Jan Hoßfeld
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Der Geschäftsführer als Flaschenhals

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Der Geschäftsführer als Flaschenhals

„Dafür musst Du den Chef fragen, der macht das immer“ ist ein Satz, den es in vielen Betrieben gibt. Gerade kleine Firmen sind oft um den Geschäftsführer herum gebaut. Im Zweifel weiß er oder sie, was zu tun ist, welche Zahlen wichtig sind, oder was irgendwann einmal mit dem Kunden vereinbart wurde. Oft fällt in der Folge dann ein weiterer Satz: „Der kann halt einfach nicht delegieren„. Das greift, aus meiner Sicht, zu kurz.

Delegation ist eben nicht alles

Ich habe in meinem Blog oft über Delegation geschrieben. Irgendwann sind die Aufgaben, die auf dem Tisch einer Führungskraft landen, einfach zu viel. Sie braucht Unterstützung und muss deshalb delegieren lernen – die Betonung liegt auf „lernen„, denn wenn es so einfach wäre, gäbe es den berühmten Satz von oben gar nicht.

Bevor man über das Delegieren nachdenken kann, sollte man sich allerdings bewusst machen, warum die Situation überhaupt so ist, wie sie ist. Dass alles beim Chef oder bei der Chefin landet, ist kein Zufall. Da sitzt jemand, der nicht nur entscheiden darf, sondern in aller Regel auch das Wissen und die Erfahrung hat, Entscheidungen schnell und gut zu treffen. Die Kunden kennen die Person und vertrauen ihr, so dass sie sich sicher sind, dass eine Eskalation in Richtung Geschäftsführung auch das gewünschte Ergebnis bringt. Und dazu kommt noch eine Vielzahl kleiner Ausnahmen aus der Vergangenheit, die nur eine Person kennen kann, die lange dabei ist.

Das System ist zeitweise hocheffizient

Dieses System der Chefzentriertheit fühlt sich lange Zeit extrem gut an, und zwar für alle Beteiligten. Die Entscheidungen im Alltag kommen schnell, so dass das Team weiterarbeiten kann. Dem Kunden wird unbürokratisch geholfen und das Unternehmen läuft damit wirklich gut.

Dazu kommt noch ein Punkt, den Unternehmer und Unternehmerinnen sehr ungerne hören: Es fühlt sich verdammt gut an, gebraucht zu werden. Wenn man selbst die letzte Instanz ist, passiert jeden Tag etwas, für das man gebraucht wird. Und je öfter man selbst den entscheidenden Beitrag liefert, desto mehr gewöhnt man sich daran. Das Team und die Kunden tun das auch. Sie wissen, da ist jemand im Hintergrund, der die kleinen und großen Probleme des Alltags locker bewältigt. Das kann sehr lange Zeit wirklich gut funktionieren und fühlt sich dabei schnell, unkompliziert und kundennah an.

Die Grenzen des Wachstums

Unternehmen verändern sich allerdings mit der Zeit. Sie wachsen, erschließen neue Produktbereiche und Kunden, müssen sich einer sich ändernden Umwelt anpassen – dass es weniger komplex wird, ist die absolute Ausnahme. Leider zeigt sich dann die Grenze des Wachstums, denn die sitzt dann im Geschäftsführerbüro. Ein Mensch bleibt ein Mensch, egal wie kompetent und erfahren die Person ist. Bleibt dann alles beim Alten, stagniert der Betrieb, weil alles wichtige durch dieses Büro laufen muss.

Delegation ist dabei, wie eingangs erwähnt, oft der erste Reflex. Dabei löst Delegation exakt keines dieser Probleme, wenn sie einfach im bisherigen System umgesetzt wird. Viel wichtiger ist es aus meiner Sicht, die Organisationslogik zu betrachten und gezielt zu verändern. Eine zweite Führungsebene ohne klaren Rahmen wird scheitern. Die Übergabe von Verantwortung funktioniert nur dann, wenn sowohl das Recht zur Entscheidung als auch das Tragen der Konsequenzen dieser Entscheidungen übergeht. Und Kunden gewöhnen sich nur dann an andere Ansprechpartner, wenn sie nicht, wie seit Jahren gewohnt, „schnell beim Chef durchklingeln„.

Das ist eine ganz andere Arbeit, als einfach nur etwas mehr zu delegieren. Es ist die gezielte Arbeit an einem wachstumsfähigen Unternehmen ohne zu enge Flaschenhälse.

Beitragsbild mit KI erstellt

1. Oktober 2026/0 Kommentare/von Jan Hossfeld

Hierarchie ist nicht gleich Führung

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Wenn ich mich mit Menschen unterhalte, beobachte ich oft einen Denkfehler. Oftmals wird Führung mit Hierarchie gleichgesetzt. Das ist, in meinen Augen, falsch. Führung passiert, im Idealfall, auf allen Ebenen und in vielen Situationen.

Die klassische Hierarchie

In vielen Unternehmen beobachte ich eine ganz klassische Hierarchie. Es gibt Geschäftsführer, Abteilungsleiter, Teamleiter und vieles mehr. Im Grundsatz ist das auch durchaus hilfreich. Der Abgesang auf hierarchische Strukturen wäre verfrüht. Sie unterstützen das menschliche Bedürfnis nach Struktur, sie sind leicht zu erfassen und zu beschreiben.

Der Denkfehler ist es, diese Struktur mit Entscheidung gleichzusetzen. Besser ist es, aus meiner Sicht, über Verantwortung zu sprechen. Ein Abteilungsleiter muss nicht alles entscheiden oder gar machen. Ganz im Gegenteil. Er oder sie verantwortet einen Bereich. Zieht er oder sie allerdings jede Entscheidung an sich, passiert etwas, was absolut nicht wünschenswert ist: Es kommt zu einem Flaschenhals.

Entscheidungen zu treffen kostet Energie

Entscheidungen zu treffen, egal wie groß oder klein, ist aufwändig. Liegen alle Entscheidungen bei einer Person, sind alle anderen entlastet. Und die betreffende Person überlastet. Sie schafft sich damit ein System, in dem Leadership niemals geteilt werden kann und in dem Menschen nicht wachsen können.

Das Wachstum passiert immer dann, wenn man sich außerhalb des Gewohnten bewegt. Deshalb halte ich es für unbedingt erforderlich, dass die Hierarchie dem System dient, nicht das System ist. Hierarchie hilft, die Menschen in einer Abteilung zu strukturieren, ihre Aufgaben gegenüber anderen klar zu stellen und ihnen einen definierten Rahmen zu geben.

Innerhalb dieses Rahmens sollten sie aber am besten immer Verantwortung für ihre Aufgaben(-bereiche) übernehmen. Eine Supportanfrage, ein Kundenprojekt, selbst ein Meeting bedeuten, Führung auszuüben. Und das ist auch richtig so.

Delegation will gelernt sein

Neue Führungskräfte müssen oft erst lernen, was Delegation bedeutet. Es heißt nicht, Aufgaben zu verteilen. Denn das führt dazu, dass die Entscheidung, wer welche Aufgabe wie erledigt, bei der Führungskraft liegt. Auf lange Sicht bekommt man so kein Team, dass Verantwortung an- und übernehmen kann, sondern eine ferngesteuerte ToDo-Liste.

Dieser Lernprozess ist schmerzhaft, denn Delegation heißt auch nicht, alles abzugeben. Die Wahrheit liegt, wie so oft, in der Mitte. Ziele definieren, Roadblocks beseitigen, die Übersicht bewahren und auch die Teammitglieder in ihrer Zielerreichung im Auge behalten – Delegation und echte Führung ist harte Arbeit.

Und eines darf man nicht vergessen: Wenn ich möchte, dass Führung situativ durch alle wahrgenommen wird, braucht es Vertrauen in einen ungewissen Ausgang. Die „anderen“ werden es anders machen, als ich es tun würde. Und ich muss ihnen Raum lassen, und die Ergebnisse abwarten. Das ist unangenehm.

Lass Dich überraschen

Die gute Nachricht ist, dass man sehr oft positiv überrascht wird. Ein gutes Team, das Vertrauen und Ziele geschenkt bekommt, das Hierarchie als unterstützenden Rahmen erlebt und das Führung als situative Aufgabe für alle begreift, wird immer wieder tolle Ergebnisse liefern. Ergebnisse, auf die man selbst nicht gekommen wäre. Es wird Wege gehen, die man selbst nicht gesehen hat. Kurz gesagt: Die Unsicherheit, das ungute Gefühl: Es lohnt sich durchzustehen.

Bildquelle: Stephanie Hofschlaeger  / pixelio.de 

23. April 2021/3 Kommentare/von Jan Hossfeld

Computerspiele? Gutes Lernmaterial für Nachfolger und Unternehmer!

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Copyright-Hinweis für das Beitragsbild: By CCP Games – en:EVE Online, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4321549

Nein, ich bin noch nicht völlig abgedreht, keine Angst. Wie viele Menschen spiele ich Computerspiele. Da ich an der Quelle saß, seit frühester Kindheit. Was damals noch neu und wenig verbreitet war, ist heute Mainstream. Die Industrie setzt mittlerweile mehr um als Hollywood. Und praktisch jeder spielt – nicht alle intensiv, aber fast jeder irgendwie.

Komplexe Spiele, komplexe Rollen… viel zu lernen!

Wenn man unterschiedliche Typen einteilen möchte, falle ich nicht unter den sogenannten „Casual Spieler“. Ich habe nicht mehr so viel Zeit wie früher, aber ich bevorzuge das, was man als AAA-Titel bezeichnet, oder langfristige Spiele wie MMO’s, gegenüber beispielsweise kleinen Spielen auf Tablets oder Mobiltelefonen.

Meine aktuelle Leidenschaft gilt Eve Online – ein Spiel, dass so komplex ist, dass viele es als „Arbeit nach der Arbeit“ bezeichnen. In meiner Spielergruppe (in Eve „Corp“ genannt) gibt es einen Podcaster. Alexander hat es sich zur Aufgabe gemacht, in seinem Podcast, oft mit Hilfe von Gästen, Spielmechaniken und Inhalte zu erklären und zu beleuchten.

Auf der Fahrt zu einem Kundentermin habe ich heute seine Episode zur Rolle des Fleet Commanders in Eve Online gehört – und fand sie klasse. Der Gast, Fork, ist mir bekannt, da ich auch schon unter seinem Kommando spielte. Zugegeben, aufgrund von Forks Sprechtempo (ja, man gewöhnt sich daran) und den vielen Begriffen aus dem Spiel ist der Podcast nicht einfach zu verarbeiten.

Auf das darin erwähnte „Beiblatt“ allerdings möchte ich hier eingehen.

Die virtuelle Welt ist keine abgetrennte – Es ist ein Teil der Welt

In der Beilage schreibt Fork die wichtigsten Eigenschaften eines FC und die Anforderungen an die Rolle auf. Und wenn man mal neutral darauf schaut, merkt man, dass vieles davon auch für Nachfolger und Unternehmer, oder Führungskräfte im Allgemeinen, wichtig ist.

So ist eine dieser Anforderungen effektiv Resilienz. Die Aufforderung, nicht „einzufrieren“ unter Druck ist zusammen mit dem schnellen Denken eine sehr nützliche Eigenschaft. Dir werden immer wieder neue Situationen begegnen. Manche davon werden sogar existenzbedrohend sein. Nicht in Panik zu verfallen und schnell das eigene Hirn nutzen hilft dabei ungemein.

Auch Delegation und den Überblick behalten sind, in meinen Augen, sehr wichtige Fähigkeiten. Als Soloselbständiger mag das anders sein, aber sobald Du ein Team hast, musst Du lernen, Dinge abzugeben. Nicht nur zu Deinem Wohl, sondern auch zu dem des Unternehmens. Schließlich hast Du sicherlich keine Trottel eingestellt, sondern Menschen, die etwas besser als Du können. Dann solltest Du ihnen auch die Chance dazu geben. Gleichzeitig bleibt die Verantwortung bei Dir. Überblick behalten ist also missionskritisch für den Teil, den Du in das Team einbringst. Von Resistenz gegen Burnout und dem Umgang mit Niederlagen, die auch erwähnt werden, ganz abgesehen.

Obwohl ein Teil des Reizes ausprobieren ist, lohnt Authentizität

Wie im Spiel kannst Du auch in Deiner Firma eine Persona kreieren, die Du sein möchtest. Du kannst im Unternehmen effektiv ein anderer Mensch sein, als außerhalb. Das ist mit großer Anstrengung verbunden. Persönlich denke ich, dass es zwar reizvoll ist, aber auf lange Sicht zu anstrengend und zu schädlich, wenn es schief geht. Authentizität ist etwas gefühltes. So wie Fork beschreibt, dass ihm vermutlich niemand den fluchenden und randalierenden Fleet Commander dauerhaft abnimmt, so ist es auch bei Dir. Deine Persönlichkeit wird immer wieder durchscheinen – deshalb kannst Du, finde ich, das auch zur Tugend machen.

Klare Kommunikation ist in jeder Führungsrolle wichtig. Ob ich 200 Menschen in einer Eve-Flotte leite, oder ein Unternehmen, für beides ist es gleich wichtig. Klarheit in Ton und Inhalt Deiner Kommunikation ist ein echtes Markenzeichen guter Führung. Das gleiche gilt für mich für emotionale Stabilität. Menschen schätzen es, wenn sie Deine Reaktion einschätzen und prognostizieren können. Einmal ruhig zu bleiben und das andere Mal zu schreien wird dafür sorgen, dass Dein Team nur noch mit guten Nachrichten zu Dir kommt. Im Ergebnis wirst Du scheitern, denn Du erhältst die oftmals wichtigeren schlechten Neuigkeiten gar nicht oder zu spät. Und kannst dafür effektiv nur Dich verantwortlich machen.

Motivation kannst Du unterstützen – und beim Spielen lernen

In Krisen ist Motivation enorm wichtig. Ob Deine halbe Flotte gerade zerstört wurde oder in Deinem Unternehmen ein wichtiger Kunde wegbricht, es hat Auswirkungen auf die Beteiligten. Dein Team kannst Du nicht unbedingt selbst motivieren – ich schreibe ja oft, dass Motivation von innen kommt. Du kannst aber die Rahmenbedingungen schaffen, dass sie hoch bleibt. Ein guter und wertschätzender Umgang, Ruhe und Zuversicht sowie Verlässlichkeit – also alles was oben genannt wurde, trägt dazu bei.

Du siehst, Spiele sind kein Kinderspielzeug. Du kannst daraus viel lernen. Ich habe meine ersten wirtschaftlichen Zusammenhänge dank diversen Wirtschaftssimulationen erlernt. Aber selbst dort, wo das Spiel offensichtlich in einer fiktiven Zukunft stattfindet, kannst Du viel lernen – und es macht richtig Spaß, auf diese Art zu lernen!

3. Mai 2018/2 Kommentare/von Jan Hossfeld

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