Jan Hoßfeld
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Meta-Skills sind wichtig für Nachwuchsführungskräfte

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Wenn wir an Führungskräfte denken, passiert es nur allzuoft, dass wir eine exzellente Fachkraft vorm inneren Auge sehen. Allerdings entspricht das nicht der Realität. Und ob es sinnvoll ist, darüber kann man streiten.

Jeder fängt mal klein an

Führungskräfte fallen nicht fix und fertig aus irgendeiner Maschine. Das bedeutet, dass alle Fachkenntnisse, so wie bei jedem Menschen, eine Mischung aus Ausbildung und Erfahrung sind. Es schadet jedenfalls nicht, wenn eine angehende Führungskraft über die Expertise verfügt, sich mit dem Team inhaltlich austauschen zu können.

Allerdings denke ich nicht, dass es unabdingbare Voraussetzung ist. Wer immer nur die besten Fachkräfte zu Führungskräften macht, dem passieren gleich zwei Dinge: Erstens, man verliert gute Fachkräfte. Zweitens, man zwingt den Menschen ein Aufgabenspektrum auf, dass der Person nicht unbedingt liegt. Führung ist kein Nebengeschäft, sondern echte Arbeit. Sie erfordert eigene Skills, neue Fachkenntnisse abseits Produkt, Dienstleistung und Markt und vor allem Zeit, die Aufgabe ernsthaft wahrzunehmen.

Ein guter Werkzeugkasten ist das A und O

Wer gute Führungskräfte will, sollte sie nicht zum (bildlich gesprochen) Schweißerlehrgang schicken. Viel wichtiger sind aus meiner Sicht die sogenannten „Meta-Skills“, also Fähigkeiten, die unabhängig von Produkt oder Dienstleistung sind.

Ganz konkret sehe ich drei Bereiche, in die Firmen bei ihren Nachwuchsführungskräften zu Beginn deren Karriere investieren können und sollten:

  1. Kommunikation

Führung bedeutet extrem viel Kommunikation. Ob mit dem eigenen Vorgesetzten, Shareholdern, Kunden oder dem Team, junge Führungskräfte sind in vielen Gesprächen. Nur allzuoft werden sie ohne geeignete Werkzeuge reingeschickt. Natürlich gibt es Menschen, die ein Talent dafür haben – aber es schadet nicht, noch ein wenig mehr in petto zu haben. Ich habe einmal eine Nachwuchsführungskraft zum ersten Teil der Seminarreihe „Kommunikation und Führung“ vom Schulz-von-Thun-Institut geschickt. Bereut habe ich dabei höchstens, dass ich es nicht noch früher getan habe. Das Vier-Seiten-Modell und die vielen anderen realitätsnahen Beispiele, die in diesen Seminaren benutzt werden, geben einen viel besseren Blick darauf, was bei der Kommunikation zwischen Menschen passiert. Ein absolut unerlässliches Werkzeug für Nachwuchsführungskräfte. Ebenso haben wir, als gesamtes Team, die Transaktionsanalyse von einer Trainerin beigebracht bekommen. Auch diese war enorm hilfreich, um in nachfolgenden Gesprächen besser zu verstehen, was das jeweilige Gegenüber eigentlich warum erreichen möchte.

  1. Selbstorganisation

Wenn es Nachwuchsführungskräften an einem nicht mangelt, ist es Arbeit. In aller Regel sind sie auch noch im Tagesgeschäft unterwegs, und das neben der eigentlichen Führungsaufgabe. Damit sie dabei nicht den Überblick verlieren, wichtiges vergessen oder Deadlines verpassen, ist die Selbstorganisation ein unerlässlicher Skill. Welche Methodik oder welche Tools zur jeweiligen Person passen, ist sehr unterschiedlich. Aber ein paar Prinzipien, die ich auch schon hier beschrieben habe, sollten darin enthalten sein. Für die Etablierung und Umsetzung eines passenden Systems gibt es jede Menge Optionen. Entweder, man liest sich selbst durch Bücher und Internet, oder man investiert in einen entsprechenden Coach. Egal wie – den Überblick zu haben und zu behalten ist eine wichtige Aufgabe und sie beginnt bei einem selbst.

  1. Profilierungswerkzeuge

Mir ist klar, dass viele die Profilierung von Menschen ablehnen. In eine Schublade gesteckt zu werden gefällt niemandem. Das ist aber eigentlich auch nicht Sinn der Sache. Vielmehr sind Profilierungswerkzeuge ein Mittel, beobachtbares Verhalten und die Präferenzen einer Person zu erfassen und zu beschreiben. Es muss nicht in jedem Detail stimmen, aber dieses Werkzeug gibt Nachwuchsführungskräften eine wirksame und schnelle Methode, mit den Menschen im eigenen Team oder außerhalb gezielt zu arbeiten. Wer andere und deren Präferenzen besser versteht, kann sie viel besser in die gemeinsame Arbeit einbinden. DISG oder Insights sind ein toller Startpunkt dafür – auch hier am besten bei sich selbst starten. Wer andere führen will, sollte zuerst sich selbst gut verstehen.

Fazit: Meta-Skills sind wichtiger als Fachkompetenz

Auf lange Sicht zahlen sich diese Meta-Skills aus. Sie werden, im Gegensatz zu konkreten Fachkenntnissen, täglich genutzt. Zudem wird eine Nachwuchsführungskraft zunehmend mehr Zeit in der Führungsarbeit verbringen. Dementsprechend verkümmern und veralten fachliche Kenntnisse auch durchaus recht schnell.

Der Umgang mit Menschen allerdings, die absolute Kernkompetenz von Führung, ist etwas, was nie „außer Mode“ kommt, sondern immer wichtiger wird. Schließlich verlassen Menschen Unternehmen in aller Regel nicht wegen Geld, Projekten oder Titeln – sondern wegen Führungskräften.

 

Bildquelle: Image by Sasin Tipchai from Pixabay

 

10. Dezember 2025/0 Kommentare/von Jan Hossfeld

Rückblick Bundeskonferenz 2025

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Die diesjährige Bundeskonferenz fand unter dem Motto „Meet the Business Monsters“ in Chemnitz statt. Chemnitz ist eine spannende Stadt mit reichhaltiger Geschichte. Dementsprechend gab es jede Menge Programm.

Auftakt mit Riesenmonstern

Der Welcomeabend war wunderbar mit der S-Bahn zu erreichen und direkt an einer Haltestelle gelegen. In einer alten Industriehalle wurden wir mit jeder Menge Grillgut, Pizzen und Getränken verköstigt. Zwei riesige Monster liefen durch den Raum und mit Musik und guter Stimmung starteten wir in die Konferenz.

Am Folgetag gab es eine gesunde Mischung aus Sport, Kultur, Trainings und Kulinarik. Wir hatten uns für die kulinarischen Spezialitäten der Region eingetragen und wurden mehr als beeindruckt. In einem alten denkmalgeschützten Pumpwerk lernten wir nicht nur viele Leckereien kennen, sondern auch einen beeindruckenden Unternehmer. Roland Keilholz war 30 Jahre zuvor aus Franken nach Chemnitz gekommen. Was mit einem Boardinghouse begann ist mittlerweile eine riesige Unternehmensgruppe mit Catering, Weinverkauf, Restaurant, Events und einem „Food in a Box“-Service. Seine Geschichte war hochinteressant, schade dass wir nicht mehr Zeit für tiefere Gespräche hatten.

Länderabend in der Fabrik

Abends gab es einen bunten Länderabend in der Fabrik, einem modernen Co-Workingspace und Firmensitz am Rande der Innenstadt. Nadine Meier und Julia Rieche wurden in der wunderschönen Rooftop-Bar mit der goldenen Ehrennadel der Wirtschaftsjunioren Deutschland ausgezeichnet. Daneben gab es jede Menge Leckereien, Konferenztickets und andere Goodies von allen Landesverbänden zu gewinnen, zu probieren und zu entdecken.

Im Caucus, einige Stunden zuvor, hatten sich die Kandidaten für den Bundesvorstand 2026 vorgestellt und einige interessierte Fragen bekommen.

Delegiertenversammlung und Gala als krönender Abschluss

Samstag war der Tag der Herbst-Deligiertenversammlung und der abschließenden Gala. In der modernen Stadthalle trafen sich Vertreter der WJ-Kreise und lauschten dem Tätigkeitsbericht des Vorstandes, unserer Arbeit innerhalb von JCI und wählten den Vorstand 2026. Das Team um Heiko Kösling und Svenja Köppe wurde ohne Gegenstimmen gewählt. Einige von uns gingen dann noch zum Lunch mit JCI-Präsident Keisuke, bevor es in die Vorbereitungen für den Abend ging.

Die Gala war, wie so oft ein Highlight der Konferenz. Bei wunderbarem Essen wurden nicht nur die Bundespreise und der von den Senatoren gestifteten Wachstumspreis (Glückwunsch an die WJ Bremerhaven sowie die WJ Wetterau!) verliehen, sondern auch zwei hochverdiente Senatorenehrungen durchgeführt.

Untermalt wurde das Event von Musik und einer tollen Sporteinlage mit Springseilen und Rollschuhen.

Auf nach Hamburg!

Traditionell ist es so, dass nach der BuKo vor der BuKo ist. Dieses Jahr ist keine Ausnahme – in 2026, wenige Monate nach der Senatorenkonferenz 2026 im Saarland, geht es in die Weltstadt Hamburg. Ich freue mich darauf!

 

19. November 2025/0 Kommentare/von Jan Hossfeld

Neue Lebensphase, neues GTD-System

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Ein System zur persönlichen Produktivität ist, wie ich schon oft beschrieben habe, nicht nur etwas zutiefst persönliches. Es ist auch ein Werkzeug, das sich verändern darf. Software-Tools müssen aus meiner Sicht eh beliebig austauschbar sein – aber auch die Prinzipien des Systems können sich neuen Realitäten anpassen.

Ein Sabbatical – zumindest auf dem Papier

Nach dem Verkauf meines Unternehmens habe ich mein LinkedIn-Profil zunächst auf „Sabbatical“ gestellt. Das entsprach auch der Realität zum damaligen Zeitpunkt. Erst mal Urlaub, dann bekamen wir noch einmal Nachwuchs und das große Kind wechselte aufs Gymnasium. Es war also definitiv eine Zeit, die meiner Familie gehörte.

So ganz untätig sein liegt mir allerdings nicht. Insofern war es auch richtig, dass ich nach einer Aufräumaktion in meinem System immer noch einige Projekte hatte. Es gab im Haus jede Menge zu tun, dass in den Jahren zuvor liegengeblieben war, ich wollte mich mehr mit künstlicher Intelligenz beschäftigen und die Outline meines Buches, die schon seit zwei Jahren in meinen Notizen lag, endlich mal in ein fertiges Werk verwandeln.

Zunächst blieb ich, was mein Produktivitätssystem anging, beim Altbewährten. Jede Woche am Freitag lies ich die Woche Revue passieren, schrieb darüber in mein Tagebuch und plante die kommende Woche voraus. Allerdings ergab sich dabei ungewohnte Reibung im System. Immer, wenn etwas Mehrarbeit verursacht, die es vorher nicht gab, ist das ein Indiz, die eigene Methodik nochmal zu prüfen.

Das Leben verändert sich

Wer Kinder hat merkt, dass das Leben sich stark verändert. Meine Wochenplanung war auf dem Papier immer noch möglich. Aber in der Realität war sie meist schon am Montag obsolet. Kinder, insbesondere Babys, nehmen keine Rücksicht auf Deinen Plan, so ausgefeilt er auch sein mag.

Dementsprechend passierte es immer öfter, dass ich beim Weekly Review frustriert feststellte, dass die Woche zwar voll und anstrengend war, ich aber mit meinen Projekten und Aufgaben nicht voran kam. Das nahm ich zum Anlass, ein wenig auf Reddit zu schmökern und mir etwas Inspiration zu holen. Ein User hatte spannende Filter für Todoist gebaut, mit deren Hilfe er einen Workflow zur Aufgabendefinition vorgab. Von Priorisieren, über zeitliche Einordnung bis hin zum Aufräumen alter Einträge war alles dabei.

Nachdem ich die Filter nachgebaut hatte, dämmerte es mir: Die feste zeitliche Einordnung von Aufgaben passt nicht zu meiner aktuellen Lebensphase. Aber Prioritäten gibt es natürlich trotzdem. Basierend auf dieser Erkenntnis habe ich mein System umgebaut.

Prioritäten als Hauptkriterium und eine schlanke Projektliste

Neben den erwähnten Filtern, die nun als Favoriten für mein ebenfalls darauf angepasstes Weekly Review zur Verfügung stehen, habe ich auch meine Projektliste deutlich verschlankt.

Darin finden sich nun weiterhin meine Areas, meine Routinen und einige wenige unsortierte Listen, aber vor allem ein klassischer „Tickler“ gemäß GTD und einige wenige konkrete Projekte. Inhaltlich arbeite ich nun vor allem nach Priorität und lasse mir deshalb alle Ansichten, zum Beispiel die der heutigen Aufgaben, sortiert nach Priorität anzeigen. Wo es nötig ist, dass etwas an einem bestimmten Tag passiert, arbeite ich natürlich weiterhin mit fixem Datum. Es kommt aber nun deutlich seltener vor.

Alles in allem mache ich das nun seit etwa vier Monaten so und bin erst einmal zufrieden. Ich habe mich damit dem klassischen GTD wieder etwas mehr angenähert, kann flexibler auf sich ändernde Umstände reagieren und komme dennoch mit meinen Themen voran. Kurz gesagt: Wenn sich das Leben ändert, darf sich auch das System ändern!

 

29. Oktober 2025/0 Kommentare/von Jan Hossfeld

Das diabolische Duo: Bauchgefühl und Confirmation Bias

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Ich weiß nicht, wie oft ich auf mein Bauchgefühl hereingefallen bin. Es gibt unzählige Beispiele. Damit bin ich nicht alleine. Viele Menschen vertrauen darauf und manchmal kann es zutreffend sein. Wenn es allerdings mit seinem kongenialen Partner, dem Confirmation Bias, zusammen kommt, ist Vorsicht geboten.

Es ist schlecht, wenn Bauchgefühl zutrifft

Am Anfang meiner Zeit als Unternehmer habe ich gerade Personalentscheidungen oft aus dem Bauch heraus getroffen. Dabei war es egal, ob es um Kleinigkeiten (Gutschein, Gehaltsanpassung, oder kleine Vertragsanpassungen) ging, oder um die Einstellung einer neuen Person.

Besonders schlecht war, dass mein Bauchgefühl oft zutreffend war. Ich habe tolle Menschen eingestellt, die sich bewährten. Vertragsanpassungen waren richtig und auch die Erhöhung des Gehaltes brachten Freude und gute Leistungen. Das ist enorm gefährlich. Denn ich kam in die Schleife, die die allermeisten an dieser Stelle betreten: Mein Bauchgefühl brachte eine gute Entscheidung, also muss es immer Recht haben.

Leider ist das unglaublich gefährlich und im Nachhinein wäre es besser gewesen, ich hätte schneller öfter falsch gelegen. Denn mit dieser Denkweise schlägt der zweite Faktor voll zu.

Bestätigungsfehler werden zur Norm

Der Confirmation Bias, oder auf Deutsch Bestätigungsfehler, ist ein guter Partner für das Bauchgefühl. Lag ich richtig, sah ich nur noch das, was diese Annahme bestätigte. Fehler und Widersprüche hat mein Hirn konsequent ausgeblendet.

Die Folge: Selbst dann, wenn mein Bauchgefühl objektiv komplett falsch lag, vertraute ich darauf. Dieses sich selbst verstärkende System ist enorm gefährlich, denn es führt zu einem Gefühl der Sicherheit, das sich durch Fakten kaum oder gar nicht belegen lässt.

Ganz im Gegenteil. Die Fakten sprachen oft gegen meine Entscheidungen. Und ich merkte es nicht. Das kam dann später, meist auf schmerzhafte Art und Weise. Vor allem dann, wenn das eigene Team einem sagt, dass man falsch lag. Gerade bei Personalentscheidungen tat das enorm weh – nicht nur, weil es das eigene Ego ankratzt, sondern weil damit auch ein anderer Mensch beschädigt wird.

Objektivierung von Entscheidungen

Diese Erkenntnis ist keine Absage an das Bauchgefühl. Es hat seinen Platz, auch in wichtigen und großen Entscheidungen. Es sollte aber durch Daten und weitere Sichtweisen ergänzt werden, nicht durch die eigene Bestätigung. Diese ist nämlich von Vornherein falsch, sie entstammt ja dem eigenen Hirn. Dein Hirn mag keine Widersprüche und wird die Daten entsprechend filtern.

Je nach Entscheidung gibt es verschiedene Wege, Objektivierung zu betreiben. Bei Personalentscheidungen wurde es erst ausgeschaltet, als ich das Prozedere änderte und mehrere Runden (Kennenlernen, Fachgespräch und abschließende kulturelle Prüfung) mit mehreren Personen einführte. Theoretisch kann auch eine Gruppe komplett falsch liegen, es ist aber viel unwahrscheinlicher.

Bei anderen Entscheidungen hilft es, entweder selbst oder mit einem Sparringspartner alle möglichen Informationen und Optionen zu erwägen. Der YouTube-Channel von MentourPilot hat mir hier ein Modell beigebracht, das von Piloten angewendet wird, und das ich als hilfreich empfinde: FORDEC.

Das Kürzel steht für…

  1. Facts
  2. Options
  3. Risks
  4. Decision
  5. Execution
  6. Check

Mit Hilfe dieser Vorgehensweise ist sichergestellt, dass mehr als nur die erste Option geprüft werden, Risiken einbezogen und nach der Entscheidung auch eine Evaluation stattfindet. Alles wichtige Schritte, um dem Confirmation Bias zu entgehen.

Bildquelle: Immo Schulz-Gerlach from Pixabay

 

8. Oktober 2025/0 Kommentare/von Jan Hossfeld

Home Office – Fluch oder Segen?

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In vielen Medien liest man, dass Firmen verstärkt auf Präsenz im Büro setzen, nachdem die Coronajahre sehr viel für Remote Work getan hat. Wenn man dann auf Internetplattformen wie Reddit nachliest, ergeben sich hieraus Streitpunkte. Viele Mitarbeitende möchten das Home Office nicht mehr missen und signalisieren Wechselbereitschaft, wenn es verringert oder abgeschafft wird. In der Diskussion kommen meist schwarz-weiße Argumente auf. Ich persönlich habe zu Home Office ein gespaltenes Verhältnis.

Die simplen Argumente

Viele Beiträge, die ich zu diesem Thema gelesen habe, malten ein sehr positives Bild des Home Office. Man vermeidet Pendelzeiten, kann notwendige Haushaltsaufgaben in Pausen unterbringen und ist aufgrund mangelnder Ablenkung viel produktiver. Die Rückkehr ins Büro wird, in den meisten Fällen, dem Kontrollzwang von „denen da oben“ zugeschrieben, die den Mitarbeitenden nicht trauen.

Ich denke, dieses Bild ist an vielen Stellen arg vereinfacht und auch nicht korrekt. Meiner Erfahrung nach hängt es im Wesentlichen von zwei Faktoren ab, ob ein Mensch im Home Office produktiv ist:

  1. Dem Menschen selbst und seiner bzw. ihrer Arbeitsweise,
  2. und den Aufgaben, die diese Person hat (ich spare mir jetzt den offensichtlichen Hinweis, dass beispielsweise Pflegekräfte nicht im Home Office arbeiten können – ich meine damit etwas anderes, dazu gleich mehr).

Wer nicht nein sagen kann, ist nirgends produktiv

Wenn Menschen gerne „ja“ sagen, was wir psychologisch alle gerne tun, entsteht Druck. Der Kollege, der zum Plausch rein kommt, die Kollegin, die Hilfe benötigt, der volle Wäschekorb – es macht eigentlich keinen Unterschied, wo diese Dinge passieren. Ob zu Hause oder im Büro, Ablenkungen warten überall. Wer sich gut fokussieren kann, ist immer in der Lage, die richtigen Prioritäten zu setzen. Wer sich leicht ablenken lässt, ist dagegen überall gefährdet.

Meiner subjektiven Erfahrung nach sind die Ablenkungen zu Hause deutlich größer. Es ist einfach zu verlockend, die Kamera im Meeting auszuschalten und schnell den Trockner anzuwerfen oder dem Kind bei den Hausaufgaben zu helfen. Das ändert natürlich nichts an den Ablenkungen durch die Arbeit. Es kommt aber erschwerend hinzu.

Das, was zu tun ist, entscheidet

Hinzu kommt noch die Art der Arbeit. Wenn man eine klare Aufgabe hat, die von niemand anderem abhängig ist, spielt es keine Rolle, wo man sie erledigt. Ganz im Gegenteil, hier kann es von Vorteil sein, dass man nicht einfach schnell physisch unterbrochen werden kann. Remote Work ist dann oftmals sehr produktiv.

Es gibt aber auch viele Dinge, die so nicht funktionieren. Eine Kamera ersetzt keine direkte Interaktion. Denn wir nehmen viele Dinge durch Körpersprache wahr, was über eine Kamera nicht funktioniert. Ich denke nicht, dass zum Beispiel eine echte Retrospektive remote funktioniert. Es geht dabei um das Schaffen eines geschützten Raums, um den Austausch wichtiger, oft auch unangenehmer, Information. Das geht, aus meiner Sicht, nur persönlich.

Das gleiche gilt für mich auch für gute Projektarbeit. Den neuen Kollegen per Video einarbeiten kann funktionieren. Persönlich sind aber die Erfolgsaussichten größer. Es ist viel einfacher, jemanden um Rat zu bitten, der direkt neben einem sitzt, statt einen Anruf zu starten.

Digitaler Taylorismus im Home Office

Was vielleicht wie ein Plädoyer für das Büro klingt, ist es dennoch nicht. Ich glaube, Remote Work hat einen Platz in unserer Welt. Gleichwohl bin ich auch überzeugt davon, dass echte Interaktion missionskritisch ist. Reine Remote-Arbeit ist wie eine digitale Variante des Taylorismus, bei dem alle Menschen beliebig austauschbar sind. Natürlich kann man das als in Ordnung empfinden.

Ich persönlich denke aber, dass Arbeit mehr sein darf, als einfach der reine, optimierte Austausch von Zeit gegen Geld und das Abarbeiten abgetrennter Pakete. Zudem finde ich es gut, wenn meine Arbeit und mein „Heimathafen“ nicht identisch sind – die Trennung macht mir die Fokussierung leichter.

Kurz gesagt, in meinen Augen ist eine gesunde Mischung (50-50 oder 60-40) der richtige Weg, um sowohl die Annehmlichkeiten der modernen Welt zu nutzen, ohne dabei die Interaktion und Kollaboration komplett zu verlieren. Ich jedenfalls möchte keine austauschbare Arbeitsdrone sein, die irgendwo auf der Welt irgendwas alleine erledigt. Für mich gehört zu Arbeit mehr als das.

Bildquelle: Pexels / Pixabay

 

17. September 2025/0 Kommentare/von Jan Hossfeld
Seite 3 von 41‹12345›»

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