Jan Hoßfeld
  • LinkedIn
  • Mail
  • Wobei ich helfe
  • Meine Geschichte
  • Vorträge
  • Einblicke
  • Vertraulich sprechen
  • Suche
  • Menü Menü
Du bist hier: Startseite / führung

Beiträge

Rollen im Unternehmen: Warum Rolle und Person getrennt werden müssen

Blog

Mit dem Wachstum eines Unternehmens kommt fast immer der Zeitpunkt, an dem bestimmte Aufgabenbereiche überwiegend von einzelnen Menschen wahrgenommen werden. Vorher ist das meist viel gemischter. Der Geschäftsführer arbeitet täglich am Produkt, der Entwickler leistet zusätzlich Support und die Marketingfachkraft kümmert sich nebenbei um den Vertrieb. Das kann lange gut funktionieren.

Irgendwann entstehen daraus festere Zuständigkeiten. Das ist grundsätzlich sinnvoll. Ein Unternehmen braucht Klarheit darüber, wer für welches Ergebnis verantwortlich ist. Dabei passiert allerdings schnell ein Denkfehler: Wir beschreiben nicht die Rolle, sondern den Menschen, der sie gerade ausfüllt.

Das fällt meist erst dann auf, wenn diese Person das Unternehmen verlässt, länger ausfällt oder eine Vertretung übernehmen soll. Plötzlich zeigt sich, dass zwar alle wussten, wen sie fragen müssen. Aber niemand kann genau erklären, was eigentlich zur Rolle gehört, welche Entscheidungen damit verbunden sind und welches Wissen ein anderer Mensch dafür benötigt.

Rolle und Person sind häufig eng miteinander verbunden. Identisch sind sie nicht.

Was ist eine Rolle im Unternehmen?

Eine Rolle beschreibt den Beitrag, den ein Mensch innerhalb einer Organisation leisten soll. Sie sollte unter anderem folgende Fragen beantworten:

  • Für welches Ergebnis ist die Rolle verantwortlich?
  • Welche Aufgaben gehören dazu?
  • Welche Entscheidungen darf der Rolleninhaber selbst treffen?
  • Welche Informationen und Zugänge benötigt er?
  • Mit welchen anderen Rollen arbeitet er zusammen?
  • Wann muss eine Frage weitergegeben werden?
  • Wie kann die Rolle bei Abwesenheit vertreten werden?

Das klingt zunächst nach einer recht ausführlicheren Stellenbeschreibung. Der entscheidende Unterschied liegt aber im Blickwinkel. Eine reine Aufgabenliste beschreibt, was jemand tut. Eine Rolle beschreibt, warum diese Aufgaben notwendig sind und welche Verantwortung damit verbunden ist.

Nehmen wir als einfaches Beispiel den Kundenservice.

„Kundenanfragen beantworten“ ist eine Aufgabe.

Die Verantwortung der Rolle könnte dagegen lauten, dafür zu sorgen, dass Kundenanliegen nachvollziehbar aufgenommen, richtig priorisiert und innerhalb eines vereinbarten Zeitraums bearbeitet werden. Aus dieser Verantwortung ergeben sich weitere Fragen. Darf der Kundenservice selbst priorisieren und wieviel Kulanz kann er anbieten? Wann muss die Entwicklung einbezogen werden? Welche Fälle gehen an die Geschäftsführung?

Ohne die Klärung dieser Fragen bleibt die Rolle unvollständig.

Rolle, Person, Funktion und Stelle sind nicht dasselbe

Die Begriffe werden oft durcheinander genutzt. Bei der Gestaltung einer Organisation kann es allerdings zu Unklarheiten führen.

Die Person ist der konkrete Mensch. Sie bringt Erfahrung, Beziehungen, Wissen, Stärken, Schwächen und ihre eigene Arbeitsweise mit.

Die Rolle beschreibt, was von diesem Menschen in einem bestimmten Zusammenhang erwartet wird.

Eine Funktion ist meist ein größerer betrieblicher Bereich, beispielsweise Vertrieb, Finanzen, Entwicklung oder Personal.

Die Stelle ist die formale Position, die ein Mensch im Unternehmen besetzt. Sie kann mehrere Rollen enthalten.

Gerade in kleinen Unternehmen nimmt eine Person oft viele Rollen gleichzeitig wahr. Der Geschäftsführer kann zum Beispiel gleichzeitig Unternehmer, Vertriebsleiter, Personalverantwortlicher und Ansprechpartner für wichtige Kunden sein. Das funktioniert, solange er ausreichend Zeit dafür hat und verfügbar ist.

Problematisch wird es, wenn all diese Rollen nur noch unter seinem Namen wahrgenommen werden. Dann lautet die Antwort auf fast jede Frage: „Das macht der Chef.“ Damit ist zwar die Person benannt, aber über die Organisation sagt dieser Satz fast nichts aus.

Rollen entstehen selten auf der grünen Wiese

Unser Hirn ist nicht immer besonders hilfreich, wenn es darum geht, etwas neu zu gestalten. Wir orientieren uns an dem, was bereits existiert. Das ist beim Definieren von Rollen nicht anders.

Wenn Frau Müller seit zehn Jahren die schwierigen Kundenfälle übernimmt, landet diese Aufgabe selbstverständlich in ihrer Rollenbeschreibung. Wenn sie zusätzlich neue Mitarbeitende einarbeitet, Angebote gegenliest und bei technischen Fragen hilft, schreiben wir auch das hinein. Am Ende entsteht damit keine Rolle, sondern eine Beschreibung von Frau Müller.

Vielleicht erledigt sie manche dieser Aufgaben nur, weil sie besonders erfahren ist. Vielleicht sind andere Tätigkeiten irgendwann bei ihr gelandet, weil niemand sonst zuständig war. Und vielleicht trifft sie Entscheidungen, die formal eigentlich an einer ganz anderen Stelle liegen. Deshalb sollten Rollen zumindest gedanklich auf der grünen Wiese entstehen.

Die entscheidende Frage dabei ist:

Würden wir diese Rolle genauso beschreiben, wenn morgen ein anderer geeigneter Mensch sie übernehmen würde?

Ist die Antwort nein, lohnt es sich, genauer hinzuschauen.

Die aktuelle Realität darf nicht einfach abgeschrieben werden

Es wäre allerdings ebenfalls falsch, die bisherige Arbeit komplett zu ignorieren. Eine Rolle ist schließlich nicht theoretisch. Sie muss im betrieblichen Alltag funktionieren. Es wäre wenig hilfreich, ein perfektes Organigramm zu zeichnen, das mit der tatsächlichen Arbeit nichts zu tun hat.

Die Wahrheit liegt, wie so oft, in der Mitte.

Die heutige Arbeit ist der Ausgangspunkt. Danach sollte geprüft werden:

  • Welche Aufgaben gehören wirklich dauerhaft zur Rolle?
  • Welche sind nur aus Gewohnheit dort gelandet?
  • Welche Tätigkeiten sollte eine andere Rolle übernehmen?
  • Welche Entscheidungen trifft der aktuelle Rolleninhaber, ohne dass dies klar vereinbart wurde?
  • Welche Aufgaben hängen ausschließlich an seinem persönlichen Wissen?
  • Welche Beziehungen bestehen zur Person statt zur Funktion?

Diese Prüfung kann durchaus unangenehm sein. Besonders zuverlässige Menschen haben oft über Jahre Lücken geschlossen. Nimmt man ihre Arbeit auseinander, wird sichtbar, wie viel zusätzlich bei ihnen gelandet ist. Ein schönes Kompliment an die Person, aber vielleicht auch ein Hinweis auf Mängel in der Führung. Es zeigt aber auch, wo eine Abhängigkeit entstanden ist.

Eine Rollenbeschreibung braucht mehr als Aufgaben

Viele Rollenbeschreibungen bestehen aus einer langen Liste von Tätigkeiten und einem noch längeren Anforderungsprofil. Das reicht aus meiner Sicht nicht. Eine hilfreiche Rollenbeschreibung sollte mindestens fünf Bereiche klären.

Das gewünschte Ergebnis

Warum gibt es die Rolle?

„Teilnahme an Besprechungen“ oder „Bearbeitung von Kundenanfragen“ sind keine Ergebnisse, sie beschreiben Aktivitäten. Ein Ergebnis wäre beispielsweise, dass Kundenanfragen zuverlässig geklärt werden und offene Vorgänge jederzeit nachvollziehbar sind.

Die Verantwortung

Für welchen Bereich ist die Rolle zuständig?

Dabei sollte auch klar sein, wo diese Verantwortung endet. Sonst landen mit der Zeit immer weitere Aufgaben bei demjenigen, der sie zuverlässig und gut erledigt.

Die Entscheidungsrechte

Welche Entscheidungen darf die Rolle selbst treffen?

Dieser Punkt fehlt erstaunlich oft. Es hilft wenig, einen Menschen für ein Ergebnis verantwortlich zu machen, wenn er für jede Abweichung eine Freigabe benötigt. Dann besitzt er zwar Aufgaben, aber keinen echten Entscheidungsraum.

Die Schnittstellen

Mit welchen anderen Rollen arbeitet die Person zusammen?

Gerade an den Übergängen zwischen Vertrieb, Entwicklung, Support und Geschäftsführung entstehen viele Unklarheiten. Wer liefert welche Information? Wer entscheidet bei einem Konflikt? Wer informiert den Kunden? Unklare Schnittstellen werden oft als persönliches Problem wahrgenommen, obwohl die Ursache in der Organisation liegt.

Die Vertretung

Wer kann übernehmen, wenn der Rolleninhaber nicht verfügbar ist?

Dabei reicht ein Name in einer Liste nicht aus. Die Vertretung benötigt auch Wissen, Zugänge und die notwendigen Entscheidungsrechte. Kann sie nur Routinefälle bearbeiten und muss mit jeder schwierigeren Frage auf die Rückkehr des Rolleninhabers warten, funktioniert die Vertretung nur auf dem Papier.

Verantwortung ohne Entscheidungsrecht funktioniert nicht

Dieser Punkt ist mir besonders wichtig. In vielen Unternehmen wird Verantwortung vermeintlich delegiert. Die Aufgabe geht an einen Mitarbeiter, die Entscheidung bleibt allerdings bei der Führungskraft. Das führt zu einem vorhersehbaren Ergebnis. Der Mitarbeiter bereitet alles vor, fragt nach und wartet anschließend auf eine Freigabe. Die Führungskraft wundert sich gleichzeitig, warum weiterhin jede Entscheidung bei ihr landet.

Aus ihrer Sicht wurde delegiert. Aus Sicht des Mitarbeiters wurde lediglich Arbeit verteilt. Eine Rolle muss deshalb beschreiben, welche Entscheidungen dazugehören. Das bedeutet nicht, dass jeder alles entscheiden darf. Es braucht Grenzen. Das können Beträge, Kundengruppen, Risiken oder klar beschriebene Ausnahmen sein.

Innerhalb dieses Rahmens muss eine Entscheidung aber auch tatsächlich möglich sein. Ansonsten wird die Führungskraft zum Flaschenhals, und die vermeintliche Rollenverteilung ändert daran nichts.

Suche nicht nach einer Kopie des Vorgängers

Klare Rollen helfen auch beim Recruiting. Ohne Rollenbeschreibung entsteht schnell der Wunsch, einen Menschen zu finden, der alles genauso kann wie sein Vorgänger. Idealerweise bringt er dieselben Kenntnisse, dieselben Kundenbeziehungen, dieselbe Erfahrung und dieselbe Arbeitsweise mit.

Diese eierlegende Wollmilchsau existiert vermutlich nicht. Und selbst wenn sie existiert, möchte sie vielleicht nicht ausgerechnet in Deinem Unternehmen arbeiten.

Eine gute Rollenbeschreibung hilft dabei, Anforderungen zu unterscheiden:

  • Was muss jemand bereits können?
  • Was kann in einer realistischen Zeit gelernt werden?
  • Welche Erfahrung ist hilfreich?
  • Welche Eigenschaften stammen nur vom bisherigen Rolleninhaber?
  • Welche Aufgaben sollten künftig gar nicht mehr zu dieser Rolle gehören?

Ein neuer Rolleninhaber wird Dinge anders machen, ohne dass es automatisch schlechter ist. Vielleicht erfüllt er nur 80 Prozent dessen, was der Vorgänger getan hat. Dafür bringt er Fähigkeiten mit, die vorher gefehlt haben. Der wesentliche Punkt ist, ob er die Ergebnisse der Rolle erreichen kann, nicht ob er eine möglichst genaue Kopie seines Vorgängers ist.

Rollen helfen auch bei der Entwicklung von Mitarbeitenden

Rollenbeschreibungen sind nicht nur für Stellenausschreibungen sinnvoll. Sie können auch zeigen, wie sich Menschen innerhalb eines Unternehmens entwickeln können. Ein Mitarbeiter übernimmt vielleicht zunächst die fachliche Verantwortung für ein Thema. Später kommt die Koordination anderer Menschen hinzu. Erst danach übernimmt er möglicherweise eine formale Führungsrolle.

Ohne diese Unterscheidung wird Entwicklung oft nur über Titel oder Hierarchiestufen beschrieben.

Mit klaren Rollen kann man genauer besprechen:

  • Welche Verantwortung übernimmt die Person bereits?
  • Welche Entscheidungen kann sie künftig selbst treffen?
  • Wo fehlen noch Wissen oder Erfahrung?
  • Welche Unterstützung benötigt sie?
  • Welcher nächste Schritt ist realistisch?

Das ist konkreter als die allgemeine Aussage, jemand müsse „mehr Führung übernehmen“.

Vertretung ist ein guter Test für jede Rolle

Ein einfacher Test für die Qualität einer Rollenbeschreibung ist eine geplante Abwesenheit. Stell Dir vor, der Rolleninhaber wäre zwei Wochen nicht verfügbar.

Was würde passieren?

Kann ein anderer Mensch erkennen, welche offenen Themen bestehen? Hat er Zugriff auf die notwendigen Informationen? Weiß er, welche Entscheidungen er treffen darf? Kennen Kunden und Kollegen die Vertretung? Sind wichtige Sonderfälle nachvollziehbar?

Musst Du bei mehreren dieser Fragen mit „nein“ antworten, liegt das nicht zwingend an der Rollenbeschreibung. Aber sie macht die Lücke sichtbar. Gerade bei besonders wichtigen Rollen gehört deshalb zur Beschreibung auch die Frage, wie eine Vertretung im Alltag, ganz konkret, funktioniere soll. Nicht jede Tätigkeit muss jederzeit ersetzbar sein. Das wäre in vielen kleinen Unternehmen unrealistisch.

Kritische Aufgaben sollten allerdings nicht vollständig mit einem Menschen verschwinden.

Ein einfacher Rollencheck

Nimm eine wichtige Rolle und beantworte folgende Fragen:

  1. Welches Ergebnis soll durch diese Rolle entstehen?
  2. Welche Aufgaben gehören zwingend dazu?
  3. Welche Aufgaben erledigt die aktuelle Person nur aus Gewohnheit?
  4. Welche Entscheidungen darf sie selbst treffen?
  5. Bei welchen Fragen wartet sie weiterhin auf eine Freigabe?
  6. Welche Informationen und Zugänge benötigt sie?
  7. Mit welchen anderen Rollen arbeitet sie zusammen?
  8. Wer kann sie vertreten?
  9. Was könnte diese Vertretung heute noch nicht übernehmen?
  10. Würde die Beschreibung auch für einen anderen geeigneten Menschen funktionieren?

Wenn die meisten Antworten auf einen Namen statt auf eine Rolle hinauslaufen, ist das ein wichtiger Hinweis. Dann funktioniert der betreffende Bereich wahrscheinlich stärker über persönliche Erfahrung und Verfügbarkeit, als es im Alltag sichtbar ist.

Zusammenfassung

Rollen und Personen sind in kleinen Unternehmen häufig eng miteinander verbunden. Das ist normal und nicht automatisch problematisch. Schwierig wird es, wenn niemand mehr unterscheiden kann, was Bestandteil der Rolle ist und was ausschließlich durch den aktuellen Rolleninhaber funktioniert.

Eine gute Rollenbeschreibung klärt deshalb nicht nur Aufgaben. Sie beschreibt:

  • das erwartete Ergebnis,
  • die Verantwortung,
  • die Entscheidungsrechte,
  • die Schnittstellen,
  • das notwendige Wissen,
  • und die Vertretung.

Die Person bleibt dabei wichtig. Erfahrung, Beziehungen und persönliche Stärken lassen sich nicht vollständig beschreiben und schon gar nicht einfach ersetzen. Die Rolle sorgt aber dafür, dass ein anderer Mensch verstehen kann, was eigentlich übernommen werden muss.

Und das ist spätestens dann entscheidend, wenn jemand ausfällt, das Unternehmen verlässt oder Verantwortung wirklich übergeben werden soll.

Weiterführende Beiträge

  • Wenn eine Schlüsselperson ausfällt: Was zuerst fehlt
  • Selbstorganisation als Führungsinstrument
  • Wobei ich bei Ausfall, Nachfolge und Inhaberabhängigkeit helfe
  • Meine Geschichte: Übernahme, Aufbau und Übergabe
3. Mai 2023/1 Kommentar/von Jan Hossfeld

Veränderungsziele statt Ergebnisziele – eine Alternative für Nachwuchsführungskräfte

Blog

Eine der Fragen, die sich Nachwuchsführungskräfte stellen, ist „wie setze ich richtig Ziele?„. Das kann sich auf die eigenen Ziele beziehen, aber auch auf die für die Mitarbeitenden. Darauf gibt es jede Menge Antworten. Eine besonders spannende liefert James Clear in Atomic Habits (Affiliate Link): Die Veränderungsziele.

Disclaimer: Keine Methode ist universell

Was vorab wichtig ist, ist zu erkennen, dass keine Methode dieser Welt in jeder Situation funktioniert. So ist es auch mit den sogenannten Veränderungszielen. Sie beziehen sich absolut nicht auf Projekte. Ein ordentliches Projekt hat ein klares Ziel, eine Deadline und ein Budget.

Darauf bezieht sich dieser Beitrag nicht. Vielmehr geht es mir dabei um einen anderen Bereich, nämliche die Entwicklung von Mitarbeitenden zu unterstützen. Dabei können Veränderungsziele eine echte Alternative zu klassischen Jahreszielen sein.

Oft ist es so, dass am Anfang eines Jahres Ziele vereinbart werden. In diesem Jahr sind zwei Fortbildungen zu absolvieren. Oder ein Umsatz von 1 Million Euro zu erzielen. Sieben neue Prozesse zu entwerfen und zu dokumentieren.

Die Zielsetzung folgt dabei oft dem Akronym SMART. Das ist aber nicht immer hilfreich.

Ergebnisziele haben einen entscheidenden Nachteil

Der große Nachteil von Ergebniszielen ist, wenn sie erreicht werden. Was dumm klingen mag, kennen wir alle. Was kommt denn nach der 1 Million Umsatz? Meist 1,2 Millionen. Mit anderen Worten, jedes erreichte Ziel führt zu einem neuen Ziel – ein Hamsterrad, das Frust erzeugen kann.

Wenn ich mir das andere Beispiel mit der Fortbildung anschaue, kann es spannender sein, ein Veränderungsziel zu vereinbaren. Statt zwei Fortbildungen besucht zu haben (um dann im Folgejahr zwei oder drei weitere zu besuchen) könnte das Ziel auch anders beschrieben werden: „Investiere in diesem Jahr mindestens 5% Deiner Zeit in Deine Fortbildung„.

Das hat mehrere Vorteile. Zum einen ist die Verantwortung beim Mitarbeitenden, das zu konkretisieren. Der Rahmen (5%) ist klar, die Umsetzung flexibel. Ob das einmalig 2-3 Wochen am Stück sind, oder stundenweise jede Woche, ist frei.

Zum anderen würde gerade die zweite Variante den Vorteil mit sich bringen, dass die persönliche Entwicklung zu einem konstanten Bestandteil der Arbeit wird. Die Folge ist klar: Wird das Verhaltensziel erreicht, wird automatisch auch das Ergebnisziel erreicht, da der Gegenwert mindestens bei zwei Fortbildungen steht. Vermutlich sogar viel mehr.

Verhaltensziele können bei der Entwicklung helfen

Das gleiche funktioniert auch auf persönlicher Ebene. Das Ziel, Sport zum Bestandteil des eigenen Lebens zu machen, kann ich jede Woche erreichen und damit Erfolg haben. Das Verlieren von 5 oder 10 kg Gewicht ist praktisch automatisch eine Folge davon – nicht aber das eigentliche Ziel, das dann Frust auslöst, wenn es verfehlt wird. Oder schlimmer, erreicht wird 😉

Bildquelle: Rainer Sturm  / pixelio.de

Hinweis: Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links.

8. September 2022/1 Kommentar/von Jan Hossfeld

Was Du als Nachwuchsführungskraft nicht mehr tun solltest

Blog

Irgendwie bietet es sich an. Ich schreibe so oft darüber, wie Du Dich oder Deine Nachwuchsführungskräfte entwickeln kannst. Was Du tun kannst, oder sogar solltest. Was noch fehlt, ist ein Beitrag darüber, was Du als (Nachwuchs-)Führungskraft nicht oder nicht mehr tun solltest.

Auf jeden hören

Ich beginne bei etwas, was vielleicht unbewusst klar, aber nicht offensichtlich ist. Es ist wichtig, dass Du Dir eine eigene Meinung bildest. Es ist Teil von Leadership. Gegen das Suchen von Rat, das Erfragen von Fachwissen und gegen die Nutzung eines Netzwerkes spricht absolut nichts.

Mit dem Rollenwechsel hin zur Nachwuchsführungskraft geht ein Perspektivenwechsel einher. Einer, den die Menschen, mit denen Du vorher auf einer Ebene gearbeitet hast, nicht mitgehen. Es fühlt sich gut an, mit alten Vertrauten zu sprechen. Und in fachlichen Dingen ist es wertvoll. Über Führungsfragen, über Leadership oder Management dagegen, haben viele Menschen eine Meinung. Diese ist aber nicht zwangsläufig kompetent.

Aus Gewohnheit auf diese Menschen zu hören kann negative Folgen haben. Denn auch auf der anderen Seite ist der Bedarf da, die Beziehung, so wie sie war, zu erhalten. Die Pflege dieser Beziehung von der inhaltlichen Arbeitsebene zu trennen ist sehr ratsam. Natürlich hat ein angestellter Mitarbeiter eine andere Sicht auf die Führung einer Abteilung oder eines Unternehmens. Diese ergibt sich aber, fast zwangsläufig, aus mangelnder Kenntnis von Hintergründen einerseits und emotionaler Sicht andererseits.

Die Ebenen im Kopf nicht trennen

Bitte versteh mich nicht falsch: Du kannst und sollst versuchen, die Beziehung zu Vertrauten zu erhalten. Aber trenne im Kopf die Ebenen. Emotional und menschlich könnt Ihr miteinander umgehen. Sobald es um die jeweiligen Aufgaben geht, ist Vorsicht angesagt. Denn weder Du noch Dein Gegenüber seid mehr „beieinander“. Ihr habt unterschiedliche Aufgaben, unterschiedliche Sichtweisen. Die Sicht auf ein Thema als Führungskraft ist manchmal diametral zu der Sicht der Fachkraft.

Es ist nur zu leicht und zu bequem, diese Trennung im Kopf nicht zu vollziehen. Das birgt erhebliches Konfliktpotential. Wer eine Abteilung zu führen hat, bekommt über diese Aufgabe eine Meinung von allen Menschen in dieser Abteilung. In aller Regel ist diese Meinung nicht nur gut, mindestens in Teilbereichen. Das ist menschlich und völlig normal – hinzuhören ist auch sinnvoll.

Ob das Feedback aber valide ist und zu einer Änderung Deinerseits führt, ist eine andere Sache. Das ist Deine Aufgabe als Nachwuchsführungskraft, die Du in jedem Einzelfall nochmal annehmen musst.

Ungeduldig sein

Leadership ist eine Reise. Wir kennen alle das Bild des beborenen Anführers. Charismatisch, kompetent, beliebt. Leider ist es, in 99% aller Fälle, komplette Fiktion.

Wenn Du erstmals Nachwuchsführungskraft wirst, ist es der Beginn einer langen Reise. Du wirst vieles lernen (indem Du viele Fehler machst), viele Deiner vorgefassten Ansichten ändern und auch Erfolge feiern.

Die Geduld und die Selbstreflexion, idealerweise mit Hilfe eines externen Mentors oder einer Mentorin, sind der Schlüssel, damit die Reise in die richtige Richtung geht. Die Akzeptanz, dass es nicht immer einfach oder angenehm ist, bildet dafür die Grundlage.

 

In meinem nächsten Beitrag zu diesem Thema wird es dann wieder „positiver“. Was sind eigentlich Deine Learnings als Führungskraft?

28. Juli 2022/0 Kommentare/von Jan Hossfeld

Nicht jeder muss Führungskraft werden

Blog

Wieder einmal bin ich über einen Beitrag von Vanessa Weber gestolpert, bei dem ich genickt habe. Ihre Beobachtung, dass Führung scheinbar unattraktiv geworden ist, teile ich. In den Details der Begründung, und bei der Frage ob es notwendig ist, erlaube ich mir eine Ergänzung.

Mythos Nummer eins: Führungskraft zu werden ist die einzige Karriereoption

Mit der zunehmenden Wissenstiefe in vielen Bereichen, gerade zum Beispiel in meinem Bereich, ist Führung nicht mehr die einzige Möglichkeit, Karriere zu machen. Betrachtet man die Softwareentwicklung, hat der klassische Fullstack-Developer seine Halbwertszeit überschritten. Natürlich, diese Menschen sind weiter attraktiv. Zunehmende Komplexität und neue Technik erfordert aber auch immer mehr Spezialisten. Eine Spezialisierung auf etwas gesuchtes führt dazu, dass es an Angeboten, auch solche mit entsprechend höherem Gehalt, nicht mehr mangelt.

Die Folge davon ist, dass wenn Entlohnung der Antrieb für eine Führungsrolle war, diese zusätzliche Verantwortung nicht mehr notwendig ist, um das gewünschte Gehalt zu erzielen.

Mythos Nummer zwei: Fachkompetenz trifft eine Aussage über Führungskompetenz

Ich blogge regelmäßig zu diesem Thema. Die beste Fachkraft ist nicht automatisch auch eine gute Führungskraft. Echte Führung (damit meine ich nicht „Aufgaben zuweisen und dafür mehr Gehalt bekommen“) erfordert viel mehr. Sie erfordert Management-Skills (Datenerhebung und -analyse, juristisches Wissen, betriebswirtschaftliches Wissen, und vieles mehr), ebenso wie Leadership-Skills. Gerade letzteres ist ein sehr großes Feld. Wenn man möchte, kann man viel lernen und daran wachsen. Oder man kann es ignorieren – dann ist man aber, aus meiner Sicht, keine echte Führungskraft.

Das ist auch der Bereich, in dem Unternehmer und CEO’s die beste Möglichkeit haben, Nachwuchs zu gewinnen: Indem sie genau hier fördern.

Mythos Nummer drei: Führungskraft zu sein bedeutet mehr Arbeit

Zugegeben, in der Realität ist es oftmals so, dass Führungskräfte mehr arbeiten. Aber notwendig oder verpflichtend ist es nicht. Natürlich kommt es auf Branche, Unternehmen und Umstände an. Im „Normalbetrieb“ aber, unter der Annahme, dass man nicht Mythos Nummer zwei erliegt, sind die Aufgaben einer Führungskraft andere, nicht unbedingt mehr.

Insofern stimme ich Vanessa hier komplett zu: Der Gestaltungsspielraum, die Möglichkeit als Mensch zu wachsen, das sind die Themen, die Führung attraktiv machen. Alte Modelle (mehr Entlohnung, Macht, etc.) dagegen sind in der heutigen Zeit möglicherweise die falschen Argumente.

14. Juli 2022/1 Kommentar/von Jan Hossfeld

Als Führungskraft darfst Du kein Opfer sein

Blog

Die Rolle als Opfer ist eine, in die wir uns alle irgendwann einmal zurückziehen. Wenn alles schief läuft, was nur irgendwie schief laufen kann, ist es einfach nur menschlich. Dann fallen die üblichen Sätze. „Das konnte doch niemand ahnen„, oder „Die Umstände waren schlecht„. Als Führungskraft ist ein solches Verhalten auf mehreren Ebenen schädlich.

Stephen Covey bringt es auf den Punkt

Als Führungskräfte werden wir, in der Regel, besser bezahlt. Der Grund ist meist das Thema Verantwortung. Diese zu übernehmen ist Teil des Jobs.

Mit Sätzen wie den obigen Beispielen tut man als Führungskraft das Gegenteil. Wenn die Umstände oder Dritte Schuld an der eigenen Lage sind, geben wir Verantwortung ab. Bei den Mitarbeitenden löst das auch etwas aus. Denn wenn schon der oder die Vorgesetzte sagt, dass die Umstände so schlecht sind, braucht es kein Nachdenken mehr, ob vielleicht etwas in unserer Hand liegt. Im Normalfall schließt sich das Team dann den Klagen an.

Stephen R. Covey hat es in seinem Buch „The 7 Habits of highly effective people“ (Affiliate Link) allerdings perfekt auf den Punkt gebracht. Die Verantwortung zu übernehmen ohne blind emotional zu reagieren, unterscheidet effektive Menschen und Führungskräfte von solchen, die es nicht sind. Er hat es sehr anschaulich beschrieben: Responsible, das englische Wort für verantwortlich, kann man auch unterteilen in „response-able“. Damit meint er, dass ein solche Mensch seine Reaktion von dem auslösenden Impuls trennen und steuern kann.

Verantwortung heißt, voran zu gehen und andere teilhaben zu lassen

Somit ist auch klar, was ich von Führungskräften erwarte. Sie müssen lernen (und ja, das ist ein Prozess), voran zu gehen. Die Umstände können mal schlecht sein. Gerade dann ist es wichtig zu fragen, was man selbst damit tun kann. Wie kann der Kunde abgeholt werden? Welche Alternativen habe ich, wenn ein Plan sich aufgrund äußerer Einflüsse als undurchführbar erweist? Was kann ich besser machen?

Neben diesen Fragen gehört aber noch etwas zu einer guten Führungskraft. Wenn nämlich diese Art der Verantwortung ausschließlich bei ihr bleibt, zieht sie sich ein Team heran, dass sich darauf ausruht. Das ist normal. Aber nicht wünschenswert. Vielmehr ist es wichtig, durch Vorbild, aber auch durch aktive Führung, die Mitarbeitenden einzubeziehen in das lösungsorientierte Denken. Viele Mitarbeitende haben tolle Ideen und können in ihrer Selbstverantwortung wachsen. Wenn wir sie lassen und fordern.

Opfer sein ist ansteckend – Zeit die Infektionskette zu durchbrechen

Deshalb rate ich allen Führungskräften, sich mit dem Wortspiel „response-able“ gedanklich zu beschäftigen. Es ist ein Schlüssel dafür, nicht nur selbst einen besseren Job zu machen. Es hilft auch dabei, andere besser zu machen. Und das ist immer noch das ultimative Ziel guter Führung.

 

Bildquelle: daniel stricker  / pixelio.de

Hinweis: Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links.

2. Juni 2022/2 Kommentare/von Jan Hossfeld
Seite 3 von 7‹12345›»

entscheidungen familienunternehmen führung führungskraft gtd jci kommunikation leadership liquidität management mentoring motivation nachwuchsführungskraft politik produktivität selbstorganisation team unternehmenskultur unternehmensnachfolge werte

  • Impressum
  • Datenschutzerklärung
  • Vertraulich sprechen
© Copyright - Jan Hoßfeld - Enfold WordPress Theme by Kriesi
  • LinkedIn
  • Mail
Nach oben scrollen