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Heute begeben wir uns in das Reich der Fiktion. Ich möchte Dir eine Geschichte erzählen, die Dir auf Deiner Reise Hinweise gibt, wie Du es besser machen kannst. Normalerweise finde ich Negativbeispiele wenig wünschenswert – in diesem Fall mache ich allerdings eine Ausnahme, denn aus failed Leadership kannst Du einiges lernen.

Es war einmal…

Es war einmal ein Unternehmen. Ein sehr großes Unternehmen, mit Aktionären, vielen Kunden und einem großen Vorstand.

Dieses Unternehmen hatte eine wechselhafte Geschichte hinter sich. Besitzerwechsel, knapp vermiedene Pleiten, große Erfolge und ebenso große Niederlagen. In seiner über 70jährigen Geschichte hatte sich vieles ereignet.

In der jüngeren Vergangenheit hatte es entscheidende Wechsel gegeben. Knapp 20 Jahre zuvor war das Unternehmen kurz vor der Insolvenz. Hohe Produktionskosten, wenig innovative Produkte, die Konkurrenz rümpfte nicht nur die Nase sondern belächelte das Unternehmen. Der Vorstand, relativ frisch im Amt, erkannte die Probleme und verordnete dem Unternehmen eine Radikalkur. Der Widerstand bei Mitarbeitern und Kunden war groß. Dennoch war das Projekt erfolgreich. Aus einem Unternehmen kurz vor der Pleite wurde wieder ein stabiles, geachtetes Unternehmen. Die Kosten wurden reduziert, die Kundschaft profitierte von besseren Produkten, die Aktionäre hätten zufrieden sein können. Stattdessen wurde aber der ungeliebte Vorstand geschasst.

Nachfolger konnte profitieren

Der neue Vorstand trat mit dem Versprechen an, weiter in die Entwicklung des Unternehmens zu investieren. Die Vorarbeit des Vorgängers erwies sich auch langfristig als erfolgreich, das Unternehmen erzielte über Jahre stabile Renditen.

Die Folge war, dass es keinen Innovationsdruck gab. Zufriedene Kunden, zufriedene Aktionäre, der Vorstand hatte ein vermeintlich einfaches Leben. Die Resultate kamen wie von selbst. Zwar konnte man keine großen Sprünge machen, aber die Umsätze wuchsen, die Produkte fanden auf dem Markt Anklang. Die versprochenen Investitionen erschienen nicht mehr notwendig.

Stattdessen zahlte sich es sich für den Vorstand aus, den Kurs beizubehalten. Neue Produkte oder Innovationen waren nicht notwendig. Die Rendite blieb, selbst in Krisen, die den Markt erschütterten, stabil. Der Vorstandsvorsitzende wurde ein ums andere Mal wiedergewählt. Zwar sank die Zustimmung mit jeder Amtsperiode, aber sie war immer noch ausreichend groß – warum auch etwas ändern, wenn der Erfolg am Markt weiterhin so groß war?

Peter-Prinzip

Während dieser Erfolgsphase passierte im Vorstand und im mittleren Management auch vieles. Es gab Beförderungen, die vor allem nach persönlicher Gunst, nicht aber nach Kompetenz vorgenommen wurden. Korruption, Veruntreuung und Verschwendung wuchs, wurde aber seitens des Vorstandsvorsitzenden toleriert.

Mit der Zeit verlor das Unternehmen seinen tadellosen Ruf. Kunden waren von den Produkten gelangweilt, weil keine Innovation passierte. Die Konkurrenz schlief nicht. Nicht nur schuf sie bessere Produkte, sondern sie warb auch diejenigen Mitarbeiter ab, die willens und fähig waren, diese Innovation voran zu treiben. Somit griff das Peter-Prinzip immer mehr, denn übrig blieben diejenigen, deren Kompetenz zweifelhaft war – viele schafften es sogar in den Vorstand.

Kritische Stimmen wurden dagegen verunglimpft und aus dem Unternehmen gedrängt.

Kultur im Fokus

Aus dem einstmals bewunderten und starken Unternehmen entwickelte sich ein Sanierungsfall. Die Substanz, die Jahre zuvor durch kluge, notwendige und zukunftsweisende Entscheidungen aufgebaut wurde, verfiel. Der Markt zeigte sich enttäuscht, ebenso die Aktionäre, selbst wenn die Hauptversammlungen aufgrund strikter Regeln und geschickter Allianzen im Griff gehalten wurden.

Der Vorstandsvorsitzende baute keinen Nachfolger auf, sondern sicherte sich den vollständig abgesicherten Ruhestand auf Kosten der Aktionäre. Kulturell gab es keinen Fortschritt mehr – statt, wie einstmals, für Neuerungen und Fortschritt zu stehen förderte das Unternehmen nun Stillstand und einen Fokus auf inneren Machterhalt. Die Kunden und Aktionäre kamen in der Betrachtung nicht mehr vor, ebensowenig die Konkurrenz.

Was noch funktionierte, war das Marketing. Es wurden Unsummen in die Public Relations investiert, so dass das Bild des Unternehmens stets positiver war, als seine tatsächliche Wertschöpfung.

Krisen fördern alles zu Tage

Mit dieser Ausgangslage kam es zu einer Krise. Der Markt wurde erschüttert. Äußere Einflüsse, die niemand vorhersehen konnten, trafen auf das Unternehmen.

In dieser Krise war Führung gefragt. Diese fand aber nicht statt, da der Vorstandsvorsitzende bereits seinen Rücktritt eingereicht hatte, und kein großes Interesse mehr hatte, das Unternehmen zu führen. Da potentielle Nachfolger zusammen mit den Leistungsträgern in der Belegschaft schon lange zuvor das Unternehmen verlassen hatten, überließ der Vorsitzende seinem Vorstand die Arbeit.

Der Vorstand, in ungeeigneter Besetzung, hatte keine Ideen, wie mit der Krise umzugehen sei. Kurzfristige Maßnahmen wurden immer wieder aufs neue probiert, eine langfristige Strategie wurde versäumt. Während die Mitbewerber teils gestärkt durch die Krise gingen, und immer höhere Marktanteile gewannen, schlitterte das Unternehmen immer tiefer in die roten Zahlen. Die Vorstände unterboten sich mit Fehlleistungen, die in anderen Unternehmen zur Kündigung geführt hätten. Leider sah die Satzung vor, dass sie nur durch den Vorsitzenden entlassen werden können. Dieser bezog aber nur eine moderierende Stellung, statt die Führung zu ergreifen.

Zu Beginn der Krise belächelte man die Konkurrenz, weil die Substanz noch ausreichte. Nach einem Jahr allerdings hatte sich das Bild gewandelt: Das Unternehmen stand am gleichen Punkt wie 20 Jahre zuvor.

Failed Leadership – Lessons to learn

Aus dieser fiktiven Geschichte über failed Leadership gibt es für Unternehmer und Führungskräfte viel zu lernen. Hier meine Top 3 Lektionen:

  1. Leadership erfordert Entscheidungen. Der fiktive Vorstandsvorsitzende hatte großes Glück, dass die Arbeit des Vorgängers seine bevorzugte Handlungsweise, Entscheidungen zu vermeiden, perfekt unterstützt hatte. In der langen Periode des Erfolgs dieser Arbeit konnte er die Früchte ernten, hat aber für sein Unternehmen großen Schaden verursacht. Alle notwendigen Entscheidungen, die die Zukunft betrafen, wurden nicht getroffen. Damit ist das Unternehmen, trotz vermeintlichem Erfolg, heute dort, wo es vor 20 Jahren war. Es fehlt an Substanz, Rücklagen, Zukunftskonzepten für neue Produkte und am richtigen Personal. Insbesondere letzteres ist mit die größte Gefahr, denn die Teamhygiene ist nun mal der Job eines Leaders.
  2. Wertschöpfung passiert nicht im Vorstand. Das Team und die Produkte sind entscheidend. Wenn man die besten Köpfe verliert, ist irgendwann kein Geld mehr zum Verwalten da. Wer sich zuviel mit internen Prozessen und der Verteilung von Geld beschäftigt, vergisst leicht, wo es herkommt – und wie schwierig es ist, etwas zu verteilen, das plötzlich nicht mehr da ist.
  3. Krisen wirken bereinigend. Das Unternehmen kann aus der Krise wie Phönix aus der Asche erwachen. Allerdings wird der Weg dahin steinig und beschwerlich. Es wäre deutlich einfacher gewesen, die Konkurrenz nicht zu belächeln, nur weil die Kunden treu waren, sondern sich ein Beispiel daran zu nehmen. Statt in den guten Zeiten Investitionsstau und Verwaltungsaufwand zu produzieren, sollte man gerade dann in die Zukunft investieren und darauf achten, dass alles im bestmöglichen Zustand ist – denn Krisen kommen immer wieder.

Es gibt hier natürlich noch viel mehr zu lernen. Leider. Auf den Betriebsrat und die Unternehmenskultur bin ich nämlich noch nicht eingegangen. Als Leseempfehlung gebe ich Dir noch einen Artikel und ein Buch mit. Sie könnten kaum aktueller sein.

Hinweis: Wer lieber hört, statt zu lesen, findet dieses Thema auch als Podcast auf Follow-Up.fm.

Ich laß vor einiger Zeit einen tollen Artikel von Bill Taylor mit dem Titel „Companies can’t be great unless they’ve almost failed“. Das mag dramatisch klingen, ist aber für mich ein wichtiger (und wahrer) Satz. Mein Unternehmen ist in seiner nun 27jährigen Geschichte mehrfach fast gescheitert. Mit mindestens zwei dieser Vorfälle hatte ich direkt zu tun, mit vielen anderen indirekt.

Für Dich als Nachfolger ist das deshalb wichtig, weil diese Dinge nicht einfach verschwinden. Oft genug hinterlassen sie Altlasten. Diese zu identifizieren und richtig damit umzugehen, ist ein entscheidender Erfolgsfaktor bei Deiner Nachfolge!

Deshalb will ich Dir heute sowohl bei der Identifikation und der Beseitigung von Altlasten helfen, und Dir auch einige persönliche Ratschläge dazu geben.

Welche Altlasten gibt es denn überhaupt?

Wenn Du Dir mal kurz Gedanken machst, werden Dir einige offensichtliche Antworten einfallen. Diese sind auch, in aller Regel, unmittelbar sichtbar. Mangelnde Liquidität erkennst Du auf den Geschäftskonten. Einen Investitionsstau beim Blick auf die Ausstattung und das Team. Verlustvorträge zeigen sich in der Bilanz.

Es gibt noch viele andere Altlasten, die bei weitem nicht so offensichtlich sind. So kann Dein Personal eine Altlast sein, indem es nicht den aktuellen Anforderungen entspricht, eine unpassende Altersstruktur hat oder der Nachwuchs fehlt. Dazu kommen noch „weichere“ Faktoren wie Motivation und Zusammenhalt. Die Organisationsstruktur des Unternehmens kann unpassend oder veraltet sein. Vielleicht gibt es auch noch laufende juristische Auseinandersetzungen, die erhebliche Risiken beinhalten.

Zu guter letzt gibt es auch noch Dinge, die Du erst wahrnimmst, wenn sie akut werden, was gerade im Kontext der Nachfolge besonders oft passiert. Beispiele dafür sind Kontakte und Geschäfte, die nur der Vorgänger kannte, veraltete Prozesse oder schlechte bzw. fehlende Dokumentation.

Damit Du das alles erfolgreich bewältigst, empfehle ich Dir vier Schritte.

Schritt 1: Identifizieren

Im ersten Schritt ist es Deine Aufgabe, alles auf den Tisch zu bringen. Beginne bei einer Analyse von Zahlen:

  • Umsatz und Ergebnis der letzten Jahre
  • Tendenz der letzten Jahre
  • Reserven (Kontostand)
  • Wie funktioniert das Geschäftsmodell, gibt es (wiederkehrende) Liquiditätsengpässe?

Anschließend sprich mit Deinem Team. Versuch dabei darauf zu achten, dass Du offene Fragen stellst, zum Beispiel:

  • Was müsste mal erneuert werden?
  • Welche Dinge missfallen Dir schon länger?
  • Welches Wissen ist bei einzelnen, und nur dort?
  • Wo siehst Du die größten ungelösten Probleme?

Danach solltest Du mit Steuerberater und Anwalt sprechen, um das Bild zu vervollständigen:

  • Welche Prozesse wurden in der Vergangenheit geführt, warum und mit welchem Ergebnis?
  • Gibt es laufende Verfahren?
  • Welche Risiken stecken darin?
  • Gibt es bilanzielle Risiken, wie bspw. Pensionszusagen?
  • Wo seht Ihr die größten ungelösten Herausforderungen?

Abschließend empfehle ich Dir, Deine eigene Beobachtung nicht zu vernachlässigen. Dein frischer Blick sieht oft Dinge, für die andere „betriebsblind“ sind. Gesunder Menschenverstand reicht meist aus, um viele Missstände wahrzunehmen.

Und nun kommt der wichtigste Ratschlag: Schreib alles auf! Danach kannst Du es mit Vertrauten besprechen, um Lücken zu füllen und eine zweite Meinung zu bekommen.

Schritt 2: Priorisieren

Jetzt ist es Deine Aufgabe, das, was Du Dir notiert hast, in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen. Ich empfehle Dir folgende Prioritätenreihenfolge:

  1. Liquidität ist die unangefochtene Nummer eins
  2. Teammotivation
  3. Laufende juristische Prozesse
  4. Spezielle Kontakte/Kenntnisse des Vorgängers
  5. Investitionsstaus
  6. Personalaufbau/-qualifikation
  7. Der Rest, also begonnen bei Organisation über Prozesse bis zur Dokumentation

Egal sein kann Dir der Verlustvortrag. Diese Messgröße für Fehler der Vergangenheit ist heute bares Geld wert – also kein Problem.

Schritt 3: Handeln planen – direkte Bedrohungen

Warum gerade diese Reihenfolge? Nun, das will ich gerne erläutern – ebenso, wie Du konkret vorgehen kannst.

Liquidität muss gesichert sein. In Episode sechs von Follow-Up.fm und in diesem Blog habe ich bereits deutlich gemacht, warum diese Kennzahl für mich die mit Abstand wichtigste ist. Es gibt mehrere Wege, damit umzugehen. Du kannst Kosten senken, was in aller Regel zu Lasten des Teams geht. Du kannst auch Geld hineinpumpen, meist über Kredite. Ich empfehle Dir dazu auch noch, einfach mal alle zu fragen. Stell die Situation plastisch dar, mache klar was erforderlich ist und frage, wer Ideen hat. Du wirst vielleicht überrascht sein, wie gut Teams mit Transparenz umgehen können und welchen Beitrag sie leisten können. Dafür solltest Du Dir auch ein oder zwei Termine Zeit nehmen. Wenn es wirklich an diesen 1-2 Tagen hing, war es, ehrlich gesagt, eh zu spät.

Teams, die auseinander zu brechen drohen (oder effektiv keines mehr sind), sind meiner Ansicht nach die zweithöchste Gefahr. Ohne Dein Team läuft Dein Geschäft nicht. Dein Job ist es herauszufinden, warum das so ist, indem Du mit dem Team sprichst. Je nach Größe geht das mit allen, oder einem repräsentativen Kreis, den das Team idealerweise selbst bestimmt. Oftmals hängen Probleme hier direkt mit der Liquidität oder der Person Deines Vorgängers zusammen. Die Nachfolge ist der ideale Zustand, das zu klären – schließlich projezieren diese Menschen auch Hoffnungen auf Dich. Das ist eine tolle Chance, den berühmten „Rally around the Flag“-Effekt zu erzielen.

Laufende Prozesse sind nichts, was innerhalb weniger Tage explodiert. Je nach Umfang oder Gefahrengrad sind sie aber ein existenzbedrohendes Risiko. Lass Dir vom Anwalt eine Zusammenfassung geben, sie Dir aber auch darüber im Klaren, dass Du Dich einlesen musst. Vielleicht in Unterlagen eines sehr langen Zeitraums. Überlege Dir das worst case Szenario und plane dann, wie sehr Du Dich hineinhängen musst.

Indirekte Risiken sind nicht minder wichtig

Die speziellen Kontakte des Vorgängers zu übernehmen, ist allemal richtig. Zumindest, sofern dieser auch noch greifbar ist. Dann kannst Du ihn oder sie einfach bitten, Dich vorzustellen. Hole diese Menschen frühzeitig ins Boot und informiere sie. Das gleiche gilt für Wissen. Lass es dokumentieren, oder erlerne es mindestens selbst. Ist das alles nicht mehr möglich, zum Beispiel wie bei mir im Todesfall, ist es wichtig, mit dem Team zu sprechen. Diese wissen oft von den „besonderen Vereinbarungen“ des Chefs oder der Chefin. Anschließend ist das Handeln gleich, so schnell wie möglich den ersten Schritt machen. Geh auf Kunden zu, erlerne das spezielle Wissen, und/oder hole Dir wenn nötig Wissen von außen dazu.

Investitionsstaus können viele Formate haben. Das betrifft die Größe (schlicht: Die Kosten), die Auswirkung (manche Investitionen sind zwar verschleppt, haben aber keine riesigen Auswirkungen) und die Sichtbarkeit (bspw. neue Computer, die sieht jeder MA sofort). Sortiere die Themen anhand Deiner Prioritäten und vergleiche das dann, insbesondere auf der Kostenseite, mit Deinen Planungen. Ggf. Kann es sinnvoll sein, schon im Vorfeld mehr Kapital zu suchen, um im Zuge der Übernahme gleich Investitionen zu tätigen. Ich empfehle zudem, das letzte Kriterium, die Sichtbarkeit, nicht zu unterschätzen. Aufbruchsstimmung entfachen die Dinge, die man sofort erfasst.

Manchmal sind direkt sichtbare Maßnahmen besser, als größere unsichtbare. Klick um zu Tweeten

Alle anderen Punkte sind langfristiger Natur. Schlechte oder veraltete Prozesse und mangelnde Dokumentation sind Fakten, die sich eh nicht schnell ändern lassen. Deshalb löse erst die anderen Dinge und dann gehst Du mit Deinem Team an all die restlichen Themen ran. Die Balance zwischen nicht liegen lassen und alle nicht überfordern durch viele Änderungen ist hier wichtiger, als diese Altlast in einem bestimmten Zeitraum zu beseitigen.

Schritt 4: Umsetzen – mit einigen Tipps

Vielleicht ist der erste auch mein wichtigster Ratschlag für Dich: Tu Gutes und sprich darüber. Transparenz ist etwas gutes. Wenn Du es zur Maxime Deiner Führung machst, und das auch klar sagst (und tust), schafft das großes Vertrauen. Das gleiche gilt auch für die Teamgespräche. Wenn Du nicht mit allen sprechen kannst, sag das an und erläutere, warum das so ist und wie Du Deine Stichprobe ziehst. Idealerweise lässt Du das Team wählen!

Fördere und fordere Offenheit in Gesprächen. Mit Diplomatie löst man keine unter Umständen kritischen Probleme! Denk daran, dass viele Menschen davor Angst haben können. Du kannst voran gehen und so zeigen, dass es ok ist, klar miteinander zu kommunizieren.

Lade nicht alles auf Deinen Anwalt ab. Ein guter Anwalt steuert die juristische Seite und die Formulierung zu dem fachlichen Inhalt bei, der von Dir kommt. Die Strategie erarbeitet Ihr gemeinsam. Wir hatten diesen Fall und ich empfand es als sehr hilfreich, wenn auch enorm anstrengend, mich in alle Unterlagen der vergangenen Jahre einzuarbeiten. Hier gilt übrigens das Gegenteil dessen, was beim Umgang mit Deinem Team gelten sollte: Je weniger Emotion Du hinein bringst (was gerade bei Familienunternehmen, wo man vielleicht schon einiges mitbekommen hat, nicht leicht fällt), desto besser wird Deine Strategie sein.

Alles, was ich oben sage, ging implizit von der idealen Situation aus: Übernahme geplant, noch nicht abgeschlossen, finale Planungen v. A. bei Finanzen noch offen. Aber: Selbst bei ungünstigem Verlauf (wie bei mir) gelten meiner Ansicht nach die gleichen Regeln. Lediglich das Handeln muss ein wenig an die Situation angepasst werden. Gerade beim Thema Geld kann das schwierig sein – ich bin aber auch überzeugt, dass viele dieser Altlasten sich mit sehr geringem oder gar keinem Geldeinsatz lösen lassen. Zusammen mit dem Team findet man zudem auch oft Wege, Geld frei zu machen.

Die 80/20 Regel trifft auch bei Altlasten zu. 20% der Altlasten beseitigen heißt 80% der Probleme lösen. Such also die richtigen und wichtigen, nicht die Masse.

Du musst keine Angst vor Problemen haben, auch nicht vor vielen Problemen. Solange die Insolvenz nicht unmittelbar bevorsteht, sind alle anderen Dinge lösbar und zudem eine unglaubliche Chance, Schwung mitzunehmen und noch viel mehr zu schaffen. Das habe ich erlebt und kann selbst heute, Jahre später, nur mit Bewunderung und Dankbarkeit zurück blicken – die Herausforderungen haben mein Team und mich stärker und besser gemacht.

Hab keine Angst vor Problemen. Ihre Lösung ist eine riesige Chance für Dein Unternehmen! Klick um zu Tweeten

Zusammenfassung – und eine kostenlose Checkliste für Dich!

Es gibt viele verschiedene Formen von Altlasten, offensichtliche wie nahezu unsichtbare. Sie sind nicht nur Risiko, sondern auch eine Chance zum Schwung nehmen. Deshalb identifiziere sie mit geeigneten Methoden, bring sie in eine sinnvolle Prioritätenreihenfolge und entwirf einen Plan sie abzuarbeiten. Dabei gilt: Nur sehr wenige Dinge explodieren in den nächsten ein bis zwei Tagen, deshalb sei gründlich und bleib ruhig.

Ehrlicherweise wird es Momente geben, in denen Du Angst hast. Sie gehen vorbei. Deshalb versuche damit umzugehen (Partner und Freunde können helfen), aber mach es nicht zum Problem des Teams. Damit das Dich optimal unterstützen kann, muss es möglichst unbelastet sein.

Damit Dir das gelingt, habe ich Dir zu diesem Beitrag eine Checkliste gemacht, die ich Dir kostenlos zur Verfügung stelle. Ich freue mich auf Dein Feedback, wenn Sie Dir hilft!

Kürzlich habe ich mit Dr. Thomas Pitz, dem Leiter des Gründerzentrums der IHK Saarland gesprochen. Das Gespräch gibt es seit 1. Dezember 2016 auch in Form eines Podcasts auf Follow-Up.fm.

Er hat darin den idealen Ablauf einer Unternehmensnachfolge geschildert. Und ich habe mir währenddessen überlegt, was in der Realität alles schief gehen kann. Das ist meiner Erfahrung nach eine ganze Menge, insbesondere auch abseits des Themas Geld. Vieles erkennst Du nämlich erst, wenn die finanziellen Fragen alle schon geklärt sind.

Der Idealfall einer Nachfolge

Die ideale Nachfolge beginnt lange, bevor sie vollzogen wird. Die IHK empfiehlt ein Alter von 55 Jahren, um mit den Vorbereitungen zu beginnen. In aller Regel dauert sie dann auch mehrere Jahre, in denen die „Regler am Mischpult“, ein sehr schönes Bild von Dr. Pitz, ihre Position vertauschen: Der eine wird langsam heruntergefahren, der andere hoch.

Idealer Ablauf der Unternehmensnachfolge: Ein Regler hoch, der andere runter

Idealer Ablauf der Unternehmensnachfolge: Ein Regler hoch, der andere runter

Es gibt aber auch weitere Bestandteile einer perfekten Unternehmensnachfolge:

  • Einigkeit in Sachen Strategie
  • Eine optimale Finanzierung
  • Das Unternehmen ist gesund
  • Man hat gute Beratung
  • Das Team ist motiviert und steht der Nachfolge positiv gegenüber
  • Es gibt erfolgreiche Produkte und Dienstleistungen
  • Der Übergang, insbesondere der Zeitpunkt, ist klar definiert

Wenn das alles so zutrifft, ist es sicherlich toll. Allerdings halte ich es für recht unrealistisch. Diese Einschätzung wird auch von der IHK geteilt. Dazu kommt, dass der Idealtypus ein Wasserfallmodell ist. Es gibt definierte Schritte, jeder folgt auf den anderen. Meiner Erfahrung nach spielt die Realität dabei aber meist nicht mit, weshalb das Wasserfallmodell zur Planung einer Nachfolge auch nicht gerade ideal ist.

Die Realität kann komplett anders sein – fünf Beispiele

Ich habe kürzlich diese wunderbare Infografik bei Entrepreneur.com gesehen. Sie zeigt, woran StartUps scheitern, und was Experten dazu sagen.

Ausschnitt aus Infografik "Why startups fail" - Ein Klick auf das Bild öffnet das vollständige Original

Ausschnitt aus Infografik “Why startups fail” – Ein Klick auf das Bild öffnet das vollständige Original

Viele der genannten Punkte lassen sich eins zu eins auf die Unternehmensnachfolge übertragen. Ich kann fünf Beispiele aufzeigen, die ich selbst erlebt habe:

  1. Konflikt zwischen Vorgänger und Nachfolger, gerade in Familienunternehmen
  2. Uneinigkeit in Strategie und der Bewertung von Produkten, Dienstleistungen oder des Teams
  3. Eine schlechte wirtschaftliche Situation
  4. Demotivierte Teams
  5. Ungeplante Nachfolge ohne Regelung, beispielsweise durch einen Todesfall

Uneinigkeit und ihre Folgen

Generell ist es ja schon im normalen Familienleben manchmal schwer, gut miteinander aus zu kommen. Eltern und Kinder haben Konflikte, das ist völlig normal. Zuhause kann man sich aber aus dem Weg gehen. Wenn Mutter oder Vater allerdings auch noch der eigene Chef oder die eigene Chefin sind, wird es schwierig.

Meine Erfahrung ist, dass es eigene Kinder im Familienbetrieb tendenziell schwerer haben. Sie müssen sich nicht nur dem Team, sondern auch den Eltern gegenüber besonders beweisen. Es ist dabei eine konstante Verlockung, in diesem Konflikt billige Treffer zu landen – schließlich kennst Du die Schwachstellen Deiner Eltern viel besser als ein Fremder. Aus den Gesprächen mit meiner Mutter weiß ich, dass das umgekehrt genauso gilt. Vielleicht kennst du es ja auch. Dieser Versuchung musst Du unbedingt widerstehen! Leider bleiben diese Konflikte nicht folgenlos, wenn es um die Nachfolge geht. Verletzte Gefühle sind fast ein Garant für schlechte Entscheidungen.

Meine Strategie und meine Ansicht sind aber die besten!

Einer der entscheidenden Streitpunkte, den nicht nur Nachfolger in Familienbetrieben, sondern auch Fremdnachfolger mit den Inhabern haben, ist die Strategie und die Bewertung von Produkten oder Mitarbeitern. Wo Herzblut drin steckt, ist es vielleicht auch zu viel verlangt, es emotionslos zu bewerten. Allerdings sind die möglichen Folgen gravierend. Fehlentscheidungen hier können eine Firma ruinieren.

Deshalb plädiere ich vor allem dafür zu akzeptieren, dass es nicht nur eine Strategie, die von Vornherein festgelegt werden kann gibt. Es gibt verschiedene Wege und Ansichten, die in der Zukunft Erfolg bringen können. Dazu muss die eigene Ansicht aber auch dauernd hinterfragt und bei Bedarf angepasst werden.

Wirtschaftliche Schwierigkeiten sind ein Einstieg in einen Teufelskreis

Unternehmen können sich, auch zum Zeitpunkt einer Nachfolge, in wirtschaftlichen Schwierigkeiten befinden. Leider gibt es nur wenige Firmen, in denen es konstant nach oben geht.

Der Altinhaber trägt dazu meist sogar indirekt bei, vielleicht auch ohne es zu merken. Schlechte Zahlen, mangelnde Liquidität oder Rentabilität, sind kein Ende einer Prozesskette, sondern ein Element eines Teufelskreises. Wenn Produkte oder Dienstleistungen nicht mehr gut laufen, werden die Investitionen meist zuerst zurückgefahren. Dadurch bilden sich Investitionsstaus, wodurch keine guten Produkten oder Dienstleistungen mehr geschaffen werden können. Bei der Übernahme bist Du dann als Nachfolger in einer Zwickmühle, denn Du brauchst Kapital. Sowohl, um die aktuelle Liquidität zu sichern, als auch den Investitionsstau zu bekämpfen. Das schafft natürlich besonderen Druck.

Schlechte Ergebnisse -> sinkende Investition -> schlechte Ergebnisse -> demotiviertes Team Klick um zu Tweeten

Hinzu kommt, das diese Art Situation meist auch direkt auf das Team wirkt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten ja nicht im „luftleeren Raum“. Geht es dem Unternehmen schlecht, führt das auch in aller Regel zu schlechter Stimmung im Team. Nicht die ideale Ausgangsvoraussetzung für einen Turnaround.

Viele Nachfolgen sind eben nicht geplant

Eine Tatsache, die auch manchmal übersehen wird, ist, dass die perfekt geplante Nachfolge leider oft nicht vorkommt. Ich habe es erlebt, weil mein Vater überraschend starb. Selbstverständlich gab es keine ausformulierten Nachfolgepläne. Es gab auch keine Möglichkeit, sich dann noch auszutauschen und vielleicht Rat zu Strategie oder Bewertung einzuholen. Und das Team dabei behutsam „mitzunehmen“ ist auch innerhalb eines Monats nicht möglich.

Meine fünf Beispiele sind auch nicht die einzig denkbaren. Es gibt noch viele Punkte, in denen die Unternehmensnachfolge nicht ideal ablaufen kann. Selbstverständlich kommen auch noch firmenindividuelle Herausforderungen obendrauf.

Du siehst, Nachfolge auf dem idealen Weg ist vielleicht eher selten. Das ist aber nicht schlimm. Jede Herausforderung kann gemeistert werden, solange man sich dessen bewusst macht und sich darauf einstellt.

Was Du als Nachfolger deshalb bedenken solltest

Vieles von dem, was ich geschrieben habe, klingt jetzt ein wenig so, als ob der eigene Plan egal sei. Schließlich gibt es so viele Gründe, warum er nicht aufgehen kann. Das ist falsch.

Es gibt die Redensart „Failing to plan is planning to fail“. Das ist auch hier völlig richtig. Allerdings darfst und sollst Du nicht davon ausgehen, dass Dein erster Plan exakt aufgeht. Auch der zweite wird es nicht, und auch die dritte Iteration nicht. Um ganz genau zu sein, Dein Plan wird vermutlich nicht mal den ersten Tag überleben. Und auch Jahre später wirst Du ihn weiter anpassen. Zum Beispiel habe ich über mehrere Jahre Arbeit in ein Produkt investiert, an dessen Wachstum ich glaubte. Leider trat das aber nie ein, und so habe ich, wenn auch zähneknirschend, erst im sechsten Jahr meiner Nachfolge den Plan diesbezüglich geändert.

Anpassungsfähigkeit ist von zentraler Bedeutung

Das ist nur ein Beispiel von hunderten, wenn nicht sogar tausenden, kleinen Anpassungen meines Plans. Die Realität hält sich leider nicht an Deine Pläne. Und darin liegt, meiner Meinung nach, auch das ganze Geheimnis im Umgang mit der Nachfolge: Iteratives Vorgehen, ein Zyklus aus planen, durchführen, evaluieren und anpassen, ermöglicht erfolgreiche Übergaben – und zwar in jeder Situation. Das ist beste StartUp-Schule und hat maßgeblich dazu beigetragen, dass wir es trotz vielen kleinen und großen Herausforderungen geschafft haben.

Das Geheimnis erfolgreicher Nachfolge: Ein Zyklus aus planen, tun, evaluieren und anpassen. Klick um zu Tweeten

Vielleicht noch ein Wort zum Thema Beratung. Es gibt für fast alle Bereiche, von Strategie über Finanzen bis hin zur Entwicklung, Berater. Diese Menschen haben meist großes Wissen und viel Erfahrung. Deshalb kannst Du geneigt sein, ihrem Urteil und Rat zu folgen. Dagegen spricht auch nichts. Nur denk daran, dass egal, wieviele Situationen der Berater oder die Beraterin bereits gesehen hat, es nie genau Deine Lage war. Und letztendlich ist nur genau ein Mensch verantwortlich. Das bist Du.

Kennst Du noch weitere Situationen, bei denen die Nachfolge nicht nach Plan verlief? Lass mich davon wissen!