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In Teil zwei meiner Serie (Teil eins findest Du hier), in der ich die Romanreihe Dune (Affiliate Link) als Modell für Themen der Unternehmensnachfolge nutze, geht es dieses Mal um ein häufig auftretendes Motiv: Den Messias.

Einstieg

Es gibt Übergaben, die klingen im Rückblick wie ein Kompliment und fühlen sich im Alltag wie eine Last an. Sätze wie „Du wirst das schon richten“ oder „Jetzt kommt endlich frischer Wind“ sind selten als Druck gemeint. Sie sollen Mut machen. Sie sollen Vertrauen ausdrücken. Und sie sind, leider, oft das Gegenteil von Entlastung.

Ich erinnere mich an diese frühe Phase, in der man mich gleichzeitig schonte und prüfte. Nach außen war die Erzählung schnell gesetzt. Der Neue übernimmt. Der Neue modernisiert. Der Neue löst, was lange liegen blieb. Innen spürte ich etwas anderes. Nicht Widerstand, eher Erwartung. Eine stille Wette darauf, dass ich Dinge kann, die andere nicht konnten oder nicht mehr konnten.

In der Organisation kam das als Hoffnung daher. In der Familie eher als Erleichterung. Und in mir als Mischung aus Pflicht und Trotz. Ich wollte beweisen, dass die Entscheidung richtig war. Ich wollte liefern. Ich wollte die Spannung im System senken.

Das Problem ist nicht der Wunsch nach Verbesserung. Das Problem ist die Rolle, die daraus entsteht. Sobald ein Nachfolger zum Rettungsversprechen wird, verändert sich die Nachfolge. Nicht juristisch, sondern psychologisch und politisch.

Das Dune-Prinzip

In Dune ist der Messias nicht nur eine Figur. Er ist eine Konstruktion, ein Systemeffekt. Eine Mischung aus Hoffnung, Angst und Legitimität, der Menschen ordnet, bevor er überhaupt handelt.

Der Messias-Mechanismus funktioniert, weil er mehrere Bedürfnisse gleichzeitig bedient. Er bietet Sinn, wo Unsicherheit ist. Er bietet Richtung, wo Ambivalenz herrscht. Und er bietet eine moralische Entlastung für die, die sich überfordert fühlen. Wenn jemand „gesandt“ ist, müssen andere weniger zweifeln. Sie können folgen, statt selbst zu tragen.

Das Entscheidende ist dabei nicht die Person, sondern die Dynamik.

Eine Gemeinschaft, die auf Erlösung wartet, delegiert Verantwortung. Nicht offiziell, aber faktisch. Sie verschiebt das Risiko der Entscheidung auf eine Figur, die sie gleichzeitig idealisiert und kontrolliert. Idealisiert, weil sie Hoffnung braucht. Kontrolliert, weil sie Angst hat, dass Hoffnung enttäuscht wird.

Daraus entsteht ein Paradox. Der Messias wird groß gemacht, damit er wirken kann. Und er wird festgelegt, damit er niemanden zu sehr erschüttert. Er soll mehr sein als ein Mensch, aber nicht zu frei.

Wenn sich diese Konstruktion einmal etabliert hat, zieht sie alles an. Konflikte, die vorher diffus waren, sammeln sich an der Figur. Widersprüche, die das System nicht aushält, werden in eine Person gepresst. Und jede Entscheidung bekommt eine zusätzliche Bedeutung. Nicht nur richtig oder falsch, sondern heilsam oder verräterisch.

So entsteht in Dune eine unheimliche Form von Macht. Eine Macht, die nicht aus Befehlen kommt, sondern aus Projektionen. Wer Projektionsfläche wird, gewinnt zunächst Reichweite. Und verliert dabei oft die Möglichkeit, normal zu handeln.

Das ist der Kern. Der Messias ist ein Beschleuniger. Für Hoffnung. Für Angst. Für Eskalation. Und für Schuld.

Übertragung auf Unternehmensnachfolge

In der Unternehmensnachfolge zeigt sich diese Dynamik oft in einer sehr bürgerlichen, sehr mittelständischen Form. Kein Kult, keine Fahnen. Eher ein kollektives Einatmen, endlich passiert etwas. Endlich übernimmt jemand, endlich wird es besser.

Diese Erwartung ist nachvollziehbar. Sie ist manchmal sogar berechtigt. Viele Unternehmen gehen in die Übergabe, nachdem Jahre lang zu viel getragen wurde. Zu viele Kompromisse, zu viele offenen Konflikte, zu viel Verschleiß. Der Vorgänger hat vielleicht lange ausgehalten, oder lange gezögert. Oder beides. Mitarbeitende haben gelernt, sich einzurichten. Kunden haben gelernt, Ausnahmen zu erwarten. Die Familie hat gelernt, bestimmte Themen zu meiden.

In diesem Zustand ist ein Nachfolger nicht nur ein neuer Geschäftsführer. Er ist eine Erzählung, die Spannung bindet.

Wie der Messias-Fehler entsteht

Der Messias-Fehler beginnt selten mit Größenwahn. Er beginnt mit Anständigkeit.

Der Nachfolger sieht ein erschöpftes System und denkt, er müsse entlasten. Er spürt die Hoffnungen und will sie nicht enttäuschen. Er kennt die Geschichte des Hauses und will ihr gerecht werden. Er will zeigen, dass die Übergabe richtig war. Er will, dass Ruhe einkehrt.

Das sind keine schlechten Motive. Sie sind menschlich. Und sie sind gefährlich, sobald sie sich mit einer impliziten Erwartung verknüpfen, die niemand sauber ausspricht.

„Du machst das besser als ich“ kann Anerkennung sein. Es kann aber auch eine Abkürzung sein. Eine Art symbolischer Entlastungsvertrag. Der Vorgänger darf sich erleichtert zurücklehnen, ohne die letzte Verantwortung innerlich zu lösen. Die Familie darf hoffen, ohne sich mit ihren eigenen Anteilen an Konflikten zu beschäftigen. Die Organisation darf warten, statt selbst umzubauen.

Der Nachfolger nimmt diese Abkürzung oft an, ohne es zu merken. Er übernimmt nicht nur die Rolle, sondern auch die Sinnlast.

Die Sinnlast ist schwerer als die Ergebnislast

Ergebnislast lässt sich messen. Umsatz, Marge, Liquidität, Lieferfähigkeit. Sinnlast ist subtiler. Sie besteht aus Sätzen, Blicken, Anspielungen. Aus dem ständigen Gefühl, dass eine Entscheidung mehr bedeutet, als sie sachlich ist.

Ein Investitionsstopp ist dann nicht nur ein Investitionsstopp. Er ist ein Urteil über die Vergangenheit. Eine neue Führungsstruktur ist nicht nur Organisation. Sie ist ein Kommentar auf Loyalität. Eine Trennung von einem langjährigen Mitarbeiter ist nicht nur Personal. Sie ist ein Angriff auf ein Familiengefühl.

Wer in dieser Sinnlast arbeitet, verliert irgendwann die Fähigkeit, normal zu priorisieren. Alles wird groß. Alles wird symbolisch. Alles zieht Kreise.

Und genau hier kippt der Messias-Mechanismus in die Überforderung. Der Nachfolger versucht, das System zu beruhigen, indem er noch mehr trägt. Er beantwortet mehr Fragen, macht mehr Meetings, erklärt mehr Entscheidungen, übernimmt mehr Konflikte. Es fühlt sich an wie Führung. Es ist oft ein Übernehmen von Lasten, die das System eigentlich selbst tragen müsste.

Der stille Deal, der nie unterschrieben wurde

In vielen Übergaben gibt es einen unausgesprochenen Deal.

Der Nachfolger liefert Zukunft.

Dafür bekommt er Legitimität.

Das klingt fair, ist aber ein Tauschhandel mit eingebauter Eskalation. Denn Legitimität entsteht nicht aus einem Deliverable. Sie entsteht aus Beziehung und Konsistenz. Wer Legitimität an Leistung koppelt, muss ununterbrochen Leistung beweisen. Und wer das tut, verliert die Luft für Fehler, für Lernen, für Korrektur.

In einem stabilen System ist das schon heikel. Im Übergang ist es toxisch.

Der Nachfolger wird zum Projekt. Die Familie beobachtet. Die zweite Ebene beobachtet. Die Organisation beobachtet. Jede Verzögerung wird zum Zeichen, dass „es doch nicht klappt“. Jede Entscheidung wird zur Prüfung.

Gleichzeitig halten sich andere zurück. Nicht aus Bosheit, sondern aus Entlastung. Man hat ja jemanden, der es richtet. Und wenn es nicht klappt, hat man auch jemanden, dem man es zuschreiben kann.

Das ist der Messias-Fehler im Kern. Ein System, das sich über eine Person entlastet, verhindert, dass es selbst erwachsen wird.

Warum diese Dynamik den Vorgänger nicht zum Täter macht

Es wäre zu einfach, das als Manipulation zu lesen. In der Regel ist es keine.

Viele Vorgänger sind innerlich ambivalent. Sie wollen loslassen, aber nicht verschwinden. Sie wünschen dem Nachfolger Erfolg, aber sie verlieren damit auch ihre letzte Sicherheit, gebraucht zu werden. Sie haben über Jahrzehnte eine Identität aufgebaut, die am Unternehmen hängt. Und sie wissen oft sehr genau, was alles schiefgehen kann.

Wenn dann ein Nachfolger kommt, der stark wirkt, entsteht Erleichterung. Diese Erleichterung sucht Worte. Und die Worte werden schnell groß.

Das ist menschlich. Es ist nicht bösartig. Es ist nur gefährlich, wenn der Nachfolger sie wörtlich nimmt.

Ich habe das bei mir selbst erst spät verstanden. Ich habe lange geglaubt, dass Dankbarkeit heißt, Erwartungen zu erfüllen. Dass Loyalität heißt, die Spannung zu schlucken. Dass Stärke heißt, alles zu können.

In Wahrheit war das ein Missverständnis über Verantwortung. Verantwortung heißt nicht, alles zu tragen. Verantwortung heißt, die Lasten dort zu belassen, wo sie hingehören, auch wenn das zunächst unruhiger ist.

Der Preis der Retterrolle

Die Retterrolle hat einen kurzfristigen Vorteil. Sie stabilisiert den Übergang nach außen. Banken hören das gern. Kunden hören das gern. Mitarbeitende atmen auf. Es fühlt sich nach Führung an, wenn jemand in die Lücke springt.

Der Preis zeigt sich später.

Erstens entsteht eine ungesunde Abhängigkeit. Wenn alles über eine Person läuft, wird diese Person zum Engpass. Die Organisation wird nicht handlungsfähiger, sie wird passiver.

Zweitens wird der Nachfolger emotional erpressbar, ohne dass jemand erpresst. Jede Grenzziehung wirkt wie Enttäuschung. Jede Normalisierung wirkt wie Rückzug. Man wird nicht mehr an Entscheidungen gemessen, sondern an der Stimmung, die man produziert.

Drittens wird Lernen unmöglich. Nachfolge ist in Wahrheit eine Lernphase. Wer als Retter einzieht, darf nicht lernen. Er muss können.

Und viertens wird Konflikt verschoben. Themen, die eigentlich zwischen Familie und Unternehmen oder zwischen Abteilungen liegen, werden in die Person des Nachfolgers gezogen. Dort explodieren sie irgendwann.

Das sieht dann von außen aus wie persönliches Versagen oder wie Generationskonflikt. Innen war es eine falsche Rollenarchitektur.

Was stattdessen trägt, ohne belehrend zu werden

Es gibt in Übergaben einen Moment, in dem der Nachfolger spüren muss, dass er nicht als Erlösung kommt, sondern als Teil eines Systems, das sich neu sortieren muss. Das ist entlastend.

Entlastend für den Nachfolger, weil er nicht mehr beweisen muss, dass er „anders“ ist, sondern weil er Wirksamkeit aufbauen darf. Entlastend für die Organisation, weil Verantwortung wieder verteilt wird. Und paradox auch entlastend für den Vorgänger, weil Loslassen nicht mehr als moralische Prüfung erlebt wird, sondern als Schritt in eine andere Rolle.

In meiner Erfahrung beginnt diese Entlastung dort, wo Erwartungen nicht zurückgewiesen, aber in eine andere Form gebracht werden. Wo man Hoffnung nicht beschämt, aber erdet. Wo man Anerkennung annimmt, ohne daraus einen Auftrag zu machen.

Das ist kein Satz für eine Folie. Das ist eine innere Arbeit, die im Alltag sichtbar wird. In kleinen Entscheidungen. In dem, was man übernimmt und was man bewusst nicht übernimmt. In dem Tempo, das man hält, auch wenn das Umfeld schneller „Ergebnisse“ sehen will.

Der Fehler wäre, das als Kälte zu verwechseln. Es ist das Gegenteil. Es ist Respekt vor dem System. Und Respekt vor der eigenen Endlichkeit.

Ein Übergang, der nur funktioniert, wenn der Nachfolger rettet, ist kein stabiler Übergang. Er ist eine Vertagung.

Zusammenfassung

Der Messias-Mechanismus ist in Nachfolgen verführerisch, weil er sich anfühlt wie Zuversicht. In Wirklichkeit ist er häufig eine Abkürzung, die später teuer wird.

Sobald ein Nachfolger zur Projektionsfläche wird, verändert sich seine Aufgabe. Er führt dann nicht mehr nur ein Unternehmen. Er trägt Sinn. Er trägt Hoffnung. Er trägt die unausgesprochenen Schulden aus der Vergangenheit. Und er wird zum Ort, an dem Entlastung stattfindet.

Das ist die eigentliche Überforderung. Nicht die fachliche Komplexität, nicht die Geschwindigkeit, nicht die Märkte. Sondern die Rolle, die das System ihm zuschreibt und die er annimmt, weil sie sich wie Verantwortung anfühlt.

Der Messias-Fehler in der Unternehmensnachfolge ist deshalb kein Charakterproblem. Er ist ein Strukturproblem. Ein Übergang wird instabil, wenn die Organisation Verantwortung nach oben delegiert und damit verhindert, dass Legitimität sozial wachsen kann.

Nachfolge gelingt nicht dadurch, dass jemand rettet. Sie gelingt dort, wo Verantwortung neu verteilt wird, ohne dass jemand dafür an Würde verliert.

Fazit

Ich hätte mir damals gewünscht, früher zu sehen, dass meine Stärke nicht im Retten lag, sondern im Begrenzen.
Nicht als Abgrenzung gegen Menschen, sondern als Schutz des Übergangs.

 

Mit dem Wachstum eines Unternehmens kommt fast immer der Zeitpunkt, an dem Aufgabenbereiche exklusiv von bestimmten Menschen wahrgenommen werden. Vorher ist das meist viel gemischter. Der Geschäftsführer arbeitet da noch täglich am Produkt, der Entwickler leistet auch Support und die Marketingfachkraft macht auch gerade den Vertrieb mit. Der Übergang hin zu Rollen birgt einige Tücken.

Rollen werden am besten „auf der grünen Wiese“ definiert

Leider ist unser Hirn nicht immer schlau. Gerade, wenn es um das Schaffen von etwas Neuem geht, neigen wir dazu, aus vergangener Erfahrung Rückschlüsse auf die Zukunft zu ziehen.

Das Definieren von Rollen bildet hier keine Ausnahme. Ganz im Gegenteil, unbewusst neigen wir dazu, die Rollenbeschreibung (oft auch Stellen- oder Positionsbeschreibung genannt) implizit so zu definieren, dass es auf den oder die aktuellen Rolleninhaber:in passt.

Darin liegt eine große Gefahr, da eine solche Beschreibung zum einen oftmals unklar ist und zweitens eine echte Übergabe der Rolle unmöglich macht. Und solche Übergaben passieren – denn Menschen wechseln das Unternehmen oder den Arbeitsbereich. Heute noch öfter als früher.

Insofern liegt ein großer Wert darin, Rollen ordentlich und möglichst neutral zu beschreiben. Sonst kommt ein neuer Rolleninhaber, der zwar objektiv gute Arbeit leistet, aber vielleicht nur 80% Überschneidung mit dem Vorgänger hat. Die Folge kann Frust auf allen Seiten sein.

Lass jemand externes darüber lesen!

Der einfachste Weg, ordentliche Rollenbeschreibungen zu erstellen, ist das mit einem Mentor oder einer Mentorin zu tun. Diese Person kann den externen Blickwinkel beitragen, der einem selbst fehlt. Zudem kann eine solche Person auch ganz bewusst immer wieder fragen, ob die jeweiligen Inhalte wirklich Bestandteil der Rolle sind.

Das Ziel dieser Arbeit ist es, analog Personas zum Beispiel im Recruiting, eine klare Definition davon zu erhalten, welche Aufgaben und Verantwortungsbereiche eine bestimmte Rolle im Unternehmen hat.

Dabei solltest Du Dir auch darüber klar werden, dass eierlegende Wollmilchsäue Einbildung sind. Wer diesen Maßstab an seine Rollen anlegt, hat zwar eine klar definierte Nische zum Suchen passender Personen, nur ist diese Nische vermutlich leer.

Besser ist es, die Inhalte der Rolle zu priorisieren. Was ist denn genau Pflicht? Was muss ein Rolleninhaber direkt können? Was kann er oder sie noch lernen? Wo sind optionale Bestandteile?

Das hilft auch beim Recruiting

Diese Arbeit ist anstrengend, aber bringt Dir gleich mehrere Vorteile:

  1. Dein Recruiting ist sehr einfach, denn aus einer guten Rollenbeschreibung kannst Du durch simples Kopieren nahezu perfekte Inhalte für Jobanzeigen herausziehen. Die meisten Anzeigen enthalten einen Abschnitt „Das sind Deine Aufgaben“ – den kannst Du damit befüllen.
  2. Gute Rollenbeschreibungen sind auch die Grundlage für interne Fortbildung. Dass ein neues Teammitglied direkt alle Anforderungen zu 100% erfüllt, ist unwahrscheinlich. Legst Du die Rollendefinition daneben, siehst Du direkt, in welche Bereiche von Weiter- und Fortbildung Du investieren kannst, um das Teammitglied bestmöglich zu befähigen.
  3. Und nicht zuletzt, Rollen sind nicht gleich Personen. Personen können Inhaber mehrerer Rollen sein – für die individuelle Karriereplanung und Spezialisierung sind solche Rollen also ein perfektes Mittel, um auf einfache, klare und transparente Art und Weise Aufgaben und Verantwortungsbereiche zu wechseln oder zu verschieben. Das ist immer dann besonders wichtig, wenn eine spezifische Rolle immer mehr Raum einnehmen muss (bspw. Führungsrollen).

Wir haben mittlerweile für fast alles, was im Unternehmen passiert, entsprechende Rollen definiert. Bislang war das eine der besten Entscheidungen im Bereich Struktur, die wir je getroffen haben. Es bringt eine Menge Klarheit und Chancen, Problembereiche zu erkennen und zu beheben.

 

Bildquelle: Stephanie Hofschlaeger // pixelio.de

 

 

Jeder Nachfolger hat viele verschiedene Aufgaben, davon sicherlich auch einige, die sehr spezifisch mit dem jeweiligen Unternehmen zu tun haben, oder mit der Branche.

Was alle Aufgaben aber für meine Begriffe gemeinsam haben, ist, dass man sie in drei Aufgabenbereiche oder Rollen einordnen kann, die wir als Nachfolger haben. Bewusst wurde mir das in dieser Klarheit erst, als ich das Buch „Der Weg zum erfolgreichen Unternehmer“ von Stefan Merath(Affiliate Link) gelesen habe. Über den Titel mag man gerne streiten, inhaltlich finde ich das Buch in jedem Fall mehr als empfehlenswert. Das vorgestellte Modell ist praktisch und schnell anwendbar – und schlägt mit dieser Einfachheit ausgefeiltere, aber kompliziertere theoretische Modelle. Ich spreche ja immer davon, dass Dinge schnell ausprobiert werden und dann angepasst werden sollen. Deshalb bevorzuge ich auch Meraths Modell als Ausgangspunkt. Und in einem echten Nachfolge-StartUp ist es auch wichtig, schnell zu starten und auf dem Weg den Kurs zu korrigieren.

Die drei Rollen will ich Dir heute anhand von Beispielen aus meinem Alltag vorstellen und denke, dass Du Dich darin auch wieder erkennst. Wichtiger ist aber die Frage, was man aus dem Wissen macht. Auf meine Gedanken dazu gehe ich im Anschluss ein.

Die Rolle der Fachkraft

Die erste Rolle, die man vermutlich auch manchmal aus vorherigen Lebensstationen kennt, ist die der Fachkraft. Als solche hat man spezifische Aufgaben, die meist direkt oder indirekt mit der Wertschöpfung des Unternehmens zusammenhängen. Beispiele wären aus meinem Feld Programmierer, oder aber Produktionsmitarbeiter in der Industrie, Mitarbeiter in der Finanz- oder Personalabteilung, und viele weitere mehr.

Diese haben gemeinsam, dass sie operative Aufgaben bekommen, die sie zu erfüllen haben. Die Erfüllung dieser Aufgaben trägt mittelbar oder unmittelbar zum Tagesgeschäft bei, sei es durch die Mitarbeit bei der Herstellung von Produkten oder der Erbringung von Dienstleistungen, oder durch dazu notwendige andere Funktionen.

In meinem Fall war ich auch zuerst Fachkraft in meinem Unternehmen. Ich denke, das wird insbesondere bei Familienunternehmen oft der Fall sein. Es spielt aber keine Rolle, ob man vorher vielleicht auch woanders Fachkraft war. Ich jedenfalls begann im Bereich Marketing und Vertrieb und habe dort entsprechende Aufgaben wahrgenommen: Pflege der Homepage, Entwurf und Durchführung von Marketingmaßnahmen, Vertriebskampagnen und alles, was sonst noch dazu gehört.

Die Rolle des Managers

Die zweite Rolle ist die des Managers. Manageraufgaben sind diejenigen, die zum reibungslosen Ablauf des Tagesgeschäfts beitragen, aber nicht das Tagesgeschäft sind. Zum Beispiel braucht es jemanden, der Dienstpläne erstellt, Kennzahlen entwirft und sichtet, Termine koordiniert oder Mitarbeitergespräche führt. All das sind Beispiele für die Aufgaben, die die Rolle Manager wahrnimmt. Der Manager soll die Strategie des Unternehmens in Projekte und Aufgaben konkretisieren, diese verteilen und über ihre Durchführung wachen. Er ist verantwortlich für das operative Ergebnis (nicht nur, aber auch in finanzieller Hinsicht – er ist zum Beispiel auch der Feuerwehrmann, wenn es Probleme gibt und muss dann eine Lösung herstellen). Je nach Unternehmensgröße gibt es für Teilbereiche dieser Aufgaben u. U. eigene Abteilungen (bspw. Personal oder Finanzen).

In meinem Fall, also in einem kleinen Unternehmen, sind die Aufgaben zu großen Teilen auf eine Person konzentriert. So sind zum Beispiel Jahresplanung, Mitarbeitergespräche, die Ressourcenplanung, der Einkauf und die Terminkoordination Manageraufgaben, die in aller Regel ich wahrnehme.

Die Rolle des Unternehmers

Die dritte Rolle ist die des Unternehmers. Sein Fokus ist die Strategie, der Kurs des Unternehmens. Merath drückt es bildlich aus, indem er Manager- und Unternehmerrolle in ihrem Wirkungsfeld unterscheidet: Der Manager arbeitet im Unternehmen, der Unternehmer am Unternehmen. Neben dieser Hauptaufgabe gibt es weitere Inhalte für diese Rolle, bspw. Networking, die Definition der Kernwerte des Unternehmens oder die Personalauswahl.

Klar ist, dass alle diese Aufgaben bei mir angesiedelt sind. Ich besuche die entsprechenden Veranstaltungen, engagiere mich in Verbänden und anderen Gruppierungen, knüpfe Kontakte, plane die Strategie und halte, zusammen mit meinem Team, jederzeit die Augen offen, um Chancen und Trends zu erkennen.

Was kannst Du nun daraus mitnehmen?

Zuallererst solltest Du es Dir bewusst machen! Im Alltag hat man oft vor lauter Aufgaben (die meist operativer Natur sind) überhaupt keine Zeit, diesen mentalen „Schritt zurück“ zu machen, und mal aus der Vogelperspektive auf das eigene Tun zu schauen. Mit diesem Wissen kannst Du (und das empfehle ich!) mal alles, was Du tust, aufschreiben und durch Kennzeichnung in eine der drei Rollen einordnen. Eine einfache Liste, hinter die Du ein U, M oder F schreibst, reicht völlig aus. So erkennst Du nicht nur, wo Dein Schwerpunkt liegt, sondern auch, wo Du vielleicht Hilfe benötigst.

Mein Tipp Nummer drei, bei dem ich Stefan Merath voll und ganz zustimme, ist es, vor allem die Fachkraftaufgaben abzugeben. Meine erste Einstellung war die einer Fachkraft, die seitdem Marketing und Vertrieb verantwortet. Das halte ich nach wie vor für eine sehr gute Entscheidung. Als Allrounder, der man als Nachfolger fast zwangsläufig ist, wird man nie die Effektivität einer dedizierten Fachkraft erreichen. Als kleines Extra bekommt man viel Zeit frei, um sich den anderen beiden Rollen zu widmen. Heute bin ich selbst nur noch selten im Bereich Marketing/Vertrieb aktiv – meist als Urlaubsvertretung oder indem ich Artikel schreibe, weil es mir Spaß macht.

Und wie kann ich mit den Manageraufgaben umgehen?

Bei der Managerrolle kommt es stark auf die Unternehmensgröße an. Ich habe diese noch fast zu 100% bei mir. In einem größeren Unternehmen können sicherlich viele Aufgaben auch abgegeben werden, sei es an die entsprechende Abteilung oder geeignete Personen. Ich empfehle hier mal eine Zeitmessung zu machen, über einen sinnvollen Zeitraum (einen Monat, zum Beispiel). Das Ziel dabei ist es, herauszufinden, wie viel Zeit man womit aus diesem Aufgabenbereich verbringt. Kombinierst Du eine solche Aufstellung mit einer sortierten Liste (sortiert danach, wieviel spezifische Kenntnisse für welche Aufgabe nötig sind) ergeben sich bestimmt einige Aufgaben, die Du anders verteilen kannst.

Der Grund dafür ist simpel: Die Rolle des Unternehmers kann und darf Dir niemand abnehmen. In der reinen Zahl der Aufgaben sind diese zwar wenige, aber dafür sind sie wichtige. Meine Erfahrung bislang ist, dass ich zwischen vielen operativen Anforderungen die vor allem die Managerrolle mit sich bringt, oft zu wenig Zeit dafür bleibt. Die Unternehmeraufgaben haben viel mit Nachdenken, kommunizieren, schlicht mit bildlichem und wortwörtlichen „Rausgehen“ aus dem Unternehmen zu tun. Das steht im Konflikt mit den Anforderungen des Teams und der Kunden an den Manager. Zudem wird man in der Managerrolle auch einfach oft unterbrochen und die Anforderungen wechseln schnell. Sich dann mit einer langfristigen Vision oder den Kernwerten des Unternehmens zu beschäftigen fällt schwer. Deshalb prüfe ich zurzeit auch, was ich noch aus der Managerrolle abgeben kann, um mich mehr der Unternehmerrolle zu widmen.

Die Unternehmerrolle wird oft vernachlässigt

Was mir hierbei besonders auffällt, ist die Sensibilität des Teams für An- oder Abwesenheit. Mein Team signalisiert mir recht schnell, wenn es der Ansicht ist, dass ich zu häufig außer Haus bin. Das steht natürlich oft im Konflikt mit meinen Unternehmerzielen und -aufgaben. Bislang habe ich es noch nicht geschafft, diesen Konflikt abschließend zu lösen. Mir ist klar, dass ich eigentlich noch mehr in diese Richtung tun muss, darf aber dabei die Bedürfnisse des Teams nicht aus den Augen verlieren. Wer hier einen Tipp oder Erfahrungswert für mich hat, dem bin ich sehr dankbar. Mein Ratschlag ist jedenfalls: Wenn Du diese Einteilung in Rollen einleuchtend findest und es für Dich relevant ist, kommuniziere das auch in Richtung des Teams. Sensibilisiere es dafür, dass es verschiedene Anforderungen gibt. Diese sind nicht immer direkt sichtbar und auch nicht immer automatisch bei Dir zu verordnen. Und halte es auf dem Laufenden, damit es nicht überrascht vor einem leeren Büro steht.

Ich hoffe, das hilft Dir so sehr, wie es mir bislang geholfen hat. Ich kann das Buch nur wärmstens empfehlen. Es enthält noch weitere gute Ideen und ist auch, da es in Form einer Geschichte geschrieben ist, angenehm kurzweilig zu lesen.

 

Hinweis: Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links.

Episoden

Als Nachfolger hast Du viele Hüte auf. Je nach Größe Deines Unternehmens legst Du noch überall selbst mit Hand an, ob in Produktion, bei der Buchhaltung oder im Vertrieb. Das alleine ist aber nicht ausreichend. Es gibt viele andere Aufgaben, die Du zusätzlich erledigen musst. Die Planung, Organisation und Koordination ebenso wie die Strategie und die Vertretung des Unternehmens nach außen.

Eine Kategorisierung hilft

Wie bei allen unübersichtlichen Situationen hilft ein einfaches System, Ordnung zu bringen. In dieser Episode stelle ich Euch dieses Mittel, das auf Stefan Merath zurückgeht, vor. Es unterteilt all Eure Aufgaben in nur drei Rollen und ist deshalb schnell vermittelbar und leicht anzuwenden.

Hat man sich das erst einmal bewusst gemacht, gibt es einige Dinge, die man mit diesem Wissen tun kann. Im zweiten Teil der Episode spreche ich darüber, was ich damit angestellt habe und welche positiven Effekte es hatte. Gleichzeitig zeige ich aber auch, wo die Gefahren liegen, wenn die ein oder andere Rolle zu kurz kommt. Mit diesem Wissen schafft Ihr es bestimmt auch, Eure Aufgaben künftig besser zu strukturieren und so Euer Nachfolge-StartUp zum Erfolg zu führen.

Links zur Episode: