Beiträge

Die Pandemie geht nun bereits über ein Jahr. Corona hält die Welt in Atem. Langsam nimmt das Impfen auch endlich Fahrt auf. Aber eines bleibt: Die Lektionen in Sachen Leadership, die es in Corona zu lernen gab. Meine Top 3 sind heute mein Thema.

Hinweis: Wer lieber hört als liest, findet das Thema auch bei Follow-Up.fm als Podcast.

Physische Präsenz

Die Spatzen pfeifen es von den Dächern: Die dauerhafte Präsenz im Büro ist auch in Deutschland Geschichte, wo man sich vergleichsweise lange dagegen gewehrt hat. Dass das der richtige Weg ist, davon war ich eigentlich nie überzeugt. Allerdings zeigt Corona, dass eine dauerhafte Abwesenheit durchaus schädlich ist.

Es fehlen einfach die informellen Abgleiche untereinander, das Gefühl des Miteinanders und die kleinen Gespräche am Kaffeeautomaten. Die “Turnschuh-Administration”, bei der man einfach bei der Kollegin ins Büro läuft und etwas schnell bespricht. Das gesamte Wir-Gefühl leidet. Natürlich ist es nicht weg – aber es ist schwerer zu erhalten und zu fördern. Menschen sind eben soziale Wesen.

Dazu kommen handfeste Herausforderungen, insbesondere für kleinere Firmen: Reporting ist, gerade in kleinen Firmen, oft nicht formalisiert. Wenn man nicht einfach schnell mit jemandem sprechen kann, rächt sich nun. Man kann ein Gefühl, nicht auf aktuellem Stand zu sein, kaum verhindern. Die Folge ist, dass mehr, nicht weniger, Kommunikation nötig ist. Und diese ist gerade auch nicht einfach. Zoom-Fatigue, mangelnde Körpersprache, mehr Abstimmungsbedarf – die Herausforderungen sind nicht klein.

Klarheit

Das Beispiel Reporting macht es deutlich: Klarheit über das, was man braucht, ist nicht nötig, wenn man einfach ins Büro laufen kann. Deshalb erfordert die Pandemie viel mehr Arbeit an der Abstimmung über Klarheit – auch die Körpersprache fehlt. Man muss so lange nachfragen, bis man sich sicher ist, dass beide Seiten das richtige verstanden haben. Das kann anstregend sein. Denn auch die Iterationen, in denen man sich abstimmt und vielleicht korrigiert, müssen kürzer und schneller werden.

Klarheit zeigt sich oft in großen Worten, z. B. “Kundenzufriedenheit” oder “Planung”. Jeder versteht einen Ausschnitt des gesamten Spektrums, und man könnte normalerweise im direkten Dialog die Lücken gemeinsam füllen. Das ist aktuell nicht möglich, also müssen gerade Führungskräfte ihre Kommunikation besonders genau im Auge behalten und entsprechend anpassen.

Vertrauen

Ich bin stolz auf mein Team. Wir arbeiten seit mehr als einem Jahr de facto zu 90% mobil. Und es läuft! Wenn auch mit kleinen Haken und Fehlern.

Dank Home Schooling und Kitaausfällen ist viel mehr Kulanz seitens der Führung nötig. Gleichzeitig geht mehr Verantwortung auf den Einzelnen über, während das Gefühl der Kontrolle bei Führungskräften sinkt. Dabei ist es absolut erforderlich, dass Ergebnisse zählen, das Einhalten von Absprachen. Nicht wann und wie jemand die Arbeit gemacht hat.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es sich lohnt, Vertrauen zu haben. Die Ergebnisse können überraschen. Sie kommen oft nicht auf dem Weg, den ich gewählt hätte. Aber im Inhalt sind sie auch oft viel besser als alles, was ich getan hätte.

Wie Du siehst, ist Corona nicht nur etwas schlimmes. Das ist diese Pandemie zweifellos. Aber sie ermöglicht auch Entwicklungen, die vorher als unmöglich galten. Manchmal braucht es eben auch externen Druck.

Ich bin gerade fasziniert vom politischen Diskurs. Mitten in der dritten Welle der Pandemie, in einem Wahljahr, wird natürlich darüber nachgedacht, wie die Folgekosten bezahlt werden können. Die einzige Antwort, die bislang laut ausgesprochen wurde, sind Steuererhöhungen. Ob das sinnvoll und zielführend ist, darüber darf man unterschiedlicher Ansicht sein.

Klar ist: Es kostet viel Geld

Was, denke ich, unstrittig ist, ist, dass die Folgen der Pandemie Geld kosten. Sehr viel Geld. Die Staatsverschuldung, die in den letzten Jahren im Griff gehalten, sogar reduziert wurde, ist angestiegen. Die direkten Kosten, beispielsweise durch Kurzarbeit, Fördermittel, Zuschüsse und Ähnliches sind enorm.

Was ein wenig unter den Tisch gekehrt wird, weil es gerade noch nicht sichtbar ist, sind die indirekten Kosten. Viele Betriebe werden die Pandemie nicht überstehen. Insolvente Firmen bedeuten Arbeitslose, deren Unterstützung Geld kostet. Parallel sinken dann die Einnahmen. Arbeitsplätze bringen dem Staat Geld, durch Einkommenssteuer, Umsatzsteuer bei Einkäufen, durch die Gewerbesteuer. Die Liste lässt sich fortsetzen.

Das vorausgeschickt ist das beste Mittel, die Folgen zu bewältigen doch ein gesundes Wirtschaftswachstum. Vielleicht nicht im ersten Jahr, aber in den folgenden. Nur scheint dass mindestens unser aktueller Finanzminister anders zu sehen.

Steuererhöhungen – aber nur für “Reiche”

Man mag mir an dieser Stelle übertriebene Skepsis vorwerfen. Aber immer, wenn ein Finanzminister das Wort “Steuererhöhungen” in den Mund nimmt, werde ich hellhörig. Vor allem, wenn es mit den Begriffen “Reiche” oder “Besserverdienende” verknüpft ist. Der Grund ist einfach: Die Definition ist, bislang, immer falsch gewesen.

Wenn wir uns das deutsche Steuersystem anschauen, erkennen wir gleich mehrere Schwächen. Die erste ist die Komplexität. Wer sich Arbeit macht, oder einen guten Steuerberater hat, kann auf unzähligen Wegen die tatsächliche Steuerlast drücken. Tendenziell haben daran natürlich insbesondere Menschen ein Interesse, die sonst viel zahlen müssten. Ob das richtig ist, möchte ich an der Stelle gar nicht beurteilen – aber es ist legal, womit also das gedachte Steuersystem an vielen Stellen ins Leere greift.

Ein anderes Thema ist die Definition von “reich” oder “besserverdienend”. Jeder kann sich hier seine Statistik zurechtlegen. Faktisch sind aber bereits gut verdienende Facharbeiter in dieser Definition enthalten. Von der Frage, wie Unternehmen, gerade in der Übergabe, besteuert werden, ganz abgesehen.

Last but not least: Wenn wir uns anschauen, wie hoch die Belastungen in Deutschland generell sind, so stehen wir, manchmal mit Belgien wechselnd, an der Spitze in der EU. Kein guter Platz für eine Nation, deren wichtigste Ressource die Innovations- und Arbeitskraft der Menschen ist. Alles in allem kann man grob sagen, dass die allermeisten etwa 50% dessen, was sie verdienen, an Steuern- und Sozialabgaben an den Staat abführen. Indirekte Steuern, wie z. B. Umsatzsteuer, noch nicht komplett einberechnet.

Vielleicht ist es an der Zeit, umzudenken

Der Sozialhaushalt ist bereits der größte Posten im gesamten Haushalt der Bundesrepublik. Dass er in Zukunft geringer wird, ist eher nicht anzunehmen. Gleichzeitig hatten wir, vor Corona, jährlich neue Einnahmenrekorde.

Unter diesem Eindruck möchte ich einfach mal fragen, ob wir wirklich ein Einnahmenproblem haben. Meiner Meinung nach haben wir ein Ausgabenproblem. Und einen Mangel an Bezug zum verwalteten Geld.

Was ich damit meine ist, dass alles Geld, das verteilt und ausgegeben wird, letztlich durch die Betriebe und ihre Mitarbeiter erwirtschaftet wird. Klar, auch Politiker zahlen Steuern. Aber zum allergrößten Teil geben sie das Geld von anderen aus. Der Bezug zu diesem Geld ist, denke ich, nicht mehr vorhanden. Wer ihn hätte, könnte nämlich zu anderen Schlüssen als Steuererhöhungen kommen.

Zum Beispiel könnte man argumentieren, dass die Wirtschaft anzukurbeln das beste Programm nach der Pandemie ist. Das geht am effektivsten darüber, dass Steuern gesenkt werden. Nicht im Promillebereich, sondern substanziell. Nicht durch die nächste Ausnahmeregelung oder den nächsten Freibetrag im Steuerrecht. Sondern durch klare Senkung von Einkommens- und Unternehmenssteuern. In dem Zusammenhang könnte man dann auch alle Arten von Einkommen gleichartig besteuern.

In den ersten 2-3 Jahren mögen die Einnahmen dann niedriger sein. Ich bin jedoch überzeugt, dass ein solches echtes Konjunkturprogramm die Chance bietet, dass mehr Menschen gründen oder übernehmen. Dann können mehr Menschen gute Löhne und Gehälter bekommen. Der Gemeinschaft ist dann sehr viel mehr gedient.

Ich fand Flat Tax immer reizvoll

Ich denke in diesen Tagen oft an Paul Kirchhof zurück. Als Schattenfinanzminister angetreten, hat er die Idee einer Flat Tax in den Raum geworfen. Die Idee: Jeder zahlt den gleichen Prozentsatz auf jede Art von Einkommen. Dafür fallen, in meinen Augen, alle Ausnahmen weg. Keine Freibeträge, kein Absetzen, keine Pauschalen.

Ergänzt man das Modell durch ein echtes Familiensplitting, hätte man sogar etwas gesellschaftlich sehr wertvolles getan. Und meine These ist, dass wenn man das wirklich durchzieht, am Ende alle profitieren. Jeder Mensch hat mehr im Geldbeutel. Und der Staat auch, denn wer es kann, zahlt aktuell meist sehr viel weniger.

Zugegeben, Finanzbeamte und Steuerberater werden das vielleicht nicht gerne hören – aber das wäre es mir wert. Gescheitert ist es übrigens am öffentlichen Diskurs, der oft in die Richtung ging, dass es unfair sei. Das sehe ich komplett anders. Wenn auf jedes Einkommen jeder den gleichen Prozentsatz zahlt, ist das ultimative Fairness. Natürlich auch global agierende Konzerne auf die Gewinne, die sie in einem Land erwirtschaften.

Manchmal kann man wirklich nicht vorhersagen, was das Leben so bringt. Noch im Februar waren wir dabei, unsere ersten Teilziele für das Jahr zu verfolgen. Der Jahreswechsel hatte gut geklappt, es wurden Einführungen bei Kunden geplant. Dann kam der März, und es braute sich etwas zusammen.

Glückliche Zufälle

Als Ende März, Anfang April, die globale Pandemie in voller Fahrt war und der erste Lockdown begann, mussten viele Fäden gleichzeitig gesponnen werden. Dabei kam uns der Zufall zu Hilfe. Denn zwei Dinge halfen uns, die ersten Maßnahmen erfolgreich zu gestalten:

Erstens hatten wir Anfang des Jahres endlich unsere Glasfaserleitung bekommen. Nach Jahren der Arbeit, des Lobbying und der Frustration waren wir endlich passend an das Internet angebunden. Und es kam gerade rechtzeitig!

Zweitens hatten wir schon lange geplant, alle Computer auf Notebooks mit Dockingstation umzustellen.

Soweit ganz gut gelungen: Home Office von Null auf Hundert

Mit dem ersten Lockdown habe ich mein Team erst einmal komplett ins Home Office geschickt, um die Situation zu evaluieren. Das hat sehr gut funktioniert. Das ist insbesondere meinen Führungskräften zu verdanken, die dabei ganze Arbeit geleistet haben.

Kommunikation war das allerwichtigste – nicht nur, um die Arbeit zu besprechen, sondern auch, um den Kontakt zu halten. Denn wenn man es gewohnt ist, schnell zwischen Tür und Angel Dinge zu besprechen, ist es eine erhebliche Umstellung. Das Team hat auch andere Wege gefunden, miteinander zu interagieren. So gab es virtuelle Kaffeepausen und wöchentliche Runden, bei denen wir darüber gesprochen haben, wie wir uns mit der Situation fühlen. Besonders herausfordernd war es für diejenigen, die Kinder haben – denn Arbeit und Kinderbetreuung unter einen Hut zu bringen, ist ein Kraftakt. Diesen hat mein Team hervorragend gemeistert. Die allermeisten unserer Ziele haben wir erreicht.

Die neue Normalität

Das, was durch die neue Internetleitung und die Notebooks eh schon geplant war, nämlich die verstärkte Nutzung von Home Office, wurde durch Corona einem sehr guten Härtetest unterzogen.

Mittlerweile ist das auch unsere neue Normalität. Wir haben die Pandemie genutzt, und uns neue Prinzipien gegeben. Die Ortsunabhängigkeit der Arbeit ist eines davon. Allerdings sind die meisten froh darum, auch öfter wieder im Büro sein zu können. Denn egal, wieviel Mühe man sich gibt, die Kommunikation leidet, wenn man sich nicht persönlich sieht.

Lessons learned

Wir haben durch Corona viel gelernt. Die wichtigsten Lektionen sind, in meinen Augen, die folgenden:

  • Kommunikation ist das A und O: Gerade wenn die Körpersprache und die kurzen Wege zum nächsten Büro wegfallen, ist es absolut erforderlich, noch mehr zu kommunizieren. Dabei geht es nicht nur um das Senden, sondern vor allem um das Verifizieren, dass das ankam, was man sagen wollte.
  • Die Führungskräfte entscheiden über den Erfolg: Ohne meine Führungskräfte wäre Corona nicht annähernd so glimpflich bislang ausgegangen. Ihre Arbeit, die regelmäßigen Gespräche mit ihren Mitarbeitern, das konstante Verbessern unserer Werkzeuge und Prozesse im Licht der neuen Lage, waren ein wichtiger Erfolgsfaktor.
  • Vertrauen ist schwierig und notwendig: Man verliert als Führungskraft ein wenig den direkten Einblick in die Arbeit des Teams. Das darf aber nicht zu einem Kontrollzwang werden. Gerade, wenn die Kinder betreut werden müssen, ist Flexibilität auf allen Seiten gefragt. Und Vertrauen, jede Menge Vertrauen. Am Ende zählt, ob die vereinbarten Ziele erreicht wurden, nicht ob das Teammitglied permanent erreichbar war.
  • Ausprobieren hilft: Für die Pandemie gibt es kein Drehbuch, alle sind gezwungen zu lernen. Dabei hilft das viel zitierte agile und integrative Vorgehen. Es ist wichtig, neue Methoden auszuprobieren, Werkzeuge zu testen und Prozesse anzupassen. Wenn sie passen ist das gut. Wenn nicht, kann man sie ändern oder modifizieren.

Was hat Corona Dir gebracht?

Viele Unternehmen haben durch Corona erhebliche Einbußen erlitten oder stehen vor dem Aus. Ich glaube, dass es gerade deshalb wichtig ist, die (vielleicht wenigen) positiven Ergebnisse dieser Krise stärker ins Auge zu fassen. Jede Krise ist auch eine Chance, Dinge zu verändern oder daraus zu lernen.

Was hast Du durch die Corona-Pandemie gelernt?

Foto-Copyright: ©beeboys – stock.adobe.com