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In meiner Serie „Dune als Metamodell der Unternehmensnachfolge“ (die komplette Serie gibt es unter anderem bei Amazon – Affiliate Link) ging es in den vergangenen Teilen um Macht, Messias-Verhalten, Identität und die Gefahr vermeintlicher Stabilität. Heute ist ein sehr emotionales Thema an der Reihe: Loyalität.

Einstieg

Ich habe selten erlebt, dass eine Nachfolge an einem Organigramm scheitert. Oft war das Organigramm sogar hübsch. Kästchen, Linien, Verantwortlichkeiten. Wenn man es ausdruckte, sah es nach Ordnung aus. Und trotzdem gab es Situationen, in denen dieses Papier praktisch keinen Wert hatte.

Man merkt das an kleinen Dingen. Ein Bereichsleiter nickt in der Sitzung, geht raus und macht es anders. Nicht aus Trotz, eher aus Gewohnheit. Oder aus Schutz. Eine Entscheidung wird offiziell getroffen und in der Umsetzung sanft abgebremst. Eine Person mit offizieller Kompetenz wird umgangen, ohne dass jemand das als Regelbruch empfindet. Es wirkt nicht wie Rebellion, sondern wie Normalität.

In Nachfolgen kommt dann oft die Frage, warum das passiert. Man sucht die Ursache in Strukturen, in Prozessen, in Kommunikation. Man nennt es Widerstand. Man nennt es Kultur. Man nennt es „die zweite Ebene“.

Rückblickend war das bei mir fast immer zu kurz gedacht. In Wahrheit ging es um Loyalität. Um Bindungen, die älter sind als jede Stellenbeschreibung. Um Schuld, die nie ausgesprochen wurde. Um Dankbarkeit, die sich in Gehorsam übersetzt. Um Sätze wie „Der hat uns damals durch die Krise gebracht“ oder „So macht man das in unserer Familie nicht“.

Man kann diese Kräfte nicht im Organigramm abbilden. Aber sie führen trotzdem.

Das Dune-Prinzip

In Dune ist Macht selten nur militärisch oder administrativ. Sie läuft über Glauben, Mythen, Tabus. Über Geschichten, die festlegen, was legitim ist. Nicht, weil Menschen naiv wären, sondern weil Systeme Geschichten brauchen, um sich zu stabilisieren.

Religion im Dune-Kontext ist weniger Frömmigkeit als Infrastruktur. Sie schafft Zugehörigkeit. Sie erzeugt Loyalität. Sie definiert Grenzen des Sagbaren. Und sie kann wie ein Hebel genutzt werden, um Verhalten zu steuern, ohne offen zu befehlen.

Das Prinzip dahinter ist klar. Ein System, das unsicher ist, sucht nach Ordnung. Ordnung entsteht nicht nur durch Regeln, sondern durch Bedeutungen. Wenn Bedeutungen geteilt werden, wird Handeln vorhersehbar. Wenn Tabus entstehen, wird Konflikt begrenzt. Wenn Mythen wirken, werden Entscheidungen moralisch gerahmt.

Diese Mechanik ist mächtig, weil sie unterhalb der Ebene von Argumenten arbeitet. Man diskutiert dann nicht mehr, ob eine Entscheidung sinnvoll ist. Man diskutiert, ob sie „zu uns passt“. Und wer dagegen handelt, ist nicht nur anderer Meinung. Er bricht Zugehörigkeit.

Ein Mythos ist in diesem Sinn kein Märchen. Er ist ein Vertrag, der nicht unterschrieben wird. Er bindet Menschen an eine Ordnung, oft stärker als jede formale Regel.

In Dune sieht man, wie solche Bedeutungsstrukturen aufgebaut, gepflegt und eingesetzt werden. Sie erzeugen Loyalität. Und Loyalität erzeugt Stabilität. Aber sie erzeugt auch Blindheit. Denn wer Zugehörigkeit schützen muss, schützt manchmal auch Fehler, nur weil sie zum Mythos gehören.

Das ist der Teil, der in Nachfolgen weh tut. Loyalität ist eine Tugend. Und sie ist zugleich ein Mechanismus, der Veränderung blockieren kann, ohne dass jemand „dagegen“ ist.

Übertragung auf Unternehmensnachfolge

In Familienunternehmen sind Loyalitäten selten abstrakt. Sie sind biografisch. Menschen haben miteinander gearbeitet, gestritten, gelitten, gefeiert. Sie haben Krisen überstanden. Sie haben Gehälter gerettet, Aufträge durchgeboxt, Fehler gedeckt. Daraus entstehen Bindungen, die nicht verhandelbar wirken, weil sie als moralisch richtig erlebt werden.

Der Nachfolger kommt in diese Bindungen hinein. Oft ohne sie zu kennen. Und fast immer unterschätzt er, wie stark sie Entscheidungen prägen.

Die emotionale Vertragslage

Neben dem juristischen Vertrag der Übergabe gibt es eine zweite Vertragslage. Sie ist nirgendwo geschrieben. Und sie wirkt.

Sie besteht aus Sätzen wie:

  • „Dem verdanken wir viel.“
  • „Der hat immer zu uns gehalten.“
  • „So geht man hier nicht mit Leuten um.“
  • „Der Senior hat uns damals gerettet.“
  • „In der Familie macht man das nicht öffentlich.“

Diese Sätze sind selten falsch, sondern häufig wahr. Und sie sind gefährlich, wenn sie als stiller Maßstab über jede operative Entscheidung gelegt werden.

Ein Beispiel, das ich in Varianten oft gesehen habe: Eine Führungskraft ist fachlich überfordert oder kulturell toxisch. Der Nachfolger sieht das und will handeln. Das System reagiert nicht mit sachlicher Debatte, sondern mit Loyalitätsargumenten. Nicht als Manipulation, sondern als Reflex.

„Der war immer da.“
„Der hat dem Senior in der Krise geholfen.“
„Wenn du den anfasst, verlierst du die Mannschaft.“

Damit wird die Entscheidung in einen anderen Raum verschoben. Weg vom Leistungsraum, hin zum Zugehörigkeitsraum. Und im Zugehörigkeitsraum gelten andere Regeln. Wer dort „hart“ entscheidet, wirkt schnell unmenschlich. Selbst wenn die Entscheidung fachlich richtig ist.

Der Nachfolger steht dann vor einem Dilemma. Entweder er setzt die Entscheidung durch und beschädigt Bindungen. Oder er lässt es und beschädigt das Unternehmen. In beiden Fällen zahlt er. Das ist kein Managementproblem. Das ist Loyalitätslogik.

Die unsichtbare Hierarchie

In vielen Betrieben gibt es eine Hierarchie, die nichts mit Titeln zu tun hat. Sie ist aus Loyalitäten gebaut.

  • Wer dem Senior nah war, hat Gewicht.
  • Wer „seit immer“ da ist, hat Gewicht.
  • Wer in der Krise loyal blieb, hat Gewicht.
  • Wer Teil eines inneren Kreises ist, hat Gewicht.

Dieses Gewicht zeigt sich im Alltag. Wer wird vorher gefragt. Wer wird nachher informiert. Wessen Meinung gilt als „Bauchgefühl“, das man respektiert. Wer darf widersprechen, ohne Konsequenzen zu spüren. Wer kann Dinge verzögern, ohne offen zu blockieren.

In der Nachfolge kollidiert diese unsichtbare Hierarchie mit der formalen. Der Nachfolger glaubt, er müsse nur klare Zuständigkeiten setzen. In Wahrheit muss er zuerst verstehen, wo Loyalität gebunden ist.

Das ist heikel, weil es leicht nach „Politik“ klingt. Aber es ist nicht optional. Wer das ignoriert, führt ein Organigramm und verliert die Organisation.

Familienmythen als Organisationsinstrument

Viele Familienunternehmen haben Mythen, die innen jeder kennt und außen niemand sieht.

  • „Wir sind anders als die Konzerne.“
  • „Wir halten zusammen.“
  • „Wir lassen niemanden fallen.“
  • „Wir sind bodenständig.“
  • „Wir machen keinen Lärm.“

Diese Mythen sind Identität. Sie sind oft der Grund, warum Menschen lange bleiben. Sie sind ein Gegenentwurf zu anonymen Systemen.

In der Nachfolge werden sie jedoch häufig zu Regeln, die nicht mehr geprüft werden dürfen. Dann werden sie zum Tabu-Träger.

Wenn ein Nachfolger Professionalität einfordert, kann das als Verrat am Mythos gelesen werden. Wenn er Transparenz herstellt, wirkt das wie Lärm. Wenn er konsequent trennt, wirkt das wie Konzern. Wenn er Führungskräfte austauscht, wirkt das wie Kälte.

Der Mythos schützt Zugehörigkeit. Und er schützt manchmal auch dysfunktionale Muster.

Das ist unangenehm, weil man Loyalität nicht einfach „abschalten“ kann, ohne etwas Wertvolles zu zerstören. Wer Loyalität als Problem behandelt, wird abgelehnt. Zu Recht. Loyalität ist in vielen Familienunternehmen ein Fundament.

Die Frage ist nicht, ob Loyalität gut ist. Die Frage ist, welche Loyalität wem gilt und was sie im Betrieb verhindert.

Schuld und Dankbarkeit als Steuerungsmechanismen

In Nachfolgen tauchen oft Gefühle auf, die man in Business-Sprache selten direkt benennt, aber die jeder spürt.

Dankbarkeit gegenüber dem Vorgänger. Schuld gegenüber Mitarbeitenden, die „wegen der Familie“ geblieben sind. Schuld gegenüber der Familie, die „alles aufgebaut“ hat. Dankbarkeit gegenüber Menschen, die schwere Phasen mitgetragen haben.

Diese Gefühle sind nicht falsch, sie gehören dazu. Sie werden problematisch, wenn sie zu Steuerungsmechanismen werden.

Ein Nachfolger, der in Dankbarkeit gefangen ist, kann kaum Grenzen setzen. Jeder Konflikt fühlt sich wie Undank an. Jede klare Entscheidung fühlt sich wie Verrat an. Das System merkt das und nutzt es nicht böse, sondern funktional. Es legt dann Loyalitätsargumente auf den Tisch, weil es wirkt.

So entsteht eine Art weiche Erpressbarkeit. Niemand erpresst. Und trotzdem wird der Nachfolger erpressbar, weil er moralisch nicht frei ist.

Ich habe bei mir selbst gesehen, wie stark dieses Muster wirken kann. Ich wollte nicht der sein, der „das Alte zerstört“. Ich wollte nicht der sein, der „die Menschen vergisst“. Und manchmal habe ich Dinge zu lange laufen lassen, weil ich Dankbarkeit mit Führung verwechselt habe.

Erst später wurde mir klar, dass Dankbarkeit nicht heißt, alles zu erhalten. Dankbarkeit heißt, die Vergangenheit zu würdigen, ohne die Zukunft zu verpfänden.

Warum Konflikte selten sachlich beginnen und nicht sachlich enden

Viele Nachfolger starten Konflikte sachlich. Sie bringen Zahlen, Fakten, Argumente. Und wundern sich, warum es eskaliert. Warum plötzlich Ton reinkommt, warum Dinge persönlich werden, warum alte Geschichten aufgerufen werden.

Das liegt daran, dass man einen Konflikt im Leistungsraum eröffnet hat, der im Loyalitätsraum entschieden wird.

Sobald Loyalität berührt ist, geht es nicht mehr nur um die Sache. Es geht um Zugehörigkeit, Würde, Anerkennung. Das System prüft dann nicht mehr nur die Entscheidung, sondern die Person. Ist der Nachfolger „einer von uns“. Versteht er, was hier zählt. Respektiert er, wer die Lasten getragen hat.

Wenn der Nachfolger in diesem Moment auf Argumente besteht, verstärkt er oft die Spaltung. Nicht, weil Argumente schlecht sind, sondern weil er im falschen Raum spricht.

Das bedeutet nicht, dass man „emotional“ werden muss oder therapeutisch arbeiten. Es bedeutet, dass man anerkennen muss, dass unter der Sache eine Bindung liegt. Man kann diese Bindung würdigen, ohne die Entscheidung aufzugeben. Aber man muss wissen, dass man sie berührt.

Das ist die Kunst in Nachfolge. Nicht in Lösungen zu flüchten, sondern die unsichtbaren Kräfte im Blick zu halten, während man führt.

Loyalität als Ressource, nicht als Hindernis

Der einfache Weg wäre, Loyalität als Problem zu etikettieren. Das wäre arrogant. Loyalität ist oft das, was das Unternehmen überhaupt erst durch schwierige Jahre gebracht hat. Sie ist der Grund, warum Wissen geblieben ist. Warum Kunden geblieben sind. Warum man nicht zynisch wurde.

Die Herausforderung ist, Loyalität zu differenzieren.

Loyalität gegenüber Menschen ist wertvoll, aber Loyalität gegenüber Mustern ist riskant. Loyalität gegenüber dem Unternehmen als Lebenswerk ist legitim, aber Loyalität gegenüber Tabus kann zerstörerisch sein.

In Nachfolgen ist die gefährlichste Loyalität oft die zu einem Bild. Zu einem Bild vom Senior als unfehlbarem Zentrum. Zu einem Bild vom Unternehmen als „Familie“, in der Konflikte nicht offen ausgetragen werden. Zu einem Bild davon, dass man Härte vermeiden müsse, um menschlich zu bleiben.

Solche Bilder wirken wie Religion. Nicht im frommen Sinn, sondern als Bedeutungsordnung. Sie definieren, was sagbar ist. Und was nicht.

Der Nachfolger kann diese Ordnung nicht einfach abschaffen. Er kann sie nur langsam verändern, indem er andere Bedeutungen anbietet. Nicht als Parolen, sondern als gelebte Praxis. Indem er zeigt, dass man klar entscheiden kann, ohne Menschen zu entwürdigen. Dass man Trennungen fair gestalten kann. Dass Professionalität nicht Kälte sein muss. Dass Konflikt nicht Spaltung sein muss.

Das ist Arbeit am Mythos. Und diese Arbeit ist in Nachfolge oft entscheidender als jede Reorganisation.

Ein pragmatischer Blick auf „Schattenorganisation“

Man hört gelegentlich den Begriff Schattenorganisation, als sei das etwas Unsauberes. Ich halte ihn für hilfreich, wenn man ihn entmoralisiert.

Schattenorganisation sind informelle Wege, über die Zugehörigkeit geregelt wird. Wer hat Zugang. Wer hat Einfluss. Wer gilt als vertrauenswürdig. Das ist in jedem Unternehmen vorhanden. Im Familienunternehmen ist es nur dichter und oft stärker mit Biografie und Familie verbunden.

Nachfolge verändert diese Schattenorganisation. Und die Schattenorganisation wehrt sich, wenn sie bedroht wird. Nicht, weil sie böse ist, sondern weil sie Ordnung ist.

Der Nachfolger hat dann zwei Möglichkeiten.

Er kann versuchen, sie zu ignorieren und formal dagegen zu führen. Dann verliert er meistens Zeit und Beziehung.

Oder er kann lernen, sie zu sehen, ohne sich von ihr steuern zu lassen. Er kann anerkennen, dass Loyalität real ist, und gleichzeitig eine neue Loyalität aufbauen. Nicht gegen die alte, sondern zusätzlich. Loyalität zur Zukunft, zur Professionalisierung, zur fairen Klarheit.

Das klingt weich, ist aber im Alltag harte Führung. Weil man nicht nur entscheidet, sondern Bedeutungen verschiebt.

Zusammenfassung

In Nachfolgen entscheidet selten das Organigramm. Es entscheidet, wem Menschen innerlich verpflichtet sind und welche Geschichten im Unternehmen als moralische Ordnung wirken.

Loyalität ist dabei keine Störung. Sie ist eine Machtform. Sie stabilisiert, sie schützt, sie bindet. Und sie kann verhindern, dass notwendige Veränderungen überhaupt sagbar werden. Sobald eine Entscheidung Loyalität berührt, wechselt der Konflikt den Raum. Von Leistung zu Zugehörigkeit. Von Argument zu Würde.

Nachfolger scheitern oft nicht an fachlicher Komplexität, sondern daran, dass sie in der falschen Logik führen. Sie bringen Struktur, wo Bindung verhandelt wird. Sie bringen Fakten, wo Mythen wirken. Sie setzen Rollen, wo unsichtbare Hierarchien arbeiten.

Wer Nachfolge trägt, muss Loyalität sehen können, ohne sie zu verachten. Und er muss die eigenen Schuld- und Dankbarkeitsbindungen kennen, weil sie sonst zur Steuerungsfläche werden. Denn ein System nutzt immer das, was wirkt. Auch dann, wenn niemand es beabsichtigt.

Fazit

Die meisten Konflikte, die ich in meiner Nachfolge erlebt habe, begannen sachlich. Sie wurden erst dann lösbar, als ich begriff, welche Loyalität gerade geschützt wurde.

 

Die Unternehmensnachfolge ist ein komplexer Prozess, der weit über die formale Übergabe von Aufgaben hinausgeht. Und ein sehr wichtiger, wenn man sich die Veröffentlichungen diverser Verbände und Institutionen angeht! Führungskräfte neigen oft dazu, sich auf die rechtlichen, finanziellen und operativen Aspekte zu konzentrieren, während sie die psychologischen und kulturellen Hürden, die mit einem solchen Übergang einhergehen, unterschätzen. Diese unsichtbaren Hindernisse können jedoch entscheidend dafür sein, ob die Nachfolge erfolgreich verläuft oder in Konflikten endet.

Emotionale Bindungen und Identität

Eine der größten Herausforderungen liegt in der emotionalen Bindung des Vorgängers an das Unternehmen. Für viele Unternehmer ist das Unternehmen nicht nur eine Einnahmequelle, sondern ein wesentlicher Teil ihrer Identität. Der Gedanke, diese Kontrolle abzugeben, kann mit Ängsten und Unsicherheiten verbunden sein. Diese Emotionen führen oft zu unbewusstem Verhalten, das den Nachfolgeprozess behindert. Beispielsweise könnte der Vorgänger zögern, Informationen vollständig zu teilen oder Entscheidungen des Nachfolgers infrage zu stellen, selbst wenn er offiziell nicht mehr in der Führungsposition ist.

Für den Nachfolger ist die Situation ebenso herausfordernd. Er oder sie muss nicht nur in die Fußstapfen des Vorgängers treten, sondern auch das Vertrauen des Teams gewinnen. Dies ist besonders schwierig, wenn die Belegschaft eng mit dem Vorgänger verbunden ist. Der Nachfolger steht oft unter dem Druck, die Erwartungen zu erfüllen, während er gleichzeitig seine eigene Vision und Führungskompetenz beweisen muss.

Kulturelle Differenzen und Führungsstil

Ein weiteres, oft übersehenes Hindernis sind kulturelle Differenzen innerhalb des Unternehmens. Jedes Unternehmen entwickelt im Laufe der Zeit eine eigene Kultur, geprägt von den Werten, Überzeugungen und Praktiken der Führungsebene. Wenn der Nachfolger einen anderen Führungsstil hat oder andere Werte vertritt als der Vorgänger, kann dies zu Spannungen führen. Dies ist besonders in Familienunternehmen der Fall, wo traditionelle Werte oft eine große Rolle spielen. Der Nachfolger muss dann einen Weg finden, die bestehende Unternehmenskultur zu respektieren, während er notwendige Veränderungen einführt, um das Unternehmen weiterzuentwickeln.

Auch der Umgang mit dem Team spielt eine entscheidende Rolle. Ein neuer Führungsstil kann bei den Mitarbeitern zu Verunsicherung führen, insbesondere wenn dieser im Widerspruch zu dem steht, was sie gewohnt sind. Es kann Widerstand entstehen, der den Erfolg der Nachfolge gefährdet. Deshalb ist es wichtig, dass der Nachfolger von Anfang an transparent kommuniziert und das Team in den Veränderungsprozess einbindet. Die Schaffung eines gemeinsamen Verständnisses und die Pflege offener Kommunikationskanäle können helfen, kulturelle Barrieren zu überwinden.

Unsichtbare Machtstrukturen

Zusätzlich zu den kulturellen Aspekten gibt es in vielen Unternehmen unsichtbare Machtstrukturen, die den Nachfolgeprozess beeinflussen können. Diese informellen Netzwerke und Beziehungen können ebenso einflussreich sein wie formelle Hierarchien. Wenn der Nachfolger diese Dynamiken nicht erkennt und berücksichtigt, kann es zu ungewollten Machtkämpfen kommen. Es ist daher wichtig, dass der Nachfolger Zeit investiert, um diese internen Strukturen zu verstehen und sie in seine Führungsstrategie einzubeziehen.

Umgang mit Widerstand

Widerstand gegen Veränderungen ist in jedem Unternehmen ein natürlicher Prozess. Bei der Unternehmensnachfolge kann dieser Widerstand jedoch besonders stark ausgeprägt sein, da es sich um einen grundlegenden Wandel handelt. Häufig resultiert dieser Widerstand aus Unsicherheit und Angst vor dem Unbekannten. Es ist daher entscheidend, dass der Nachfolger diesen Widerstand nicht ignoriert, sondern aktiv angeht. Dies kann durch gezielte Kommunikation, Einbindung der Mitarbeiter in Entscheidungsprozesse und die Schaffung eines sicheren Umfelds geschehen, in dem Ängste und Bedenken offen angesprochen werden können.

Langfristige Perspektive

Last, but not least, ist die Notwendigkeit einer langfristigen Perspektive zu beachten. Der Nachfolgeprozess endet nicht mit der offiziellen Übergabe. Es ist vielmehr ein kontinuierlicher Prozess, der Zeit, Geduld und ständige Anpassungen erfordert. Der Nachfolger sollte sich darauf einstellen, dass es Zeit braucht, bis er vollständig akzeptiert wird und seine Vision umsetzen kann. Gleichzeitig sollte der Vorgänger bereit sein, auch nach der Übergabe als Berater zur Verfügung zu stehen, um den Übergang zu erleichtern.

Zusammengefasst: Es gibt weit mehr als Zahlen, Daten und Fakten

Die unsichtbaren Hürden der Unternehmensnachfolge sind oft diejenigen, die den größten Einfluss auf den Erfolg des Übergangs haben. Führungskräfte, die sich dieser psychologischen und kulturellen Herausforderungen bewusst sind und aktiv daran arbeiten, sie zu überwinden, haben eine wesentlich höhere Chance, den Nachfolgeprozess erfolgreich zu gestalten. Es erfordert Empathie, strategisches Denken und eine tiefgehende Kenntnis der internen Dynamiken des Unternehmens, um diese Hürden zu meistern und das Unternehmen in eine erfolgreiche Zukunft zu führen.

 

Was genau Dich noch als Nachfolger erwartet, zeige ich Dir gerne in meinem Mentoring-Programm „Fit für die Nachfolge“!

 

Bildquelle: S. Hofschlaeger  / pixelio.de

Zum ersten Mal seit Jahren hat es etwas länger als zwei Wochen gedauert, bis ich blogge. Das hat einen simplen Grund: Ich war nicht da. Stattdessen hatte ich, kurz hintereinander, meine nachgeholte Hochzeitsreise und die JCI Europakonferenz in Oulu, Finnland.

Andere Länder, andere Kultur

Meine Hochzeitsreise ging nach Bali. Mit 16,5 Stunden reiner Flugzeit die mit Abstand längste Reise, die ich je gemacht habe. Und sie war den Aufwand wert. Bali ist faszinierend. Obwohl es zu Indonesien gehört, ist es mehrheitlich hinduistisch geprägt. Das bedeutet, dass überall Tempelanlagen sind und Religion im Alltag der Menschen eine erhebliche Rolle spielt. Das zu erleben, die Unterschiede wahrzunehmen, das ist gut für den Kopf.

Tempelanlage auf Bali

Tempelanlage auf Bali (Pura Besakih)

Was ebenfalls auffällig war, ist die Gastfreundschaft. Die Freundlichkeit der Menschen ist absolut überragend. Gegen Ende des Urlaubs war ich sogar so weit, dass ich mich nach einem guten alten deutschen Anschnauzen gesehnt habe 😉

Leckeres Essen gehört dazu

Ich interessiere mich, wie viele wissen, auch immer für Kulinarik. Und da sind wir komplett verwöhnt worden. Zumindest wenn man gerne würziger isst. Auf einer Insel ist es immer ratsam, Fisch und Meeresfrüchte auszuprobieren, wenn man zu Hause eher weit entfernt von jedem Meer lebt. Mein Favorit war ein Baramundi in scharfer Soße, den ich sogar mehrmals gegessen habe.

Fischgericht

Baramundi mit Reis auf einem Bananenblatt

Aber auch außerhalb der Hotels war das Essen faszinierend. Wir waren mit JCI Bali unterwegs, als wir in einem kleinen Restaurant, irgendwo im nirgendwo, Halt gemacht haben. Dort gab es das traditionelle balinesische Mittagessen: „Suckling Pig“. Das ist für uns nichts unbekanntes, denn es handelt sich um Spanferkel, wenn auch etwas anders zubereitet. Dazu gab es eine wunderbare Suppe mit Bananenstaude, die sehr scharf, aber auch sehr lecker war. Ein absolutes Erlebnis.

Suckling Pig

Traditionelles balinesisches Lunch: Spanferkel, Suppe und Reis

Aber nur wegen des Essens und einiger Tempel fliegt man nicht so weit.

Traumhafte Landschaften, wunderbare Tiere

Eine Sache, die mir in Deutschland nicht begegnen wird, ist echter Dschungel. Das war auch eines meiner Highlights, denn diese Landschaft ist wunderschön und faszinierend.

Blick über den Dschungel und die Hotelanlage

Fluss Mittel im Dschungel

Was die Tiere angeht, gab es einiges zu sehen. Affen, Geckos, riesige Schmetterlinge und vieles mehr. Ein Highlight konnte ich mir allerdings nicht entgehen lassen: Meine absoluten Lieblingstiere.

Elefanten in Masons Elephant Park

Vier Stunden habe ich bei diesen sanften Riesen verbracht und viel gelernt. Ein tolles Erlebnis.

Es gab natürlich noch viel mehr außer Kultur

Natürlich war das nicht alles. Es geht mir nur darum zu erklären, warum mein Blog ein wenig gelitten hat, nicht Kultur zum neuen Thema des Blogs zu machen. Es gäbe auch noch viel mehr zu erzählen, von Reisterrassen, dem GWK Park, spannenden Gesprächen, dem unglaublichen Verkehr, Schnorcheln… aber das würde den Rahmen sprengen.

Was ich allerdings in meinem nächsten Beitrag aufgreife, sind die Bücher über Leadership, die ich in dieser Zeit gelesen habe. Da waren einige Highlights dabei, die in diesem Blog Platz finden sollten, wie schon andere Empfehlungen zuvor.

Der dritte und abschließende Teil meiner kleinen Serie, in der ich auf prägende Fehlschläge und Erkenntnisse eingehe – auf dass Du aus meinen Fehlern lernen kannst. Und es ist vielleicht der wichtigste Teil, denn es geht um das (bewusste oder unbewusste) Vermeiden von Entscheidungen.

Heute protze ich rum, aber eigentlich bin ich erst kürzlich schlauer geworden

Ich vermute, jeder kennt das Thema von Selbst- und Fremdbild. Mein Selbstbild basiert, zu großen Teilen, darauf, dass ich mich als schneller Entscheider begreife. Und als entscheidungsfreudig. Umso schmerzhafter ist es, wenn die Erkenntnis reift, dass dem eigentlich nicht so ist.

Lass mich von vorn beginnen: Wie Du vielleicht weißt, habe ich mein Unternehmen nach dem Tod meines Vaters übernommen. Es war damals in einem absolut kritischen Zustand. Darüber habe ich ja schon oft berichtet. Ohne in die Details einzusteigen, man kann sagen, wir waren so gut wie insolvent.

Es hat Jahre gekostet, uns von unten der Nulllinie anzunähern und sie dann zu überschreiten. Mittlerweile ist sie deutlich überschritten. Alles super, oder?

Nun, ganz so einfach ist es nicht. Das hat etwas mit dem Thema Kultur zu tun. Und die frisst, bekanntermaßen, die Strategie zum Frühstück.

Auch Tote haben lange Einfluss

Die letzten Jahre vor dem Tod meines Vaters ging es stetig bergab. Das hat Folgen auf alle, die es erlebt haben, darunter mich. Das Überleben wurde der hauptsächliche Entscheidungszweck. Jede Option wurde daraufhin geprüft, bewusst und unbewusst, ob sie dem Überleben dient. Andere Optionen wurden ausgeblendet.

Die Folge war, dass wir gut darin waren, schnelle Entscheidungen zu treffen und auch kurzfristig immer bessere Ergebnisse zu erzielen. Diese Art des Denkens wurde belohnt. Mit finanziellem Erfolg, mit Wachstum, alles Dinge, die großen Spaß machen.

Allerdings muss man immer im Hinterkopf behalten, dass Kultur nicht das definierte, sondern das gelebte ist. Meine Wunschkultur habe ich, mit einem Jahr Arbeit, definiert und war auch der Meinung, dass der Weg zu ihrer Realisierung gut voranschritt. Das ist auch keine falsche Beobachtung, vieles ging und geht in die richtige Richtung.

Was ich dabei übersehen habe, ist wie unbewusst der Modus Operandi „Überleben“ zu jeder Zeit aktiv war. Selbst, als es Zeit und Gelegenheit gab, von Überleben zu Steuern zu wechseln, lag der Schwerpunkt auf dem gelernten Modus. Noch schlimmer, ich habe mir eingeredet, dass ich ja steuere – und parallel dazu Entscheidungen getroffen, die aus dem Überlebensmodus stammen.

Es braucht Input von außen

Wie so oft im Leben ist man selbst blind für vieles. Erst die Hilfe von außen, kombiniert mit intensiven Gesprächen und Nachdenken mit meinen Führungskräften, hat dazu geführt, dass ich umdenken konnte.

So entstand im vergangenen Jahr eine echte Strategie. Ein Plan, der nicht nur pro forma die kommenden fünf Jahre enthält, sondern wirklich ein Ziel definiert und die Maßnahmen darauf ausrichtet. Ein Plan, der auch die Möglichkeit des Scheiterns akzeptiert und einplant.

Ohne die viele Vorarbeit an anderen Stellen (Datenerhebung, Kennzahlenanalyse, Coaching und Co), die ebenfalls in den letzten Jahren viel Zeit gebraucht hat, wäre es aber auch nie möglich gewesen. Ehrlicherweise muss ich aber sagen: Das ist die Infrastruktur. Die Erkenntnis, die Entscheidung, die muss in Dir selbst reifen. Wieder ein guter Grund, Mentoring als das zu sehen, was es ist: Essentiell wichtig!

Meine Learnings für Dich

Eigentlich habe ich den idealen Zeitpunkt verpasst, den Modus Operandi zu wechseln. Der wäre gewesen, als wir saniert waren – zu diesem Zeitpunkt hätte ich die Steuerung ergreifen müssen. Ich war aber noch nicht so weit, und in den guten Ergebnissen meiner kleiner Entscheidungen gefangen. Nun ist es deutlich später – und wir müssen das beste daraus machen.

Die wichtigste Erkenntnis ist aber eine andere: Holt Euch Hilfe! Der Blick von außen, nicht coachend sondern begleitend, ist unendlich wichtig. Gemeinsam kann man all die Erkenntnisse und das Wissen erarbeiten, die für echte Entscheidungen notwendig sind.

Dabei ist es ebenso wichtig zu verstehen, wieviel Einfluss Geschichte und Kultur einer Organisation auf aktuelle Entscheidungen haben. Meine Erkenntnis: Mehr als uns jemals bewusst ist. Eine neue Kultur schaffen ist ein Marathon, kein Sprint.

Eine neue Kultur schaffen ist ein Marathon, kein Sprint. Share on X

Und mit dieser Erkenntnis beende ich diese kleine Serie.

In einer Welt des permanenten Wandels ist die Fähigkeit zur Anpassung und Selbstreflexion für Führungskräfte nicht nur wünschenswert, sondern unabdingbar. Doch wie gelingt der Übergang von einer spezialisierten Fachkraft zu einer Führungsposition, die sowohl technische als auch unternehmerische Visionen vereint?

Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, haben wir ein außergewöhnliches Gespräch geführt: ein Interview, das nicht in herkömmlicher Weise entstanden ist. Zwei renommierte Unternehmer und Executives, Philipp Deutscher und Jan Hossfeld, teilen ihre Einsichten und Erfahrungen in einem Interview, das von einer Künstlichen Intelligenz moderiert wurde. 

Den ersten Teil des Interviews findest Du unter diesem Link.
The English version can be found here.
Der heutige Teil beschäftigt sich mit den Themen Leadership, Management und Kultur. Dieser Beitrag ist Teil einer 5-teiligen Reihe, die Einblicke in die Entwicklung von Führungskompetenzen, die Bedeutung von Selbstverständnis und die Herausforderungen moderner Leadership-Rollen bietet.

Themenbereich Klassische Leadership Skills

  1. Welche klassischen Leadership-Fähigkeiten halten Sie für unverzichtbar für einen Executive?

Philipp Deutscher: „Kommunikationsfähigkeit, Entscheidungsfähigkeit und Empathie sind essentiell für jede C-Level Rolle. Auch und gerade besonders für einen CTO.“

Jan Hossfeld: „Reflexion! Es gibt eigentlich nichts wichtigeres. Und am besten kombiniert man die mit Neugier und Spaß am Lernen. Dazu gehört auch eine gute Fehlerkultur mit sich selbst, denn Fehler werden passieren. Ohne diese Skills kann man vielleicht ein Manager sein, aber kein Leader.“

  1. Wie haben Sie diese Fähigkeiten in Ihrer eigenen Karriere entwickelt und angewendet?

Philipp Deutscher: „Anfänglich hauptsächlich durch Learning by Doing. Das Verständnis für diese Fähigkeiten und deren Bedeutung hat sich erst im Laufe der Zeit entwickelt. Am Anfang stand der Wille Verantwortung zu übernehmen. Allerdings ohne die richtigen Werkzeuge dafür zu haben. Man hat sich anhand der erfüllten oder nicht erfüllten Erwartungen entlang gehangelt und daraus gelernt. Erfahrungen führen zu Erkenntnis. Und Erkenntnis ist die Grundlage für Verständnis. Später wurde diese Entwicklung dann strukturierter und zielgerichteter. Wenn ich meine Leadership Fähigkeiten und Entscheidungen von vor 10 Jahren mit heutigem Wissen und Verständnis beurteilen würde, müsste ich jedes Mal die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Dabei gehört das zur Entwicklung mit dazu.“

Jan Hossfeld: „Lernen durch Schmerzen ist sicher ein Thema. Ich habe jede Menge Fehler gemacht. Mit der Zeit habe ich gelernt, dabei gnädiger mit mir selbst zu sein. Dabei half mir ein jahrelanges, heute noch laufendes, Mentoring. Ein guter Mentor ist emotional nicht involviert und kann daher helfen, die Sache von der Emotion zu trennen. Danach kann man die Emotion akzeptieren lernen, und die Sache verbessern. Was mir auch extrem wichtig ist, für mich selbst und meine zweite Führungsebene, ist die Fortbildung. Ich besuche so viele Vorträge, Trainings und Coachings wie es nur geht. Natürlich wiederholen sich manche Dinge – aber wenn ich offen bleibe, werde ich bei jedem Event etwas wertvolles mitnehmen. Und damit das nicht verloren geht, ist das Journaling nützlich, denn wenn ich Dinge schriftlich verarbeite und das nochmal reflektiere, bleibt es in meinem Gedächtnis.“

Themenbereich Leadership vs. Management

  1. Wie unterscheiden Sie zwischen Leadership und Management in der Rolle eines CTO?

Philipp Deutscher: „Ich manage Projekte und führe Teams und Individuen. Wobei das schlecht formuliert ist, denn eigentlich bedeutet Leadership nach meinem Verständnis nicht ‚ich führe‘, sondern ‚ich gebe eine Richtung vor‘. Es geht um Richtung, um Empathie und um indirekte Einflussnahme. Management auf der anderen Seite hat viel mit Planung und Organisation zu tun. Mit Kontrolle und Problembehandlung. Beides ist notwendig in der Rolle eines CTOs.“
Jan Hossfeld: „Leadership habe ich ja schon beschrieben. Besonders wichtig dabei ist es, dass ein guter Leader sich dadurch auszeichnet, dass die Menschen bei ihm wachsen können, in Breite, Tiefe und Höhe (das meine ich natürlich nicht physisch). Managementkompetenz ist dennoch erforderlich. Zahlen, Daten, Fakten und Prozesse sind hilfreich, solange man darauf achtet, dass sie nicht zum Selbstzweck werden. Auch hier ist Reflexion ein Schlüsselskill: Wenn man die monatsweise erhobenen Zahlen nie angesehen, sondern nur abgelegt hat, sind sie vielleicht nicht wichtig.“

  1. Können Sie ein Beispiel geben, wo Sie als Executive mehr Leader als Manager waren?

Philipp Deutscher: „Eigentlich jedesmal wenn man sich auf die menschlichen Aspekte der Führung konzentriert. wie das Inspirieren und Motivieren von Mitarbeitern und das Setzen einer strategischen Richtung. Management befasst sich mit den organisatorischen und prozessorientierten Aspekten, wie Planung, Budgetierung und Kontrolle. Beide Rollen sind für den Erfolg einer Organisation entscheidend, und die besten Führungskräfte verfügen über Fähigkeiten sowohl im Bereich Leadership als auch im Management und verstehen sehr gut, wann sie welche einzusetzen haben.“

Jan Hossfeld: „Ich versuche es immer im Recruiting zu sein. Wir haben erstaunlich viele ‚kaputte‘ Lebensläufe, teilweise ganz ohne formellen Abschluss, im Team. Und dass diese Menschen heute wertvolle Fach- und Führungskräfte sind, beginnt im Recruiting. Ich habe also mit der Zeit definiert, was meine Werte genau sind. Auf diese achte ich in den Menschen, die vor mir sitzen. Aber: Wir stehen alle auf den Schultern von Riesen, dank vieler guter Ratgeber und Vorträge habe ich auch da Werkzeuge entliehen. Ich versuche zum Beispiel, dank eines Tipps von Heiko Banaszak, immer genau hinzuhören, wie jemand die Brüche im Lebenslauf beschreibt – sind es die Umstände, die anderen gewesen? Oder war es eigene Entscheidung? Das ist eines von vielen Kennzeichen für jemanden, der oder die bereit ist, Verantwortung zu übernehmen.“

Themenbereich Kultur als Gamechanger

  1. Inwiefern beeinflusst die Unternehmenskultur die Effektivität eines Executive?

Philipp Deutscher: „Die Unternehmenskultur beeinflusst die Effektivität jeder Führungskraft. Von Team Lead bis hin zum CEO. Es ist die Gesamtheit der gemeinsamen Werte, Normen und Praktiken und damit ein maßgeblicher Treiber von Effizienz und Effektivität.“

Jan Hossfeld: „Die Unternehmenskultur beeinflusst schlichtweg alles! Dabei ist es wichtig zu verstehen, dass die Kultur eines Unternehmens darin besteht, was wie getan wird, nicht daraus, was irgendwo geschrieben steht. Das ist eine meiner Lektionen der letzten Jahre. Das ist übrigens kein Argument gegen die Definition einer gewünschten Kultur. Aber eine Warnung davor zu glauben, dass die Definition alleine reicht. Es ist wichtig, die gewünschte Kultur jeden Tag vorzuleben. Erst dann finden darin Menschen die Möglichkeit, sich selbst einzubringen.“

  1. Wie gehen Sie vor, um eine Kultur zu schaffen, die Innovation und Exzellenz fördert?

Philipp Deutscher: „Will ich die Kultur verändern, muss ich Verhalten im Unternehmen ändern. Will ich das Verhalten ändern, muss ich Metriken und Kennzahlen einführen, die gewünschtes Verhalten beeinflussen und mittelfristig zu einer Verhaltens- und Kulturänderung führen. Umgekehrt gilt natürlich auch ‚You don’t improve what you don’t measure‘.“

Jan Hossfeld: „Mein Weg war augenscheinlich simpel. Ich habe mir mal die 5-7 wichtigsten Werte notiert, die ich so habe und für mein Unternehmen für wichtig halte. Das hat 5 Minuten gedauert. Danach dauerte es allerdings noch 12 Monate, genau zu definieren, was ich damit meine, wie es sich im Alltag anfühlen soll. Das ist die eigentliche Arbeit. Die wichtigste Erkenntnis: Nur weil es in Deinem Kopf logisch und klar ist, heißt das nicht, dass es das für andere auch ist.“

 


Der nächste Teil des Gesprächs erscheint in einer Woche bei Philipp Deutscher. Darin beschäftigen wir uns mit den Themen Kommunikation und Mindset im Wandel zur Führungskraft.