines gemeinsamen Verständnisses und die Pflege offener Kommunikationskanäle können helfen, kulturelle Barrieren zu überwinden.

Unsichtbare Machtstrukturen

Zusätzlich zu den kulturellen Aspekten gibt es in vielen Unternehmen unsichtbare Machtstrukturen, die den Nachfolgeprozess beeinflussen können. Diese informellen Netzwerke und Beziehungen können ebenso einflussreich sein wie formelle Hierarchien. Wenn der Nachfolger diese Dynamiken nicht erkennt und berücksichtigt, kann es zu ungewollten Machtkämpfen kommen. Es ist daher wichtig, dass der Nachfolger Zeit investiert, um diese internen Strukturen zu verstehen und sie in seine Führungsstrategie einzubeziehen.

Umgang mit Widerstand

Widerstand gegen Veränderungen ist in jedem Unternehmen ein natürlicher Prozess. Bei der Unternehmensnachfolge kann dieser Widerstand jedoch besonders stark ausgeprägt sein, da es sich um einen grundlegenden Wandel handelt. Häufig resultiert dieser Widerstand aus Unsicherheit und Angst vor dem Unbekannten. Es ist daher entscheidend, dass der Nachfolger diesen Widerstand nicht ignoriert, sondern aktiv angeht. Dies kann durch gezielte Kommunikation, Einbindung der Mitarbeiter in Entscheidungsprozesse und die Schaffung eines sicheren Umfelds geschehen, in dem Ängste und Bedenken offen angesprochen werden können.

Langfristige Perspektive

Last, but not least, ist die Notwendigkeit einer langfristigen Perspektive zu beachten. Der Nachfolgeprozess endet nicht mit der offiziellen Übergabe. Es ist vielmehr ein kontinuierlicher Prozess, der Zeit, Geduld und ständige Anpassungen erfordert. Der Nachfolger sollte sich darauf einstellen, dass es Zeit braucht, bis er vollständig akzeptiert wird und seine Vision umsetzen kann. Gleichzeitig sollte der Vorgänger bereit sein, auch nach der Übergabe als Berater zur Verfügung zu stehen, um den Übergang zu erleichtern.

Zusammengefasst: Es gibt weit mehr als Zahlen, Daten und Fakten

Die unsichtbaren Hürden der Unternehmensnachfolge sind oft diejenigen, die den größten Einfluss auf den Erfolg des Übergangs haben. Führungskräfte, die sich dieser psychologischen und kulturellen Herausforderungen bewusst sind und aktiv daran arbeiten, sie zu überwinden, haben eine wesentlich höhere Chance, den Nachfolgeprozess erfolgreich zu gestalten. Es erfordert Empathie, strategisches Denken und eine tiefgehende Kenntnis der internen Dynamiken des Unternehmens, um diese Hürden zu meistern und das Unternehmen in eine erfolgreiche Zukunft zu führen.

 

Bildquelle: S. Hofschlaeger  / pixelio.de

13. November 2024/0 Kommentare/von Jan Hossfeld

Kunden über die Unternehmensnachfolge informieren: Reihenfolge, Inhalte und Vorlagen

Blog

Eine Unternehmensnachfolge ist für Dich vermutlich ein großes Thema. So hart es klingt, für Deine Kunden ist sie erst einmal eine Störung. Kunden interessieren sich natürlich für Menschen, mit denen sie über Jahre zusammengearbeitet haben. Sie wünschen Dir vielleicht alles Gute und freuen sich, wenn Du eine gute Lösung gefunden hast.

Gleichzeitig haben sie aber eigene Fragen:

  • Bleibt mein Ansprechpartner?
  • Werden bestehende Zusagen eingehalten?
  • Ändern sich Preise oder Leistungen?
  • Versteht der Nachfolger unser Geschäft?
  • Muss ich damit rechnen, dass in den nächsten Monaten alles langsamer wird?
  • Wen rufe ich an, wenn es ein Problem gibt?

Deine Geschichte ist für Kunden einfach weniger relevant als ihre eigene betriebliche Sicherheit. Deshalb reicht es nicht, eine freundliche Rundmail zu verschicken, in der irgendwo zwischen Dankbarkeit, Lebenswerk und neuen Ufern steht, dass ab dem nächsten Monat jemand anderes verantwortlich ist.

Eine gute Kommunikation zeigt, dass Du verstanden hast, welche Fragen die Empfänger tatsächlich haben.

Du kommunizierst nicht mit „den Kunden“

Eines gleich vorab: Es gibt nicht die eine Nachricht, die für alle Adressaten gleich gut funktioniert. Ein langjähriger Schlüsselkunde benötigt andere Informationen als ein Kunde, der zweimal im Jahr eine Standardleistung bezieht.

Die Bank interessiert sich für andere Dinge als ein Lieferant. Mitarbeitende benötigen eine andere Form von Sicherheit als Geschäftspartner. Und ein Kunde, der eine enge persönliche Beziehung zum bisherigen Inhaber hat, reagiert anders als jemand, der ohnehin fast ausschließlich mit dem Team arbeitet.

Bevor Du eine Nachricht formulierst, solltest Du Deine Adressaten deshalb unterscheiden. Zum Beispiel:

Mitarbeitende

Sie wollen wissen, wer künftig entscheidet, was sich für sie verändert und ob ihre Arbeitsplätze sicher sind oder Verantwortungsbereiche sich ändern.

Banken und andere Finanzierungspartner

Sie interessieren sich dafür, wer künftig wirtschaftliche Verantwortung übernimmt, ob die Entscheidungsfähigkeit gesichert ist und wie der Übergang organisiert wird.

Schlüsselkunden

Sie wollen wissen, ob Leistungen, Ansprechpartner, Fristen, Verträge und wichtige Zusagen verlässlich bleiben.

Lieferanten und Kooperationspartner

Für sie ist wichtig, wer künftig verbindlich entscheiden darf und ob bestehende Vereinbarungen fortgeführt werden.

Übrige Kunden

Sie benötigen meist eine klare, verständliche Information darüber, was passiert, ab wann die Änderung gilt und an wen sie sich künftig wenden können. Das muss nicht bedeuten, dass Du für jeden Empfänger einen völlig neuen Text schreibst. Aber eine einzige Rundmail an alle ist selten die beste Lösung.

Wer sollte zuerst informiert werden?

In meinem ursprünglichen Beitrag hatte ich sinngemäß empfohlen, zuerst mit Geldgebern und besonders wichtigen Kunden zu sprechen. Das entsprach stark meiner eigenen Situation.

Nach dem Tod meines Vaters war unser Unternehmen wirtschaftlich angespannt. Die Bank fragte regelmäßig nach offenen Forderungen. Gleichzeitig waren wir fachlich und organisatorisch von wenigen Menschen abhängig. In dieser Lage war klar: Einige Beteiligte mussten sehr früh wissen, was passiert war und wie es weitergehen sollte. Daraus lässt sich aber keine universelle Reihenfolge ableiten.

Die sinnvollere Regel lautet:

Informiere zuerst die Menschen, deren Verhalten unmittelbar darüber entscheidet, ob der Übergang funktioniert.

Das können je nach Situation sein:

  • Gesellschafter,
  • Führungskräfte,
  • Mitarbeitende,
  • Banken,
  • Schlüsselkunden,
  • wichtige Lieferanten,
  • ein Betriebsrat,
  • oder externe Berater.

Bei einer geplanten Nachfolge ist die Reihenfolge meist gut steuerbar. Bei einem Todesfall, einer schweren Erkrankung oder einem plötzlichen Ausstieg ist sie das nicht. Dann kommunizierst Du unter Zeitdruck, während vielleicht noch vieles ungeklärt ist.

Gerade dann hilft eine einfache Unterscheidung:

  1. Wer muss es sofort wissen, weil er handeln oder entscheiden muss?
  2. Wer sollte es direkt von Dir erfahren, bevor Gerüchte entstehen?
  3. Wer kann informiert werden, sobald die ersten praktischen Fragen geklärt sind?

Wichtige Menschen sollten eine wesentliche Veränderung nicht zufällig über Dritte erfahren.

Geplante und ungeplante Nachfolge sind kommunikativ zwei verschiedene Situationen

Bei einer geplanten Nachfolge kannst Du eine Geschichte erzählen. Du kannst erklären, warum der Zeitpunkt gekommen ist, wie die Auswahl des Nachfolgers zustande kam und wie die Übergangszeit aussehen wird. Bei einer ungeplanten Nachfolge fehlt diese Vorbereitung.

Als mein Vater Ende 2010 starb, gab es keine ausformulierte Kommunikationsstrategie oder einen gut ausgearbeiteten Nachfolgeplan. Meine Mutter war kurz zuvor zur Co-Geschäftsführerin bestellt worden. Nach seinem Tod war sie formal die verantwortliche Person. Fachlich und operativ waren wir trotzdem auf das Team und besonders erfahrene Mitarbeiter angewiesen.

Wir informierten unsere Kunden noch im Dezember mit einem Brief. Meine Mutter schrieb persönlich über den Tod ihres Mannes, über die Fortführung des Unternehmens und darüber, wer künftig ansprechbar war. Aus heutiger Sicht war dieser Brief mehr als eine Mitteilung, denn er veränderte die „Adresse“, an die sich Kunden, Lieferanten und Partner wenden konnten.

Bis dahin war das Unternehmen eng mit meinem Vater verbunden gewesen. Nun musste nach außen sichtbar werden, dass das Unternehmen weiter existiert, dass Entscheidungen getroffen werden können und dass Kunden nicht im luftleeren Raum stehen. Wir konnten nicht jede Frage beantworten und erst recht keine absolute Sicherheit versprechen.

Wir konnten aber sagen:

  • Was geschehen war.
  • Wer nun Verantwortung übernommen hatte.
  • Dass das Team weiterarbeitete.
  • An wen sich Kunden wenden konnten.
  • Und dass wir die Fortführung ernsthaft und verbindlich angingen.

Rückblickend war das genau die richtige Botschaft, denn seriös mehr sagen war unmöglich, während weniger vermutlich nicht erreicht hätte.

Was eine gute Mitteilung enthalten sollte

Eine gute Nachricht zur Unternehmensnachfolge muss vor allem klar sein. Eleganz ist schön, aber zweitrangig. Aus meiner Sicht gehören sieben Punkte hinein.

1. Was passiert?

Nenne den Anlass ohne unnötige Umwege. Bei einer geplanten Nachfolge:

Zum 1. Januar übergebe ich die Geschäftsführung an …

Bei einem Verkauf:

Unser Unternehmen wird zum … Teil der … Unternehmensgruppe.

Bei einer ungeplanten Nachfolge:

Nach dem Tod unseres Geschäftsführers hat … die Geschäftsführung übernommen.

Der Empfänger sollte nicht erst nach drei Absätzen verstehen, worum es geht.

2. Ab wann gilt die Veränderung?

Ein konkretes Datum schafft Orientierung. Gibt es noch eine Übergangszeit, sollte auch das klar gesagt werden.

3. Wer übernimmt Verantwortung?

Ein Name allein mag für einige Adressaten reichen, für andere aber nicht.

Erkläre knapp:

  • Welche Rolle übernimmt die Person?
  • Welche Erfahrung bringt sie mit?
  • Welche Entscheidungen darf sie künftig treffen?
  • Wie wird der bisherige Inhaber während der Übergabe eingebunden?

4. Was bleibt verlässlich?

Kunden wollen wissen, ob ihre laufenden Themen weiterbearbeitet werden. Das können beispielsweise sein:

  • bestehende Verträge,
  • Ansprechpartner,
  • vereinbarte Leistungen,
  • Liefertermine,
  • Supportwege,
  • oder laufende Projekte.

Allerdings solltest Du nur Dinge zusagen, die Du auch sicher einschätzen kannst.

5. Was verändert sich?

Der Reflex ist oft, zu behaupten, dass alles genauso bleibt. Das ist fast nie vollständig wahr. Schon ein neuer Geschäftsführer verändert Entscheidungen, Prioritäten und Kommunikation. Selbst wenn Verträge, Team und Leistungen zunächst unverändert bleiben, wird sich im Alltag etwas verschieben.

Selbst wenn Du noch nicht weißt, welche konkreten Änderungen passieren, vermeide es, künstliche Unveränderlichkeit zu versprechen.

6. Wer ist künftig Ansprechpartner?

Spannenderweise wird dieser Punkt oft vergessen. Nenne konkret:

  • Name,
  • Funktion,
  • E-Mail-Adresse,
  • Telefonnummer,
  • und gegebenenfalls einen zweiten Kontakt.

Kunden sollten nach dem Lesen wissen, wohin sie sich wenden können.

7. Wann folgt die nächste Information?

Gerade wenn noch nicht alles geklärt ist, hilft ein konkreter Zeitpunkt für den nächsten Schritt in der Kommunikation.

Zum Beispiel:

Über die weitere Aufgabenverteilung informieren wir Sie bis Ende des Monats.

Oder:

Ihr persönlicher Ansprechpartner wird sich in den kommenden Tagen direkt bei Ihnen melden.

Damit entsteht nicht der Eindruck, dass die erste Nachricht bereits alle Fragen abschließend beantworten soll.

Bitte kein Corporate-Geschwurbel

Nachfolgemitteilungen sind anfällig für eine besondere Art von Sprache. Plötzlich geht es um „zukunftsorientierte Weichenstellungen“, „bewährte Werte“, „Kontinuität und Innovation“ sowie „die konsequente Weiterentwicklung der erfolgreichen Unternehmensgeschichte“. Solche Sätze sagen oft erstaunlich wenig.

Kunden möchten wissen:

  • Wer entscheidet?
  • Wer ist erreichbar?
  • Wird meine Leistung weiter erbracht?
  • Was verändert sich für mich?
  • Muss ich etwas tun?

Beantworte diese Fragen. Danach kannst Du immer noch schreiben, dass Du Dich auf die gemeinsame Zukunft freust.

„Alles bleibt wie bisher“ ist selten eine gute Botschaft

Auch wenn der Satz beruhigend wirkt, ist er hochproblematisch. Erstens ist er meistens nicht wahr. Zweitens kann er beim Nachfolger eine Erwartung erzeugen, die kaum zu erfüllen ist. Er soll Verantwortung übernehmen, darf aber bitte nichts verändern. Drittens verhindert die Aussage eine ehrliche Kommunikation über das, was noch nicht entschieden ist.

Besser sind Formulierungen wie:

Ihre bestehenden Verträge und Ansprechpartner bleiben zunächst unverändert.

Oder:

Für laufende Projekte ergeben sich durch die Übergabe aktuell keine Änderungen.

Oder:

Über mögliche Veränderungen informieren wir Sie frühzeitig und direkt.

Das ist präziser und verspricht nicht, dass ein Unternehmen nach einem Führungswechsel für alle Zeit identisch bleibt.

Persönlich oder schriftlich?

Bei wichtigen Kunden würde ich eine Nachfolge nicht ausschließlich schriftlich mitteilen. Ein persönliches Gespräch hat mehrere Vorteile. Du erkennst unmittelbar, welche Sorgen bestehen und kannst erklären, warum Du Dich für diese Lösung entschieden hast. Der Nachfolger kann sich selbst vorstellen und der Kunde bekommt ein Gefühl dafür, ob die Zusammenarbeit künftig funktionieren kann.

Die schriftliche Information bleibt trotzdem wichtig. Sie schafft einen gemeinsamen Stand und verhindert, dass nach mehreren Gesprächen unterschiedliche Versionen kursieren.

Für Schlüsselkunden kann die Reihenfolge beispielsweise so aussehen:

  1. Persönliches Gespräch mit bisherigem und künftigem Verantwortlichen.
  2. Schriftliche Zusammenfassung der wesentlichen Punkte.
  3. Konkrete Übergabe laufender Themen.
  4. Späterer Termin zur Überprüfung, ob die neue Zusammenarbeit funktioniert.

Bei einer großen Zahl kleinerer Kunden ist ein persönliches Gespräch mit jedem Einzelnen unrealistisch. Dort reicht meist eine klare schriftliche Information, ergänzt um die Möglichkeit, Fragen zu stellen.

Vorlage: Kunden über eine geplante Nachfolge informieren

Die folgende Vorlage ist bewusst einfach und sehr nüchtern gehalten. Du solltest sie an Deine tatsächliche Situation anpassen. Bitte kopiere sie nicht blind und ergänze anschließend drei Absätze über Tradition, Werte und Zukunft.

Betreff: Veränderung in der Geschäftsführung ab dem [Datum]

Sehr geehrte Frau [Name],
sehr geehrter Herr [Name],

zum [Datum] werde ich die Geschäftsführung unseres Unternehmens an [Name des Nachfolgers] übergeben.

[Name] ist seit [Zeitraum] als [bisherige Funktion] in unserem Unternehmen tätig / bringt Erfahrung aus [relevanter Bereich] mit und wird künftig die Verantwortung für [Aufgabenbereich] übernehmen.

Bis zum [Datum] gestalten wir die Übergabe gemeinsam. In dieser Zeit werden laufende Projekte, Kundenbeziehungen und wesentliche Entscheidungen schrittweise übergeben.

Für Ihre laufenden Aufträge und bestehenden Vereinbarungen ergibt sich aktuell keine Änderung. Ihr bisheriger Ansprechpartner [Name] bleibt weiterhin für Sie erreichbar.

Künftig können Sie sich zusätzlich direkt an [Name des Nachfolgers] wenden:

[Name]
[Funktion]
[E-Mail]
[Telefon]

Mir war wichtig, Sie frühzeitig und persönlich über diesen Schritt zu informieren. Gerne stellen wir Ihnen [Name des Nachfolgers] in einem gemeinsamen Gespräch vor und besprechen dabei auch die Themen, die für unsere weitere Zusammenarbeit besonders wichtig sind.

Vielen Dank für die bisherige Zusammenarbeit und das Vertrauen, das Sie unserem Unternehmen entgegengebracht haben.

Mit freundlichen Grüßen

[Name des bisherigen Inhabers]
[Name des Nachfolgers]

Je nach Beziehung zum Kunden darf die Nachricht natürlich persönlicher sein. Bei einem langjährigen Schlüsselkunden würde ich nicht mit einer Standardmail beginnen. Dort gehört zuerst ein Gespräch hin.

Vorlage: Kunden über eine ungeplante Nachfolge informieren

Eine ungeplante Nachfolge braucht eine andere Sprache. Bei einem Todesfall oder einer schweren Erkrankung wäre es absurd, so zu schreiben, als handle es sich um einen gewöhnlichen Führungswechsel. Trotzdem benötigt der Empfänger praktische Informationen.

Betreff: Information zur Geschäftsführung unseres Unternehmens

Sehr geehrte Frau [Name],
sehr geehrter Herr [Name],

mit großer Trauer müssen wir Ihnen mitteilen, dass unser Geschäftsführer [Name] am [Datum] verstorben ist.

[Optional: ein kurzer persönlicher Satz zur Bedeutung des Verstorbenen für das Unternehmen.]

Die Geschäftsführung wurde mit sofortiger Wirkung von [Name] übernommen.

Unser Team führt die laufenden Arbeiten und Projekte fort. Für Ihre bestehenden Aufträge und Vereinbarungen bleibt zunächst [bisheriger Ansprechpartner] Ihre bekannte Kontaktperson.

Bei Fragen zur Geschäftsführung oder zu grundsätzlichen Themen wenden Sie sich bitte an:

[Name]
[Funktion]
[E-Mail]
[Telefon]

Uns ist bewusst, dass diese Veränderung auch bei Kunden und Partnern Fragen auslösen kann. Wir werden Sie informieren, sobald weitere organisatorische Entscheidungen getroffen wurden.

Vielen Dank für Ihr Vertrauen und Ihr Verständnis in dieser für uns besonderen Situation.

Mit freundlichen Grüßen

[Name]
[Funktion]

Künstlich Stärke demonstrieren ist der sicherste Weg, Vertrauen zu verlieren. Es ist vollkommen in Ordnung, deutlich zu machen, dass die Situation schwierig ist und manche Fragen noch beantwortet werden müssen. Wichtiger ist, dass Kunden erkennen, dass das Unternehmen erreichbar ist, es verantwortliche Personen gibt und laufende Themen nicht vergessen werden.

Was nach der Nachricht passieren muss

Kommunikation endet nicht mit dem Versand. Eine perfekte Mail nützt wenig, wenn der Kunde danach weiterhin nur den bisherigen Inhaber erreicht oder der neue Ansprechpartner keine Entscheidungen treffen kann.

Die eigentliche Übergabe beginnt im Alltag:

  • gemeinsame Kundengespräche,
  • Übergabe wichtiger Vereinbarungen,
  • Dokumentation von Sonderfällen,
  • Klärung offener Angebote und Projekte,
  • nachvollziehbare Entscheidungsrechte,
  • Zugriff auf relevante Unterlagen,
  • und eine klare Eskalationsmöglichkeit.

Besonders wichtig ist der Entscheidungskontext. Ein Nachfolger kann in einem Dokument oder einer E-Mail lesen, dass einem Kunden eine Ausnahme gewährt wurde. Er weiß deshalb noch nicht, warum das geschah, welche Gegenleistung vereinbart wurde oder ob die Ausnahme bei der nächsten Verhandlung erneut gelten soll. Diese Zusammenhänge gehören in eine Übergabe.

Andernfalls bleibt die Kundenbeziehung weiterhin am Wissen des bisherigen Inhabers hängen, selbst wenn alle Kontaktdaten längst geändert wurden.

Eine kurze Checkliste vor dem Versand

Bevor Du die Nachricht verschickst, prüfe:

  • Ist der Anlass bereits intern ausreichend geklärt?
  • Sind die wichtigsten Mitarbeitenden informiert?
  • Wissen die genannten Ansprechpartner, dass ihre Kontaktdaten veröffentlicht werden?
  • Können sie die erwarteten Fragen tatsächlich beantworten?
  • Ist klar, wer künftig Entscheidungen treffen darf?
  • Sind bestehende Verträge und Zusagen geprüft?
  • Wird zwischen gesicherten Aussagen und offenen Fragen unterschieden?
  • Ist der Text verständlich oder voller leerer Formulierungen?
  • Gibt es Kunden, die vorher persönlich informiert werden sollten?
  • Ist festgelegt, was nach der ersten Nachricht geschieht?

Wenn die Kommunikation einen Nachfolger ankündigt, der praktisch noch nichts entscheiden kann, ist die Übergabe noch nicht weit genug. Dann hilft auch schöne Kommunikation nicht.

Zusammenfassung

Kunden über eine Unternehmensnachfolge zu informieren, ist eine diffizile Angelegenheit, die Fingerspitzengefühl ebenso braucht, wie Klarheit. Die Nachricht muss Orientierung geben, ohne den Anspruch zu haben, eine komplette Strategie zu erklären.

Kunden sollten nach Erhalt der Information folgendes wissen:

  • Was passiert?
  • Ab wann gilt die Veränderung?
  • Wer übernimmt Verantwortung?
  • Was bleibt zunächst unverändert?
  • Was verändert sich möglicherweise?
  • An wen können sie sich wenden?
  • Wann erhalten sie weitere Informationen?

Bei wichtigen Kunden gehört zusätzlich ein persönliches Gespräch dazu. Und nach der Kommunikation muss das Unternehmen beweisen, dass die angekündigte Übergabe im Alltag funktioniert, denn Kundenbeziehungen werden nicht dadurch übergeben, dass ein neuer Name unter einer E-Mail steht. Sie werden übergeben, wenn der neue Verantwortliche informiert ist, entscheiden kann und für den Kunden tatsächlich zur verlässlichen Adresse wird.

Weiterführende Inhalte

  • Wenn eine Schlüsselperson ausfällt: Was zuerst fehlt
  • Rollen im Unternehmen: Warum Rolle und Person getrennt werden müssen
  • Wobei ich bei Nachfolge, Übergabe und Personenabhängigkeit helfe
  • Meine Geschichte: ungeplante Übernahme und spätere Übergabe
24. August 2017/0 Kommentare/von Jan Hossfeld

Altlasten im Unternehmen erkennen: Was Nachfolger zuerst prüfen sollten

Blog

Wenn Du ein Unternehmen übernimmst, übernimmst Du nicht nur Kunden, Mitarbeitende, Produkte und Vermögen. Du übernimmst auch Dinge, die niemand so richtig auf dem Zettel hatte, wie alte Zusagen, unklare Verträge oder Prozesse, die seit Jahren nur deshalb funktionieren, weil eine bestimmte Person weiß, wie es geht. Es gibt auch Kundenbeziehungen, die offiziell dem Unternehmen gehören, praktisch aber am bisherigen Inhaber hängen. Oder Technische Systeme, bei denen niemand genau weiß, wer noch Zugriff hat. Ebenso wie Entscheidungen, deren Ergebnis dokumentiert wurde, deren Hintergrund aber verloren gegangen ist.

Ich nenne solche Dinge in diesem Beitrag Altlasten. Der Begriff wirkt nicht besonders freundlich, aber er ist verständlich. Eines gleich vorab: Menschen sind keine Altlasten.

Mitarbeitende können überfordert sein, für eine Aufgabe nicht ausreichend qualifiziert oder in einer unklaren Rolle feststecken. Es kann Konflikte, fehlende Entwicklung oder personengebundenes Wissen geben. Das Problem ist dann aber nicht der Mensch als Altlast. Das Problem liegt in der Situation, die das Unternehmen über Jahre entstehen ließ.

Altlasten sind für mich Verpflichtungen, Risiken, Abhängigkeiten und ungeklärte Sachverhalte, deren Ursache in der Vergangenheit liegt, deren Folgen aber der Nachfolger bearbeiten muss. Von denen gibt es bei fast jeder Unternehmensnachfolge einige.

Altlasten werden häufig erst nach der Übernahme sichtbar

Vor einer Nachfolge wird jede Menge geprüft, von Bilanzen über Verträge bis hin zu steuerlichen Fragen. Banken, Anwälte und Steuerberater wollen Unmengen an Dokumenten sehen. Die Professionalität und der Umfang einer Due Dilligence variieren – Arbeit ist es auf jeden Fall, und sie ist sowohl sinnvoll als auch notwendig.

Trotzdem zeigt ein Unternehmen vor der Übergabe nie seine gesamte Realität, denn nicht alles steckt in den Dokumenten. Vieles verbirgt sich in den Köpfen der Menschen. Die Bandbreite reicht von „ist allen bekannt, wird aber nicht offen ausgesprochen“ bis hin zu Dingen, die inzwischen so selbstverständlich sind, dass niemand sie überhaupt noch wahrnimmt.

Hinzu kommt, dass es oftmals Zusammenhänge gibt, die nur der bisherige Inhaber kennt, weil er sie seit Jahren selbst geregelt hat. Besondere Preise eines spezifischen Kunden, außergewöhnliche Zahlungsfristen bei einem Lieferanten, Mitarbeiter mit besonderen Rechten oder eine vertragliche Verpflichtung, von der niemand mehr genau weiß, warum sie damals eingegangen wurde. Die Menge denkbarer „Kleinigkeiten“ ist enorm groß.

Solange die beteiligten Personen da sind, funktioniert das irgendwie. Nach der Übernahme wird aus „irgendwie“ schnell ein Problem.

Ich habe viele Altlasten erst verstanden, als ich bereits verantwortlich war

Als mein Vater Ende 2010 starb, gab es keine vorbereitete Übergabe. Meine Mutter war kurz zuvor zur Co-Geschäftsführerin bestellt worden. Ich arbeitete seit 2009 im Unternehmen und begann, zunehmend operative Verantwortung zu übernehmen.

Wir hatten weder eine vollständige Liste der offenen Risiken noch einen sauberen Überblick darüber, welche Entscheidungen, Zusagen und Beziehungen an meinem Vater hingen. Dazu kam die wirtschaftliche angespannte Lage mir regelmäßigen Anrufen der Bank und jede Menge Wissen, das nur in wenigen Köpfen steckte.

Unsere erste Aufgabe bestand deshalb darin, den nächsten Monat zu überstehen, nicht eine systematische Inventur aller Altlasten zu machen.  Gehälter mussten bezahlt werden, Kunden mussten weiterarbeiten können. Das Team brauchte Orientierung, weshalb Entscheidungen nicht einfach liegen bleiben durften.

Erst später wurde sichtbar, was wir alles übernommen hatten. Ein besonders einprägsames Beispiel war eine alte vertragliche Zusage gegenüber einem Kunden. Die Vereinbarung war dokumentiert, das war nicht das Problem. Was fehlte, war der Zusammenhang. Warum hatte mein Vater diese Zusage gemacht? Welche Gegenleistung gab es? War sie Teil eines größeren Kompromisses? Welche Alternativen wurden damals besprochen?

Der Mensch, der diese Entscheidung getroffen hatte, war tot. Wir konnten einzelne Teile rekonstruieren, auch dank der Hilfe des bereits erwähnten Wissens in vielen Köpfen. Ganz vollständig aufgeklärt werden konnte der Sachverhalt aber nicht. Am Ende fanden wir mit dem Kunden eine Lösung. Das lag an einer guten Beziehung, an Professionalität auf beiden Seiten und auch an Glück.

Für mich war das eine frühe Lektion: Ein Vertrag zeigt Dir das Ergebnis dessen, was vereinbart wurde. Er erklärt Dir nicht automatisch, warum diese Vereinbarung sinnvoll war.

Vier Arten von Altlasten

In der Praxis überschneiden sich die Themen, aber für einen ersten Überblick hilft trotzdem eine grobe Einteilung.

1. Wirtschaftliche und finanzielle Altlasten

Diese Altlasten sind häufig am leichtesten erkennbar, weil sie sich zumindest teilweise in Zahlen zeigen.

Dazu können gehören:

  • überfällige Forderungen
  • unklare Verbindlichkeiten
  • zu geringe Liquiditätsreserven
  • Investitionsstau
  • unrentable Kunden oder Leistungen
  • zu niedrig kalkulierte Preise
  • nicht abgerechnete Zusatzleistungen
  • laufende Verpflichtungen ohne erkennbaren Nutzen
  • eine Kostenstruktur, die nicht mehr zum Umsatz passt

Die Zahlen allein reichen allerdings nicht. So kann ein Kunde auf dem Papier profitabel wirken und in der Realität so viel Sonderaufwand erzeugen, dass kaum etwas davon übrig bleibt. Eine Leistung kann Umsatz bringen, aber wichtige Fachkräfte dauerhaft blockieren. Und Verträge können wirtschaftlich unattraktiv sein, aber aus strategischen Gründen trotzdem sinnvoll sein.

Deshalb musst Du nicht nur fragen:

Was kostet uns das?

Sondern auch:

Warum machen wir das noch?

Die Antwort „weil wir es immer so gemacht haben“ ist dabei kein ausreichender Grund.

2. Rechtliche und vertragliche Altlasten

Verträge haben den enormen Vorteil, dass sie in der Regel gut dokumentiert sind. Auf mündliche Zusagen, Gewohnheiten oder jahrelang gültige Sonderregeln trifft das leider nicht zu.

Dazu gehören beispielsweise:

  • ungewöhnliche Haftungszusagen
  • unklare Leistungsbeschreibungen
  • dauerhaft gewährte Kulanz
  • individuelle Preisvereinbarungen
  • ungenutzte, aber weiterlaufende Verträge
  • ungeklärte Nutzungsrechte
  • offene Rechtsstreitigkeiten
  • fehlende Vollmachten
  • Vereinbarungen, deren praktische Bedeutung niemand mehr kennt

Schlechte Vertragsklauseln führen oftmals nicht zu einem sofort sichtbaren Schaden, sie können sogar jahrelang völlig unauffällig sein – wie in unserem Fall. Problematisch wird sie meistens dann, wenn sich etwas verändert.

Solche Themen gehören frühzeitig mit den passenden Fachleuten geklärt. Ich bin kein Anwalt und auch kein Steuerberater. Genau deshalb würde ich bei rechtlichen, steuerlichen oder bilanziellen Fragen nicht versuchen, mir selbst eine schön klingende, aber sachlich nicht fundierte Antwort zusammenzubauen.

Das solltest Du auch nicht. Du musst nicht alles selbst beurteilen können, aber Du musst erkennen, wann Du jemanden brauchst, der es kann.

3. Operative und technische Altlasten

Diese Altlasten zeigen sich im Arbeitsalltag. Ein Prozess funktioniert, aber niemand hat ihn bewusst gestaltet oder ein System wird weiterbetrieben, obwohl es kaum noch jemand versteht. Daten liegen an mehreren Stellen, die wichtigsten Passwörter sind personengebunden und die Schnittstellen werden durch manuelle Arbeit zusammengehalten.

Typische Beispiele sind:

  • veraltete Software
  • fehlende Backups
  • unklare Zugriffsrechte
  • alte Hardware
  • manuelle Zwischenlösungen
  • nicht dokumentierte Schnittstellen
  • nicht nachvollziehbare Datenbestände
  • fehlende Wartungsverträge
  • Prozesse, die nur durch tägliches Improvisieren funktionieren

Es ist komplett nachvollziehbar, dass technische Altlasten gerne verschoben werden. Schließlich ist es ein riesiger Aufwand, ein laufendes System auszutauschen oder maßgeblich zu verändern. Dazu kostet neue Software Geld, bindet Mitarbeitende und erzeugt erst einmal neue Probleme.

Deshalb muss nicht jede alte Lösung sofort ersetzt werden. Wichtiger ist der Blick auf die Risiken bei einem Ausfall. Fragen wie „kann jemand das System wiederherstellen?“ oder „sind die Daten gesichert?“ sind sehr hilfreich bei der Einschätzung. Ein altes System ist nur dann gefährlich, wenn es nicht verstanden und nicht abgesichert ist.

4. Organisatorische und personengebundene Altlasten

Diese Altlasten sind oft am schwersten zu erkennen, da sie weder in Bilanzen noch Verträgen ausgewiesen sind.

Dazu gehören:

  • Wissen in einzelnen Köpfen
  • unklare Rollen
  • informelle Entscheidungswege
  • Kundenbeziehungen, die an Namen hängen
  • fehlende Vertretungen
  • ungelöste Konflikte
  • Verantwortung ohne Entscheidungsrecht
  • Aufgaben, die aus Gewohnheit bei der falschen Person liegen
  • Führung, die über persönliche Nähe statt über klare Zuständigkeiten funktioniert

Viele dieser Dinge wirken lange effizient. Wenn ein Kunde immer direkt den erfahrensten Entwickler anruft, bekommt er schnell eine Antwort. Wenn der Inhaber jede wichtige Entscheidung selbst trifft, gibt es selten lange Abstimmungen. Und wenn eine Mitarbeiterin seit Jahren alle Sonderfälle kennt, muss niemand ein kompliziertes System aufbauen.

Das funktioniert genau solange, bis diese Person fehlt. Dann zeigt sich, dass die Organisation nicht wusste, wie der betreffende Bereich funktioniert. Sie wusste nur, wen sie fragen muss.

Die gefährlichsten Altlasten sind häufig unsichtbar

Offene Verbindlichkeiten findest Du jederzeit in Unterlagen, aber das Wissen, das an ganz spezifische Personen gebunden ist, erkennst Du nicht auf Anhieb. Ein Nachfolger kann einen vollständigen Vertrag vorliegen haben und trotzdem nicht wissen, warum bestimmte Klauseln enthalten sind. Die Kundenliste trifft selten eine Aussage darüber, welche Kundenbeziehung besonders empfindlich ist. Oder das Organigramm, das zwar schön und klar aussieht, aber all die informellen Beziehungen und Einflussnahmen im Alltag gar nicht erst darstellen kann.

Zu den unsichtbaren Altlasten gehören deshalb insbesondere:

  • Entscheidungsgründe
  • historische Konflikte
  • informelle Zusagen
  • persönliche Loyalitäten
  • Sondervereinbarungen
  • Abkürzungen im Prozess
  • stillschweigend tolerierte Ausnahmen
  • Erwartungen, die nie klar ausgesprochen wurden

Ein Teil davon lässt sich dokumentieren, ein anderer wird nur in Gesprächen sichtbar. Deshalb reicht es nicht, vor oder nach einer Übernahme nur Unterlagen zu lesen, Du musst unbedingt mit Menschen sprechen, und zwar deutlich mehr als nur mit dem bisherigen Inhaber. Ob Mitarbeitende, Führungskräfte, Kunden, Berater und Geschäftspartner, jeder sieht einen anderen Teil des Unternehmens. Aus diesen Teilen entsteht dann mit der Zeit ein Gesamtbild.

Wie Du einen ersten Befund erstellst

Du brauchst am Anfang vor allem einen vernünftigen Überblick. Dafür würde ich fünf Quellen nutzen.

1. Zahlen

Prüfe neben den Jahresabschlüssen auch:

  • Kontostände
  • offene Forderungen
  • fällige Zahlungen
  • wiederkehrende Kosten
  • Auftragseingang
  • Auftragsbestand
  • Deckungsbeiträge
  • nicht abgerechnete Leistungen
  • absehbare Investitionen

Ein Jahresabschluss kann korrekt sein und Dir trotzdem wenig darüber sagen, ob in sechs Wochen Geld fehlt.

2. Verträge und Verpflichtungen

Welche Verträge bestimmen den laufenden Betrieb? Wo bestehen ungewöhnliche Regelungen? Welche Verträge verlängern sich automatisch? Welche Kunden besitzen Sonderrechte? Welche Verpflichtungen wurden mündlich ergänzt? All das sind Fragen, die Du stellen solltest.

Besonders wichtig ist die Frage:

Welche Vereinbarung würde mich überraschen, wenn sich morgen jemand darauf beruft?

3. Gespräche

Frage Mitarbeitende doch, neben der bekannten Frage nach Problemen, mal andere Dinge.

Beispielsweise:

  • Was funktioniert nur, weil eine bestimmte Person da ist?
  • Welche Aufgabe ist offiziell anders geregelt als praktisch?
  • Was würde bei einem längeren Ausfall zuerst liegen bleiben?
  • Welche Zusage kennt nur ein kleiner Kreis?
  • Welcher Kunde erwartet eine Sonderbehandlung?
  • Welche Entscheidung wird immer wieder verschoben?
  • Wo verlieren wir regelmäßig Zeit oder Geld?

Menschen müssen zunächst einschätzen, ob Du tatsächlich verstehen willst oder nur nach Schuldigen suchst. Danach bekommst Du vermutlich die richtigen Antworten.

4. Beobachtung

Schau Dir an, wie Arbeit wirklich läuft. Wer wird angerufen, wenn etwas schwierig wird? Wer darf Entscheidungen treffen? Wer wird in Besprechungen übergangen? Welche Themen landen immer beim Inhaber? Wo warten Menschen auf eine Freigabe?

Das Organigramm zeigt die formale Organisation, der Alltag zeigt die tatsächliche.

5. Externe Fachleute

Ein Nachfolger muss nicht alles selbst können. Ganz im Gegenteil, wenn Du meinen Blog liest, wirst Du merken, dass man in der Regel nie zu einem Experten wird, sondern bestenfalls zu einem passablen Allrounder. Dafür gibt es aber Steuerberater, Anwälte, IT-Fachleute, Versicherungsberater, Banken oder andere Spezialisten, dieRisiken erkennen können, die intern längst normal geworden sind.

Wichtig ist nur, dass Du die Verantwortung für die Gesamtentscheidung nicht vollständig nach außen abgibst. Die Rückmeldung der Berater ist dessen Sicht auf sein Fachgebiet und eine Entscheidungsgrundlage für Dich. Was Du daraus machst, ist Deine unternehmerische Entscheidung.

Eine feste Standardreihenfolge funktioniert nicht

In meiner eigenen Übernahme war Liquidität, aus nachvollziehbaren Gründen, das dominierende Thema. Ohne Geld hätten wir weder Gehälter zahlen, noch den Betrieb fortführen können. Deshalb lag es nahe, Liquidität an die erste Stelle zu setzen.

Das bedeutet nicht, dass sie in jeder Nachfolge automatisch das dringendste Problem ist. In einem anderen Unternehmen kann der größte Kunde kurz vor der Kündigung stehen, ein kritisches IT-System kann ungesichert sein oder eine Schlüsselperson kann bereits gekündigt haben.

Eine allgemeingültige Liste wie

  1. Finanzen,
  2. Personal,
  3. Prozesse,
  4. Technik

hilft deshalb nur begrenzt. Die richtige Reihenfolge ergibt sich aus den möglichen Folgen – klassisches Risikomanagement also.

Wie Altlasten priorisiert werden können

Für jeden erkannten Punkt helfen Dir fünf Fragen. Die erste ist es absolut wert, auch an dieser Stelle zu stehen, denn sie verhindert zu schnelles Loslaufen, ohne sich vorher ein echtes Bild der Lage gemacht zu haben.

1. Was passiert, wenn wir nichts tun?

Bleibt lediglich eine Unannehmlichkeit bestehen, oder drohen Ausfälle, Kundenverlust, finanzielle Schäden, Fristversäumnisse oder blockierte Entscheidungen?

2. Wann tritt die Wirkung ein?

Ein Problem kann schwerwiegend sein, aber erst in zwei Jahren relevant werden, während ein anderes kleiner ist, aber bereits morgen einen ganz konkreten Schaden verursacht.

Dringlichkeit und Wichtigkeit sind nicht dasselbe.

3. Gibt es einen zweiten/alternativen Weg?

Kann eine andere Person übernehmen? Gibt es ein Ersatzsystem? Kann eine Frist verlängert werden? Existiert ein alternativer Lieferant?

Wenn es keinen zweiten Weg gibt, steigt die Priorität.

4. Wie lange dauert eine Lösung oder Wiederherstellung?

Ein fehlendes Passwort lässt sich vielleicht innerhalb eines Tages klären. Der Aufbau einer zweiten fachlichen Schlüsselperson dauert möglicherweise Jahre.

Je länger die Wiederherstellung benötigt, desto früher musst Du beginnen.

5. Welche Absicherung existiert bereits?

Nicht jede Abhängigkeit ist automatisch ungeschützt. Es kann Versicherungen, vertragliche Regelungen, Vertretungen, Reserven oder externe Unterstützung geben, die Du nicht auf Anhieb siehst. Diese Schutzmechanismen verändern die Priorität.

Was sofort gesichert werden sollte

Auch ohne vollständige Analyse gibt es einige Dinge, die bei einer ungeplanten Übernahme früh geklärt werden müssen.

Entscheidungsfähigkeit

Wer darf aktuell verbindlich entscheiden? Wer besitzt Unterschrifts-, Bank- und Vertretungsbefugnisse? Welche Entscheidungen können nicht warten?

Eine formale Geschäftsführung ist wichtig. Sie bedeutet aber noch nicht, dass im Alltag klar ist, wer welche Entscheidung übernimmt.

Zahlungsfähigkeit

Welche Zahlungen stehen an? Welche Einnahmen sind realistisch? Welche Rechnungen können gestellt werden? Welche Verpflichtungen sind fällig?

Hier zählt nicht nur die Bilanz, sondern der konkrete Kontostand. Wie mein langjähriger Bekannter Philip immer sagt, „Cash ist King„.

Kritische Leistungen

Welche Leistungen müssen weiter erbracht werden, damit Kunden, Mitarbeitende oder Behörden nicht unmittelbar betroffen sind?

Kundenkontakte

Welche Kunden benötigen schnell eine verlässliche Information? Wer ist dort Ansprechpartner? Welche Zusagen bestehen?

Fristen

Welche gesetzlichen, vertraglichen oder betrieblichen Fristen laufen? Das ist besonders wichtig, denn eine übersehene Frist kann teurer sein als ein grundsätzlich größeres Problem, das noch Zeit hat.

Zugänge und Unterlagen

Wer hat Zugriff auf Bankkonten, Systeme, Verträge, E-Mails, Kundendaten und technische Infrastruktur? Gerade bei einem plötzlichen Ausfall ist diese Frage alles andere als nebensächlich.

Was bewusst warten kann

Nach einer Übernahme ist der Impuls, alles sofort zu verändern, groß. Warum nicht ein neues Organigramm erstellen, dabei die Stellenbeschreibungen überarbeiten, eine neue Software einführen und bei der Gelegenheit auch gerade die Webseite mal komplett überarbeiten?

Das ist meistens keine gute Idee. Manche Altlasten sind zwar unschön, aber stabil. Sie funktionieren seit Jahren und werden nicht innerhalb der nächsten Wochen zum Problem. Andere Themen sind zwar wichtig, benötigen aber zunächst mehr Wissen, für dessen Erarbeitung Du Zeit brauchst.

Bevor Du alte Strukturen veränderst oder abschaffst, lerne sie zu verstehen. Eine provisorische Lösung kann das Ergebnis schlechter Entscheidungen sein – oder aber eine vernünftige Antwort auf ein Problem sein, das Du noch nicht kennst.

Du wirst nicht jede Altlast beseitigen

Es gehört auch zur Wahrheit dazu, dass Du nicht jedes Problem vollständig lösen kannst. Manche Verträge können nur begrenzt verbessert werden, oder sie unterliegen Änderungsbedingungen, die einzugehen nicht lohnt. Auch so manche Kundenbeziehungen bleiben personengebunden, weil die Bindung einfach groß ist. Bestimmtes Wissen lässt sich nicht innerhalb weniger Wochen übertragen und so manch ein technisches System wird (viel) länger weiterlaufen, als Dir lieb ist.

Das Ziel kann deshalb nicht sein, jede Altlast möglichst schnell zu entfernen, sondern die wesentlichen Risiken zu kennen und bewusst mit ihnen umzugehen.

Dazu können unterschiedliche Entscheidungen gehören:

  • beseitigen
  • begrenzen
  • absichern
  • übertragen
  • beobachten
  • verhandeln
  • oder bewusst akzeptieren

Die Entscheidung, nichts zu tun, ist auch eine Entscheidung. Sie sollte nur nicht aus Unwissenheit getroffen werden.

Offenheit gegenüber dem Team

In schwierigen Situationen gibt es zwei schlechte Extreme. Das erste besteht darin, jede eigene Sorge ungefiltert beim Team abzuladen, das zweite darin, künstliche Sicherheit vorzuspielen.

Als mein Vater starb, wusste bei uns jeder, dass die Situation schwierig war. Es hätte nichts gebracht, so zu tun, als sei alles vollständig geklärt. Meine Mutter sagte dem Team sinngemäß, dass sie das Unternehmen weiterführen möchte und dabei die Unterstützung aller benötigt. Im Prinzip also das Gegenteil dessen, was Management-Ratgeber so empfehlen.

Es war aber ehrlich. Führung bedeutet in solchen Momenten nicht, auf jede Frage eine fertige Antwort zu haben. Sie bedeutet, zwischen drei Dingen zu unterscheiden:

  • Was wissen wir sicher?
  • Was ist noch offen?
  • Was entscheiden oder prüfen wir als Nächstes?

Menschen können mit Unsicherheit umgehen. Schwieriger wird es, wenn sie merken, dass Führung etwas verschweigt oder selbst keinen Plan dafür besitzt, wie offene Fragen bearbeitet werden.

Was ich damals unterschätzt habe

Ich habe bei meiner eigenen Übernahme vieles nicht verstanden. Das war teilweise enorm hilfreich. Hätte ich das gesamte Risiko erkannt bzw. im Detail verstanden, wäre ich möglicherweise vorsichtiger gewesen und hätte manche Entscheidung gar nicht getroffen.

Es war aber auch gefährlich, denn ich wusste zu Beginn nicht, wie viele Zusammenhänge an einzelnen Menschen hingen. Ich verstand manche Zahlen nur unvollständig und hatte kein Gefühl dafür, wie wenig Wissen tatsächlich dokumentiert war. Dazu kam der Irrglaube, dass sie viele organisatorische und strukturelle Probleme einfach durch mehr Einsatz lösen lassen.

Das funktionierte erstaunlich oft. Es führte aber auch dazu, dass ich selbst zunehmend zum nächsten Flaschenhals wurde. Man kann also sagen, Altlasten verschwinden nicht automatisch mit einem engagierten Nachfolger. Sie sind einfach nur unter einem neuen Namen zu finden.

Ein kompakter Altlasten-Check

Nimm Dir für den Anfang eine kleine Liste vor, die auch wirklich machbar ist. Vollständige Unternehmensanalysen benötigen Zeit, die Du vielleicht nicht hast.

Beantworte deshalb zu Beginn nur diese Fragen:

Finanzen

  • Welche Zahlungen sind in den nächsten acht Wochen fällig?
  • Welche Einnahmen sind sicher, welche nur erwartet?
  • Welche Leistungen wurden erbracht, aber noch nicht abgerechnet?
  • Welche Kunden oder Produkte verursachen regelmäßig mehr Aufwand als angenommen?

Verträge

  • Welche Vereinbarungen enthalten ungewöhnliche Verpflichtungen?
  • Welche Verträge verlängern sich automatisch?
  • Welche Zusagen bestehen nur mündlich?
  • Bei welcher Regelung kennt nur der Vorgänger den Hintergrund?

Betrieb

  • Welche Leistung darf nicht ausfallen?
  • Welches System oder welche Maschine besitzt keinen realistischen Ersatz?
  • Welche Arbeit funktioniert nur durch manuelle Zwischenlösungen?
  • Welche Zugänge sind personengebunden?

Organisation

  • Bei wem landen schwierige Entscheidungen?
  • Welche Rolle besteht nur auf dem Papier?
  • Welche Vertretung kann Routinefälle bearbeiten, aber keine Ausnahmen?
  • Welche Kunden fragen nach einem Namen statt nach einer Funktion?
  • Was würde konkret liegen bleiben, wenn eine Schlüsselperson zwei Wochen fehlt?

Priorität

  • Welcher Punkt verursacht den größten Schaden, wenn wir nichts tun?
  • Welcher Schaden tritt zuerst ein?
  • Wo gibt es keinen zweiten Weg?
  • Welche Lösung benötigt besonders viel Vorlauf?
  • Was ist bereits ausreichend abgesichert?

Du wirst nach diesen Fragen vermutlich erkennen, wo Du als Nächstes genauer hinschauen solltest.

Zusammenfassung

Altlasten gehören zu fast jeder Unternehmensnachfolge und sie kommen in sehr verschiedenen Ausprägungen vor. Schulden, schlechte Verträge oder veraltete Technik sind offensichtlich und direkt sichtbar. Dagegen sind die Zusammenhänge, die über Jahre an bestimmte Menschen gebunden waren, oftmals lange Zeit komplett unsichtbar:

  • Wissen
  • Entscheidungen
  • Kundenbeziehungen
  • Ausnahmen
  • Zugänge
  • informelle Verantwortung

Nicht jede Altlast muss sofort beseitigt werden, sondern sie müssen erkannt und in ihrer Wirkung verstanden werden. Dann kannst Du ganz bewusste Entscheidungen treffen.

  • Was muss sofort gesichert werden?
  • Was benötigt eine fachliche Prüfung?
  • Was kann warten?
  • Was lässt sich nicht vollständig lösen, aber begrenzen?
  • Welche Abhängigkeit darf nicht einfach vom Vorgänger auf den Nachfolger übergehen?

Der Schreibtisch des Nachfolgers ist meisten voll mit Dingen, die andere angefangen, verschoben oder irgendwie am Laufen gehalten haben. Deine Aufgabe ist nicht, alles sofort in Ordnung zu bringen, sondern dafür zu sorgen, dass nichts Wesentliches allein deshalb zum Problem wird, weil niemand rechtzeitig hingeschaut hat.

Weiterführende Inhalte

  • Kunden über die Unternehmensnachfolge informieren: Reihenfolge, Inhalte und Vorlagen
  • Rollen im Unternehmen: Warum Rolle und Person getrennt werden müssen
  • Wenn eine Schlüsselperson ausfällt: Was zuerst fehlt
  • Wobei ich bei Ausfall, Nachfolge und Personenabhängigkeit helfe
  • Meine Geschichte: ungeplante Übernahme, Aufbau und Übergabe
30. Mai 2017/4 Kommentare/von Jan Hossfeld

Warum Unternehmensnachfolgen scheitern, obwohl die Übergabe geregelt ist

Blog

Eine Unternehmensnachfolge sieht auf dem Papier erstaunlich ordentlich aus. Verträge, ein Stichtag und neue Zuständigkeiten suggerieren Ordnung und Klarheit. Vielleicht gibt es auch einen Übergabeplan und eine Liste mit offenen Punkten. Irgendwann folgt dann die Unterschrift und der bisherige Inhaber ist nicht mehr Geschäftsführer. Jetzt liegt es in der Hand des Nachfolgers und die Nachfolge ist formal abgeschlossen. Im Unternehmen beginnt sie an diesem Punkt häufig erst richtig.

Denn ein Titel übergibt genauso wenig eine Kundenbeziehung wie ein Vertrag alle alten Entscheidungen erklären kann. Eine neue Geschäftsführung besitzt nicht automatisch den Entscheidungsraum, den sie im Alltag benötigt. Die offizielle Übertragung der Verantwortung bedeutet wenig, wenn das Unternehmen im Alltag weiterhin an den bisherigen Menschen, Gewohnheiten und informellen Wegen hängt.

Das ist eine Situation, in der eine Nachfolgeregelung durchaus scheitern kann, obwohl rechtlich alles geregelt wurde.

Scheitern ist ein großes Wort

Eines gleich vorab: Eine Unternehmensnachfolge ist nicht bereits gescheitert, weil die ersten Monate schwierig sind. Ein neuer Geschäftsführer wird Fragen haben, Mitarbeitende werden vergleichen und Kunden müssen Vertrauen entwickeln. Manche Entscheidungen dauern länger, weil Zusammenhänge noch nicht bekannt sind. Das ist alles völlig normal.

Scheitern beginnt für mich allerdings auch nicht erst bei Insolvenz, Abbruch oder offenem Streit. Es kann viel subtiler und leiser daherkommen:

  • Die neue Geschäftsführung ist eingesetzt, aber wichtige Entscheidungen landen weiterhin beim Vorgänger
  • Der Nachfolger übernimmt immer mehr Aufgaben, gewinnt aber keinen Überblick
  • Mitarbeitende warten ab, was der frühere Inhaber sagt
  • Kunden akzeptieren den neuen Ansprechpartner, rufen bei schwierigen Fragen aber weiterhin den alten an
  • Wissen wurde übergeben, die Gründe hinter Ausnahmen und Entscheidungen fehlen jedoch
  • Die Organisation funktioniert nur, weil einzelne Menschen Lücken schließen
  • Der bisherige Inhaber will sich zurückziehen, greift aber regelmäßig wieder ein
  • Der Nachfolger arbeitet immer mehr und wird langsam selbst zur nächsten unersetzlichen Person

Von außen betrachtet läuft das Unternehmen also normal weiter, während sich innen die Übergabe noch lange hinzieht.

Ich habe Nachfolge zuerst als formale Frage erlebt

Als mein Vater Ende 2010 starb, gab es keine geplante Nachfolge. Meine Mutter war kurz zuvor zur Co-Geschäftsführerin bestellt worden. Nach seinem Tod war damit formal klar, wer das Unternehmen vertreten konnte, und das war enorm wichtig. Aber es war nicht die saubere Übergabe des Betriebs.

Wir hatten keine vollständige Übersicht darüber, welche Entscheidungen ausschließlich über meinen Vater gelaufen waren. Wir wussten nicht bei jeder Vereinbarung, warum sie getroffen worden war. Manche Kundenbeziehungen hingen stark an ihm. Das fachliche Wissen über Produkte und Leistungen steckte in wenigen Köpfen und die wirtschaftliche Lage war alles andere als entspannt.

Somit war formal eine Geschäftsführung vorhanden, die aber erst mal praktisch beweisen musste, ob sie die notwendigen Entscheidungen treffen, die Kunden bedienen und die Gehälter zahlen kann. Unsere Nachfolge begann deshalb vor allem mit Lücken, von denen einige direkt sichtbar waren und andere völlig unsichtbar, die wir erst Jahre später verstanden.

Geplante und ungeplante Nachfolgen sind nicht dasselbe

Eine geplante Nachfolge bietet Zeit zur Einarbeitung und zum Kennenlernen der Kunden. Im Idealfall lassen sich die Entscheidungsrechte schrittweise erweitern und der bisherige Inhaber kann den fehlenden Kontext liefern, indem er erklärt, warum bestimmte Dinge so funktionieren, wie sie funktionieren. Wie zwei parallele Lautstärkeregler – einer wird immer weiter herunter gedreht, der andere immer lauter gedreht.

Bei einer ungeplanten Nachfolge fehlt diese Zeit, weil Menschen handeln müssen, während sie selbst noch versuchen zu verstehen, was überhaupt passiert ist. Obwohl diese Situationen also fundamental unterschiedlich sind, können am Ende sehr ähnliche Probleme entstehen.

Selbst eine über Jahre vorbereitete Nachfolge kann operativ unvollständig bleiben. Vielleicht wurde viel gesprochen, aber wenig ausprobiert, oder der Nachfolger war bei Besprechungen dabei, durfte aber nie selbst entscheiden. Vielleicht wurden Dokumente erstellt, während Kunden und Mitarbeitende weiterhin ausschließlich dem bisherigen Inhaber und seinem Wissen vertrauten.

Deshalb ist eine lange Übergabezeit kein Beweis für eine funktionierende Übergabe. Im Gegenteil, sie kann sogar verdecken, dass der Vorgänger noch immer alles zusammenhält.

Warum Nachfolgeregelungen im Alltag stecken bleiben

Die Ursachen sind oft viele kleine Lücken, die sich gegenseitig verstärken.

1. Verantwortung wird übertragen, Entscheidungsrechte nicht

Der Nachfolger ist verantwortlich, darf aber wesentliche Entscheidungen nur nach Rücksprache treffen. Häufig bleibt genau dieser Modus unausgesprochen, geschweige denn vereinbart.

Der bisherige Inhaber sagt vielleicht:

Du entscheidest jetzt.

Sobald eine Entscheidung von seiner eigenen Erwartung abweicht, greift er jedoch ein. Der Nachfolger lernt daraus schnell, dass sein Entscheidungsraum nur so lange besteht, wie beide ohnehin derselben Meinung sind. Im Alltag ist es weiterhin eine Freigabeschleife statt einer ordentlichen Übergabe.

Verantwortung ohne Entscheidungsrecht funktioniert nicht.

Wer ein Ergebnis verantworten soll, muss innerhalb eines vereinbarten Rahmens auch entscheiden können. Wo dieser Rahmen endet, darf klar geregelt sein. Unklarheit ist aber keine Regelung.

2. Informationen werden übergeben, Zusammenhänge nicht

Viele Übergaben konzentrieren sich auf Unterlagen, denn Papier (oder digitale Unterlagen) fühlen sich belastbar an. Verträge, Listen, Auswertungen, Zugänge, Kundenübersichten und Prozessbeschreibungen sind auch wichtig, ohne Frage. Allerdings reichen sie nicht immer aus.

Ein Vertrag zeigt, was vereinbart wurde, legt aber nicht unbedingt offen, warum. Eine Kundenakte enthält einen Sonderpreis ohne zu erklären, welche Gegenleistung damals dafür erwartet wurde. Eine Entscheidung ist dokumentiert, aber ohne den Konflikt, der ihr vorausging, deutlich zu machen.

Ich habe das bei einer alten vertraglichen Zusage erlebt. Das Schriftstück war vorhanden, der Inhalt war unmissverständlich. Was fehlte, war der Entscheidungskontext. Warum hatte mein Vater die Zusage gemacht? Welche Alternative gab es? War sie Teil eines größeren Kompromisses? Gab es eine mündliche Gegenleistung? Wir konnten es nicht vollständig rekonstruieren, auch wenn vieles dank guter Gedächtnisse aus Köpfen herausgeholt werden konnte.

Papier ist wichtig, aber bedeutet nicht automatisch, dass es ein vollständiges betriebliches Gedächtnis gibt.

3. Beziehungen bleiben beim Vorgänger

Kunden kaufen natürlich formal beim Unternehmen, aber wir alle wissen, dass Menschen von anderen Menschen kaufen. Das Vertrauen zwischen Menschen betrifft aber nicht nur Kunden, sonder auch Lieferanten, Banken, Berater und Mitarbeitende.

Eine Beziehung lässt sich deshalb nicht mit einem Hinweis auf einen neuen Ansprechpartner übertragen. Der Nachfolger muss sichtbar werden, indem er Gespräche selbst führt, Entscheidungen trifft und Verlässlichkeit beweist.  Gleichzeitig muss der Vorgänger zulassen, dass sich eine neue Beziehung entwickelt.

Das ist manchmal schwieriger, als es klingt, denn der bisherige Inhaber möchte helfen und die Kunden rufen weiterhin gerne bei ihm an. Da erscheint die schnelle Antwort manchmal einfacher, als das Gespräch konsequent an den Nachfolger weiterzugeben. Nur bleibt so die alte Beziehung aktiv, ohne dass sich eine neue bilden kann. Das Endergebnis ist, dass der Nachfolger vorgestellt ist, aber für Kunden, Lieferanten und Mitarbeitende dennoch die alte Adresse maßgeblich ist.

4. Aufgaben werden übergeben, Prioritäten nicht

Eine typische Übergabeliste enthält viele Punkte. Von offenen Projekten, Kundenfragen über Personalthemen, Verträge, Investitionen und technische Probleme bis hin zu vielen Ideen für die Zukunft. Fehlen tut etwas anderes: Die Reihenfolge.

Welche drei Themen sind tatsächlich kritisch und was kann warten? Welche Entscheidung verhindert gerade weitere Arbeit? Was ist nur deshalb dringend, weil es laut vorgetragen wird?

Der Nachfolger übernimmt dann eine große Sammlung von Aufgaben, aber keinen klaren Arbeitsrahmen. Dann passiert etwas fatales – er beginnt überall gleichzeitig. Das vermittelt zwar jede Menge Aktivität und suggeriert, dass jemand Verantwortung übernimmt, führt aber am Ende dazu, dass die neue Führung nur noch reagiert.

Eine Übergabe braucht deshalb nicht nur Vollständigkeit, sie braucht auch Prioritäten.

5. Der Vorgänger bleibt das informelle Entscheidungszentrum

Manche Inhaber ziehen sich formal zurück, sind und bleiben aber praktisch sehr präsent. Das muss nicht mal aus böser Absicht sein, ganz im Gegenteil. Sie kennen das Unternehmen besser als jeder andere. Mitarbeitende fragen sie aus Gewohnheit und Kunden vertrauen ihnen. Der Nachfolger selbst benötigt anfangs Unterstützung.

Das Problem entsteht, wenn niemand zwischen den folgenden Dingen unterscheiden kann:

  • hilfreicher Erfahrung,
  • notwendiger Rückfrage,
  • Kontrolle,
  • und einer Entscheidung, die eigentlich längst bei der neuen Führung liegen sollte.

Das Unternehmen beobachtet sehr genau, an wem es sich orientieren soll. Sagt der Nachfolger A und der Vorgänger deutet B an, beginnt die eigentliche Organisationsarbeit. Es verschiebt sich von Sachfragen hin zur Frage, wessen Wort eigentlich gilt.

6. Die Organisation erhält widersprüchliche Signale

Formell heißt es:

Herr Müller übernimmt ab Januar die Geschäftsführung.

Im Alltag genehmigt der bisherige Inhaber weiterhin Investitionen.

Oder:

Frau Schneider verantwortet künftig den Vertrieb.

Wichtige Kunden werden aber weiterhin ausschließlich vom bisherigen Geschäftsführer angesprochen.

Oder:

Die neue Führung soll eigene Schwerpunkte setzen.

Jede Veränderung wird anschließend damit beantwortet, dass es früher anders gemacht wurde. Es gibt keinen nervigeren Satz als „das haben wir schon immer so gemacht“ als Begründung für eine Handlung. Menschen orientieren sich nicht nur an Organigrammen, sie orientieren sich daran, wer tatsächlich entscheidet, wer Informationen besitzt und wer im Konfliktfall das letzte Wort hat.

Wenn diese Signale widersprüchlich sind, entsteht Unsicherheit. Menschen neigen dazu, Unsicherheit nicht auszuhalten, sondern dieses Vakuum durch Rückfragen, Absicherung, Gerüchte oder informelle Macht zu füllen.

7. Der Nachfolger wird zum neuen Flaschenhals

Jetzt kommt vielleicht der tückischste Punkt. Wenn ein Nachfolger sehr engagiert ist, sieht er Lücken und schließt diese. Er beantwortet Fragen, übernimmt die kritischen Kundenfälle, kontrolliert Zahlen und Prozesse und beruhigt sowohl Mitarbeitende als auch Externe.

Gerade in schwierigen Übergangsphasen ist das ein enorm erfolgreiches Konzept. Problematisch wird es, wenn daraus das neue System entsteht. Dann wurde die Abhängigkeit von Personen nämlich nicht reduziert, sondern ist letztlich nur von einer Person zur nächsten gewandert.

Ich weiß leider genau, wovon ich spreche. Nach der ungeplanten Übernahme war persönlicher Einsatz unvermeidbar. Später wurde ich selbst zunehmend zur zentralen Adresse für Entscheidungen und Sonderfälle. Eigentlich wollte ich das Unternehmen aus der Abhängigkeit von einzelnen Menschen lösen und wurde dabei zeitweise selbst zum nächsten Engpass.

Davor schützen weder gute Absicht noch Kompetenz. Gerade letztere macht einen Menschen zum Flaschenhals, weil es kurzfristig so gut funktioniert, ihn immer wieder einzubeziehen.

Woran eine unvollständige Übergabe erkennbar wird

Auch wenn nicht jede offene Frage automatisch ein Problem ist, gibt es Muster, auf die man achten kann.

Entscheidungen kehren zurück

Ein Thema wurde offiziell übergeben, landet bei jeder schwierigeren Variante aber wieder beim Vorgänger oder Inhaber.

Sonderfälle bleiben liegen

Die neue Führung kann Routinefälle und -aufgaben bearbeiten. Aber sobald eine Ausnahme entsteht, fehlen Kontext oder Befugnis.

Kunden fragen weiterhin nach dem früheren Verantwortlichen

Der neue Ansprechpartner ist bekannt, wird aber nicht als echte Entscheidungsadresse akzeptiert.

Mitarbeitende warten auf Signale

Sie wissen nicht, ob die neue Führung tatsächlich entscheiden darf oder ob der Vorgänger später eingreift.

Die neue Führung arbeitet immer mehr

Trotz hoher Aktivität entsteht kein besserer Überblick, weil sich offene Themen schneller vermehren, als sie geklärt werden.

Vertretungen funktionieren nur auf dem Papier

Es gibt einen Namen, der als Vertretung fungieren soll, die Person besitzt aber weder ausreichende Informationen, noch Zugriff oder Entscheidungsrechte.

Entscheidungen werden vertagt

Weil niemand sicher ist, wer eigentlich entscheiden soll. Die sachliche Analyse ist meistens längst klar.

Ein einzelnes dieser Symptome beweist noch nichts, aber wenn mehrere gleichzeitig auftreten, ist die Übergabe wahrscheinlich weniger weit, als es formal aussieht.

Was tatsächlich übergeben werden muss

Eine vollständige Übergabe betrifft mehrere Ebenen.

Rolle und Erwartungen

Was soll die neue Führung erreichen? Diese Frage wird oft mit sehr allgemeinen, nichtssagenden Worten wie „Wachstum“, „Stabilität“ oder „gute Führung“ beantwortet.

Aber welche konkreten Ergebnisse werden innerhalb welches Zeitraums erwartet? Wo bestehen unterschiedliche Erwartungen zwischen Inhaber, Gesellschaftern, Mitarbeitenden und Nachfolger?

Unausgesprochene Erwartungen verschwinden leider in der Regel nicht, sondern werden nur später zum Konflikt.

Entscheidungsräume

Welche Entscheidungen gehören zur Rolle und wo sind die exakten Grenzen, an denen Rücksprache nötig wird? Wann reicht es, nur zu informieren und wer entscheidet im Konfliktfall?

Ein Titel ohne geklärten Entscheidungsraum erzeugt Interpretationen.

Wissen und Entscheidungskontext

Welche Informationen benötigt die neue Führung und wo liegen sie genau? Welche Entscheidungen, Zusagen und Ausnahmen besitzen eine Vorgeschichte, die nicht allein aus den Unterlagen hervorgeht?

Es geht nicht darum, jede Kleinigkeit der vergangenen zwanzig Jahre zu dokumentieren. Kritische Abweichungen und Sonderwege brauchen aber einen nachvollziehbaren Zusammenhang.

Offene operative Themen

Welche Kunden-, Projekt-, Personal- oder Finanzthemen benötigen in den nächsten Wochen eine Entscheidung? Wer ist daran konkret beteiligt, was wurde bisher versucht und gibt es relevante Fristen, die einzuhalten sind?

Eine Übergabe muss auch den aktuellen Arbeitsbestand ordnen und transparent machen.

Beziehungen

Welche Kunden, Mitarbeitenden und Partner sind für den Übergang besonders wichtig? Wer orientiert sich stark am bisherigen Inhaber und es erfordert deshalb ein oder sogar mehrere gemeinsame Gespräche?

Wichtige Beziehungen müssen benannt und schrittweise übergeben werden. Und sollte das nicht möglich sein, braucht es ein klares Mandat und eine bewusste Trennung.

Vertretung und Eskalation

Was passiert, wenn die neue Führung selbst nicht verfügbar ist? Wer kann entscheiden und besitzt die nötigen Zugriffe? Welche Themen dürfen warten und welche nicht?

Ein Unternehmen hat seine Abhängigkeit nicht reduziert, wenn nach der Nachfolge erneut alles an einer Person hängt.

Warum eine Übergabeliste nicht reicht

Ich mag Listen, sogar sehr. Das dürfte niemanden überraschen, der mich etwas länger kennt. Listen helfen, Dinge sichtbar zu machen. Sie reduzieren die Gefahr, etwas Wichtiges zu vergessen und sie geben einem unübersichtlichen Thema eine erste Struktur.

Trotzdem löst eine Übergabeliste das Problem nicht.

Sie kann festhalten:

  • welche Kunden existieren,
  • welche Verträge laufen,
  • welche Projekte offen sind,
  • welche Zugänge benötigt werden,
  • und wer an welchem Thema arbeitet.

Sie zeigt aber nicht automatisch,

  • ob der Nachfolger eine schwierige Entscheidung treffen kann,
  • ob Mitarbeitende seine Entscheidung akzeptieren,
  • ob ein Kunde ihn als neue Adresse anerkennt,
  • ob der Vorgänger wirklich loslässt,
  • und ob das Unternehmen bei einer Abweichung vom Standard weiterarbeiten kann.

Dafür braucht es Praxis, Übung und Zeit.

Der einfachste Test ist eine schwierige Entscheidung

Ob eine Übergabe funktioniert, zeigt sich am besten bei der nächsten schwierigen Entscheidung.

Zum Beispiel:

  • Ein wichtiger Kunde verlangt eine Ausnahme
  • Zwei Abteilungen setzen unterschiedliche Prioritäten
  • Eine Investition muss trotz unvollständiger Informationen entschieden werden
  • Eine Schlüsselperson kündigt
  • Ein Projekt gerät wirtschaftlich aus dem Rahmen
  • Der Vorgänger ist zwei Wochen nicht erreichbar

Dann werden einige einfache Fragen interessant:

  • Wer bereitet die Entscheidung vor?
  • Wer besitzt die notwendigen Informationen?
  • Wer darf tatsächlich entscheiden?
  • Wer wird trotzdem noch gefragt?
  • Wer akzeptiert das Ergebnis?
  • Was geschieht, wenn die Entscheidung anders ausfällt als früher?

Wenn die formale und die tatsächliche Antwort auseinanderfallen, ist die Übergabe noch nicht abgeschlossen.

Eine Übergabe sollte ausprobiert werden

Viele Übergabepläne bleiben theoretisch, weil zwar besprochen wird, wer künftig was übernimmt, aber danach alle weiterarbeiten wie bisher, bis der Stichtag erreicht ist.

Das ist riskant. Besser ist es, kritische Teile der Übergabe vorher praktisch zu testen. So kann der Nachfolger ein wichtiges Kundengespräch führen, einen echten Sonderfall entscheiden oder einen Zielkonflikt moderieren, ganz bewusst ohne Eingriff des Vorgängers.

Anschließend wird geprüft:

  • Welche Information fehlte?
  • Welche Befugnis war unklar?
  • Wer wurde trotzdem angesprochen?
  • Wo griff der Vorgänger ein?
  • Was müsste vor der endgültigen Übergabe verändert werden?

Ein praktischer Test macht Lücken sichtbar, solange noch Zeit besteht, sie zu bearbeiten. Das ist viel hilfreicher als die Annahme, dass es nach dem Stichtag schon irgendwie funktionieren wird.

Der Vorgänger muss nicht sofort verschwinden

Eine gelungene Übergabe verlangt übrigens nicht zwingend einen harten Schnitt. In vielen Fällen ist eine Übergangsphase sinnvoll. Der bisherige Inhaber kann Wissen erklären, Kontakte herstellen und dem Nachfolger helfen, historische Entscheidungen zu verstehen.

Entscheidend für den Erfolg ist die genaue Rolle, das Mandat, das der Vorgänger bekommt. Man kann sich dazu ein paar einfache Fragen stellen, zum Beispiel ob er nur Berater sein soll, oder vielleicht noch Gesellschafter mit formalen Befugnissen ist. Oder welche Entscheidungen ausschließlich die neue Führung trifft und wann die Unterstützung genau endet.

Je unklarer diese Fragen bleiben, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Vorgänger erneut zum informellen Zentrum wird. „Ich bin immer da, wenn etwas ist“ klingt freundlich, kann aber verhindern, dass eine neue Ordnung entsteht.

Auch der Nachfolger muss übernehmen wollen

Auch wenn es vielleicht bislang so klang, eine unvollständige Übergabe muss nicht durch den Vorgänger verursacht werden. Es ist ja auch recht angenehm, als Nachfolger oder neue Führungskraft einer schwierigen Entscheidung auszuweichen, wenn der Vorgänger alle Hintergründe kennt und die richtige Autorität hat. Dann senkt eine Rückfrage das eigene Risiko.

So verständlich das ist, auf Dauer verhindert es die Übernahme. Der Nachfolger braucht Unterstützung, muss aber auch bereit sein, Entscheidungen zu treffen, die möglicherweise anders ausfallen als früher. Er muss Unsicherheit aushalten und sich sichtbar machen.

Verantwortung lässt sich nicht übernehmen, ohne irgendwann selbst entscheiden zu müssen.

Wann externe Unterstützung sinnvoll sein kann

Viele Unternehmen können die Übergabe selbst organisieren. Der bisherige Inhaber und der Nachfolger kennen die offenen Themen, arbeiten gut zusammen und besitzen ausreichend Zeit.

Externe Unterstützung kann sinnvoll werden, wenn mehrere Punkte zusammenkommen:

  • Die Rolle ist formal übertragen, im Alltag aber weiterhin unklar
  • Entscheidungsrechte werden unterschiedlich verstanden
  • Wissen und Zusammenhänge liegen bei wenigen Menschen
  • Offene operative Themen überfordern die neue Führung
  • Vorgänger und Nachfolger bewerten den Stand der Übergabe unterschiedlich
  • Kunden oder Mitarbeitende orientieren sich weiterhin an der alten Ordnung
  • Der Übergang soll nicht nur besprochen, sondern praktisch erprobt werden

Wichtig zu verstehen ist, dass es kein privates Coachingproblem ist, sondern ein betrieblicher Auftrag. Dazu müssen die relevanten Menschen beteiligt sein: Die neue Führung, ein unternehmensseitiger Auftraggeber oder Vorgänger und Personen mit wichtigem operativem Wissen.

Ohne diesen Zugang kann ein Externer die Situation vielleicht kommentieren, aber nicht seriös dabei helfen, sie zu verändern.

Eine Nachfolge ist kein einzelner Moment

Verträge schaffen einen notwendigen Rahmen und Titel schaffen formale Klarheit. Wenn dann noch gute Kommunikation dazu kommt, entsteht Orientierung.

Die betriebliche Übernahme entsteht trotzdem erst im Alltag, und auf Dauer.

Sie zeigt sich daran, ob die neue Führung:

  • die Rolle versteht,
  • Entscheidungen treffen kann,
  • notwendige Informationen besitzt,
  • Beziehungen entwickeln kann,
  • offene Themen priorisiert,
  • und nicht selbst zur einzigen Antwort auf jede Frage wird.

Eine Nachfolge ist deshalb nicht automatisch abgeschlossen, wenn der bisherige Inhaber geht. Sie ist abgeschlossen, wenn das Unternehmen nicht mehr auf seine tägliche Anwesenheit angewiesen ist und die neue Verantwortung im Betrieb tatsächlich funktioniert.

Zusammenfassung

Warum scheitern Unternehmensnachfolgen, obwohl die Übergabe geregelt wurde?

Weil geregelt und übernommen nicht dasselbe sind.

Eine Nachfolgeregelung kann Verträge, Anteile, Titel und Termine klären.

Sie beantwortet nicht automatisch:

  • Wer entscheidet im Alltag?
  • Welches Wissen fehlt?
  • Welche Beziehungen hängen weiterhin am Vorgänger?
  • Welche Aufgaben müssen zuerst bearbeitet werden?
  • Welche Erwartungen bestehen an die neue Führung?
  • Was passiert bei einem schwierigen Sonderfall?
  • Und wer verhindert, dass der Nachfolger selbst zum nächsten Flaschenhals wird?

Eine funktionierende Übergabe benötigt deshalb klare Rollen, echte Entscheidungsräume, zugängliches Wissen, priorisierte operative Themen und praktische Tests.

Ob die Nachfolge tatsächlich funktioniert, entscheidet sich nach dem formalen Übergang im Vertrag.

Weiterführende Inhalte

  • Rollen im Unternehmen: Warum Rolle und Person getrennt werden müssen
  • Kunden über die Unternehmensnachfolge informieren: Reihenfolge, Inhalte und Vorlagen
  • Warum Nachfolge kein Übergabeproblem ist – sondern ein Machtproblem
  • Altlasten im Unternehmen erkennen: Was Nachfolger zuerst prüfen sollten
  • Wenn eine Schlüsselperson ausfällt: Was zuerst fehlt
  • Meine Geschichte: ungeplante Übernahme, Aufbau und Übergabe
8. November 2016/0 Kommentare/von Jan Hossfeld
Seite 2 von 3123

Episoden

Es konnte leider nichts gefunden werden

Entschuldigung, aber kein Eintrag erfüllt Deine Suchkriterien

familienunternehmen führung führungskraft gtd jci kommunikation kultur leadership liquidität management mentoring motivation nachwuchsführungskraft politik produktivität selbstorganisation team unternehmenskultur unternehmensnachfolge werte

  • Impressum
  • Datenschutzerklärung
  • Vertraulich sprechen
© Copyright - Jan Hoßfeld - Enfold WordPress Theme by Kriesi
  • LinkedIn
  • Mail
Nach oben scrollen