Wir kennen sie alle. Superhelden. Mit Capes. Und wir übertragen dieses Bild auch oft auf Führungskräfte. Wir erwarten, dass sie alles wissen, in Krisen retten und dabei souverän aussehen. Leider ist dieses Bild falsch. Und sogar schädlich, vor allem wenn die Führungskräfte selbst daran glauben. Leadership ist nicht, ein Superheld zu sein.

Superhelden können alles…

Wenn wir an diese Art Held denken, und das in die Arbeitswelt übertragen, ergibt sich ein Bild. Eines, dem wir vermutlich alle schon begegnet sind. Es gibt oftmals Führungskräfte, die auch gleichzeitig alles wissen. Die alles in ihrem Bereich verstehen und können.

Neben diesen Menschen fühlen wir uns klein und können aufschauen. Wenn der Kunde verärgert ist, wenn die Software explodiert, das ist der Moment, in dem sie ihre Sternstunde haben. Nachtschichten und kannenweise Kaffee später ist das Problem gelöst. Der Superheld war da und hat uns gerettet.

Bis das nächste Problem entsteht.

…leider ist das aber kein Leadership

Sind wir ehrlich: Die ruhigen, problemfreien Zeiten sind eher die Ausnahme. Für den Superhelden gibt es also genug Stellen, an denen er seine umfassenden Fähigkeiten einbringen kann. Leider ist das Bild trügerisch. Es ist wie ein Michael Bay Film. Blitze, Donner, Effekte, Action – das offensichtliche ist gewaltig und beeindruckend. Nur hinterlassen diese Explosionen viel verbrannte Erde.

Denn wer diese Art Leadership praktiziert, ist kein Leader. Der Sinn von Leadership ist es, andere zu befähigen und ihnen bei ihrer Entwicklung zu helfen, damit das Unternehmen, das Team oder der Verein sich weiter entwickeln. Superhelden können effektiv Probleme lösen, sie sind aber damit immer außerhalb des Teams. Wenn sie dann auch die Führungskraft sind, kann niemand neben ihnen wachsen, denn der Superheld ist immer im Einsatz. Und da er auch immer die Verantwortung schultert, ruhen sich alle auf ihm aus.

Leadership ist am einfachsten, wenn man keine Ahnung hat

Zugegeben, die These ist provokant. Und mit „keine Ahnung“ meine ich nicht Ignoranz. Es ist wichtig, als Führungskraft mit anderen sprechen zu können, ohne einen Übersetzer zu benötigen. Aber der Fokus auf Leadership fällt viel einfacher, wenn man nicht in der operativen Arbeit steckt. Deshalb glaube ich, dass dedizierte Führungskräfte, die weitestgehend nicht operativ tätig sind, bessere Chancen haben, das richtige Skillset zu entwicklen. Welche das sind, darüber schreibe ich oft. Der Artikel bei sirise.co.uk, der einen Deloitte-Report zitiert, fasst das auch noch einmal gut zusammen.

“The greatest leader is not necessarily the one who does the greatest things. He is the one that gets the people to do the greatest things.”

Ronald Reagan

Das Zitat von Reagan ist ein guter Indikator, was ich unter Leadership verstehe. Nichts gegen den ein oder anderen Einsatz des Capes – aber im Wesentlichen geht es darum, andere besser zu machen, nicht selbst der beste zu sein. Die Erhebungen zu den Bedürfnissen der aktuellen jungen Generationen zeigen, dass dieser Ansatz da auch erwartet wird.

Bildquelle: pixelio.de / clickhero.de

Als ich über den Beitrag von Vanessa Weber bei Impulse stolperte, habe ich mich dabei ertappt, wie ich gleichwohl heftig als auch müde genickt habe. Zoom, Teams und Co waren die vergangenen Jahre dauerpräsent. Nur ich war und bin es nicht mehr.

Zoom-Fatigue

Dass es ein spezielles Wort für die Müdigkeit, die durch viele Onlinemeetings ausgelöst wird, gibt, sagt in meinen Augen schon viel. Ich kann da nur für mich sprechen, aber die vergangenen Jahre haben mich müde gemacht. So vieles, das mir wichtig war, ist entweder ausgefallen oder gewandelt worden. Die kleinen Gespräche mit Mitarbeitenden, die abendliche Netzwerkveranstaltung, die Vorstandssitzungen im Ehrenamt. Vieles ist digitalisiert.

In der unbekannten Notlage, in der wir uns befanden, ist das auch gut so gewesen. Gerade anfangs war auch viel Enthusiasmus da. Neue Formate schossen aus dem Boden. Viele Menschen sind über sich hinaus gewachsen und haben Dinge am Laufen gehalten, die niemals für diese Art und Weise gedacht waren. Auf allen Seiten gab es ein riesiges Engagement – dieses und der daraus entstehende Zusammenhalt in einer Notlage waren beeindruckend und schön.

Mobile Office geht doch

Was ebenso gut war, ist dass die Digitalisierung einen Schub erlebt hat. Ich möchte die Mobile Office Möglichkeiten nicht mehr missen, und mein Team ebensowenig. Es ist toll, dass hierfür viele Möglichkeiten geschaffen, Werkzeuge und Methoden entwickelt wurden und sich mehr und mehr Menschen darauf eingelassen haben.

Und dennoch: Für mich hat es nun ein Ende. Kürzlich bekam ich eine Einladung für eine abendliche Networkingsession via Zoom. Tolle Teilnehmer, tolle Themen. Als ich aber von den Breakout-Rooms laß, von der Möglichkeit einer Wiederholung, habe ich für mich entschieden: Ich sage ab. Das war alles spannend. Aber ehrlich gesagt habe ich die Schnauze voll von Zoom, Teams und Co.

Lernen, hybrid zu leben

Corona ist nicht weg. Ich bezweifele, dass es je weggehen wird. Aber ich kann und will nicht den Rest meines Lebens auf 90% meiner persönlichen Kontakte verzichten. Ich möchte (getestet) Freunde umarmen. Ich möchte meinem Team direkt in die Augen sehen können und am Kaffeeautomaten scherzen. Ich möchte herausfordende Meetings in Präsenz machen und Bewerber wirklich kennenlernen. Ich möchte Konferenzen auf der Welt besuchen und Urlaub machen.

Die hybriden Wege, auch mal etwas digital machen zu können, mobile office und vieles mehr – das wird nicht mehr weggehen. Aber ja: Ich freue mich wieder auf Präsenz. Teams und Zoom sind nicht das gleiche und können es nicht ersetzen. Es ist eben ein Unterschied, ob man es wählt, oder es muss. Das passt auch zu meinem letzten Beitrag. Ich bin dieses Kampfes müde.

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Wir befinden uns oft im Kampf. Innerlich und äußerlich, wobei ersteres meist anstrengender ist. Sei es die eigene Vergangenheit, die Prägungen durch unsere Eltern, oder der schwierige Mitarbeiter. Die Frage ist, ob diese Art Kämpfe hilfreich oder schädlich sind.

Die Antwort ist doch offensichtlich, oder?

Nun könnte man einfach sagen, dass jede Art Kampf schädlich ist. Sie kostet Kraft, Zeit und Energie. Das alles sind Dinge, die in konstruktiver Arbeit viel besser aufgehoben wären. Jeder Coach, in jeder Lebenssituation, rät, Konflikte loszulassen und zu beenden.

Dennoch finde ich die Frage nicht ganz so eindeutig zu beantworten.

Kämpfen ist nicht nur manchmal notwendig, sondern auch hilfreich

Neben offensichtlich notwendigen Kämpfen, zum Beispiel um das eigene Unternehmen zu erhalten, kann auch ein solcher Dauerkonflikt wie die eigene Vergangenheit hilfreich sein.

Das Bild, gegen das man kämpft, kann die Energie geben, in eine bestimmte Richtung voranzugehen. Meist weg von diesem Bild. Es kann so stark motivieren, das „richtige“ zu tun, dass man auch Hürden auf dem Weg problemlos überwindet.

Gefahr des Abbrennens

Die einzige Gefahr, die ich sehe, ist, dass Du dabei abbrennen kannst – oder das erst recht tust, wenn Dein Kampf erfolgreich war. Wenn ein wichtiger, langjähriger Motivationsfaktor wegfällt, kann das ein regelrechtes Loch sein. In das Du dann fällst.

Dennoch finde ich es wert, auch bei einem so negativ konnotierten Wort wie „Kampf“ oder „Konflikt“ die positiven Anwendungsbeispiele zu sehen.

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Der Name ist Programm. Insights, eine bekannte Profilierung, bringt Einsichten. Ich habe im vergangenen Jahr diese Profilierung mitgemacht. Ich fand die Ergebnisse spannend. Zuerst Enttäuschung. Dann Einsicht.

Zuerst war ich enttäuscht

Profilierungen wie zum Beispiel Insights, MBTI oder DISG sind keine Aussage über den Menschen. Das zu verinnerlichen ist wichtig. Sie treffen eine Aussage über präferiertes Verhalten anhand möglichst vieler vergleichbarer Menschen.

Durch die schiere Zahl von Daten ist es immer wieder überraschend, wie gut diese Aussagen zutreffen. Dennoch war ich von meinem Profil enttäuscht. Zumindest im ersten Augenblick. Denn es hatte sich nicht verändert. Ich habe in der Vergangenheit verschiedene Profilierungen mitgemacht. Meine Annahme war, dass ich mit mehr als 10 Jahren Führungserfahrung mein Verhalten deutlich flexibler gestalte, besser auf die Zielgruppe abgestimmt.

Hier wurde ich eines besseren belehrt. Mein präferiertes Verhalten ist, faktisch, unverändert. Die Verschiebungen sind im Promillebereich. Das war im ersten Moment eine riesige Enttäuschung, da ich mit diesem, sehr deutlichen, präferierten Verhalten durchaus einiges an negativem verbinde.

Danach kam Verständnis

Was Inisghts aber auch tut, ist eine zweite Matrix beilegen. Neben dem präferierten Verhalten gibt es noch ein aktiv angewendetes Verhalten.

Klar, bei einem so deutlichen Ausschlag in eine Richtung sind auch da die Verschiebungen auf den ersten Blick sehr klein. Aber prozentual betrachtet war es viel näher an dem, was ich als meine aktuelle Realität empfinde.

Das ist die wichtigste Lektion, die ich mitgenommen habe: Man kann in der Führung Verhalten steuern und adaptieren. Man sollte es sogar. Gleichzeitig ist es wichtig, dabei dennoch nicht zu versuchen, etwas zu imitieren, was man nicht ist. Denn das ist unauthentisch und wird unbewusst wahrgenommen.

Lest zwischen den Zeilen

Wenn Du also auch ein solches Profil machst, oder auch mehrere, lies zwischen den Zeilen. Schau auf das, was Dich ausmacht und akzeptiere es. Nutze es und bewerte es nicht als „gut“ oder „schlecht“. Es ist keines von beiden. Lediglich Dein präferiertes Verhalten – das Du, sofern es die Situation erfordert, auch anpassen kannst.

Bildquelle: Stephanie Hofschlaeger  / pixelio.de

Ende vergangenen Jahres war ich, wie so oft, ehrenamtlich aktiv. Aber auch im Ehrenamt lassen mich meine Themen nicht los. Leadership, Kultur und Kommunikation sind dort vielleicht besonders wichtig. Zwei Lektionen habe ich beobachtet, die Dir vielleicht auch helfen.

Konflikte sind nicht angenehm – aber notwendig

Leadership macht immer besonders viel Spaß, wenn alle auf der gleichen Wellenlänge sind. Gemeinsame Ziele, gemeinsame Werte, geteilte Gefühle. Daran hat jeder Freude. Allerdings ist das nicht immer so. Manchmal gehen die Interessen in einer Gruppe auseinander – bis hin zu gegensätzlichen Interessen. Das ist der Moment, wo Leadership gefragt ist. Konfliktmanagement ist ein beliebtes Thema. Konflikte dagegen mögen die wenigstens. Dennoch halte ich sie für unvermeidbar.

Der konstruktive Umgang mit Konflikten, der mit dem Eingehen nötiger Konflikte beginnt, ist für mich essentieller Bestandteil von Leadership. Bitte achte auf die Betonung: Es geht um notwendige Konflikte, dort wo die Interessen unvereinbar sind und der Konflikt für das Gesamtergebnis schädlich sein kann. Leadership bedeutet, solchen notwendigen Konflikten nicht auszuweichen. Es bedeutet aber auch nicht, darin aufzugehen und sie anzuheizen. Stattdessen ist es wichtig, sie anzunehmen, sie zu moderieren, und dann zu einem Ergebnis zu kommen. Damit bin ich auch am zweiten Punkt.

Entscheidungen sind immer besser als nicht zu entscheiden

Wenn ein Konflikt unauflösbar bleibt, weil die Interessen zu gegensätzlich sind, sind Entscheidungen gefragt. Diese können „teuer“ sein (nicht nur in Geld). Die teuerste Entscheidung allerdings, glaube ich, ist die Nicht-Entscheidung. Sie lässt alle am Konflikt beteiligten unzufrieden zurück, schafft Unklarheit und negative Emotion. Klar, nicht jede Entscheidung passt jedem direkt. Der Ärger darüber verfliegt aber schnell, da Klarheit und idealerweise Transparenz demonstriert wurde – beides für mich Kernwerte von guter Leadership.

Die Folge von Nicht-Entscheiden ist, dass Konflikte unaufgelöst bleiben. Die Motivation sinkt, und damit die Ergebnisse. Das ist in aller Regel viel teurer, als egal welche Entscheidung zu treffen.

Die Basis bleibt respektvoller Umgang – im Ehrenamt und im Beruf

Für beide Themen ist eines wichtig: Dass die Menschen alle respektvoll miteinander umgehen. Für mich bedeutet es aktives Zuhören, Ernstnehmen der anderen Position, und der Austausch, der auf eine Lösung fixiert ist. Zu oft verlieren wir uns darin, das Problem und die Gefühle immer wieder, mit anderen Worten, zu wiederholen. Das ist einmal wichtig, jeden zu hören – danach sollte der Fokus aber in Richtung Lösung gehen.