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Dieses Jahr hat viel Kraft gekostet. Mit meiner anstehenden Jahresreview, die ich jedes Jahr mache, weiß ich bereits jetzt, welcher Satzbestandteil öfter darin vorkommen wird: „…das war anstrengend“. Für die kommenden Jahre, und für Leadership, erwächst daraus eine wichtige Erkenntnis.

Ja, es darf auch mal mehr als 100% sein

Die Erkenntnis, dass Entspannung wichtig ist, ist nun wirklich keine „Rocket Science“. Das Bundesurlaubsgesetz sagt das, der gesunde Menschenverstand auch. Bevor ich darauf eingehe, möchte ich zuerst eine Lanze für die Anspannung brechen.

Die allermeisten Menschen brauchen ein gewisses Maß an Last, in dem sie sich wohlfühlen. 80, 90% sind Zahlen, die öfter genannt werden. Das verstehe ich, und habe diese Phasen natürlich auch. Es ist unmöglich, konstant über 100% zu bringen. Gesund erst recht nicht.

Gleichzeitig ist es aus meiner Sicht aber auch wichtig, gelegentlich über die bisherigen eigenen Grenzen zu gehen. Die Betonung liegt auf „bisherige“. Es hat ein wenig was von Fitnessstudio. Wenn ich dort immer nur so lange Übungen mache, wie ich mich wohl fühle, werde ich die Limits, also das, was meine 100% sind, niemals erweitern.

Persönliches Wachstum erfordert über die Grenze zu gehen

Genauso ist es auch bei allem anderen, zum Beispiel im Arbeitsleben. Wer sich immer innerhalb seiner Limits bewegt (das, was gerne mal Komfortzone, etwas despektierlich, genannt wird), dehnt diese Limits niemals aus.

Das Ergebnis ist mangelnde, weil nicht vorhandene Weiterentwicklung. Um diese zu ermöglichen müssen wir die Grenzen erreichen und überschreiten, seien es körperliche oder mentale Grenzen. Es ist wie jedes Muskeltraining, nur dass dieser „Muskel“ das Gehirn ist.

Für das Training braucht es Anspannung (das Überschreiten der bisherigen Grenzen) und Entspannung.

Achte auf Dich und auf andere

Für Führungskräfte erwächst daraus eine besondere Verantwortung. Sie können anderen bei der Entwicklung helfen, indem sie für diese Anspannung sorgen. Neue Verantwortungsbereiche, neue Themen, neue Projekte, all das kann dazu dienen, einen anderen Menschen an seine oder ihre Grenzen heranzuführen – und, mit Hilfe durch die Führungskraft, diesen Schritt erfolgreich zu bewältigen.

Gleichzeitig bringt es auch die Verantwortung mit sich, für die notwendige Entspannung zu sorgen. Achtet auf Eure Mitarbeitenden. Sorgt dafür, dass sie Urlaub machen (ungestört!), unterstützt es durch ordentliche Übergabeprozesse und Wissensverteilung. Auf diesem Wege werdet Ihr dem Anspruch an Leadership gerecht.

Denkt an das Vorbild

Und eines sollte man dabei nicht vergessen: Sich selbst! Wenn man Wasser predigt („Macht bloß Euren Urlaub!“) und Wein trinkt (selbst keinen machen) ist das nicht nur ein schlechtes Vorbild.

Die Dissonanz zwischen Worten und Taten führt dazu, dass andere diese Handlungsweise imitieren, wie ich vor einiger Zeit gebloggt habe. Das Ergebnis mag kurzfristig attraktiv sein, da ein hohes Leistungsniveau erreicht wird. Langfristig führt es zu ausgebrannten Menschen, deren Leistungsvermögen dauerhaft sinkt.

Es ist wie so oft im Leben: Zu wenig ist nicht gut, zu viel auch nicht. Die Mischung macht es!

 

PS: Ich werde dieses Jahr, wie auch schon vergangene, mit einem Jahresrückblick beenden. Dieser erscheint voraussichtlich am 20. Dezember 2023, dann ist erst mal Pause bis nach dem Jahreswechsel.

 

Bildquelle: Rainer Sturm  / pixelio.de

Ungefähr heute vor 10 Jahren wurde ich Interessent der Wirtschaftsjunioren Saarland. Und nach der Aufnahme auch Mitglied bei den Wirtschaftsjunioren Deutschland und bei JCI. Der Wortbestandteil “junior” legt es nahe, diese Zeit hat ein Ende. Seit Januar 2022 bin ich nun offiziell Alteisen und Mitglied der Ehemaligen Wirtschaftsjunioren Saarland. Mit etwas Abstand zu dieser Zäsur ist es nun Zeit, einen Rückblick zu wagen.

Fast wäre ich nie bei WJ gelandet

Eigentlich wurde ich schon ein volles Jahr vor dem Eintritt darauf angesprochen. Mein Berater in der IHK empfahl mir, beim damaligen Geschäftsführer, Mathias Hafner, vorbeizusehen. Damals sagte ich mir noch “dafür habe ich keine Zeit”. Es war mitten in der heißen Phase der Unternehmensübernahme, ich hatte gefühlt 1000 Baustellen und viel zu wenig Wissen. Heute weiß ich, dass ich dieses Jahr auch hätte mitnehmen sollen. Immerhin, nur rund zwölf Monate später war es soweit.

Als Neumitglied habe ich mich in den Bewerberchecks und bei der Ausbildungsplatzmesse engagiert. Beides wurden meine absoluten Herzensprojekte auf lokaler Ebene. Aber auch der Austausch mit der saarländischen Politik beim Know-How-Transfer mit dem Landtag oder die Zuarbeit für den damaligen Vorstand bei politischen Themen war spannend. Das lokale Engagement war immer befriedigend. Man konnte direkt sehen, wenn man Wirkung hatte. Wenn ein junger Mensch einige Monate nach einem Bewerbercheck eine Dankesmail schrieb, weil er dank der Tipps seinen Ausbildungsplatz bekommen hat. Oder wenn die Ministerin einen immer noch freundlich grüßt, weil man zwei Tage gemeinsam verbracht hat.

Es folgten schnell lokale, regionale und überregionale Akademien. Gut in Erinnerung blieben mir die erste Südwest-Akademie in Göppingen (der noch viele weitere folgten). Aber auch die Teamführungsakademie in St. Martin und die Ausbildung zum WJ Trainer. Jede für sich war extrem wertvoll – und nicht zuletzt auch preiswert. Den Gegenwert außerhalb des Vereins hätte ich nur für viel mehr Geld bekommen.

Konferenzen sind inspirierend

Neben der eigenen Landeskonferenz ging es dann auch zu anderen Landeskonferenzen und zur Bundeskonferenz. Später dann nach Europa und in die Welt. Jede dieser Veranstaltungen hatte etwas eigenes – aber eines hatten sie gemeinsam: Ein tolles Netzwerk und viel Inspiration. Es gab keine Konferenz, von der ich nicht mit neuen Ideen zurückkam. Insbesondere die internationalen hatten starken kulturellen Impact. Es beflügelt die eigenen Gedanken, wenn man mit komplett anderen Mentalitäten konfrontiert ist.

Aber man kann sich auch eigene Träume erfüllen. In Köln, als Teil einer Delegation, das Trainingszentrum der ESA besuchen – das war für einen “Space-Nerd” wie mich das gesamte Ticket schon wert. In Tallinn sehen, wie Digitalisierung richtig gemacht wird, oder in Augsburg die Puppenkiste sehen. Alles Themen, die mich brennend interessieren.

Gremienarbeit ist nicht immer schön – aber sehr lehrreich

Die letzten drei aktiven Jahre habe ich im Bundesvorstand verbracht. Zuerst als Landesvorsitzender des Saarlandes, dann im Ressort Europa und die Welt. Was ich dort lernen durfte, hat noch einmal meine Vorstellungskraft bei weitem übertroffen. Diplomatie als Vertreter des nationalen Boards bei einem Meeting mit dem japanischen Board. Die Fallstricke und Herausforderungen guter Antragsarbeit. Die Feinheiten von Satzungen. Ich kann von Glück sprechen, dass ich mindestens auf letzteres gut vorbereitet wurde. Danke, Sandra!

Aber auch die Kooperationen in dieser Rolle waren lehrreich. Mit Jaycees aus mehreren Ländern die europäischen Leitlinien für die kommenden Jahre mitzuentwickeln. Mit der Nationalpräsidentin und den Senatoren Projekte zu mentaler Gesundheit voranzutreiben. In kürzester Zeit Veranstaltungen für Gäste aus ganz Europa konzipieren… die Liste lässt sich endlos fortsetzen.

Warum Du Dir überlegen solltest, einzutreten

Mit diesen 10 Jahren Erfahrung fallen mir hunderte Gründe ein, warum ich dieses Netzwerk gerne empfehle. Ich versuche aber, meine persönlichen Top 5 zu benennen.

  1. Persönliches Wachstum
    Was erst seit kurzem offizielles Ziel von JCI ist, war für mich immer präsent. Die Mitgliedschaft dient vor allem dem Ziel, sich selbst zu entwickeln. Neue Skills erlernen und ausprobieren, von erfahreneren Menschen etwas lernen, eigene Grenzen überwinden. Das alles kann man, in einem geschützten Rahmen. Ich kann mir für junge (angehende) Führungskräfte nichts wichtigeres vorstellen. Dazu gibt es “on top” ein exzellentes Trainingsprogramm zu Spottpreisen. Wer also wachsen möchte, kann es.
  2. Netzwerk
    Kontakte schaden demjenigen, der sie nicht hat“. Das Zitat ist zeitlos. Bei WJ und JCI baut man in kurzer Zeit ein immenses Netzwerk auf, das Grenzen überschreitet. Wer Fragen hat oder Hilfe braucht, findet hier immer ein offenes Ohr. Ein Beispiel: Als ich auf der Suche nach einem Datenschützer war, habe ich eine Mail geschrieben. Mich erreichten innerhalb der ersten fünf Minuten acht Antworten. Zehn Minuten später hatte ich einen Datenschützer. Mit diesem arbeite ich heute noch zusammen und schätze ihn sehr.
  3. Freundschaften
    Neben allen persönlichen und Businesszielen kommt der Spaß nicht zu kurz. Man findet Freunde, manchmal auch sehr gute Freunde. Und das verbindende Element macht auch die Pflege dieser Freundschaften leicht. Viele Menschen, die ich heute als wichtig in meinem Leben bezeichne, kenne ich von den Wirtschaftsjunioren. Einer hat es sogar geschafft, dass ich mit dem Kochen angefangen habe 😉
  4. Skills für das Leben außerhalb
    Man muss Gremienarbeit, Anträge, Satzungen und Co nicht mögen. Die wenigsten haben daran immer Freude. Aber das Engagement in einem Landes- oder Bundesvorstand bringt sehr viel Erfahrung in diesen Dingen. Und sie sind überall präsent, wenn man mal dafür sensibilisiert wurde. Elternbeirat, politische Partei, andere Vereine, Gremien gibt es überall. Die Erfahrung aus diesem geschützten Raum ermöglicht Engagement an weiteren Stellen.
  5. Kulturelle Bereicherung
    Selbst, wenn es kein neuer Geschäftskontakt wird, oder Dich absout direkt voranbringt: Das Kennenlernen und Erleben anderer Kulturen bereichert Dich. Es stellt Dein bisheriges Denken in Frage. Daraus entstehen neue Ideen, für Dich und Deinen Beruf. Es gibt Dir Kontakte in alle Welt, die Du nutzen kannst, wenn Du unterwegs bist. Das ist ein wichtiger Aspekt, gerade in Zeiten, wo Teile der Welt sich von anderen entfernen.

Probier es aus!

Kurz gesagt: Mein bester Tipp an (angehende) Führungskräfte. Schnuppert rein! Werdet in Eurer Region Interessent. Nichts, was ich in den letzten 10 Jahren getan habe, hat mehr zu meinem Wachstum beigetragen. Mein Dank gilt allen Weggefährtinnen und Weggefährten aus dieser Zeit. Sie sind viel zu zahlreich, um hier alle aufzuzählen. Ich freue mich auf viele weitere Erlebnisse als “Rentner”.

Übrigens, vermutlich hätte ich ohne WJ nie mit Podcasten oder Bloggen begonnen.