Beiträge

Bildquelle: joakant / pixelio.de

In der Politik wird es immer wieder betont und auch in Unternehmen kommt der Begriff immer häufiger vor: Glaubwürdigkeit. Sie ist eine universelle Währung. Vielleicht die wichtigste, wenn es um Leadership geht.

Das Gegenteil von Glaubwürdigkeit kennt jeder

Gebrochene Wahlversprechen, nicht eingehaltene Zusagen an Mitarbeiter oder Führungskräfte, die Dinge verlangen, die sie selbst nicht bereit sind zu geben. Jeder von uns ist damit schon einmal in Berührung gekommen.

Das wichtigste, was wir mit dieser Erfahrung tun können, ist daraus zu lernen. Denn als Führungskraft ist Glaubwürdigkeit vielleicht die wichtigste Ressource oder Währung, auf die wir zählen können.

Aber wie kann ich als Führungskraft glaubwürdig bleiben?

Gleichzeitig kennen wir auch die Herausforderungen für Führung. Externe Faktoren wie Politik, Gesellschaft oder Kunden führen dazu, dass Pläne oder Zusagen geändert werden müssen. Das ist nie vorauszusehen – was natürlich kein Argument gegen Planung ist!

Ich kenne nur einen Weg, möglichst viel Glaubwürdigkeit zu bewahren: Vorbild sein und maximale Transparenz.

Vorbild sein bedeutet für mich, alle Werte, die ich propagiere, selbst zu leben. Ich kann nicht von anderen Zuverlässigkeit fordern, wenn auf mein Wort kein Verlass ist. Deshalb gilt dabei zum Beispiel die Devise „Gesagt = Getan“. Ich kann nicht von anderen Pünktlichkeit einfordern, wenn ich selbst immer zu spät komme. Oder Leidenschaft predigen, aber selbst Langeweile versprühen.

Transparenz hilft bei Unvorhergesehenem

Nun gibt es natürlich externe Faktoren. Dann hilft die angesprochene Transparenz. Statt stillschweigend die notwendigen Änderungen am Plan zu machen, ist es hilfreich, das Team mitzunehmen.

Die Jahresprämie klappt nicht, weil ein wichtiger Auftrag storniert wurde? Das ist schade. Aber immer im Bereich des Möglichen. Sobald Du davon Kenntnis hast, solltest Du auch Dein Team darüber unterrichten.

Du schaffst es nicht zu einem Meeting? Kann passieren. Sag sofort Bescheid, selbst wenn es nicht sicher ist, denn andere planen mit Dir.

Die Zahlen geben eine geplante Gehaltserhöhung nicht her? Sprich mit Deinem Team. Mach klar, wie der aktuelle Stand ist und was fehlt. Du wirst überrascht sein, wie sehr sich Menschen mit Ideen und Unterstützung einbringen, solange sie sich mitgenommen fühlen.

Wenn Du nicht transparent bist, verlierst Du auf lange Sicht

Ein Beispiel sieht man alle vier Jahre. Es werden immer viele Wahlversprechen gemacht. Viele überleben nicht mal die ersten Wochen der Legislaturperiode.

An Transparenz über diese Tatsache mangelt es aber. Meist wird gehofft, dass die Wähler es wieder vergessen. Eine Folge davon: Politikverdrossenheit und ein damit verbundener Anstieg der Protestwähler. Ich denke, Politik kann hier auch etwas von Unternehmern lernen: Es ist ok, wenn sich Dinge als unmöglich herausstellen. Es ist ok, wenn Ziele nicht erreichbar sind. Solange man vorher davon überzeugt war (und nicht von Vornherein unmögliches versprochen hat), gilt es dann eben, transparent zu sein. Erklären, einordnen und Alternativen anbieten. Eigentlich nicht so schwer.

Wie siehst Du das?

Vorab eine Entschuldigung von meiner Seite. Blog und Podcast haben 2019 stark gelitten. Die Gründe greife ich (toi, toi, toi) bald in einem eigenen Artikel und Podcast auf. Das Jahr 2020 möchte ich aber mit einem anderen Thema starten, das mich schon länger bewegt. Es geht dabei um die Frage, ob etwas, weil es schon immer so war, auch so bleiben sollte. Im heutigen Beispiel geht es um die Kindertagesbetreuung.

“Nicht zu glauben“

Das waren die Worte meiner Freundin Emma aus England, als sie uns zuletzt besuchte. Das Gespräch kam irgendwie auf die KiTa. Als ich ihr erzählte, dass die KiTa‘s in Deutschland oft mehr Schließtage haben, als die Arbeitnehmer Urlaub, war das ihre Reaktion. Die weiteren Worte verschweige ich mal, damit ich überhaupt noch in Google auftauche – sie waren deutlicher.
Sie erzählte mir, dass in England Kindertagesstätten zwei bis drei Tage im Jahr geschlossen sind, nämlich an Weihnachten. Das hat mich zum Nachdenken gebracht, denn irgendwie hängt die Wirklichkeit hier der Lebensrealität vieler Eltern hinterher.

Drei Wochen hier, zwei Wochen da – es summiert sich

Meine KiTa hat, alles in allem, ca. sechs Wochen pro Kalenderjahr geschlossen. Sommer- und Weihnachtsferien sind die dicken Brocken, dazu kommen viele Brücken- und Weiterbildungstage.
Das macht ca. 30 Schließtage pro Jahr und entspricht damit dem durchschnittlichen Jahresurlaub eines Arbeitnehmers. Hinzu kommen Öffnungszeiten, die bei uns schon ganz gut sind (7 – 17 Uhr), aber dennoch bei weitem nicht alle Bedarfe von Eltern abdecken.
Diese Organisation ist faktisch „schon immer so“, aber ist sie deswegen auch richtig?

Die Folgen sind für viele Eltern spürbar

30 Tage im Jahr ohne Kindertagesbetreuung bedeutet, dass viele Eltern ihren gesamten Jahresurlaub anhand der KiTa ausrichten müssen. Das bedeutet natürlich auch, dass Urlaube ausschließlich in der Hauptsaison liegen und damit teuer sind. In vielen Familien leben Oma und Opa, auf die gerne verwiesen wird, nicht in der Nähe oder stehen aus anderen Gründen, nicht selten der eigenen Berufstätigkeit, nicht als Betreuungsoption zur Verfügung.
Auf der anderen Seite trifft das gleiche auf die KiTa‘s und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu. Auch diese haben faktisch feste Urlaubszeiten, die in der Hauptsaison liegen. Die Geldbeutel werden dann für einen Familienurlaub geleert, obwohl nur wenige Wochen vor- oder nachher die Preise purzeln.

Es hängt, wie immer, am Geld

So richtig glücklich macht das, soweit ich höre, niemand. Schichtdienstleistende sind durch relativ restriktive Öffnungszeiten limitiert, die Urlaube richten sich anhand der KiTa aus, und viel Geld kostet es dazu. Dazu kommen völlig unterschiedliche Modelle der Bezahlung – würde ich nur 10 km weiter östlich wohnen, wäre meine KiTa kostenlos.
Und alles hängt, wie so oft, am Geld. Um länger und öfter zu öffnen, bräuchten Kindertagesstätten viel mehr Personal. Personal kostet Geld. Das ist kein Geheimnis und es wird gerne darauf verwiesen.
Allerdings könnten wir uns, als Volkswirtschaft und Wähler, auch mal fragen, ob das sinnvoll ist. Ohne Kindertagesbetreuung, die sich an der Lebensrealität ausrichtet, erleiden wir volkswirtschaftlich großen Schaden, gerade in Zeiten des Mangels an Fachkräften. Arbeitnehmer müssen ihre Arbeitszeit und ihre Weiterbildung mit der Frage der Familienplanung abwägen. All das kostet uns, indirekt, ebenfalls viel Geld – und das während beispielsweise der Cum-Ex-Skandal nicht richtig verfolgt wird und wir Unsummen an Geld an anderen Stellen verschwenden. Das Schwarzbuch der Steuerzahler lässt grüßen.

Zeit, neu zu denken

Zeitgemäßes Handeln bedeutet einen Abschied von Althergebrachtem. Es reicht nicht, dass Eltern sich einem alten System anpassen. Wenn das System fehlerhaft ist, muss es in Frage gestellt werden. Deshalb frage ich mich beim vielen Themen: Nur weil es immer so war, muss es dann auch immer so bleiben?
Als Volkswirtschaft geben wir jedes Jahr Milliarden für teils fragwürdige Zwecke aus und lassen uns an anderer Stelle Milliarden entgehen. Wir haben ein Steuersystem, das nicht nur hochkomplex ist, sondern zudem auch den Faktor Arbeit massiv belastet. Viele Menschen zahlen große Mengen an Steuern und Abgaben, währenddessen Zocker und Taschenspielerei belohnt werden.
Aber das Geld für die Zukunft dieses Landes haben wir nicht? Das will mir nicht einleuchten.

Welche Dinge begegnen Dir im Alltag, bei denen Du Dich fragst, ob es richtig ist, nur weil es schon immer so war? Lass es mich gerne wissen – die Ferienzeiten von Schülern wären sicher ein Thema für einen eigenen Artikel. Ich mag mir im Moment noch nicht ausmalen, wie das geleistet werden soll.

*Bildquelle: S.v.Gehren / pixelio.de*

Eine polarisierte Welt haben wir. Donald Trump ist Präsident der USA und nutzt jede Gelegenheit, die Welt in Gut und Böse zu unterteilen. Wer nun glaubt, in Deutschland sieht es anders aus, liegt aber falsch. Man könnte sicherlich argumentieren, hier fehlt es an Debatten. Das ist eine Folge von vielen Jahren großer Koalition. Aber was den Diskurs zu Positionen angeht, sind wir nicht besser. Im Gegenteil.

Du bist Nazi oder Gutmensch

An der ganzen Debatte um Migration seit 2015 zeigt sich, dass wir hier exakt genauso operieren, wie Trump. Denn in dieser Frage gibt es, gefühlt, nur zwei Pole. Äußerst Du Kritik an der Flüchtlingspolitik, bist Du Nazi. Äußerst Du Dich positiv, bist Du Gutmensch.

Ich würde ja gerne erleben, dass es mehr als eine Dualität von Meinungen gibt. Und mir fehlt dann auch der nächste Schritt. Denn nach einer groben Positionsbestimmung zu einem Thema („ich bin dafür“ oder „ich bin dagegen“) sollte eigentlich der nächste Schritt kommen: Der inhaltliche Austausch. Was genau findest Du an einem Thema besonders diskussionswürdig? Was sind die Alternativen? Warum bevorzugst Du bestimmte Varianten gegenüber anderen?

Wie wäre es, wenn wir wieder miteinander sprechen?

Ich fände es toll, wenn wir, meinetwegen gerne begonnen beim Thema Migration, beginnen, wieder miteinander zu sprechen. Es gibt nämlich in diesem, wie in jedem Thema, Punkte, über die man unterschiedlicher Ansicht sein kann und darf. Und das ist auch der erste Schritt – zu akzeptieren, dass Meinungen Teil einer guten Diskussionskultur sind. Und dabei vielleicht auch zu erkennen, dass die Welt in Schwarz und Weiß zu unterteilen möglicherweise der echten Komplexität nicht gerecht wird.

Ich, für meinen Teil, möchte weder glauben, dass alle Geflüchteten „gut“ oder „böse“ sind, noch möchte ich glauben, dass eine Wahlentscheidung automatisch eine Überzeugung für alle Positionen einer Partei beinhaltet. Mir erscheint das zu einfach.

Mein Vorschlag: Hört zu und redet dann

Wenn wir wirklich etwas bewegen wollen, gilt in diesem Thema das gleiche wie in der Führung eines Unternehmens: Hört zu. Und wenn dann der Impuls zum Sprechen da ist, unterdrückt ihn. Und hört weiter zu. Stellt Fragen zum Verständnis.

Wenn ihr alles gehört habt, dann ist es Zeit zu sprechen. Positionen auszutauschen. Den Gegenüber, mit all seinen Sorgen, Nöten, Überzeugungen, und was ihn oder sie sonst ausmacht ernst nehmen. Ja, das kann immer noch bedeuten, dass es am Schluss wirklich ein „Nazi“ oder ein „Bahnhofswinker“ (Achtung – ich benutze bewusst Begriffe der beiden Lager. Das heißt nicht, dass ich selbst in solchen Begriffen denke) ist. Es kann bedeuten, dass Positionen unvereinbar bleiben.

Aber es schafft auch die Chance, wirklich etwas zu verbessern. Denn in jedem Thema gibt es Dinge, die man selbst nicht wahrnimmt, versteht oder kennt. Deshalb ist Diskurs so immens wichtig. In der Führung, im Unternehmen und in der Gesellschaft.