Ich möchte heute über ein spannendes Thema schreiben. In vergangenen Beiträgen ging es bereits öfter über Businesspläne und Liquiditätsplanung. Beiden ist gemein, dass darin auf Jahre geplant wird.

Heute möchte ich die Diskrepanz aufgreifen, die sich dabeizumindest schon angedeutet hatte – nämlich mich mit der Frage beschäftigen, wie weit Du wirklich vorausplanen kannst.

Kein Mangel an Plänen, eher ein Überfluss

Lass mich noch einmal einleitend sagen: Im Unternehmertum und bei der Nachfolge wird alles mögliche geplant. In Deinem Businessplan will die Bank von Dir Planungen auf fünf Jahre. Die Liquiditätstabelle, die ich in Episode sechs von Follow-Up.fm als Download zur Verfügung stelle, zeigt auch mehrere Jahre auf einen Blick. Und im operativen Geschäft gibt es Projekte, bei denen Du Dich unter Umständen auf Jahre festlegst.

Die Frage, die dabei oft zurecht auftaucht ist, wie das genau möglich ist.

Die kurze Antwort ist: Gar nicht. Die längere will ich Dir nun geben.

Businesspläne und Liquidität

Fangen wir mit dem Thema Businessplan an. Jeder Businessplan, selbst die in der Nachfolge, bei denen man von vorhandenen Zahlen extrapolieren kann, sind Ratespiele. Im Endeffekt sind sich darüber auch die Banken im Klaren. Es sind ja keine dummen Menschen, die da arbeiten.

Allerdings sind Businesspläne (noch) der Standard. Zumindest in Deutschland. Und die Finanzierung über Banken (darunter fallen für mich auch Förderbanken, wie beispielsweise die SIKB) ist hierzulande ebenfalls noch der Standard. Wohin es sich möglicherweise entwickelt, sieht man an den USA. Dort spielen Business Model Canvas (als Alternative zum Businessplan) und Venture Capital (als Alternative zur Bankfinanzierung) eine größere Rolle. Daran erkennst Du auch den Unterschied, denn der ist schon im Namen: Ein BMC beschreibt ein Geschäftsmodell, der Begriff Business Plan beinhaltet eben Planung, also die zeitliche Perspektive. Die ist beim BMC wenn überhaupt nur indirekt und rudimentär enthalten. Der Versuch, damit bei einer deutschen Bank Geld zu bekommen, dürfte damit zumindest herausfordernder werden. Gleiches gilt auch beim Kapital. Venture- oder Risikokapital hat ja schon im Namen, dass es keine festverzinste Anlage, sondern eine Wette ist – mit dem Risiko, alles zu verlieren.

Ich empfehle oft, insbesondere Deine Liquidität im Auge zu behalten. Es ist für mich die wichtigste Kennzahl überhaupt. Eine Tabelle, die Dir hoffentlich dabei hilft, gibt es als kostenlosen Download. Als aufmerksamen Leser ist Dir sicherlich aufgefallen, dass in der Tabelle viele Spalten sind, auch auf Jahre im Voraus. Ich denke, das machen noch mehr Leute so, insbesondere in größeren Firmen, wo Budgets und Investitionen auf Jahre geplant werden.

Meine bisherige Erfahrung

Businesspläne gehen nie auf. Im Idealfall natürlich übertriffst Du sie. Aber neben dem reinen „nicht genau treffen“ von prognostizierten Zahlen gibt es ja noch sehr viele anderen Variablen, die dazu führen können, dass Dein Plan nicht aufgeht. Der Markt kann sich ändern, Deine Wettbewerber, Dein Team… und noch hunderte andere Dinge. Meine Erfahrung ist, dass jede Prognose, selbst in der Nachfolge, wo Du ja über schon vorhandene Zahlen, Daten und Fakten verfügst, über ein bis zwei Jahre hinaus völlige Fiktion ist.

Genaue Planung über zwei Jahre hinaus ist Fiktion. Share on X

Ähnlich verhält es sich bei der Liquidität. Ja, in meiner Tabelle versuche ich, auch langfristig im Voraus zu „planen“. Allerdings kann ich auch hier klar sagen, dass eine echte Planung bestenfalls auf 12-14 Monate im Voraus funktioniert. Und da bin ich aufgrund meines Geschäftsmodells in einer Luxussituation. Bei anderen Unternehmen, wo viel Schwankungen in Nachfrage und Preisen sind, ist dieser Zeitraum unter Umständen sehr viel kleiner.

Und mit Liquidität und Businessplan ist es ja längst nicht zu Ende. Dein Geschäft umfasst ja noch viele andere Dinge. Technischer Fortschritt, Änderungen in Deinem Team, neue Konkurrenz, sich ändernde Märkte und Rahmenbedingungen…die Liste derjenigen Dinge, die Du gar nicht planen kannst, ist endlos.

Ja und nun?

Vielleicht fragst Du Dich an dieser Stelle „Ja, und nun?“. Mein allererster Tipp, mit dem ich auch in den letzten Teil dieses Beitrags einsteigen möchte, ist: Lern es zu akzeptieren.

Es tut mir leid, wenn ich das so hart sagen muss, aber das ist Dein Job als Unternehmer und Nachfolger. Und direkt auch der zweite Hinweis: Lass Dir keine grauen Haare deswegen wachsen. Eines meiner Ziele mit diesem Blog und Follow-Up.fm ist es ja zu zeigen, dass Nachfolge und Unternehmertum keine Wissenschaft sind, also auch ein wenig die Hemmschwelle zu senken, indem ich von meinen Erfahrungen berichte. Dem will ich auch treu bleiben, denn diese Unsicherheit ist einerseits natürlich manchmal ärgerlich – sie ist aber auch mit der größte Reiz des ganzen. Ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber neues zu entdecken, Veränderungen durchzumachen und auch voran zu treiben, ist für mich der größte Reiz dessen, was ich tue.

Du kannst dennoch einige Dinge tun, um möglichst positiv mit der Planungsunsicherheit umzugehen. Es mag jetzt etwas wenig intuitiv klingen, aber dennoch zu planen ist mein nächster Ratschlag. Die Akzeptanz, dass sich Dinge ändern werden, dass neue Technologie auf den Markt kommt, dass ein wichtiger Kunde oder Mitarbeiter abspringt oder auch, dass Du einen noch nie da gewesenen Auftrag an Land ziehst… es entbindet Dich nicht davon, das zu planen, was Du kannst. Meine Empfehlung wäre eine möglichst genaue Planung in allen Dimensionen (also Strategie, Liquidität, Personal, Produkte, etc.) auf ein Jahr, wenn das möglich ist. Damit bist Du in einem Bereich, wo Du selbst auf die größten Ereignisse normalerweise gut reagieren kannst.

Kritische Pfade immer beachten

Bekannte Risiken solltest Du dabei, wenn es sich um einen kritischen Pfad, also etwas entscheidendes handelt, mit besonderer Beachtung versehen. Ein Beispiel wäre, wenn spezifisches Produktwissen bei einem einzigen Menschen im Team vorhanden ist. Für dessen Ausfall solltest Du natürlich einen Plan haben. Ich empfehle Dir als Ort dafür nicht Deinen Hinterkopf, denn dort belastet es Dich nur. Schreib ihn einfach auf. In Stichpunkten, aber so ausführlich, dass Du ihn auch zwei Jahre später noch herausziehen und verstehen kannst. Ein guter Umfang sind zwei bis drei Seiten. Da sich auch für solche Pläne Dinge ändern, schadet eine regelmäßige Sichtung und Aktualisierung nicht.

Überhaupt, diesen Rat möchte ich, zum Abschluss, noch verallgemeinern. Auch wenn es Arbeit ist, verschriftliche Dinge. Der kritische Pfad könntest nämlich auch Du sein. Was ist, wenn Du ausfällst? Dann sollten doch diejenigen, die Dich vertreten, auch alle notwendigen Informationen haben. Lege die Tabellen, Dokumente und Daten an einer Stelle ab und hinterlasse schriftliche Anweisungen und notwendige Passwörter an einer Stelle, die für diese Leute zugänglich sind. Es sind schon viele Nachfolgen gescheitert, weil Wissen nur im Kopf des Unternehmers war. Das solltest Du besser machen.

Keine Angst vor Veränderung!

Mein letzter und vielleicht wichtigster Rat: Veränderung ist etwas tolles. Freu Dich darauf! Ich beobachte es gerade wieder in meinem Umfeld, dass mit sehr alten Methoden versucht wird, ein größeres Problem zu lösen. Dabei braucht es „nur“ die Akzeptanz, dass man nicht alles planen kann, und die Freude daran und den Mut dafür, etwas neues auszuprobieren. Bislang hat das noch nicht funktioniert, man hängt dort noch sehr an Kennzahlen, Prozessen und langfristigen Planungen – mit dem Blick auf neue Methoden und sinnvolle kleinere Ziele könnte das aber rasch ins positive Gegenteil übergehen.

Es gibt die Redensart, dass jede Führungskraft nach drei Jahren das Team hat, das sie verdient. Das vorausgeschickt habe ich wohl wirklich etwas richtig gemacht, denn ich habe ein tolles Team. Es gibt auch eine zweite Redensart. Sie besagt, dass Menschen wegen Geld, Namen, Projekten und Titeln zu Unternehmen kommen – und sie wegen Führungskräften verlassen. Das ist mir auch schon passiert, und es ist eine wichtige Lernerfahrung gewesen. Eine echte Lektion in Sachen Demotivation und der Wirkung von Führung.

Du kannst auch unterfordern

Ich arbeite in einem Bereich, in dem es überproportional viele kreative und leistungsfähige Menschen gibt. Natürlich gelten für diese Menschen die gleichen Basisanforderungen, wie für fast jeden. Ein Job soll unseren Lebensunterhalt decken, uns nicht zuwider sein und am besten sind auch die Kolleginnen und Kollegen toll.

Im besonderen Maße gilt für Entwickler aber auch, dass sie entwickeln wollen. Sie wollen bewegen. Sie schätzen die Herausforderung, sie wollen neue Projekte, an denen sie sich beweisen können.

Den ersten Teil nenne ich mal einfach die unbestreitbaren Hygienefaktoren. Für die langfristige Zusammenarbeit entscheidend allerdings ist, mindestens in meinem Umfeld (und ich vermute auch in vielen anderen), der zweite Bereich.

Erkenntnis gewonnen, Kollegen verloren…

Als ich in meiner Rolle noch etwas frischer und unerfahrener war, konnte ich das noch nicht so klar sehen. Und deshalb habe ich einen fähigen und motivierten Menschen verloren. Ich war als Führungskraft noch nicht so weit, dass ich klar erkennen konnte, was die Bedürfnisse dieses Mitarbeiters waren. Die Symptome waren sichtbar. Demotivation, die sich in Verspätungen und Kritik zeigte. Ein Rückzug vom Team. Das war alles da, und ich nahm es wahr. Was mir fehlte, war die Fähigkeit zu erkennen, dass es an mir lag.

Später, nachdem der Mitarbeiter gekündigt hatte, kam mir diese Erkenntnis. Ich habe verstanden, dass ich ihn schlicht unterfordert und in seinen Zielen nicht ausreichend unterstützt habe.

…und wieder gefunden. Lessons learned

Das konnte ich auch verifizieren. Einige Jahre später haben wir uns wieder getroffen. Das Verhältnis ist herzlich, entspannt – und ich kann ihm ansehen, dass der Wechsel für ihn ein wichtiger und richtiger Schritt war. Wir sprachen über meine Vermutungen, und er hat sie alle bestätigt.

Du kannst aus meinem Fehler lernen. Meine wichtigsten Tipps:

  • Mach Dir bewusst, dass ein Gehalt nicht alles ist. Geld ist ein Hygienefaktor, kein dauerhafter Motivator
  • Sei Dir klar, dass Führung nicht nur Entscheidungsstärke oder Selbstbewusstsein erfordert, sondern echte Führung auch bedingt, die Bedürfnisse anderer wahrzunehmen
  • Prüfe regelmäßig (nicht nur einmal im Jahr!), ob Dein Team glücklich ist. Fördere offenes Sprechen darüber, was sich die Menschen wünschen und wie sie sich aktuell fühlen
'A true leader has the confidence to stand alone, the courage to make tough decisions, and the compassion to listen to the needs of others...' - Douglas MacArthur Share on X

Mit diesen drei Ratschlägen schaffst Du es vielleicht, meinen Fehler zu vermeiden.

Obwohl es schon hunderte toller Podcasts im deutschsprachigen Raum gibt, ist es immer noch eine Nische. In den USA sind Podcasts viel weiter verbreitet und es gibt schon viel mehr Geschäftsmodelle mit ihnen.

Ich nutze Podcasts primär, um mein Wissen zu erhöhen und Impulse zu bekommen. Heute stelle ich Dir meine (persönlichen) Empfehlungen vor.

Führung auf den Punkt gebracht von Bernd Geropp

Der erste Podcast, den ich empfehlen möchte, ist „Führung auf den Punkt gebracht“ von Bernd Geropp. Der ist, nicht umsonst, schon lange immer in den Top 10, meist sogar in den Top 5, der Management-Charts bei iTunes. Bernd ist Führungskräftecoach und Trainer. In seinen Episoden widmet er sich dem gesamten Themenkomplex „Führung“ – nicht ausschließlich aus Unternehmersicht, sondern auch für angestellte Führungskräfte. Die Themen reichen von ganz praktischen Dingen wie „wie führe ich ein Mitarbeitergespräch“ bis hin zu unternehmerischen Fragen wie der Entwicklung einer Vision.

Die Episoden sind recht kompakt, oft zwischen 20 und 30 Minuten lang, und sind wirklich „auf den Punkt gebracht“. Oft gibt es Downloads zu einzelnen Folgen, oder er spricht mit hochkarätigen Gästen. Den Abschluss bildet immer ein tolles Zitat, das zum Thema der Episode passt. Einige davon haben es auch schon in meine Sammlung geschafft.

Als Führungskraft hilft Dir dieser Podcast, weil Führung, wie ich immer wieder betone, Dein einzigartiges Skillset ist, das Du ihn Dein Team einbringst. Bei Bernd Geropp erhältst Du also viele wertvolle Werkzeuge und Tipps für einen kritischen Arbeitsbereich, ebenso wie weiterführende Angebote. So kannst Du bei ihm auch im Rahmen einer Online-Leadershipplattform und eines Masterminds an Deinen Fähigkeiten arbeiten.

Sternengeschichten von Florian Freistetter

Astronomie und Astrophysik sind Themen, die mich brennend interessieren – und von denen ich nichts verstehe. Das ist die ideale Kombination, um daran etwas zu ändern. Florian Freistetter veröffentlicht wöchentlich eine seiner Sternengeschichten. Die Episoden sind sehr kurz und fokussiert, meist 10 – 15 Minuten lang.

Er erklärt dabei sehr viel und schafft es immer wieder, tolle Beispiele und Bilder zu finden, die das erleichtern. Ich halte es für sehr wichtig, seinen persönlichen Horizont immer wieder zu erweitern. Etwas spannenderes als das Universum mit allem was darin ist, kannst Du Dir dafür eigentlich nicht aussuchen. Die Sternengeschichten sind ein toller Einstieg und vermitteln Wissen auf eine nahezu perfekte Art. Allerdings merke ich selbst bei diesem sehr einsteigerfreundlichen Podcast, dass mir massiv Grundlagen der Physik fehlen. Sei es drum, ich höre sie weiter gerne. Und was ebenfalls auffällig ist, ist die Begeisterung des Machers. Florian Freistetter hört man in jeder seiner über 200 Episoden an, wie sehr in sein Fachgebiet fasziniert. Eine klare Empfehlung!

Hoaxilla von den Waschkaus

Meine dritte Empfehlung ist Hoaxilla, ein Podcast des Ehepaars Waschkau. Die beiden beschäftigen sich bei Hoaxilla, von dem es mittlerweile auch Ableger wie eine TV-Sendung und Bücher gibt, mit Urban Legends und anderen Mythen. Sie unterziehen diese dabei einer kritischen Prüfung und leisten damit viel wertvolle Aufklärungsarbeit.

Die Episoden von Hoaxilla sind etwas länger als viele andere Podcasts, im Schnitt etwa eine Stunde. Das Hauptthema wird dabei von einer „Story der Woche“, einer Art Ratespiel ob sie wahr oder falsch ist, sowie einem Orgablock eingerahmt. Beim Hauptthema liefern die beiden Macher sehr viel Kontext und untersuchen das Thema intensiv. Wie zu erwarten halten die meisten Mythen und Legenden (Alexa Waschkau spricht auch oft von „modernen Sagen“) keiner kritischen Überprüfung stand.

Warum solltest Du nun Hoaxilla hören, fragst Du Dich sicher gerade. Nun, mal abgesehen davon, dass der Podcast sehr unterhaltsam ist, liefert er Dir noch ein wertvolles Meta-Skillset: Ich betone ja oft, wie wichtig Gefühl bei der Nachfolge und als Unternehmer ist. Du musst für Deine Vision und Dein Team brennen. Allerdings gibt es auch viele Bereiche, in denen Du sehr rational sein solltest. Hoaxilla erinnert Dich daran, immer wieder Quellen und Fakten zu überprüfen – das kann Dir irgendwann den Hals retten.

Logbuch: Netzpolitik von Tim Pritlove und Linus Neumann

Was gibt es schöneres, als eine Extraportion Sarkasmus und Zynismus in regelmäßiger Form? Nicht sehr viel (und in dem Thema bleibt einem auch oft nicht viel anderes übrig), weshalb LNP ebenfalls in meinen Abos zu finden ist. Über zwei Stunden lang schauen die Hosts auf die aktuellen Entwicklungen rund um das Thema Digitalisierung, mit einem besonderen Fokus auf (gesellschafts-)rechtliche Themenbereiche.

Nun muss man sicherlich nicht mit allen Positionen übereinstimmen. Die politische Färbung ist deutlich und im Hinblick auf den Hintergrund beider Protagonisten auch vorhersehbar. Allerdings ist es wie so oft: Selbst wenn man etwas weniger wichtig findet, ist man vielleicht stark dadurch betroffen. Oft, ohne es zu wissen.

LNP leistet hier wertvolle Aufklärungsarbeit. Es greift aktuelle Themen auf, gibt ihnen Kontext und Tiefe und ist damit sowohl Journalismus, als auch Wissensförderung in einem. Besonders imponierend sind die technischen Erklärungen. Obwohl beide sehr tief in dieser Materie stecken, verstehen sie es immer, selbst komplexe technische Sachverhalte für ein breites Publikum verständlich zu erläutern.

Und egal, ob es einem passt: Die Themen von LNP gehen uns alle an. Denn sie betreffen uns, jeden Tag, ob wir es merken oder nicht.

CRE: Technik, Kultur, Gesellschaft von Tim Pritlove

Wenn es um Podcasts im deutschsprachigen Raum geht, darf der „Papst der deutschen Podcastszene“, Tim Pritlove, nicht fehlen – in meiner Liste kommt er sogar zwei Mal vor. Bei CRE widmet er sich intensiv Themen aus allen Bereichen des menschlichen Daseins. Das Spektrum ist riesig.

Und weil er sich intensiv damit beschäftigen will, sind CRE-Episoden auch sehr, und ich meine sehr, lang. Im Schnitt drei Stunden und mehr! Und dank hochkarätiger Gäste sind sie dennoch nie langweilig.

Warum also eine Empfehlung wie CRE, für das Du drei Stunden aufwenden sollst, die meist nicht einmal mit den Themen Nachfolge und Unternehmertum zu tun haben? Ich empfehle es deshalb, weil Du in Deiner Rolle definitiv Gefahr läufst, Scheuklappen aufzusetzen. Es gibt so viele Bereiche, in denen Du aktiv bist, dass Du vielleicht manchmal die Lust verlierst, Dich einfach so mit etwas anderem zu beschäftigen. CRE hilft Dir dabei, indem es Dich mit einer Vielzahl spannender Themen, mittlerweile über 200, versorgt, die Dir helfen, den Kopf auch mal frei zu bekommen. Und als kleiner Bonus wirst Du auch bei jedem Allgemeinwissensquiz besser dastehen.

Und was hörst Du so?

Podcasts sind für mich ständige Begleiter. Meistens höre ich sie auf Dienstreisen und auch längeren Privatfahrten. Einen Podcast zu machen ist nicht schwer und ein tolles Mittel, Wissen zu vermitteln. Deshalb habe ich Follow-Up.fm und den BPS überhaupt angefangen. Und es gibt noch so viele tolle Angebote, für die mir einfach die Zeit fehlt.

Was sind denn Deine Lieblingscasts? Und warum? Lass es mich in den Kommentaren wissen!

Ich war in der Vergangenheit selbst Moderator bei Veranstaltungen und habe andere in dieser Rolle erlebt. Wie in einem der vergangenen Beiträge beschrieben durchaus auch mit schwankender Qualität. Ein Freund fragte mich, ob ich nicht mal kurz darstellen will, was für gute Moderation notwendig ist. Diese Idee greife ich heute auf.

Vorbereitung hilft beim Moderieren

Man sollte meinen, es sei nicht notwendig, es zu betonen. Leider ist das aber der Fall: Eine gute Vorbereitung der Moderatorenrolle ist das A und O. Für mich gehören dazu drei wesentliche Elemente:

Erstens, die Vorbereitung auf das Thema. Wenn es nicht gerade etwas ist, mit dem ich täglich zu tun habe, ist es wichtig, sich einen Überblick zu verschaffen. Wikipedia ist immer ein guter Ausgangspunkt. Je nachdem, welches Publikum Du erwartest (Anfänger oder Fachexperten), solltest Du auch noch die aktuellsten Nachrichten zum Thema lesen und präsent haben.

Zweitens, die Vorbereitung auf Deine Gesprächspartner. Normalerweise ist im Vorfeld bekannt, wer auf dem Podium sitzen wird. Informiere Dich über diese Menschen, ihren Werdegang und ihre Arbeitsgebiete. Dabei kannst Du vermutlich auch schon erahnen, welche Rollen sie in der Diskussion einnehmen werden (oder sollen).

Drittens, bereite Fragen vor. Natürlich freut sich jeder Moderator, wenn die Gesprächspartner sich gegenseitig befeuern. Oftmals ist das aber nicht der Fall. Dann helfen vorbereitete Leitfragen. Ich überlege mir im Vorfeld, mit welchem Ergebnis mein Kunde, das Publikum, aus der Veranstaltung gehen soll. Daraus kann ich ableiten, welche Fragen beantwortet werden müssen, damit das gewährleistet ist. Du kannst die Fragen sogar schon vorab bestimmten Gästen zuordnen. So entsteht ein Leitfaden für das Gespräch, auf den Du jederzeit zurückgreifen kannst.

Bonustipp: Schreib Dir alles auf. Als Fließtext, als Mindmap (meine präferierte Variante) , es spielt keine Rolle. Nur hab es dabei!

Der große Tag ist da – und nun?

Auch hier beginnt es wieder bei den Basics. Sei frühzeitig da. Besprich letzte Details mit dem Auftraggeber und nimm Dir dann Zeit, Deine Podiumsgäste einzeln zu begrüßen.

Ich versuche dabei, mich jedem in Ruhe vorzustellen und auch klar zu machen, welchen Beitrag ich von dieser Person erwarte. So bekomme ich auch ein Feedback darüber, ob meine Einschätzung der jeweiligen Rolle stimmt. Eventuell noch offene Fragen aus der Vorbereitung kann ich ebenfalls kurzfristig noch beantworten.

Wenn die Diskussion beginnt, führe ich kurz (!) in das Thema ein und lasse sich das Podium zuallererst vorstellen. Schon hier ist es wichtig, Redezeiten und deren Verteilung im Blick zu behalten. Die Größte Unbekannte ist, wie jede(r) einzelne von sich aus spricht, oder entsprechende Unterstützung benötigt. Dein Job als Moderator ist es, für eine ausgewogene Verteilung zu sorgen. Da Du ja auch Fragen für jeden vorbereitet hast, kannst Du ggf. auch nachhelfen, sollte es mal stocken.

Ansonsten solltest Du vor allem eines sein: Moderator, nicht Akteur. Hierin besteht die Kunst, sich nicht selbst zum Thema zu machen – ohne aber dabei auch eine Gesprächsführung zu vernachlässigen.

Einige gemischte Tipps zum Abschluss

Ohne Prioritäten habe ich natürlich noch gemischte Tipps:

  • Unterbrich ruhig. Was im Alltag unhöflich ist, ist als Moderator manchmal unvermeidlich – mit etwas Humor einen Gast einbremsen, der zu dominant wird, ist notwendig und für das Publikum angenehm
  • Rege Diskussion an. Ich schrieb ja schon, dass Du selbst nicht Protagonist sein sollst. Allerdings ist nichts langweiliger als ein Podium, auf dem sich alle einig sind. Als Moderator darfst Du auch gerne mal stellvertretend die provokanten Thesen in den Raum werfen oder Geäußertes zuspitzen
  • Bezieh das Publikum ein. Ich sage eigentlich immer zu Beginn an, dass Meldungen aus dem Publikum gerne gesehen und erwünscht sind. Das kannst Du auch fördern, indem Du, wenn es passt, aktiv ins Publikum fragst
  • Papier und Stift. Neben Deinen vorbereiteten Unterlagen solltest Du die dabei haben. Es fallen oft Stichworte oder es passieren Wortmeldungen, die Du nicht direkt einbauen kannst. Durch Notieren kannst Du problemlos darauf zurückkommen
  • Hol Dir Feedback ein. Sprich am Ende mit Deinem Auftraggeber und erbitte Dir Feedback. Wie alles ist auch Moderation Übungssache, ohne Rückmeldung wirst Du nur begrenzt besser

Ich hoffe, das hilft Dir, solltest Du einmal diese Rolle einnehmen. Falls Du noch wichtige Tipps hast, die ich vergessen habe, lass es mich wissen oder hinterlasse es gleich hier als Kommentar!

Ich habe in den letzten Beiträgen begonnen, Herausforderungen, denen Du begegnest, zu thematisieren. Da dachte ich, ich mache dort weiter und spreche heute über einen der unangenehmsten Momente, der Dir begegnen wird: Wenn Du einen Menschen entlassen musst.

Vorbereitung

Es ist für beide Seiten unangenehm, eine Kündigung aussprechen zu müssen bzw. ausgesprochen zu bekommen. Umso wichtiger ist Vorbereitung. Die besteht für mich aus mehreren Schritten:

  1. Die Erkenntnis, dass eine Kündigung notwendig ist. Das ist in vielen Fällen klar, in anderen dagegen muss es Dir erst klar werden
  2. Die Formalien: Was sagt der Arbeitsvertrag zu den Fristen? Gilt vielleicht die gesetzliche (622 BGB)? In vielen Arbeitsverträgen gibt es Mängel, insbesondere bei vielen lange bestehenden sind Formulierungen nicht mehr aktuell. Im Zweifel gilt dann wieder das BGB. Und es gibt ja noch andere Formalien als die Fristen. Handelt es sich um eine ordentliche, betriebs-, verhaltens- oder personenbedingte Kündigung? Sind Abfindungen geregelt? Was ist mit der Sozialauswahl? Zu welchem Termin muss oder darf gekündigt werden (Monats- / Quartalsende?)
  3. Rücksprache mit dem Anwalt: Was ist im konkreten Fall zu beachten? Wo sind Gefahren? Gibt es einen Betriebsrat, der informiert werden muss?
  4. Ggf. Sozialauswahl treffen und Betriebsrat informieren
  5. Das eigentliche Kündigungsschreiben vorbereiten (die Kündigung MUSS schriftlich erfolgen)
  6. Gesprächstermin ansetzen, Teilnehmer sind Du, der betreffende Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin, plus ggf. Personalabteilung/Zeugen

Das Kündigungsgespräch

Du solltest unbedingt einen Raum, der nicht einsehbar ist, dafür wählen. Über den Zeitpunkt scheiden sich die Geister. Entweder gegen Feierabend (weil dann kein Spießrutenlauf durchs Büro nötig ist) oder einige Stunden vor Feierabend (den Abschied ermöglichen) – es hängt stark von der Situation ab. Die Literatur empfiehlt zu Wochenbeginn vormittags.

Ein solches Gespräch sollte immer der absolute Fokus sein. Deshalb leite Dein Telefon um und schalte Dein Mailprogramm ab. Der Gesprächsverlauf sollte in jedem Fall stringent sein:

  • Einleitung: Kein großer Smalltalk, direkt zum Punkt kommen
  • Unmissverständliche Sprache, das Wort Kündigung muss vorkommen, und nicht in einem Satz mit Konjunktiven
  • Reaktion abwarten (diese ist nicht vorhersagbar, sie kann von Schweigen bis zum Wutausbruch reichen)
  • Gründe erläutern (ggf. Hinweis auf protokollierte Vorgespräche/Abmahnungen, Erläuterung des Sozialplans und der Abwägung der Alternativen)
  • Weiteres Vorgehen besprechen: Hinweis auf die Pflicht, sich arbeitssuchend zu melden, ggf. Freistellung, Urlaubstage, Bewerbungsoptionen, wie soll es den Kollegen kommuniziert werden?
  • Kündigungsschreiben übergeben und dessen Übergabe schriftlich bestätigen lassen

Mit diesem Ablauf hast Du die wichtigsten Punkte berücksichtigt und bist auch unmissverständlich geblieben. Gerade weil es so unangenehm ist, ist das nämlich leider oft nicht der Fall. Und damit komme ich auch schon zu meinen persönlichen Erfahrungen.

Persönliche Erfahrungen und Tipps

Um es in aller Deutlichkeit zu sagen: Eine Kündigung aussprechen zu müssen ist bislang die schlimmste Erfahrung, die ich in meiner Rolle machen musste. Und zwar selbst dann, wenn sie nach allen Kriterien berechtigt war! Es wurde auch bei darauffolgenden Malen nicht einfacher. Ich denke inzwischen: Das ist gut so, es sollte auch nicht einfach sein. Allerdings fiel mir auch auf: Jede Kündigung, die ich aussprechen musste, war eigentlich, aus verschiedenen Gründen, überfällig. Nachdem es erledigt war, stellte sich bislang jedes Mal der Gedanke ein „ja, warum eigentlich nicht früher?

Die Reaktionen der Betroffenen können sehr verletzend sein. Mir wurden schon Dinge an den Kopf geworfen, die ich hier nicht wiederholen möchte. Damit musst Du klar kommen. Denk immer daran, dass es Dein Job ist, für die Teamhygiene zu sorgen. Neben allen wirtschaftlichen und leistungsbezogenen Erwägungen (von Diebstahl o. Ä. ganz abgesehen) ist ein „fauler Apfel“ im Korb für Dein Team potentiell sehr gefährlich. Er könnte Dein ganzes Team verderben und damit all Deine Arbeit zunichte machen. Diesen Job kannst nur Du wahrnehmen, und Du solltest ihn sehr ernst nehmen.

Du kannst, bei aller Bitterkeit der Situation, dennoch einen Silberstreif aufzeigen. Biete, wenn es nicht gerade im Streit auseinander geht, Hilfe an. Referenz, ein gutes Zeugnis, das Nutzen Deiner Kontakte für einen neuen Job…. Nur, weil es bei Dir nicht gepasst hat, muss das nicht überall der Fall sein.

Lass Dich nicht auf Verhandlungen ein. Es gibt Menschen, die durch ihre Worte Deine eigenen Gefühle ansprechen, vielleicht sogar manche Gründe hinterfragen. Das ist ein kritischer Punkt. Du hast Dich aus genau diesem Grund vorbereitet und all das vorher schon bedacht. Du darfst nie den Eindruck vermitteln, eine Kündigung sei verhandelbar.

Es gibt bei Podcast-Kollegen Bernd Geropp zwei tolle Episoden zu dem Thema, in denen er sich mit Laurenz Andrzejewski unterhält. Der trägt den, nicht ganz schmeichelhaften, Titel „Trennungs-Papst“. Er ist aber kein eiskalter Vernichter von Existenzen, sondern hat eigentlich das maßgebliche Werk zu fairen und effizienten Kündigungen geschrieben.

Zusammenfassend: Bereite Dich vor und sei klar

Die Vorbereitung ist das A und O. Es gibt viele mögliche Fallstricke formaler und juristischer Natur, die nur mit guter Vorbereitung vermeidbar sind. Vorbereitung ist auch hinsichtlich der Begründung gegenüber dem Mitarbeiter essentiell. Mit guter Vorbereitung wirkst Du entscheiden, fair und klar.

Das Gespräch braucht den richtigen Rahmen und den richtigen Inhalt. Alles weitere passiert ohne Möglichkeit für Dich, es zu beeinflussen. Mach Dich auf alle möglichen Arten von Reaktionen gefasst

Kündigungen sind notwendig, und sie sind Dein Job. Ohne Wenn und Aber. Ob aus wirtschaftlichen Gründen, oder in der Person begründet, oder aber aus Gründen der Teamhygiene – es ist Dein Job, Dein Unternehmen und Dein Team zu schützen. Kündigungen sind dazu ein notwendiges Übel.

Und vielleicht hast Du ja auch noch einen Tipp für meine Leser?

 

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